An die Einwohnerschaft des Kreises Schotten 1916

Von Anfang des Krieges an erschallt überall der Ruf: „Das Gold zur Reichsbank!“ Je mehr Gold die Reichsbank hat, desto größer ist unser Kredit im Ausland, je größer dieser Kredit, desto höher der Wert der Mark, und je höher dieser Wert, desto billiger ist unser Zahlungsverkehr gegen den Produktionsverbrauch, desto billiger die Waren und Lebensmittel, die wir aus dem neutralen Ausland beziehen müssen. Das im Lande vorhandene Gold der Reichsbank zuführen, heißt in dem gewaltigen Ringen, das wir gegenwärtig durchmachen, unser geliebtes Vaterland kräftig erhalten zum Ausharren bis zum ehrenvollen Frieden, wie wir ihn wünschen müssen […]

Zur Förderung der Sache ist bisher auch in Kreise Schotten ein Ehrenausschuß zusammengetreten. Er hat die Errichtung von Goldankaufsstellen in den vier Orten Schotten, Laubach, Gedern und Ulrichstein beschlossen, in denen Goldsachen jeder Art – Trauringe noch lebender Personen ausgenommen – angekauft werden […]

Der unterzeichnete Ehrenausschuß richtet nun an die gesamte Einwohnerschaft des Kreises die Bitte, alles irgend entbehrliche Gold diesen Goldankaufsstellen zuzuführen und darauf zu vertrauen.

[Dieser Aufruf ist vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs zu verstehen. Deutschland befand sich 1916 bereits im dritten Kriegsjahr. Der Krieg verschlang enorme Summen, und der Staat benötigte ständig Geld, um Waffen, Munition, Lebensmittel und Rohstoffe zu finanzieren.]

(Grünberger Anzeiger, 4. Juli 1916)

 

Heuernte 1916

Die Heuernte ist nun zu Ende gebracht worden und zwar zuletzt noch bei denkbar bestem Wetter. Die Heuschober und Heuviertel sind gefüllt bis oben hin. Die Quantität unserer jetzigen Heuernte übertrifft die vorjährige bis um das Dreifache. Dazu mußte im vorigen Jahre wegen Mangel an Grünfutter schon von dem wenigen Heu verfüttert werden. Mit einer ganz anderen Zuversicht sieht heute der Landwirt dem Winter entgegen. Er kann seinen Viehstand nicht nur erhalten, er kann ihn vermehren und die Produktion von Milch und Butter steigern. Der Anfang des dritten Kriegsjahres vollzieht sich für unser volkswirtschaftliches Durchhalten in viel günstigerer Weise, als das beim zweiten der Fall gewesen. Für den Zentner Heu bezahlt man 3,50 Mark.

(Grünberger Anzeiger, 3. August 1916)

 

Getreideernte 1916

Die ersten Kornhaufen stehen im Felde. Ihre dichten Reihen mit hohen Garben künden den trefflichen Ausfall der Kornernte. Dazu gesellt sich eine vollkommen entwickelte Aehre von seltener Länge und Schwere. Unser Herrgott hat die Brotfrucht geraten lassen viel besser wie im Vorjahre. Schon reift der andere Teil, der zum täglichen Brot gehört, die Gerste. Die Sichel und die Sense rauschen schon durch ihre Halme. Auch diese ist so geraten, daß die vorjährige Gerste gar nicht mit ihr verglichen werden kann. Ebenso vollkommen stehen Weizen und Hafer.

(Grünberger Anzeiger, 3. August 1916)

 

Feld der Ehre 1916

Am 3. Juli ist der älteste Sohn des Lehrers Jüngst aus Ilsdorf, Gefreiter Eugen Jüngst, Offiziersaspirant im Inf.-Rgt. 168, auf dem Felde der Ehre im Alter von 19 Jahren gefallen.

(Grünberger Anzeiger, 10. August 1916)

 

Vom vorderen Vogelsberg 1916

Die Scheunen vermögen wohl nicht den Segen der Felder alle zu fassen, so daß nach dem Drusch wieder die Strohhaufen im Freien aufgetürmt werden müssen wie in früheren reichen Erntejahren. Die Kornernte neigt ihrem Ende zu, bereits beginnt man mit dem Schnitt der Gerste, auch der Frühhafer reift, und der Weizen bräunt sich. Alle Fruchtgattungen sind gleich trefflich geraten. Gebt unserem Gott die Ehre!

(Grünberger Anzeiger, 10. August 1916)

 

Feldpost 1916

Musketier Otto Dörr von Lardenbach, der seit dem 13. Juni vermißt wurde, hat jetzt ebenfalls aus russischer Gefangenschaft geschrieben, daß es ihm noch gut geht.
[Otto Dörr, Vater von Erich Dörr und Ur-Großvater von Christian Ruppel]
(Grünberger Anzeiger, 15. August 1916)

 

Heldentod 1916

Otto Lein von Lardenbach starb im Westen fürs Vaterland den Heldentod, nach Mitteilung seines Kompagnieführers infolge des furchtbaren Luftdruckes einer schweren Granate.

(Grünberger Anzeiger 1916)

 

 
 
Lardenbach
Grünberger Anzeiger, 8. August 1916
 
Klein-Eichen
Grünberger Anzeiger, 17. August 1916
 

 

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