21. November 1901

Vom Bahnbau im Seenbachtal

Infolge der Arbeitseinstellung ruht der Bahnbau bei Freienseen augenblicklich vollständig. Am "Kaff" schreitet derselbe nur langsam fort, da die Errichtung eines ca. 8 Meter hohen Dammes, sowie die Ausdehnung des den Tunnel einleitenden Einschnitts einige Schwierigkeiten bereiten. Am nächsten Montag (2. September 1901) wird unter Zuziehung meist italienischer Arbeiter der Bau am Ringelsberg in Angriff genommen. Zur leichteren Unterbringung und Verköstigung derselben wird daher eben an der Straße nach Schotten eine Arbeiterkantine errichtet. 18 Meter lang und 10 Meter breit, zerfällt sie in Schlaf- und Speiseraum, Küche, Renaurationszimmer und Privatzimmer für den Besitzer.

Das jetzt (25. September 1901) günstige Herbstwetter ermöglicht ein rasches Fortschreiten der Eisenbahnarbeiten. Auf beiden Seiten des projektierten Tunnels am "Kaff" sind etwa 100 Arbeiter (Italiener) mit Erdräumungsarbeiten und Sprengungen beschäftigt. Nach der nach Freienseen zu gelegenen Seite ist man ziemlich bis zur Tunnelsohle gekommen, während dies auf der Jenseite noch längerer Zeit bedarf. Das Material wird durch zwei Lokomotiven fortgeschafft und zur Erbauung von Dämmen verwandt. Interessant ist der Aufbau eines Dammes in nahe gelegener Waldwiese; derselbe erreicht die wohl als selten zu bezeichnende Höhe von 13 Meter. Das rege Treiben auf dem Arbeitsplatze lockt täglich Zuschauer herbei, die mit Interesse den Arbeiten zusehen.

Der Kriegerverein Freienseen hatte in der Hofmann'schen Wirtschaft dahier (27. Oktober 1901) eine Abendunterhaltung veranstaltet und während derselben wurde einigen am Bahnbau Laubach - Mücke beschäftigten Italienern, die sich eingedrängt hatten, das Local verwiesen. Einer der sich der Ausweisung Widersetzenden zog einen Revolver und brachte dem Sohn des Wirthes einen Schuß in ein Bein bei. Die nächste Folge der Unthat war, dass der Attentäter eine Tracht Prügel bezog, die ihm sobald nicht aus dem Gedächtnis entschwinden dürfte.

Auf Veranlassung des Gr. Kreisamtes Schotten wurde durch den dort stationierten Gendarmeriewachtmeister am gestrigen (21. November 1901) ein bei dem Bahnbau beschäftigter Italiener verhaftet und in die Untersuchungshaft abgeführt. Derselbe soll Äußerungen gethan haben, in denen er S. Maj. den deutschen Kaiser bedroht; auch wird er beschuldigt, bei seinen Arbeitskollegen anarchistische aufreizende Redensarten geführt zu haben.

(Grünberger Anzeiger)

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23. Oktober 1901

Gemeinderatsergänzungswahlen

Der Grünberger Anzeiger berichtet am 23. Oktober 1901:

Die diesjährigen Gemeinderatsergänzungswahlen in einigen Dörfern des Kreises Schotten hatten folgende Ergebnisse: Es wurden gewählt in: 1. Freienseen: Hermann Eduard Jost, Christian Batz, Ferdinand Immelt. 2. Gonterskirchen: Georg Damer, Wilhelm Lind, Georg Konrad Graf. 3. Groß-Eichen: Peter Rahn, Johannes Rock, Christian Eimer. 4. Solms-Ilsdorf:: Konrad Rahn, Philipp Bast, Johannes Stühler. 5. Klein-Eichen: Karl Mölcher, Heinrich Eckhardt, Wilhelm Zimmer II. 6. Lardenbach: Konrad Ruppel, Heinrich Buß, Karl Knöß. 7. Laubach: Rudolf Ritter, Friedrich Helmich, Heinrich Christian Jochem, Konrad Jochem, Hermann Kratz. 8. Ruppertsburg: Friedrich Wagner, Karl Schlörb, Konrad Marx. 9. Wetterfeld: Johannes Kühn, Daniel Hofmann, Heinrich Keller.

Karl Mölcher wurde 1862 in Lardenbach geboren und heiratete in Klein-Eichen 1886 Lina Zimmer aus Klein-Eichen. Familie Mölcher lebte in "Döhlers-Haus". Heinrich Eckhardt wurde 1870 in Klein-Eichen geboren, heiratete dort 1895 Elisabetha Zimmer aus Klein-Eichen. Familie Eckhardt lebte in "Kühns-Haus". Wilhelm Zimmer II wurde 1865 in Lardenbach geboren (weil Mutter geb. Lind) und heiratete in Klein-Eichen 1896 Elisa Hofmann aus Klein-Eichen. Familie Zimmer lebte in "Schusters-Haus".

Konrad Ruppel geb. 1846 heiratete 1879 Karoline Hofmann. Heinrich Buß geb. 1856 heiratete 1884 Anna Katharina Günther. Karl Knöß geb. 1856 heiratete 1878 Susanne Mölcher.

Im Gemeinderat 1901 waren in Klein-Eichen vertreten: Bürgermeister Müller, weiter: Zimmer, Faust, Zimmer, Felsing, Eckhardt, Zimmer, Mölcher und Hoffmann.

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21. September 1901

Verfassungseid

Zur Ableistung des Verfassungseides hat das Großherzogliche Kreisamt Schotten den Termin anberaumt auf Montag den 30. September des laufenden Jahres, Vormittags 11 Uhr, in dem Rathause zu Laubach für die Gemeinden: Freienseen, Groß-Eichen, Gonterskirchen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld, zu dem diejenigen Großh. Hessischen Staatsangehörigen, welche im Laufe der verflossenen letzten 12 Monate a) Ortsbürger geworden sind, b) sich durch Verheiratung oder Begründung eines selbstständigen Gewerbes in ihrer Gemeinde ansässig gemacht haben, c) in den Großh. Hess. Staatsverband aufgenommen wurden, zu laden sind, in dem obengenannten Termine behufs Ableistung des Verfassungseides zu erscheinen.

Jeder Ortsbürger, der das 25. Lebensjahr vollendet hatte und alle neuangenommenen Ortsbürger hatten dem Standesherren, später dem Großherzog zu huldigen, d.h. sie mussten den Treueeid leisten. Die Huldigungstermine wurden vierteljährlich vom Kreisamt anberaumt.

(Grünberger Anzeiger/Villinger Hefte)

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07. August 1901

Gemeindesteuern

Das Hessische Gesetz, die Gemeindeumlagen bestreffend, wurde im Grossherzogl. hess. Regierungsblatt vom 30. März 1901 veröffentlicht. Darin heißt es, dass die Gemeinden im Bedarfsfalle direkte Steuern (Gemeindeumlagen) vom Grundbesitz, vom Gewerbebetrieb, von der Kapitalrente und vom Einkommen der Steuerpflichtigen erheben.

Die Gemeindesteuern in den Gemeinden der Kreise Schotten und Alsfeld für die Jahre 1901 und 1902 haben von den aufgeführten Orten aufzubringen: Freienseen 4390 Mark, Gonterskirchen 4000 Mark, Groß-Eichen 6900 Mark, Solms-Ilsdorf 760 Mark, Klein-Eichen 1200 Mark, Lardenbach 1600 Mark, Laubach 26 280 Mark, Ruppertsburg 6000 Mark, Wetterfeld 3300 Mark, Atzenhain 4340 Mark, Bernsfeld 3500 Mark, Ermenrod 3800 Mark, Flensungen 3700 Mark, Ilsdorf 1800 Mark, Kirschgarten 900 Mark, Lehnheim 2900 Mark, Merlau 5474 Mark, Nieder-Ohmen 10820 Mark, Ober-Ohmen 7000 Mark, Ruppertenrod 4100 Mark und Wettsaasen 2600 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

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08. Juni 1901

Preisschießen

Der Kriegerverein Klein-Eichen hatte für den Sonntag den 2. und Sonntag den 9. Juni 1901 zum Prisschießen eingeladen.
Acht Tage später teilte der Kriegerverein Klein-Eichen mit, dass das Preisschießen auf Sonntag den 23. Juni verschoben wird.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. April 1901

Arbeitsvergebung

Die bei Erbauung eines Spritzenhauses in Klein-Eichen vorkommenden Arbeiten, als:

1 - Maurerarbeit, veranschlagt zu 141,80 Mark
2 - Zimmerarbeit, veranschlagt zu 157,24 Mark
3 - Dachdeckerarbeit, veranschlagt zu 106,10 Mark
4 - Schreinerarbeit, veranschlagt zu 43,69 Mark
5 - Schlosserarbeit, veranschlagt zu 38,50 Mark

sollen Montag den 23. April 1901, Nachmittags 4 Uhr, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich versteigert werden.

Klein-Eichen, den 11. April 1901.
Großherzogliche Bürgermeisterei Klein-Eichen.
Müller (Wilhelm Heinrich, *1861-+1933)

(Grünberger Anzeiger)

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20. April 1901

Holzversteigerung

Anzeigen zu Holzversteigerungen in Klein-Eichen und Lardenbach. Siehe Bilder.

(Grünberger Anzeiger)

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15. Februar 1901

Vom Vogelsberg

Es schneit jetzt schon 3 Tage fast ohne Unterbrechung. Alle Wege sind verschneit und die Verbindungen zwischen den einzelnen Dörfern hört fast auf. Tief im Schnee waten die Holzmacher auf wenig begangenen Pfaden ihrer Arbeitsstelle zu. In bedauernswerther Lage sieht man Zigeuner tief im Schnee daher wandern; das ganze Personal muß die Wagen, vor denen die elendsten Pferde gespannt sind, schieben helfen.

Am Ausgang der Dörfer sitzen ganze Familien, 10 bis 15 Köpfe stark, um ein Feuer, hungernd, frierend, sodaß es unglaublich scheint, wie kleine Kinder von 5 bis 6 Wochen am Morgen noch am Leben sind. Ein trauriges Bild ist es, das doch, zum Lob der Bevölkerung sei es gesagt, die harte Stimmung, welche gegen das fahrende Volk Platz gegriffen, zum Mitleid umgewandelt - und die bäuerliche Bevölkerung thut an den Verstoßenen ihre Schuldigkeit.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Februar 1901

Öffentliche Aufforderung

Nachdem folgende Personen durch Ausschlußurteil vom 18. Dezember 1900 für todt erklärt worden sind, und nachdem ihre dem unterzeichneten Gerichte bekannte Erben Anträge auf Ertheilung von Erbscheinen gestellt haben, werden alle Personen, welche Erbanspruch an die benannten Personen machen zu können glauben, aufgefordert, diese, soweit es nicht geschehen ist, binnen 6 Wochen bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, andernfalls die beantragten Erbscheine ohne Berücksichtigung ihrer Erbrechte ausgestellt werden.

Für todt erklärt worden sind u. a.: Heinrich Mölcher VII., geboren am 16. Oktober 1839 zu Lardenbach, Elisabethe Hof(f)mann, geboren am 22. Mai 1824 zu Klein-Eichen, ...
(Die genannten Personen sind vor mehreren Jahren nach Amerika ausgewandert. Elisabethe Hoffmann ist die jüngere Schwester von Konrad Hoffmann, der 1850 in Klein-Eichen Anne Margarethe Fuchs aus Wohnfeld heiratete. Deren Sohn, Christian Hoffmann, war ab 1911 Bürgermeister von Klein-Eichen.)

Laubach, den 6. Februar 1901, Großherzogliches Hessisches Amtsgericht

 
30. Januar 1901

Holzversteigerung

Am Montag den 4. Februar l. J., Vormittags 8 Uhr anfangend, soll in dem Lardenbacher Gemeinde-Wald, in den Distrikten Hessenhain, Pfortwald und Backtröge folgendes Holz versteigert werden:

290 Stück Fichten-Stämme von 14-38 cm Durchm., 4-25 m Länge = 117,75 Festm.,
239 Stück Eichen-Stämme von 14-53 cm Durchm., 4-17 m Länge = 112,33 Festm.,
4 Stück Kiefern-Stämme von 14-19 cm Durchm., 11-15 m Länge = 1,08 Festm.,
1 Stück Kirschbaum-Stamm von 26 cm Durchm., 10,6 m Länge = 0.56 Festm.,
840 Stück Fichten-Derbstangen = 37,20 Festm.

Die Zusammenkunft ist am Altenhainerweg, Distrikt Hessenhain, bei Nr. 1. Bemerkt wird, dass kein Holz auf dem Submissionswege abgegeben worden ist.

Lardenbach, den 26. Januar 1901. Großh. Bürgermeisterei Lardenbach Lein.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

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