02. Mai 1916

Gewitter

Am 2. Mai 1916 hat ein schweres Gewitter in Lardenbach, Klein-Eichen, Seenbrücke und Stockhäuser Hof vier Blitzeinschläge verursacht ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. So berichtete der Grünberger Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Mai. In Lardenbach schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Knöß und zündete. Da sofort Hilfe zur Stelle war, gelang es, dank der Wasserleitung, die sich hier zur Verhütung eines großen Schadenfeuers wieder einmal sehr nützlich erwies, den Brand im Keime zu ersticken. Glücklicherweise fanden sich an der Stelle, wo der Blitzstrahl niederging, nicht viel brennbare Gegenstände, sodaß das Feuer keine Nahrung fand.

In Klein-Eichen schlug der Blitz in einen Apfelbaum. Auf dem Stockhäuser Hof ging ein Blitzstrahl auf einem Acker in der Nähe eines dastehenden Wagens zur Erde und riß eine lange Furche in den Erdboden. Auf der Seenbrücke ging der Blitzstrahl in eine junge Eiche. Die vier Blitzschläge gingen in einem Umkreise von kaum einer halben Stunde nieder.

 
07. März 1916

Jahresbeginn 1916

Im dritten Jahr des 1. Weltkriegs offenbarte sich die Kriegsmüdigkeit der Armeen. Die Knochenmühle von Verdun forderte Menschenopfer ohne Ende, auf beiden Seiten. Jede Angriffsoperation war mit großen Verlusten verbunden. Auch die Zivilbevölkerung wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Die männlichen Arbeitskräfte wurden an der Front als Kanonenfutter eingesetzt. So nahmen Frauen die Arbeitsplätze der Männer ein. Durch den Ausfall von Einfuhren hungerten die Menschen in Deutschland.

Für die Landbevölkerung im Vogelsberg endete jedoch die Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahr sind in den Häusern die Petroleumlampen wieder gefüllt. Die Qualität des jetzt im Handel zu bekommenden Steinöls ist besser als das vorherige aus Rumänien. Aber es riecht stärker als das amerikanische Petroleum. Das Karbidlicht ist im Moment nicht mehr gefragt.

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und verfügt, dass um die Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen, der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu einem Alter von zwei Jahren verboten ist. Der Ankauf von Jungvieh und Milchkühen zur Schlachtung in Hessen und das außer Landes bringen ist ebenfalls verboten. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt.

Der Bundesrat hat im März eine Verordnung erlassen, dass bei der Enteignung von Kartoffeln der Höchstpreis für die Tonne um 30 Mark zu kürzen ist. Der Höchstpreis für Kartoffeln beim Verkauf durch den Erzeuger im Großhandel in Hessen hat 96 Mark für die Tonne zu betragen. Der Preis für den Doppelzentner inländischer Frühkartoffeln darf beim Verkauf durch den Erzeuger 20 Mark nicht überschreiten. Als Frühkartoffeln gilt die Ernte, die vor dem 15. August 1916 geliefert wird.

Klein-Eichen hat sein erstes Opfer zu beklagen. Am 24. Februar 1916 kommt Karl Schütz (Hinterdorf) ums Leben. Die weiteren Umstände sind nicht bekannt. Einige Tage vorher erhielt der Musketier Otto Keller aus Lardenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Galizien von Seiner Majestät dem Kaiser persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse hatte auch schon sein Bruder Wilhelm erhalten.

(GA)

 
18. November 1915

Die Verbreitung der Karbidlampe im Weltkrieg

Der Grünberger Anzeiger berichtete im Herbst 1915: "In unseren Ortschaften hat jetzt die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid.

Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt. Die Lampen sind aber nicht billiger, sondern teurer geworden. Das macht die Nachfrage. Es hat auch das Karbid eine Teuerung erfahren, die in dieser ernsten Zeit der Verteuerung der Lebensmittel auffällt.

Im vorigen Jahre kostete die Tonne Karbid 25 Mark, jetzt kostet sie über 40 Mark. also eine Verteuerung um fast das Doppelte. Hier ist die Frage wohl nicht unbegründet, ob denn gleich ein Brennstoff, der doch aus der Steinkohle hergestellt wird, eine solche Teuerung erfahren muß. Die starke Nachfrage kann allein eine solche Verteuerung nicht erklären."

Das zweite Kriegsjahr, 1915, verdeutlichte dass der Krieg noch länger andauern würde. Im Prinzip konnte keine Seite in diesem Jahr wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Der Stahlhelm löste im deutschen Heer die Pickelhaube nach und nach ab. Der erste Gasangriff erfolgt bei Ypern durch Abblasen von Chlorgas aus Druckgasflaschen.

Im November schreibt der Grünberger Anzeiger: "Die Karbidlampe, die jetzt fast allgemein an Stelle der Petroleumlampe auf dem Land getreten ist, vermag diese nicht völlig zu ersetzen. Wohl brennt das Karbidlicht heller, blendender als das Petroleumlicht, aber ihm fehlt die Gleichmäßigkeit und die Beständigkeit des letzteren.

Wenn die Karbidlampe angezündet ist, dann leuchtet sie am hellsten. Der Karbidbehälter wird naturgemäß mit der Brenndauer wärmer, ja heiß. Diese Hitze beeinträchtigt aber die Leuchtkraft der Flamme, sie wird röter und matter. Eine Erschütterung der Lampe durch einen Stoß bringt dann ein vorübergehendes Anwachsen der Flamme.

Oft übersieht man die Pflege des Brenners bei der Karbidlampe. Die Flamme darf nie von selbst erlöschen, sondern muß ausgeblasen werden. Andernfalls verrußt der Brenner, und die Lampe leuchtet nicht. Zählt man noch die Behandlung der Karbidlampe hinzu, die tägliche Reinigung erheischt, so versteht man das Urteil, das da leutet: Die Karbidlampe ist ein Notbehelf."

Eine Karbidlampe ist eine Gaslampe, in welcher der Brennstoff in chemisch gebundener Form transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Der Körper der Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern. Im unteren Behälter der Lampe befindet sich Calciumcarbid, auf das aus dem oberen Behälter Wasser tropft. Das entstehende Ethin-Gas verlässt den unteren Behälter durch eine kurze Rohrleitung, die in einem Brenner endet, der vor einem Hohlspiegel aus Metall fixiert ist. Das entweichende Gas wird am Brenner entzündet. Die grelle Flamme wird vom Spiegel fokussiert und zur Beleuchtung genutzt.

(GA/wiki)

 
13. Oktober 1915

Erster Weltkrieg im Herbst 1915

Das zweite Kriegsjahr zeigte, daß es sich nicht um einen Krieg von wenigen Wochen handeln würde. Keine Seite konnte in diesem Jahr wesentliche Erfolge erringen. Alle waren damit beschäftigt, ihre Infrastruktur auf eine Kriegsproduktion umzustellen. Noch zu Kriegsbeginn war das Haupttransportmittel für Mensch und Material das Pferd. Im Sommer begann der deutsche Angriff auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führte. Und im Oktober erfolgte der deutsch-österreichische Angriff auf Serbien. Bis November war das Land besetzt und besiegt.

Nachdem sich schon bald nach Kriegsbeginn herauskristallisierte, dass es mit einem schnellen Sieg nichts werden würde, musste man sich in Deutschland Gedanken machen, wie die Rüstungsindustrie am Laufen gehalten werden konnte. Gerade die sich abzeichnenden Materialschlachten an Ost- und Westfront und die englische Seeblockade offenbarten die Notwendigkeit für das deutsche Militär, neue Rohstoffquellen für sich zu erschließen.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hatte daher zwei Verordnungen erlassen, die am Rathaus in Grünberg ausgehängt und im Grünberger Anzeiger abgedruckt wurde. Dabei ging es um die Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Dies betraf Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herde. Auch Badewannen und Warmwasserbehälter mussten gemeldet werden.

Ebenso meldete der Grünberger Anzeiger am 13. Oktober 1915, dass aus der Gemeinde Klein-Eichen 17 Mann unter den Fahnen stehen. Und das bis zu diesem Zeitpunkt noch alle gesund seien. Nur einer hatte eine Verwundung erlitten.

 
27. Juli 1915

Landwirtschaft und Kohlweißling

Vor 100 Jahren, im Sommer 1915, hat die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen an die hiesigen Landwirte appelliert, für den langen Winter zu sorgen und Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Dies habe gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt mache bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behalte vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht wisse, was die Witterungverhältnisse bringen. Deshalb sollten die Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu sei eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Unterdessen entwickelten die Schüler Lardenbachs und Klein-Eichens auf Anregung ihres Lehrers in der Vertilgung des massenhaft auftretenden Kohlweißlings lobenswerten Eifer. Sie hätten bis jetzt über 15000 Stück gefangen. Als Lohn erhielten sie Hefte mit schönen Erzählungen.

Auf den Feldern oder in den Gärten war der Kohlweißling nicht gerne gesehen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen Kohl u. a. bis auf den Strunk kahl. Daher gab es solche Aktionen bei denen die Schulkinder gegen solche Plagen eingesetzt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. März 1915

Januar, Februar und März 1915

Seit mehr als einem halben Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Krieg ist im Osten und Westen. An Land, in der Luft und auf dem Wasser. Während aus Klein-Eichen bis dahin noch kein Soldat ums Leben kam, sind schon zwei Lardenbacher in diesen ersten Monaten umgekommen.

Im Januar findet die Reichswollwoche statt. Warme Unterwäsche für die deutschen Truppen werden gesammelt. Der deutsche Bundesrat rät zu einem sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Im Februar wird vom Bundesrat beschlossen, dass alle deutschen Hafervorräte beschlagnahmt werden sollen.

Zu Beginn des Jahres wird in Grünberg in der Turnhalle ein Lazarett eingerichtet. Die Ausstattung dazu, wie Betten und Wäsche wird gesammelt. Ebenfalls an die "Opferwilligkeit" aller Grünberger Bewohner und der umliegenden Orte wird vom Roten Kreuz appeliert Kartoffeln, Gemüse, Eier, Butter, Milch, Honig, Gelee und Kolonialwaren jeder Art zur Verfügung zu stellen.

Nachdem in Bobenhausen II, Groß-Eichen, Laubach, Sellnrod und Schmitten die Maul- und Klauenseuche erloschen und die vorschriftsmäßig ausgeführte Desinfektion abgenommen worden ist, sind die angeordneten Maßnahmen über Sperrbezirke wieder aufgehoben worden. Der Kreis Schotten gilt damit als frei von Maul- und Klauenseuche. Allerdings bilden die Gemarkungen Groß-Eichen, Klein-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Sellnrod, Schmitten und Freienseen wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Weickartshain ein gefährdetes Gebiet.

Anfang Februar wird im Grünberger Anzeiger gemeldet: " Die Bewohner der Dörfer, die noch nicht mit einer elektrischen Lichtzentrale vebunden sind und auch nach Lage der Zeit eine solche in absehbarer Zeit nicht erhalten, sahen sich gezwungen, nach einem Ersatz des mangelnden Petroleums sich umzusehen. Der wird jetzt voll geboten in den "Karbid-Lampen". Diese Acetylen-Tischlampen, wie man sie jetzt überall bekommen kann, ersetzen nicht nur die alt gewordenen Petroleumlampen, sondern übertreffen sie an Leuchtkraft und stellen sich im Gebrauch nicht teurer wie Petroleum."

"Für den Kreis Schotten sind Höchstpreise für Roggenbrot, Schweinefleischware und Kartoffeln festgesetzt worden. Hiernach darf der Preis für den vierpfündigen Laib Brot 70 Pfg. nicht übersteigen. Die Höchstpreise für Schweinefleischware sind: Bauchfleisch 90 Pfg., Bratfleisch 95 Pfg., Kotelettfleisch 1 Mark, Speck 1,20 Mark, Blutwurst 80 Pfg. und geräucherte Leberwurst 1 Mark. Für Speisekartoffeln verschiedenster Sorten darf der Preis für den Doppelzentner bester ausgelesener Kartoffeln bei freier Lieferung 7 Mark nicht übersteigen. Diese Festsetzungen gelten auch für Verkäufe nach Orten außerhalb des Kreises Schotten, ohne Rücksicht darauf, ob diese dem Großherzogtum Hessen angehören oder nicht."

"Die Musterung und Aushebung sämtlicher in den Jahren 1875 bis 1884 geborenen Pflichtigen, welche von einer Ober-Ersatzkommission die entgültige Entscheidung "Landsturm mit Waffe" oder "Landsturm ohne Waffe" erhalten haben und die früheren ungedienten Ersatz-Reservisten, die infolge ihres Alters inzwischen zum Landsturm übergetreten sind, findet im Kreis Schotten am Mittwoch den 17. Februar 1915 vormittags 8 1/2 Uhr im Rathaussaale zu Schotten statt. Das gilt für die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach."

"Landwirtschaftliche Versammlung in Groß-Eichen: Am Montag den 8. März findet in Groß-Eichen eine Versammlung statt, in welcher Ökonomierat Spieß aus Friedberg einen Vortrag über das Thema "Der deutsche Bauersmann und der Weltkrieg" mit anschließender Besprechung halten wird. Zu der Versammlung, die um 8 Uhr abends im Saale des Gastwirtes Ed. Rahn beginnt, sind alle Freunde der Landwirtschaft eingeladen. Die Versammlung wird in erster Linie für die Gemeinden Groß-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach und Klein-Eichen veranstaltet."

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17. Oktober 1914

Maul- und Klauenseuche

Vor 100 Jahren, im Oktober 1914 ist in Klein-Eichen und Lardenbach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die beiden Dörfer bildeten einen Sperrbezirk. Einige Tage später in diesem Monat, am 17. Oktober, kamen die Dörfer Merlau und Sellnrod hinzu. Diese Viruserkrankung war lange, gerade bei Landwirten gefürchtete, immer wiederkehrende Seuche beim Vieh. Selbst der Viehmarkt des Grünberger Gallusmarktes fand in dieser Zeit des 1. Weltkrieges wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rhe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

Die durch eine Infektion mit dem Virus ausgelöste Maul- und Klauenseuche tritt in der Regel lokal auf und das Virus wird in erster Linie durch Kontakt- wie durch Schmierinfektion bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren, mit kontaminierten Pferchen oder Viehtransportfahrzeugen übertragen. Allerdings kann das Virus auch durch die Luft verbreitet werden.

Da Menschen nur sehr selten infiziert werden, die Seuche sich aber unter Tieren äußerst schnell ausbreitet, ist MKS vornehmlich eine gravierende Bedrohung für die Landwirtschaft. Wie diese Erkrankung damals ausging ist leider nicht überliefert.

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01. Dezember 1913

Amtliche Viehzählung 1913

Die zweite amtliche Viehzählung im Kreis Schotten fand im Dezember 1913 statt. Im Gegensatz zu vor einem Jahr gab es in Klein-Eichen 7 Stück Rindvieh mehr, nämlich nun 222. Im Nachbarort Lardenbach steigerte sich die Zahl des Rindviehs deutlicher. Um 73 Stück nahm dort der Bestand auf 354 zu. Von der Gesamtzahl des Rindviehs gab es in Klein-Eichen 129 Kühe. Und in Lardenbach waren es 203 Kühe.

Die Anzahl der Schweine war in beiden Dörfern nur etwas geringer als die des Rindviehs. In Klein-Eichen waren dies 213 Schweine. Mit darunter 12 Zuchtsauen. Damit hatte auch die Stückzahl der Schweine um 16 zugenommen. In Lardenbach gab es vor 100 Jahren 332 Schweine. Inbegriffen 32 Zuchtsauen.

Schafe und Ziegen gab es, genau wie vor einem Jahr, keine in Klein-Eichen. In Lardenbach zählte man immerhin 21 Ziegen. Neu gezählt wurden auch die Kaninchen. Gemeint sind wohl auch die Stallhasen. Jedenfalls gab es davon nur 22 Stück in Klein-Eichen und ganze 100 in Lardenbach.

Leider wurden keine Zahlen über den Bestand der Pferde und des Federviehs veröffentlicht. Der größte Viehbestand im Kreis Schotten war damals in Ulfa zu finden. Hier gab es 839 Stück Rindvieh und 1080 Schweine.

Von der Landwirtschaft gab es aus dieser Zeit weiterhin zu berichten, dass der Bund der Landwirte in Oberhessen Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel" in mehreren Orten abhielt. So auch am 8. Dezember 1913, abends um 8 Uhr, im Gasthof des Friedrich Faust in Groß-Eichen. Hierzu waren alle Mitglieder des BdL sowie alle interessierten Landwirte und Gartenfreunde aus den Ortschaften Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellenrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen eingeladen.

Referiert wurde über die Zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen. Und da ging es um den Kunstdünger der vor etwas mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Es wurde ein Verfahren gefunden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten »Kunstdünger«. So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.

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02. Dezember 1912

Viehzählung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. Die Felder wurden immer kleiner und unwirtschaftlicher. Viele Höfe konnten sich gerade noch selbst versorgen. Mancher Bauer hat sich noch andere Arbeit gesucht, meist als Handwerker.

Innerhalb des Dorfes unterschied man die kleine soziale Klasse der Gäulsbauern, die sich Pferde als Zugtiere leisten konnten, von der größeren der Kuhbauern mit weniger Landbesitz und von den Ziegenbauern, die keine Zugtiere hatten. Vor 100 Jahren gab es in Klein-Eichen allerdings keine einzige Ziege. Auch keine Schafe waren zum Ende des Jahres 1912 im Dorf zu finden. Dies belegt eine Viehzählung die am 2. Dezember dieses Jahres im gesamten Kreis Schotten erfolgte. In Lardenbach dagegen waren 21 Ziegen, aber auch keine Schafe vorhanden.

Seit 1874 gehörte Klein-Eichen zum Kreis Schotten. Dieser bestand dann bis 1938. Vor 100 Jahren zählte man etwa 180 Einwohner im Dorf die in 32 Wohnhäuser lebten. Das größere Lardenbach hatte damals ungefähr doppelt so viele Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbstätigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ackerpflug noch von Pferd oder Kuh gezogen, die Saat aus dem Sätuch gesät, die Disteln von Hand gestochen, das Getreide mit der Sense gemäht, die Garben von Frauen eingebunden, die Körner mit dem Dreschflegel ausgedroschen, die Frucht zur Mühle gefahren, das Mehl zu Brot von Hand geknetet, der Backofen angeheizt, usw......
Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um die Ernährung zu sichern. Die Viehhaltung forderte einen großen Anteil der Arbeitszeit, vor allem die Stallpflege und die Aufzucht der Jungtiere. Heu und Grummet, Futterrüben und ein Teil der Getreide- und Kartoffelernte lieferten das notwendige Futter.

Im Gegensatz zu der Einwohnerzahl, hatte Klein-Eichen jedoch mehr Pferde, nämlich 16, als das unmittelbare Nachbardorf mit 11 Pferden. Auch bei der Anzahl des Rindviehs war das Verhältnis von 215 (Klein-Eichen) zu 281 (Lardenbach) nicht so weit auseinander. Das Hausschwein fand sich diesseits des Grenzgrabens 197 mal. Auf der anderen Seite zählte man 259 Stück im Dezember vor 100 Jahren. Bis zum Stichtag geschlachtet wurden im Klein-Eichen 67 Schweine. Mit 120 Schweine-Schlachtungen war der Bedarf in Lardenbach fast doppelt so hoch. Hier spiegelt sich wohl die Einwohnerzahl.

Wichtig für die Grundversorgung war auch das Federvieh. Es gibt nur die eine Zahl 590 Stück. Hier sind bestimmt nicht nur Hühner enthalten, sondern auch Gänse und vielleicht auch Enten und Truthähne. Die Anzahl des Federviehs in Lardenbach betrug 861 Stück. Gezählt wurden damals auch die Bienenstöcke. Und das ergab 6 Stück in Klein-Eichen zu 10 Stück in Lardenbach.

Solche Viehzählungen wurden in Deutschland erstmals 1873 durchgeführt. Seit 1912 sind dann jährliche amtliche Ermittlungen des Viehbestandes eingeführt worden. Der Pferde- und Geflügelbestand wird jährlich, der Rindvieh- und Schafbestand wird halbjährlich ermittelt, für Schweine finden vierteljährliche oder monatliche Zwischenzählungen statt.

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27. Juli 1912

Zeitungs-Meldung

Was so alles in der Zeitung stand! Im Grünberger Anzeiger vom 27. Juli 1912 war diese kleine Meldung zu finden. Leider ist nicht bekannt, wem dieses Missgeschick passierte.

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24. Februar 1912

Grubenunfall

Viele Jahre lang war die Landschaft im vorderen Vogelsberg, von Freienseen bis Nieder-Ohmen, geprägt durch große Eisenerztagebaue. Bis in die späten 1960er Jahre war neben Land- und Forstwirtschaft der Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung. Durch die Entwicklung einer Infrastruktur und der daraus resultierenden kommerziellen Ausbeute der oberhessischen Erzvorkommen, wurde die Not der Landbevölkerung deutlich gelindert. Die Arbeit in der Erzförderung und Aufbereitung stellte eine beachtliche Erwerbsquelle dar. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bis zu 600 Bergleute in den Gruben tätig.

In der Klein-Eichener Gemarkung gab es direkt keine Grube zur Förderung des Eisenerzes. Aber gleich in der Nachbarschaft, wie bei Lardenbach und Stockhausen, wurde im Tagebau aus der Grube Maximus und der Grube Hoffnung Erz gefördert. Erwachsene und Jugendliche arbeiteten dort für einen Durchschnittslohn von 1,60 Mark bis 3,30 Mark pro Schicht. Viele Arbeiter aus den Vogelsbergdörfern mussten bis in das Seenbachtal laufen um hier ihr Auskommen zu finden. Wenn auch für die Grubenarbeiter aus Klein-Eichen der Weg nicht so weit war, so war die Arbeit wohl schwer und auch gefährlich. Wie der "Grünberger Anzeiger" vor hundert Jahren berichtete:

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12. Januar 1912

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl 1912 war die Wahl zum 13. Deutschen Reichstag. Sie fand am 12. Januar 1912 statt. Die Stichwahl war am 25. Januar. Es war die letzte Wahl des Reichstags vor dem Ersten Weltkrieg und die letzte im Deutschen Kaiserreich überhaupt.

Auch in den Vogelsbergdörfern wurde damals gewählt. Klein-Eichen gehörte zum Kreis Schotten. Und gehörte demnach auch zu diesem Wahlkreis. Das Wahllokal befand sich wohl beim Bürgermeister. Der war 1912 Christian Hoffmann (heute Haus Loob). Bei 32 Wohnhäusern die es damals im Dorf gab, kann man auch von 32 Familien ausgehen. Wahlberechtigt waren etwas mehr Einwohner. Das Wahlrecht war nämlich allein der männlichen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelungen waren kaum mehr als zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Staat Preußen.

Die Wahlbeteiligung im ganzen Reich lag bei rund 85% und damit etwa so hoch wie bei der Reichstagswahl 1907. Eindeutiger Wahlsieger war die SPD. Sie erhielt etwa 4.250.000 Stimmen (34,8%) und damit so viele wie noch nie zuvor eine Partei bei Reichstagswahlen. Trotz der Verzerrungen durch das Mehrheitswahlrecht und die Benachteiligung durch die seit 1871 unveränderte Wahlkreiseinteilung stellte sie auch zum ersten Mal mit 110 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Nur die Nationalliberale Partei hatte bei den ersten Reichstagswahlen mehr Wahlkreise gewonnen. Zweitstärkste Fraktion wurde das Zentrum mit 91 Abgeordneten, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Konservative und Nationalliberale, die die Regierung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg unterstützt hatten, verloren deutlich an Stimmen und Mandaten.

Der Reichstag war von 1871 bis 1918 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Der Reichstag verkörperte neben dem Kaiser die Einheit des Reiches. Gemeinsam mit dem Bundesrat übte er die Reichsgesetzgebung aus und besaß die Mitentscheidungsgewalt über das Haushaltsgesetz. Allerdings hatte sich der Reichskanzler dem Reichstag gegenüber nicht zu verantworten. Im Jahr 1871 bestand der Reichstag aus 382, ab dem Jahr 1874 aus 397 Abgeordneten, die in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl gewählt wurden. Gewählt wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

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1911

Wasserleitungsbau

Damals, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und noch niemand an den Ersten Weltkrieg dachte, war der Vogelsberg eine karge Region, viele zog es fort, etwa ins Ruhrgebiet, um in den dortigen Zechen Arbeit zu finden. Wer reiste, der nahm die Bahn und deren Streckennetz war damals auch noch dichter im Vogelsberg. Ein übliches Transportmittel war das Fahrrad, wer sich eines leisten konnte, oder man ging auf Schusters Rappen.

Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verbreitete sich der Bau von Wasserleitungen immer mehr auch auf dem Land. Für uns alle ist es selbstverständlich, fließendes Wasser gibt es in jedem Haus und kommt aus dem Wasserhahn.

Aber früher war dies eine technische Neuheit und bis dahin noch nicht selbstverständlich. Vor nun 100 Jahren ist die Wasserleitung in Klein-Eichen und Lardenbach gebaut worden. Das lebenswichtige Wasser holte man bis dahin vom Brunnen vorm Haus. Mit der Hand pumpte man das Nass einige Meter hoch und schleppte volle Eimer in die Küche oder in den Stall zum Vieh.

Nachdem sich der Gemeinderat von Klein-Eichen über die Ausführungen von Wasserleitungen informiert hatte, beschloss dieser am 10. Dezember 1906, dass eine solche "Wasserleitungs-Anlage" für das Dorf gebaut werden sollte. Dabei war der Gemeinderat aber so schlau, dass nämlich die Kosten für vorhergehende Messungen und Untersuchungen, wenn diese denn ohne Erfolg wären, nur zur Hälfte von der Gemeinde zu tragen seien. Die andere Hälfte müsse dann von denjenigen Ortsbürgern bezahlt werden, die eine solche Anlage gewünscht und beantragt hatten.

Daraufhin ist wohl erstmal nicht viel passiert. Denn ein Jahr später, am 15. November 1907, stellt der Gemeinderat fest, dass die Anlage einer "Quellenwasserleitung" nicht ruhen sollte. Sondern auf Antrag der Mehrheit der Bürger sollten weitere Schürfungsarbeiten vorgenommen werden. Diese müssten nach den Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom Dezember 1906 in der Gemarkung Sellnrod, etwa 2 Kilometer von "hier" entfernt vorgenommen werden.

Wieder ging einige Zeit ins Land. Nun arbeiteten aber die beiden Gemeinden Klein-Eichen und Lardenbach gemeinsam an diesem Thema. Am 16. März 1910 trafen sich Vertreter der beiden Dörfer in Sellnrod mit dem Polizeidiener Heinrich Funk VIII. Die drei Partein schlossen einen Vertrag. Darin ging es um das Vorkaufsrecht für das Gelände auf dem Grundstück Flur XIII N 74 auf dem sich die Quelle "Im See" befindet. Falls hier eine ausreichende Wassermenge gefördert werden könnte, würde die gesamte Quelle nebst dem erforderlichen Gelände für die Quellfassung und Leitungen zu einem Preis von zwölfhundert Mark an die Gemeinden verkauft werden.

Ferner verpflichtete sich Heinrich Funk VIII den Zugang zu den Wasserleitungsanlagen jedem "Gast" zu gestatten und "die Vornahme von Düngungen in der Umgebung der Quellenfassung mit natürlichen oder anderen von der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen für schädlich erklärten Dünger, sowie die Vornahme sonstiger Handlungen die sich auf die Quelle oder die Anlagen ungünstig einwirken könnten, zu unterlassen".

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen verpflichteten sich andererseits, für den Fall, dass eine hinreichende Wassermenge nicht "geschürft" wird eine "Schürfungsentschädigung" von 50 Mark im Jahr zu bezahlen. Dies aber nur für die Dauer von drei Jahren. Das Gelände würde dann wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt.

Und so kam es auch. Die Wassermenge der Quelle im "See" oder am "Seeberg" reichte nicht aus. Auch ein weiterer Versuch Wasser aus einer Quelle "in den Seifen" in der Gemarkung Sellnrod zu erwerben, scheiterte an zu hohen Preisforderungen eben dieser Gemeinde. Im Jahre 1910 kaufte schließlich die Großherzogliche Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen das Quellengebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark. Diese Quellen befinden sich zwischen der Hahn- und der Schneidmühle. Die Hauptquelle, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den erfolgten Messungen alleine schon 80 Kubikmeter Wasser am Tag. Geplant war, mehrere Quellen zusammen zu fassen. Und es wurde die Möglichkeit erwogen, an andere Dörfer Wasser abzugeben. Im Dezember 1910 waren die Planungen in Gießen abgeschlossen worden.

In vielen Dörfern des Vogelsberg wurden in diesen Jahren Wasserleitungen gebaut. So veranstaltete man im Januar 1911 bereits in Weickartshain zur Einweihung der Wasserleitung eine "Tanzbelustigung" in der Wirtschaft Hock. Ebenfalls in Groß-Eichen rechnete man damit, in diesem Jahr den Bau der Wasserleitung vollenden zu können.

Im Sommer des Jahres 1911 waren auch die Arbeiten an der Wasserleitung für Klein-Eichen und Lardenbach in vollem Gange. Die ausführende Firma hieß Paul Nießen und kam aus Höhr im Rheinland. Die Rohrleitungen vom Brunnen bei Wohnfeld (unter Sellnrod verlaufend) und in den Dörfern war schon verlegt. Nun beschäftigte man sich mit den Hausanschlussleitungen. Da dieser Sommer sehr trocken war, ging alles gut vorran. Der Bau des Hochbehälters auf dem Galgenberg wurde bis zum August des Jahres abgeschlossen.

Die Quellfassung wurde von dem Unternehmen Peter Schepp aus Burkhardsfelden ausgeführt. Ursprünglich hoffte man schon in vier Meter tiefe auf den benötigten Kiesboden zu stoßen. Aber letztendlich musste man bis sieben Meter in die Tiefe graben. Vier Brunen wurden bis zum erreichen des Kiesbodens angelegt. Hier ergab sich dann aber auch eine erhöhte Fördermenge: anstatt 100 Kubikmeter pro Tag, ergaben sich 250 Kubikmeter Wasser pro Tag. Lardenbach und Klein-Eichen benötigten damals jedoch nur 45 Kubikmeter Wasser am Tag. Diese hohe Wassermenge beruhigte auch die beiden Müller in der Nachbarschaft. Hatten die doch Bedenken es bliebe nichts mehr für ihre Mühlen übrig.

Probleme machte dagenen zu dieser Zeit die neue Wasseranlage in Weickartshain. Alle Brunnen waren ausgetrocknet. Und so wurde ein Anschluss an die Leitung Klein-Eichen/Lardenbach gelegt. Im September 1911 wurde die Vollendung der Arbeiten zum Bau der Wasserleitung in Lardenbach und Klein-Eichen gemeldet. Vor Ort war man sehr erfreut, dass in diesem so trockenen Jahr, genügend und gutes Wasser vorhanden war.

Im Februar 1912 trafen sich die Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen in der Gastwirtschaft Diehl. Anwesend waren auch der Großherzogliche Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen. Man beriet die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen. Das Nachbardorf hatte zwar einige kleinere Quellen, aber die geförderte Wassermenge reichte nicht aus. Ob es nun damals zu diesem Anschluss kam, muss der Verfasser des Textes noch in Erfahrung bringen.

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1910

Ortslageplan

Bei der Suche nach Informationen über Klein-Eichen aus vergangenen Tagen fand sich im Grünberger Rathaus dieser alte Plan über die Ortslage des Dorfes. Die Zeichnung wurde etwa um das Jahr 1910 erstellt, um die neue Wasserversorgung für Klein-Eichen und Lardenbach zu planen. Bekanntlich wurde 1911 der Hochbehälter auf dem Galgenberg erbaut, und seit dieser Zeit fließt das Wasser von dem Brunnen bei Wohnfeld bis auf den Galgenberg und dann ins Leitungsnetz der zwei Dörfer.

In der Karte ist nun die Verzweigung der Wasserleitungen entlang des Straßenverlaufes zu sehen. Interessanter ist allerdings nachzuverfolgen welche Gebäude zu erkennen sind. Dabei sind die Wohnhäuser in roter Farbe und die Wirtschaftsgebäude in brauner Farbe dargestellt. Wenn man genau guckt, erkennt man die 32 Wohnhäuser die damals im Dorf standen. An der "Whet" steht schon das Feuerwehrgerätehaus, und an der Kreuzung im "Hinterdorf", das Bauwerk an der Straße wo heute die Kastanie bei Gerbigs Haus steht, ist das Leiterhaus der Feuerwehr zu sehen.

Auffallend sind auch die kleinen Parzellen der Gärten, Wiesen und Äcker rund ums Dorf. Die Feldwege und die Aufteilung der Flurstücke wie wir sie heute haben, entstanden erst mit der Feldbereinigung um das Jahr 1950.
Im Jahre 1910 hatte Klein-Eichen 174 Einwohner. In Lardenbach wohnten mit 356 mehr als doppelt soviele Einwohner. Beide Dörfer gehörten damals dem Kreis Schotten an.

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November 1824

Klein-Eichen 1824/25

Zur Zeit der Jahre 1824/25 war das Großherzogtum Hessen ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes (1815-1866). Die Provinz Oberhessen des Großherzogtums und späteren Volksstaates Hessen umfasste zwischen 1815 und 1938 das Gebiet um die Städte Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Grünberg, Herbstein, Lauterbach, Nidda, Ulrichstein und Schotten.

Der Landratsbezirk Grünberg war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Grünberg. Er bestand von 1821 bis 1832. 1821 wurden die Ämter im Großherzogtum aufgelöst und Kreise sowie Landratsbezirke gebildet. Der Landratsbezirk Grünberg bestand aus dem ehemaligen Amt Grünberg und den Gerichten Oberohmen, Londorf und Winnerod.

Gleichzeitig mit den Landratsbezirken wurden Landgerichte als Gericht erster Instanz gebildet, die zum ersten mal unabhängig von der Verwaltung waren. Für den Landratsbezirk Grünberg wurde das Landgericht Grünberg gebildet, dessen Amtsbereich war deckungsgleich mit dem des Landratsbezirks.

Der Landratsbezirk Grünberg bestand aus der Stadt Grünberg, und den Dörfern Niederohmen, Atzenhain, Bernsfeld, Wirberg mit Saasen, Reinhardshain, Wettsaßen, Groß- und Klein-Lumda, Merlau, Queckborn, Winnerod, Londorf, Odenhausen, Klimbach, Weitershain, Kesselbach, Geilshausen, Rüdingshausen, Allertshausen, Oberohmen, Zeilbach, Ruppertenrod, Großeneichen, Kleineichen, Beltershain, Stangenrod, Lehnheim, Flensungen, Ilsdorf, Haarbach, Lindenstruth, Kirschgarten, Lauter, Bollnbach, Veitsberg, Gebelnrod, Weickartshain, Stockhausen und Unterseibertenrod.

Lardenbach gehörte zu dieser Zeit der Herrschaft des Grafen von Solms-Laubach. Die aus den Ämtern Laubach und Utphe bestand. Diese enthielten eine Stadt, ein Marktflecken und 9 Dörfer. Das Dorf Lardenbach wird 1824 als lutherisches Pfarrdorf unweit Freienseen beschrieben. Mit 290 Einwohner, deren Hauptnahrung in Ackerbau, Viehzucht und Weberei besteht. Das Ackerland des Ortes enthält 671 und das Wiesland 273 Morgen.

Die Beschreibung der Oberhessischen Dörfer beruht auf einem Werk von Johann Andreas Demian. Seines Zeichen ein Geograph, Statistiker und militärischer Schriftsteller, geboren zu Preßburg 1770. Er hat im Jahr 1825 die "Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthum Hessen" veröffentlicht.

Als ein Dorf auf dem Vogelsberg beschreibt Demian Kleineichen. Der Ort bestehe aus 30 Häusern und habe 160 lutherische Einwohner. Deren vorzüglichste Nahrungszweige seien Ackerbau, Viehzucht sowie Spinnerei und Leinweberei. Das Dorf hat 343 Morgen Acker und 103 Morgen Wiesen.

Ein Morgen (Mg) war ein bis etwa 1900 in Deutschland verwendetes Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Vormittag pflügbar ist. Das Flächenausmaß des Morgen war regional sehr verschieden, lag aber meist bei einem fünftel bis halben Hektar (2000 bis 5000 m²).

Auf den Ackerflächen Kleineichens wurden jährlich 130 Fuder Korn,18 Fuder Waizen, 53 Fuder Gerste, 16 Fuder Hafer, 40 Fuder Erbsen, 16 Fuder Linsen und 7 Fuder Wicken gewonnen. Abgeleitet ist das Fuder von der "Fuhre" (Ladung), die ein ein- oder zweispänniger Wagen (auch Leiterwagen bei Korn, Heu und Holz) laden konnte. Dabei war z. B. 1 Fuder Holz allgemein im 19. Jahrh. etwa 1,39 cbm.

Auf den Feldern des Dorfes angebaut wurden etwa Flachs auf 30 Morgen, Klee auf 20 Morgen und Kartoffeln auf 30 Morgen Land. Im Dorf sind zu der Zeit der Erhebung 1824 nur 4 Pferde vorhanden. Dazu kamen 120 Stück Rindvieh, 260 Schafe und 115 Schweine.

Ein Professionist, ist jemand, der im Gegensatz zum Amateur oder Dilettanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt. So bezeichnete Demian die Handwerker im Ort. Ganze 15 verdingten sich als Leinweber. Schumacher gab es 3 in Kleineichen. Desweiteren kamen je ein Schneider, Wagner und Dreher dazu. Aber ganze 4 wurden als Brantweinbrenner bezeichnet. Schultheiß (Bürgermeister) Kleineichens war schon seit 1806 Johann Caspar Zimmer.

Die teilweise für heutige Verhältnisse falsche Schreibweise von manchen Begriffen ist der damaligen Zeit zuzurechnen.

1871 wurde Hessen Teil des Deutschen Reichs, 1918 machte die Revolution aus dem Großherzogtum eine Republik, den Volksstaat Hessen. Am 1. April 1937 wurden die hessischen Provinzen endgültig abgeschafft.

Bis 1874 gehörte Klein-Eichen zum ehemaligen Kreis Grünberg und dann, bis 1938, zu dem ebenfalls nicht mehr bestehenden Kreis Schotten. Der Landratsbezirk Grünberg ging 1932 im Kreis Grünberg auf.

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1746

Alte Landkarten der Region

Das Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen hat im alten Reich eine Vielzahl von Territorien umfasst, die erst im 19. Jahrhundert zu größeren politischen Einheiten zusammengefügt worden sind.
Von der bunten Vielfalt, die Karten Landkarten um 1750 zeigen, blieben nach dem Wiener Kongress 1814/1815 vier Staaten des Deutschen Bundes übrig: das Kurfürstentum Hessen mit Kassel als Hauptstadt, das Großherzogtum Hessen, ehemals Hessen-Darmstadt, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt. Kurhessen, Nassau und Frankfurt wurden nach dem deutschen Krieg von 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt. 1945 wurde aus dieser Provinz und dem ehemaligen Großherzogtum das 1919 zum Volksstaat Hessen geworden war, das Land Großhessen, seit 1949 das Bundesland Hessen, gebildet.

Auf mittelalterlichen Karten ist Hessen nur durch die Lage seiner Städte - meist sind es Fulda, Marburg, Kassel und Frankfurt- und seiner Flüsse - Main, Fulda, Werra, Weser, Lahn - zu identifizieren.

"Hessen" war im Sprachgebrauch noch bis in das 17. Jahrhundert auf Nieder- und Oberhessen, ungefähr die heutigen Regierungsbezirke Kassel und Gießen, beschränkt. Erst die sich im 17. Jahrhundert zusehends durchsetzende Bezeichnung "Hessen-Darmstadt" hat zu der Ausdehnung des Namens in seinem heutigen Umfang geführt.

Geographische Kenntnisse bedeuten Macht, weil sie mit strategischen, politischen und wirtschaftlichen Vorteilen und Zielen verbunden werden. In deutschen Ländern werden seit dem 16. Jahrhundert Karten in nennenswertem Umfang verwendet. Sind Landkarten veraltet, behalten sie ihren Wert als Quelle historischer Erkenntnis.

Die Ausschnitte aus verschiedenen Karten zeigen die heimische Region.

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1674

Namen und Familien

Als zweiter Teil des Artikels von Gerhard Steinl in der Zeitschrift "Hessische Familienkunde" hier nun der Bericht über die Namen und Familien von Klein-Eichen zum Ende des 17. Jahrhunderts:

Das älteste Kirchenbuch von Groß-Eichen wurde im Jahr 1672 von Pfarrer Georg Pauli angefangen zu schreiben. Auf den letzten Seiten des Kirchenbuches hat Pfarrer Pauli ein Verzeichnis aller 1674 in Groß- und Klein-Eichen lebenden Personen angelegt, das wertvolle Einzelheiten zum Personenstand und der Anzahl der Haushaltungen dieser beiden Dörfer enthält. Für Groß-Eichen führt er neben seiner eigenen Familie und der des Schuldieners - aus seiner Sicht wohl die beiden wichtigsten Familien im Ort - 58 Familien (59 ergänzt) an, für Klein-Eichen 16 Familien.

Zunächst trägt der Pfarrer Einzelheiten über sich und seine Familie ein: "Johann Georg Pauli ist anno 1672 auff den sonntag oculli zu Grosen Eichen zum Pfarrer ordinirt und auffgeführet worden durch Herrn Joh. Caspar Finken Inspectoris zu Lauterbach und Herrn Koppen Pfarrer zu Engelrodt, Herrn Pfarrern zu Obernohmen Philipps Friedrich Völkkern, dabey wahr auch im nahmen meiner Gnädigen Herrschaft Herr Ambtmann Fischer. Herr Conrad Waldschmitt Pfarrer zu Rodheim und Jacob Lotz Pfarrer zu Münster.

Im Catalogus Incolarum, dem Verzeichnis der Leute mit ihren Kindern zu Groß- und Klein-Eichen folgen die 59 Familien aus Groß-Eichen. Dann die 16 aus Klein-Eichen. Hier nur die jeweiligen Familienvorstände nach Ordnungsnummern:
1) Johannes Zimmer, 2) Henrich Zimmers Wittwe Eulalia, 3) Johannes Trieberth, 4) Johannes Keil, 5) Heinrich Herle, 6) Hans Petri, 7) Johannes Schauermann, 8) Urban Völtzings Wittwe, 9) Conradt Völtzing, 10) Hans Rau Wittwe, 11) Martin Rau, 12) Veronica Johannes Dörrs Wittib, 13) Elisabetha Johann Möllers Wittib, 14) Bast Faust, 15) Johannes Eckhardt, 16) Johannes Faust. Die Ausdrücke Wittwe und Wittib sind veraltet und bedeuten Witwe.

Von den 16 Familien liegen z. Zt. von 4 nähere Informationen vor:
Johannes Keil ist 1611/12 geboren. Er ist Kirchensenior und hat 13 Kinder, 5 Söhne und 8 Töchter, gezeugt, von denen 4 Söhne und 3 Töchter 1674 schon verstorben sind. Zu diesem Zeitpunkt hat er 39 Enkel und 7 Urenkel. Seine Frau ist Eulalia, geboren 1628, gestorben am 08.03.1699 in Klein-Eichen. Im Jahr 1679 steuert Johannes Keil "3 Thaler zur hiesigen Orgel", sein Sohn Johannes Caspar 1/2 Thaler. Nicht eben wenig, geben doch die anderen Kirchenmitglieder im Durchschnitt nur 1/2 Thaler. Er spendet 1607 für einen neuen Kelch den hohen Betrag von 6 Thalern und 30 Albus, der die Albus-Spenden der anderen Dorfbewohner weit übertrifft. Die erheblichen Geldzuwendungen werden verständlich, wenn man erfährt, dass Johannes Keil und sein Sohn Johann Caspar 1694 allein im Solms-Laubachischen Gebiet 5 Morgen 3 Viertel und 24 Ruten Land unter dem Pflug haben.

Der Familienname Peter erscheint schon in einem Einwohnerverzeichnis des Gerichtes Ober-Ohmen von 1572/1589. In Klein-Eichen wird "Peter Henns Ww." erwähnt. Hans Peter von Klein-Eichen hat mit seiner Frau Anna, geboren 1620, zwischen 1648 und 1660 vier Töchter. Er selbst stirbt am 03.03. 1683 in Klein-Eichen. Zur neuen Orgel trägt er mit 1/2 Thaler bei.

Im bereits genannten Einwohnerverzeichnis des Gerichtes Ober-Ohmen wird in Klein-Eichen 1589 der Name Enders Herle erwähnt. Der Sohn Henrich von Hans Herle ist im Christmonat 1622 in Klein-Eichen geboren. Der Scabinus (Gerichtsschöffe) hat mit seiner Frau Elisabeth (geb. 1623/24 im Wintermonat) insgesamt 7 Kinder, von denen vor 1672 schon 2 Söhne und 1 Tochter verstorben sind. Henrichs Herlens Witwe steuert 1679 zur Orgel 1/2 Thaler, 1697 zum neuen Kelch 10 Albus und 1698 für die neu gegossene Glocke 11 Albus zu.

Der Familienname Triebert wird im Einwohnerverzeichnis von Ober-Ohmen schon 1572/89 - allerdings nur in Groß-Eichen - mit Niclaus Tribhardt, Cuntz Triebhardt und Michel Driebert erwähnt. Johannes Trebarth aus Klein-Eichen lebt 1625 nicht mehr. Seine Witwe Eulalia (geboren an Pfingsten 1601) stirbt am 06.05.1675 in Klein-Eichen. Sie lebt im Haushalt ihres Sohnes Johannes. Er ist am Abend vor Michael 1642 geboren und heiratet Eva (geboren 1648, gestorben am 22.05. 1732 in Klein-Eichen). Er stirbt am 20.04. 1686 ebenfalls in Klein-Eichen. Noch 1694 hatten die Trieberts von Klein-Eichen im Solms-Laubachischen Gebiet von Oberseen "3 Viertel und 70 Ruten gutes Land" zum Bearbeiten liegen.

Soweit der Rückblick in die Namens- und Familiengeschichte von Klein-Eichen. Vielleicht ergeben sich mit der Zeit noch weitere Erkentnisse, nicht nur der Familiengeschichte, aus früheren Tagen.

 
05. November 1625

"Klein-Eycher hatten etwas auf dem Kerbholz"

In der Zeitschrift "Hessische Familienkunde" veröffentlichte der Familienforscher Gerhard Steinl aus Hungen im Dezember 2003 diesen Bericht über die Kerbhölzer der Klein-Eichener. Fündig geworden war Herr Steinl im Gräflich Solms-Laubach'schen Archiv und in den Kirchenbüchern von Groß-Eichen. Hier nun ein Auszug aus dem Bericht:

Schlimm mussten es die Klein-Eichener in früheren Jahren getrieben haben, wenn sie "etwas auf dem Kerbholz hatten". War "ihr Kerbholz voll", standen sie "bei jemanden auf dem Kerbholz", hatten sie "etwas oder viel auf dem Kerbholz" oder gar "jemand auf dem Kerbholz"?

Heute würde das heißen: das Maß ihrer Schuld war voll, oder: waren sie jemandem etwas schuldig. Und weiter würde man sagen: hatten sie große Schulden, ein Verbrechen begangen, etwas ausgefressen oder Schuld zu tragen oder gar jemanden auf dem Gewissen?

Diese Begriffe haben im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren. Sie werden heute im übertragenen Sinne verwandt. Bevor nun auf die Altvorderen der Klein-Eichener eingegangen wird, stellt sich die Frage, was hatte es auf sich mit dem Kerbholz, als jedermann diesen Gegenstand noch kannte und alle damit zusammenhängenden Begriffe und Sprichwörter auch auf dieses bezog?

Das Kerbholz ist die älteste Form eines urkundlichen Verzeichnisses mit Rechtscharakter, um Schulden oder Leistungen durch Einschnitte (Einkerbungen) darauf festzuhalten und zu verrechnen. Meistens bestand das Kerbholz aus zwei Teilen. Ein Holzstab wurde an zwei Seiten flach abgeschnitzt und dann längs gespalten. Der größere Teil mit dem Griff hieß "der Stock", der kürzere abgespaltene Teil "der Einsatz". Auf dem "Stock" trug man in der Regel Ordnungsnummern, Jahreszahlen und den Namen des Schuldners ein. Ein Loch im Kopf des "Stockes" ermöglichte das Auffädeln der Kerbhölzer. Dadurch gingen einzelne Hölzer nicht verloren, und man konnte sie nachbestimmten verwaltungstechnischen Gesichtspunkten zusammenfassen.

Wollte man nun eine Schuld oder eine Leistung auf dem Kerbholz eintragen, so fügte man die beiden Teile passgenau aneinander und schnitt, ritzte, sägte oder feilte Kerben ein, die durch ihre Form einen allen Beteiligten bekannten und festgelegten Wert hatten, wobei "die jahre des holzes (Jahresringe) die sicherheit voll machten". Den Stock erhielt dann der Gläubiger, den Einsatz der Schuldner. Wollte man abrechnen, so legte man beide Teile zusammen und überprüfte die Einkerbungen. War die Schuld getilgt, so wurde "abgekerbt", indem man die Kerben durch Abschnitzen beseitigte. Das Kerbholz konnte dann noch mehrere Male verwendet werden.

Die Klein-Eichener waren Untertanen der Freiherren von Riedesel. Als sogenannte "Ausmärker" (Besitz in der Gemarkung, aber außerhalb wohnen) hatten sie Besitz oder Pachtland auf gräflich Solms-Laubachschem Territorium. Ständig gab es Schwirigkeiten beim Verrichten der Dienste oder beim Bezahlen der Abgaben. Am 5. November 1625 werden die säumigen Ausmärker aufgefordert, ihren Pflichten nachzukommen.

"Demnach eine Zeit von den Klein Eychern die dienst von den güthern, so sie uff Solms Laubachscher Jurisdiction liegen haben, nit gebührend verrichtet worden, Alß sollen Caspar Keyll 1 1/2 Kerben, Hanß Peter 2 Kerben, Hanß Herlen 4 1/2 Kerben, Emanuel 1 3/4 Kerben und Hennrich Peter 2 Kerben, 1/2 Kerben Johannes Trebarth vor jede 10 turnosen (Groschen) gleich wie sie die selbige den Larttenbächern biß her verlohnet, in unßerer gnedigen Herrschafft Rentherey Jährlichs entrichten."

Hier haben wir einen anschaulichen Beleg dafür vorliegen, dass man eine Dienstleistung durch eine Geldleistung abgelten ließ. Es ist eindeutig festgelegt, dass für 1 Kerbe - sie steht für eine bestimmte Dienstleistung - der Gegenwert von 10 Turnosen zu entrichten war. Leider wird dabei nicht definiert, für welchen Arbeitszeitraum eine Kerbe stand und zu welcher Bearbeitungsfläche die aufgewandte Arbeitszeit in Beziehung zu setzen war.

Bis zum Auffinden eines Beede-, Steuerstocks- oder Schatzungsregisters aus dem Jahre 1625 in Solms-Laubachischen Rechnungsbeständen muß leider die Wertigkeit zwischen einem Kerbstockeinschnitt und der zu erbringenden Diensleistung ein Geheimnis bleiben. Die Abgeltung einer Kerbe mit 10 Turnosen gibt lediglich die Umrechnung für eine noch zu erforschende Dienstleistung an. Ergebnisse dürften in Besteuerungsunterlagen der solmsischen Anreinerorte zu Klein-Eichen, nämlich Lardenbach, Freienseen oder Solms-Ilsdorf zu suchen sein.

Schuld hatten die Klein-Eichener damals 1625 nun wirklich nicht auf sich geladen. Man hatte ihnen lediglich ihre Schulden auf das Kerbholz geschnitten und ihnen diese mit Sicherheit nach Bezahlung in der "Rentherey" auch wieder auf ihrem "Einsatz" sauber "abgekerbt". Heute kommt als Weiterentwicklung des Kerbholzes der elektronisch erstellte Steuerbescheid ins Haus.

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26. November 1614

Gericht Oberohmen endgültig zu den Riedesel

Die Riedesel besaßen ihren Teil von 5/6 an dem Gericht zu Oberohmen, die sie einst von den Weisen von Fauerbach erworben hatten, nicht unumstritten. Auf der einen Seite hatten die Grafen zu Solms gegen alle Gerichtsherren, also die Riedesel zu Eisenbach (mit 5/6) und die von Dörnberg und Schenk von Schweinsberg (mit 1/6), ein Verfahren beim Hofgericht in Marburg eingeleitet, um ihnen diesen Besitz ganz abzustreiten. Die Grafen von Solms waren Rechtsnachfolger der früheren Besitzer des Gerichts Oberohmen, der Weisen von Fauerbach und der Königsteiner. Es soll unregelmäßigkeiten beim Veräußern des Gerichts gegeben haben.

Aber die Gerichtsherren waren auch untereinander uneins. Wie es in solchen Ganerbschaften (Erbengemeinschaft) immer der Fall ist, versuchte jeder seine Rechte zu erweitern und die Rechte des Teilhabers zu beschränken. In verschiedenen Dingen gingen die Riedesel gegen die Schenks von Schweinsberg und die gegen die von Dörnberg. Das Streiten ging so lange, bis eine Partei auf den Gedanken kam die Gemeinschaft aufzulösen.

So kam man vom 16. bis 20. Oktober 1612 in Oberohmen zusammen. Die Riedesel waren alle zur Stelle (Volprecht IV., Georg V., Johann XI., Volprecht VI., außer Georg VIII.). Ludwig von Dörnberg und Johann Hermann Schenk zu Schweinsberg waren unter anderen anwesend. Als Gegenstand der Gemeinschaft wurde folgendes festgestellt: alle Obrigkeit in bürgerlichen und peinlichen Sachen, Erbforderungen, Hohe und Niedere Jagd, Fischerei, Gehölz, Forst- und Mastgeld, Lehnschaft in einigen Lehnsgütern, der halbe Weinschank (die andere Hälfte hatte Hessen), herkömmliche Zinsen, Frondienste u. a.

Als Wert des jährlichen Einkommens aus dem Steuerteil wurde festgestellt: 85 fl. Zinsen, 50 fl. Zehnten und Vogthafer, 50 fl. Jagd und Fischerei, 25 fl. Holzgeld und Masthafer, 60 fl. Lehnsgeld, 25 Viertel Hochzeitshafer (= 50 fl.), 20 fl. Fahrten und Brieftragen, 250 Hochzeitshühner, dazu der alte Burgsitz der von Dörnberg und der von Schweinsberg in Oberohmen. Nach langen Verhandlungen einigte man sich auf einen Kaufpreis von 8800 fl., der auf Pfingsten 1613 bezahlt werden sollte.

Ludwig von Dörnberg reiste selbst nach Aschaffenburg, um die Zustimmung des Kurfürsten einzuholen. Aber es ging nicht so einfach, wie es sich die Vertragsschließenden gedacht hatten. Die Belehnung der Schenk von Schweinsberg und der von Dörnberg hatte nie auf 1/6 gelautet, sondern immer nur auf "das Gericht" Oberohmen. So enstand nun die Frage, wie die Riedesel zu ihren 5/6 gekommen seien, ob sie je belehnt waren oder sie sich der Lehnspflicht entzogen hätten. Zugleich wurde in der Mainzer Kanzlei die Anregung gegeben, ob nicht die Riedesel statt des 1/6, das sie erwarben, das Ganze Gericht als Lehen erwerben wollten. Nach einigem Abwägen, ergaben sich auch Vorteile für die Riedesel.

Erzbischof Johann Schweickard von Mainz belehnte also am 26. November 1614 die Riedesel zu Eisenbach mit dem verkauften Sechstel und den übrigen Teilen, also mit dem Haus und dem ganzen Gericht Oberohmen, den Dorfschaften Oberohmen, Großeichen, Ruppertenrod, Unterseibertenrod, Zeilbach und Kleineichen, dem Wald Hahrholz, Eicherholz, Steinbügel, Wolfsbusch, Hageküppel, Oberbuchholz, Zeilwald und dem neuen Wäldchen, mehreren Fischwassern, aller Obrigkeit in bürgerlichen und peinlichen Sachen, Zinsen, Renten, Zehnten, Frondiensten, Erbhuldigungen, Hoher und Niederer Jagd, Fischereien, Gehölz, Forst- und Mastgeld, Lehngütern und Weinschank.

Am 24. April 1615 wurde die Kaufsumme bezahlt. Ein Jahr später erteilte Landgraf Ludwig V. seine landesherrliche Zustimmung, nachdem die hermannsteinschen Schenken von Schweinsberg schon am 8. September 1614 ihre Zustimmung gegeben hatten. Die Riedesel hatten dafür große Opfer gebracht. Aber sie waren nun im unbestrittenen Besitz des Gerichtes Oberohmen. Die ständigen Streitigkeiten waren zu Ende.

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1531

Reformation 1517-1531

Laut der Überlieferung soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Abend vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Disputation herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein.

Dies zum Anlass genommen, folgt hier ein kurzer Überblick wie denn eigentlich die neue Lehre Luthers in der Kirchengemeinde Groß- und Klein-Eichen eingeführt wurde. Dazu kann man aus der Festschrift zum 265. Geburtstag der Groß-Eichener Kirche im Jahr 2012, welche von Pfarrerin Kerstin Kiehl verfasst wurde, viel erfahren.

Klein-Eichen gehörte von Beginn seiner Gründung an als Filialgemeinde zur Pfarrei Groß-Eichen. Dies bedeutete für die Einwoher Klein-Eichens, dass sie alle Gottesdienste in der Groß-Eichener Kirche zu besuchen, ihre Kinder in die Groß-Eichener Schule zu schicken und ihre Toten auf dem Groß-Eichener Friedhof zu begraben hatten.

Zu der Kapelle Groß-Eichen zählte auch ein Teil der Laubacher Pfarrerei. Lardenbach war zumindest ab dem 11. Jahrhundert Groß-Eichen zugeordnet. Und als Lardenbach erst 1544 zum evangelischen Bekenntnis wechselte, gehörte der Ort schon zum Kirchspiel Freienseen.

Das Patronatsrecht (Recht des Patrons war u. a. das Vorschlagsrecht für die Besetzung des betreffenden Kirchenamtes) über die Pfarrkirche übten zunächst die Mainzer Erzbischöfe aus. Nachweislich ab dem Jahr 1486 unterstand die Pfarrei Eichen mit der Filiale (Ober-) Ohmen dem Marienstift in Lich.

Die Kirchengeminde Groß-Eichen gehörte also zum Licher Marienstift, dessen Patronatsherren die Grafen zu Solms-Lich waren. Die Dörfer Groß-Eichen und Klein-Eichen hingegen gehörten als Teil des Gerichtes Ober-Ohmen zum Gebiet der Freiherren zu Eisenbach. Dazu kam aus kirchlicher Sicht, dass die Licher Grafen in den 1520er Jahren und auch noch lange Zeit danach am alten katholischen Glauben festhielten, während die Riedesel bereits 1527 mit der Einführung der Reformation in ihrem Gebiet begonnen hatten.

Lange wurde gerätselt, wann es in Groß-Eichen wohl den ersten evangelischen Prediger gegeben hatte. Die offizielle Liste der evangelischen Pfarrer Groß-Eichens beginnt erst mit Johannes Vipertus (1561-1584) und dessen Nachfolger Konrad Altag (1584-1612).

Im Jahre 1531 muss die Pfarrstelle in Groß-Eichen unbesetzt gewesen sein, und die Freiherren zu Riedesel entsandten, ohne mit dem Marienstift oder dem Licher Patronatsherren Rücksprache zu halten, einen "geschicklichen" Prädikanten nach Groß-Eichen, der das Evangelium nach der neuen Lehre Luthers predigte. Überliefert ist nur sein Vorname: er wird nur "Herr Peter" genannt.

Daraus entspann sich ein reger Disput zwischen den weltlichen und geistigen Herren. Bedauerlicherweise ist nicht weiter dokumentiert, wie die Sache letztlich ausgegangen ist, doch wird hier deutlich, mit welchem Nachdruck die Gemeinde ihr Recht auf einen geeigneten Parrherrn vorbrachte, und das man ab 1531 in Groß-Eichen auf jeden Fall evangelisch gesinnt war. "Herr Peter" war also erwiesenermaßen der erste evangelische Pfarrer, der in Groß-Eichen seinen Dienst tat.

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