21. Dezember 1905

Sittlichkeitsvergehen

Durch die Gendarmerie wurde gestern (20. Dezember 1905) die Person eines neunzehnjährigen Menschen festgestellt, der sich eines Sittlichkeitsvergehens an einem neunjährigen Mädchen aus Ilsdorf, das auf dem Wege nach der Schule in Lardenbach begriffen war, schuldig gemacht hatte.

Der Betreffende, als Bergmann auf der Grube "Luse" zu Ilsdorf beschäftigt und von Höckersdorf gebürtig, wurde heute in Grünberg verhaftet.

(Grünberger Anzeiger)

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13. Dezember 1905

Hundesteuer

Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, die im Laufe des Jahres einen Hund abgeschafft haben, dies bis spätestens 31. Dezember bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes anzuzeigen haben. Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember bewirkt, so ist die Hundesteuer für das folgende Jahr weiter zu entrichten.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
13. Dezember 1905

Volkszählung

Die diesmalige Volkszählung ergab in Lardenbach 299 Seelen gegen 287 in 1900.
In Solms-Ilsdorf 75 Seelen gegen 68 in 1900.
In Stockhäuser-Hof 38 Seelen gegen 33 in 1900.
Flensunger-Hof 8 Seelen gegen 18 in 1900.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
02. Dezember 1905

Bekanntmachung:

Die Auszahlung und Beschreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht am Freitag, den 8. Dezember 1905 für die Orte: Harbach, Ilsdorf, Kesselbach, Kirschgarten, Klein-Eichen und Lauter.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
25. November 1905

Volkszählung

Nach Beschluß des Bundesrats hat am 1. Dezember d. Js. in allen deutschen Staaten eine Volkszählung stattzufinden. Die Die desfallsigen Erhebungen erfolgen im Großherzogtum Hessen unter Leitung und Verantwortlichkeit der Gemeindebehörden. In jeder Gemeinde ist ferner eine Zählkommission bestellt, welcher insbesondere die Einteilung der Zählbezirke, die Prüfung der ausgefüllt zurückgelieferten Zählkarten,

Zählbriefe und Kontrolllisten und die Zusammenstellung der Ergebnisse der einzelnen Zählbezirke obliegt. Von den Zählkommissionen werden Zähler bestimmt, welchen die Austeilung und Wiedereinsammlung von Zählbriefen und Zählkarten obliegt. Jeder Haushaltsvorstand und jede einzeln lebende Person, welche eine besondere Wohnung inne hat und eine eigene Haushaltung führt, empgängt einen solchen Zählbrief nebst Zählkarte [...].

(Grünberger Anzeiger)

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18. November 1905

Geflügelschau

Die vom Vogelsberger Geflügelzuchtverein in Grünberg veranstaltete Jung-Geflügel-Schau hat einen recht guten Verlauf genommen. Es waren Tiere von ausgezeichneter Qualität ausgestellt, die geeignet waren, das Herz eines jeden Züchters und Liebhabers zu erfreuen. Die Kauflust war darum unter den Mitgliedern eine sehr rege. Durch das Preisgericht, das bei der der guten Qualität der Tiere gar keine so leichte Arbeit hatte, wurden an viele Herren Preise zuerkannt, so erhielt auch für seine Hühner Gold Wyandottes Hoffmann aus Klein-Eichen den 3. Preis.

(grünberger Anzeiger)

 
15. November 1905

Vortrag zum Obstanbau

Der Obstbautechniker des Oberhessischen Obstbauvereins, Herr Wiessner aus Friedberg, beabsichtigt, die nachbenannten Orte des Kreises Schotten zu besuchen, um Vorträge über Obstbau zu halten und an Obstbäumen praktische Unterweisungen zu erteilen. Die Vorträge beginnen an Wochentagen abends 8 Uhr, an Sonntagen nachmittags 3 Uhr, die praktischen Unterweisungen stets am anderen Tage früh 9 Uhr, außer Samstag, wo dieselben nachmittags 3 Uhr stattfinden. Samstag den 18. November in Freienseen, Sonntag den 19. November in Klein-Eichen und Montag den 20. November in Groß-Eichen.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. November 1905

Herbst-Kontrollversammlung

Die Herbst-Kontrollversammlung findet zu Laubach auf der Straße nach Wetterfeld am 20. November 1905 um 3 1/2 Uhr nachmittags statt. Und zwar für die Orte: Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Ilsdorf (Solms), Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld. Es haben zu erscheinen: 1) Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamte der Reserve, 2) Die Mannschaften der Reserve, 3) Diejenigen der Landwehr [...] Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Kontrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. Oktober 1905

Gallusmarkt

Höchst ungünstige Aussichten waren es, die das trostlose, auch der Beendigung der Erntearbeiten so nachteilige schlechte Wetter der vergangenen Wochen der Abhaltung des heurigen Gallusmarktes bot. Hierzu stellte sich zur Eröffnung des Marktes am Mittwochmorgen (18. Oktober 1905) auch noch Schneetreiben ein, das glücklicherweise nicht von langer Dauer war.

Trotz all dieses Mißgeschickes zeigte der Besuch des Marktes am ersten Tage gegen den der letzten Jahre keine bemerkliche Abnahme und bei dem sich einstellenden freundlichen Wetter bot sich besonders nach dem Eintreffen der mit Marktbesuchern vollgepfropften Morgenzüge dem Beschauer das gewohnte lebhafte Bild dar.

Der Geschäftsgang war im allgemeinen ein befriedigender. Wenn auch der Handel mit Rindvieh ein flauer war und die Preise für die Schweine einen kleinen Rückgang zeigten, so hielten letztere sich doch immer noch auf so respektabler Höhe, daß die Verkäufer vergnügte Gesichter machen konnten.

Was beim Einkauf von Bedarfsgegenständen bei den Krämerständen und in den Geschäftslokalen in der Stadt der Nachwirkung nicht entbehrte, ebenso wie in den verschiedenen Wirtschaften, bei den in mehreren Lokalen gebotenen Vergnügungen und auf dem Juxplatz, auf welch letzterem es bereits frühzeitig recht lebhaft zuging.

Unter den bewundernswerten Dingen, die hier zu sehen waren, können wir uns nicht versagen, "Fernando's Riesen-Kinematograph" besonders hervorzuheben; das von ihm Gebotene verlohnt tatsächlich einen Besuch. In zwei Sälen fand Tanzbelustigung statt und abends ein flotter Ball im "Gasthof zum Hirsch".

(Grünberger Anzeiger)

 
26. September 1905

Aus Stadt und Land

Nach einer Meldung aus Frankfurt a. M. sind die Schweinefleischpreise per Zentner um drei Mark gefallen. Auf dem heutigen (26. September 1905) Schweinemarkt in Laubach bewährte sich ähnliches. Der Auftrieb junger Schweine betrug 154 Stück. Schon für 40 bis 50 Mark konnte man ein Paar erstehen, die größten stiegen im Preise das Paar bis 80 Mk. Viele Landleute aus der Umgegend hatten um 10 Uhr schon ausverkauft.

Ein interessanter Kampf spielte sich zwischen zwei auswärtigen Zwetschenhändlern heute (26. September 1905) in Laubach ab. Kaum hatte der eine bekannt gegeben, daß er den Ztr. zu 4 Mk. aufkaufe, so folgte der andere mit einem Gebot von 4,50 Mk. Dies reizte den ersten wieder, als Ankaufspreis 4,60 Mk. anzusetzen. Die Verkäufer die bis zuletzt gewartet hatten, waren nun im Vorteil.

Aus der Pfarrei Lardenbach wurde mitgeteilt: Getaufte: Juli: 16. dem Landwirt Konrad Lein zu Lardenbach eine Tochter Bertha, geb. 27. Juni. August: 7. dem Pfarrer August Weinberger zu Lardenbach eine Tochter Charlotte Emilie Minna, geb. 26. Juni; 20. dem Landwirt Karl Zimmer zu Lardenbach eine Tochter Anna, geb. 7. Juli.
Beerdigt: August: 13. Anna Margarethe Lein geb. Kauß, Witwe des Bürgermeisters Heinrich Lein VII. zu Lardenbach, 63 Jahre alt, starb 10. August.

(Grünberger Anzeiger)

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12. Juli 1905

Aus Stadt und Land

Gemeldet wurden am 12. Juli 1905 aus der Pfarrei Lardenbach die Taufen: Am 2. April 1905 dem Landwirt Hartmann Günther II. zu Lardenbach ein Sohn Otto, geb. am 9. März. Am 9. April 1905 dem Landwirt Heinrich Schombert zu Lardenbach ein Sohn Albert, geb. am 15. März. Am 23. April 1905 dem Gastwirt Heinrich Bast zu Stockhäuser Hof eine Tochter Paula, geb. am 3. April. Am 24. April 1905 dem Nagelschmied Johannes Graulich zu Solms-Ilsdorf eine Tochter Emilie, geb. am 3. April. Am 30. April dem Grubenarbeiter Johannes Bräuning zu Solms-Ilsdorf Zwillings-Söhne Heinrich und August, geb. am 26. März. Am 7. Mai 1905 dem Landwirt Heinrich Keller VII. zu Lardenbach eine Tochter Ottilie, geb. am 12. April. Am 4. Mai 1905 dem Landwirt Karl Seipel zu Lardenbach ein Sohn Otto, geb. am 17. Mai.
Getraut wurden am 24. April 1905 Tagelöhner Karl Sauer dahier und Ernstine Wick, Tochter des Tagelöhners Anton Wick II. zu Langenhain.

Nach 52jähriger Lehrertätigkeit tritt der Lehrer Schneider von der Volksschule Lardenbach und Klein-Eichen mit dem 1. Oktober in den Ruhestand. Derselbe wird in dem Heimatorte seiner Frau, dem benachbarten Stockhausen, ferneren Aufenthalt nehmen.

(Grünberger Anzeiger)

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24. Juni 1905

Aus Stadt und Land

Als ein Akt der Rohheit ist jedenfalls der Überfall zu bezeichnen, dem am Sonntag Abend (4. Juni 1905) die Insassen der von Schotten kommenden Chaise des Herrn Konrad Schombert aus Grünberg in nächster Nähe von Lauter ausgesetzt waren. Kurz hinter Lauter sprang plötzlich ein mit einem dicken Stock bewaffneter Kerl herzu und schlug auf das Gefährt und die Insassen blindlings los. Als auf die Hilferufe hin Leute aus Lauter herbeieilten, ergriff der Attentäter die Flucht; da seine Persönlichkeit bereits festgestellt ist, wird ihm eine entsprechende Belohnung, auf die er sich wohlberechtigten Anspruch erworben hat, nicht entgehen.

Das diesjährige Ober-Ersatzgeschäft im Kreise Schotten findet Samstag den 24. und Montag den 26. l. M. im Rathaussaale zu Schotten statt. Es haben zu erscheinen jedesmal pünktlich um 8 Uhr: a) die von der Ersatz-Kommission als tauglich erkannten Militärpflichtigen; b) die für dauernd unbrauchbar befundenen Militärpflichtigen; c) die zum Landsturm I. Aufgebots in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; d) die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; e) die von den Truppenteilen zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Soldaten; f) die von den Truppenteilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. Die Losungsscheine sind mitzubringen. Jedem Militärpflichtigen, welcher vor der Ober-Ersatz-Kommission zu erscheinen hat, wird besondere schriftliche Ladung durch Vermittlung der Bürgermeisterei seines Wohnorts zugestellt werden.

Gestern nachmittag (15. Juni 1905) waren die Herren Provinzialdirektor Dr. Breidert, Geh. Medizinalrat Dr. Neidhardt, Medizinalrat Dr. Haberkorn und Oberbaurat Klingelhöffer zur Besichtigung des für Erbauung der Idiotenanstalt in Betracht kommenden Geländes hier anwesend.

Abonnent in Lardenbach. Warum die anonyme Einsendung? Wir haben schon oft darauf aufmerksam gemacht, daß anonyme Zuschriften keine Berücksichtigung finden können. Der Einsender kann uns ruhig das Zutrauen schenken, daß sein Name verschwiegen bleibt, selbst wenn er dies nicht ausdrücklich wünscht. Also bitten wir um gefl. Abgabe der Visitenkarte, worauf die Beantwortung veranlaßt werden wird.

Am Vormittag (24. Juni 1905) fand eine Revision der Grünberger Handwerker-Sonntagsschule statt, von der wir erfreulicherweise berichten können, daß der die Revision vornehmende Herr Hauptlehrer Traber-Gießen über den Zustand und die Leistungen der Anstalt sich in recht anerkennender Weise ausgesprochen hat. Im Schullokale fand alsdann nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Prüfungs-Ausschußes die feierliche Überreichung der Gesellenbriefe statt. Es hatten sich 14 junge Leute der Prüfung unterzogen, mit dem Ergebnis: sehr gut bestanden 1, gut 10. Nach Geburtsort waren 3 aus Grünberg, 2 aus Atzenhain, 1 aus Saasen, Nieder-Ohmen, Münster, Wetterfeld, Laubach, Freienseen, Lardenbach, Bersrod und Lehnheim.

(Grünberger Anzeiger)

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07. Mai 1905

Bezirkstag Kriegervereine

Am heutigen fand in Lardenbach unter dem Vorsitz des Bezirkspräsidenten des Kriegervereins Herrn Kaufmann Ritter aus Laubach ein Bezirkstag der Vorsitzenden der betreffenden Kriegervereine statt.

(Grünberger Anzeiger)

 
26. April 1905

Aus Stadt und Land

Die am 1. April im Schützenhof tagende Vertretung von 21 Ortschaften befaßte sich mit der Einrichtung einer Gaszentrale bei Laubach; außer 16 Dörfern hatten die Städte Grünberg, Hungen, Schotten, Ulrichstein, Laubach ihre Bürgermeister oder stellvertretende Gemeinderatsmitglieder, die Kreisämter Gießen und Schotten ihre Kreisamtmänner geschickt. Festgestellt wurde, daß fast sämtliche Orte dem Unternehmen Sympathien entgegenbringen. Seitens der Kreisämter wurde ein Situationsplan und Wünsche zu der Gasfabrik sowie des Röhrennetzes vorgelegt. Diese wurden vom anwesenden Ingenieur des Unternehmens versprochen nachzukommen, wenn die sich beteiligende Gemeindeseelenzahl nicht unter 10 000 beträgt. Verschiedene Orte, wie Hungen, Villingen, Freienseen, Flensungen, Nieder-Ohmen, Bobenhausen wünschen noch Klarstellungen. Im Prinzip sind alle Orte mit dem Anschlusse an die Gaszentrale Laubach einverstanden.

In der Pfarreri Lardenbach wurden getauft: am 12. März dem Landwirt Heinrich Keller II. eine Tochter Emma (geb. 16. Februar), am 19. März dem Landwirt Karl Schneider eine Tochter Paula (geb. 22. Februar).
Beerdigt wurde am 11. Januar Anna Katharine Mölcher, geb. Lein, Witwe des Gastwirts Konrad Mölcher, 68 Jahre alt (starb 8. Januar), am 5. Februar Landwirt Johann Heinrich Lind, 83. Jahre alt (starb 3. Februar), am 21. Februar Ottilie Lein, geb. Lein, Ehefrau des Landwirts und Kirchenvorstehers Heinrich Lein VI., 65 Jahre alt (starb 18. Februar), am 22. Februar Landwirt Johannes Rühl, 79 Jahre alt (starb 19. Februar), am 7. März Landwirt und Schreiner Karl Konrad Zimmer, 43 Jahre alt (starb 4. März).

Mit dem heutigen (20. April 1905) ist die Anlegung des neuen Grundbuchs für den gesamten Laubacher Amtsgerichtsbezirk mit 15 Gemarkungen vollendet. Es dürfte der Amtsgerichtsbezirk Laubach der erste unseres Großherzogtums sein. Mit den Anlegungsarbeiten wurde in der Gemarkung Ruppertsburg im Jahre 1901 angefangen, beendigt wurden dieselben mit dem Walddisdrikt II Laubach.

Nachdem den Gemeinden und Zuchtvereinen, welche die Simmentaler Zuchtrichtung verfolgen, Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Import Simmentaler Originalbullen ihren Bedarf an besserem Zuchtmaterial mit Unterstützung des Provinzialvereins zu decken, wird hiermit auch den Gemeinden, welche die Vogelsberger Zuchtrichtung verfolgen, eine gleiche Vergünstigung geboten. Zu diesem Zwecke haben die Gemeinden, welche die Vogelsberger Bullen besserer Qualität durch den Verein beschaffen wollen, dies bei dem Präsidenten des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen anzumelden.
[In der Sitzung vom 5. Juni 1905 hat der Klein-Eichener Gemeinderat beschlossen, die Zuchtrichtung im Dorf zu ändern: "Der Gemeinderat erlaubt sich daher Hohe Behörde ergebenst zu bitten die Abschaffung des alten Vogelsberger Bullen ... und die Anschaffung eines neuen Simmenthaler gefälligst zu genehmigen."]

Eine für das Publikum wichtige und erwünschte Bestimmung enthält § 26 der am 1. Mai inkraft tretenden Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für das Deutsche Reich vom 3. November 1904. Hiernach ist jeder Bahnhof mit einer für die Reisenden sichtbaren Uhr auszustatten. (Nicht jede Eisenbahnstation ist als Bahnhof anzusehen, sondern nur die Stationen mit mindestens einer Weiche für den öffentlichen Verkehr. Stationen ohne solche Weichen werden als Haltepunkt bezeichnet.)

(Grünberger Anzeiger)

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05. April 1905

Konfirmation in Groß-Eichen 1905

Die Konfirmation ist ein bedeutender Schritt im Leben vieler evangelischer Christen. Sie ist eine feierliche Segenshandlung, die den Übergang ins kirchliche Erwachsenenalter markiert. Der Begriff stammt vom lateinischen „confirmatio“, was „Bekräftigung“ oder „Bestätigung“ bedeutet.

Die Konfirmation hat mehrere Bedeutungen: Bestätigung der Taufe, Abschluss des kirchlichen Unterrichts, Zulassung zum Abendmahl, Eintritt ins Erwachsenenleben.

Die Tradition der Konfirmation geht auf die Reformation zurück. Martin Bucer, ein Reformator, führte sie 1539 als Kompromiss ein, um die Kindertaufe mit einem späteren persönlichen Glaubensbekenntnis zu verbinden.

Für die Kinder aus Klein-Eichen und Groß-Eichen findet die Konfirmation zusammen in Groß-Eichen statt.

(wikipedia, Sonntagsblatt, vivat)

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22. März 1905

Aus Stadt und Land

Um der vielfach geäußerten, irrigen Meinung zu begegnen, daß der Anschluß der in Frage kommenden Gemeinden der Kreise Schotten und Gießen an die Gaszentrale Laubach nur eine finanzielle Belastung selbiger bedeute, sei nach eingezogenen Erkundigungen bemerkt, daß die Süddeutsche Gasgesellschaft alle Rohrlegungen und Aufstellung von Kandelabern vollständig kostenlos vornimmt.
Da die Steinkohlebeleuchtung, abgesehen von anderen großen Annehmlichkeiten, z. B. der Verwendung zu Heizungszwecken, die billigste und wirtschaftlichste ist, indem die Gemeinden nur den Gaskonsum zahlen, so wäre ein alsbaldiger Anschluß um so dringender zu empfehlen, als die elektrische Beleuchtung, namentlich im Hinweis auf die enorm hohen Kosten, für kleinere Gemeinden nicht mehr in Frage kommen kann, andererseits aber auch die Frankfurter Gasgesellschaft sich bereit erklärt hat, minderbemittelten Gemeinden in weitgehender Weise entgegenzukommen.

Der am gestrigen (19. März 1905), über "Zweckmäßigkeit der Gasbeleuchtung und der Gaszentrale für Gemeinden" im Auftrage der Süddeutschen Gasgesellschaft im Schützenhof in Laubach gehaltenen Vortrag hatte sich des Besuchs von nahezu 100 Personen aus den Städten und vieler Orte aus deren Umgegend zu erfreuen. Der Vortragende legte die Vorteile der Gasbeleuchtung gegenüber der Petroleum- und Elektrizitätsbeleuchtung dar. Durch die Erfindung des Glühlicht-Dauerbrenners habe die Beleuchtungstechnik einen Riesenfortschritt gemacht [...]

In Lardenbacherhof bei Weickartshain (Seenbrücke) wird am 1. April 1905 eine Posthilfsstelle errichtet deren Verwaltung dem Herrn Webereibesitzer Schütz übertragen wird.

(Grünberger Anzeiger)

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19. März 1905

Kriegervereine

Lehr- und genußreiche Stunden waren es, die dem Lardenbacher Kriegerverein und dem Nachbarverein Klein-Eichen am vergangenen Sonntage (19. März 1905) durch Herrn Lehrer Volk aus Schadenbach zuteil wurden. Kurz nach 2 1/2 Uhr eröffnete Herr Bezirksvorsteher Ritter (Laubach) die Versammlung, begrüßte die beiden vollzählig erschienenen Vereine und sonstige Gäste und wies die anwesenden Zuhörer auf den Zweck und die Bedeutung der Vorträge hin und erteilte dem Herrn Redner das Wort.

Herr Lehrer Wolf führte nun in mehr denn einstündiger Rede über das Thema: "Originale der Freiheitskriege" (Blücher, Scharnhorst und Stein) die hervorragenden Leistungen dieser drei Helden lebhaft vor Augen, schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Maj. Kaiser Wilhelm II. und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog und hohen Protektor der "Hassia", welches enthusiastisch von allen Kameraden aufgenommen wurde.

Kamerad Ruppel sprach demselben im Namen der beiden Vereine seinen Dank aus. Hierauf ergriff der Vorsitzende des Kriegervereins Weickartshain Herr Schmidt das Wort. Auch dieser verstand es, wie immer, seine Zuhörer in begeisterungsvoller Weise zu fesseln; er schilderte die schwere Blutarbeit von 1870/71, wie dieselbe zur Einigung des deutschen Reiches führte, wie es nun Sache der Kriegervereine sei, hieran festzuhalten, und auch gegen die inneren Feinde des Landes anzukämpfen.

Alsdann wurden noch einige fröhliche Stunden durch Singen patriotischer Lieder und gewürzt durch humoristische Vorträge ausgefüllt. Bei dem Scheiden der Kameraden wurde der Wunsch laut, noch mehr solcher Vorträge mitzuerleben.

(Grünberger Anzeiger)

[Blücher, Scharnhorst und Stein waren bedeutende Persönlichkeiten der preußischen Reformzeit und der Befreiungskriege gegen Napoleon. Diese drei Männer trugen wesentlich zur Erneuerung Preußens und zum Widerstand gegen Napoleon bei. Ihre Zusammenarbeit und Reformen hatten nachhaltige Auswirkungen auf die deutsche Geschichte. Wikipedia]

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11. März 1905

Aus Stadt und Land

Das diesjährige Ersatz-Geschäft für den Kreis Schotten findet in dem Rathaussaale zu Schotten statt: Mittwoch den 8. März für Freienseen; Donnerstag den 9. März für die Orte Gonterskirchen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Lardenbach mit Solms-Ilsdorf, Laubach; Freitag den 10. März für Ruppertsburg; Samstag den 11. März für Wetterfeld.

In letzter Zeit ist teilweise mit Erfolg in Laubach, gewiß auch an anderen oberhessischen Orten, von Paris aus ein Schwindelunternehmen betrieben worden. Eine dortige Firma, Reinhard Becker & Co., bot einem hiesigen Kaufmann die Anfertigung eines Gratisportraits nach einer vorher einzusendenden Photographie an [...] besonders wurde hervorgehoben, daß es sich nicht um Abnahme eines Rahmens handele, denn wir sind "keine Rahmenhändler".
Nach etwa 3 Wochen, nachdem die Photographie eingeschickt wurde, kam ein weiteres Schreiben, das mitteilte: "Das hergestellte Portrait haben wir soeben beendet; es ist ein wirkliches Meisterstück von vollkommener Aehnlichkeit, vorher wollen Sie uns für Verpackung, Fracht u. s. w. 8,35 Mk. einschicken; anbei folgt ein Katalog für Rahmen aus dem Sie Ihre Wahl treffen wollen."
Der Kaufmann, der Verbindungen in Paris hat, schrieb an einen dortigen Bekannten, der ihm das Bild verpacken und übersenden sollte. Die Antwort war: "Als ich hinschickte, um das Bild anzusehen, stellte sich heraus, daß das Bild noch nicht angefertigt war." Später wurde ihm per Karte mitgeteilt, daß das Bild gegen Erhalt von 8,35 Mk. ihm, dem Pariser, jetzt zur Verfügung stehe.
Das ist also die Gratislieferung einer vielleicht wertlosen Kreidezeichnung. Der ganze Vorgang, eine Summe von Lügen, sollte Jedermann eine Warnung sein, auf das Schwindelanerbieten zu reagieren.

Die Frühjahrskontroll-Versammlungen im Landwehrbezirk Gießen 1905 finden statt: [...] am 13. April, 2 1/2 Uhr nachmittags; zu Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Ilsdorf (Solms), Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld zu Laubach auf der Straße nach Wetterfeld [...]
Es haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve und der Landwehr [...] die Mannschaften der Reserve und Landwehr, Aufgebot aller Waffen, einschließlich Halbinvaliden und nur Garnisonsdienstfähigen. [...] Die Ersatzreservisten, geübte und nicht geübte.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. März 1905

Die Beleuchtungsfrage

In der gestern Abend (1. März 1905) stattgehabten Gemeinderats-Sitzung in Grünberg war der Stadtvorstand vollzählig vertreten. Nach erfolgter Genehmiugung des durch Submission abgegangenen Hainbuchenholz hielt Herr Ingenieur Heil von der Süddeutschen Gasgesellschaft an der Hand mehrerer Verträge einen längeren Vortrag über die in Laubach zu errichtende Gasanstalt und Anschluß der umliegenden Orte und Städte an die Zentrale.

Nach Anhörung der Ausführungen des Redners gelangte man zu der Ansicht, daß Grünberg wohl ein günstigeres Anerbieten zwecks Erlangung einer guten Beleuchtung, ohne ein Risiko dabei zu übernehmen, so bald nicht wieder gemacht werden dürfte, als dies augenblicklich von der Süddeutschen Gasgesellschaft durch Anschluß an die Zentrale Laubach geschehen ist.

Allerdings wurde von mehreren Gemeinderäten recht bedauert, daß nicht Grünberg zur Errichtung einer Gasanstalt berücksichtigt worden ist. Während ein Gemeinderat betonte, es müsse unbedingt ein besseres Licht geschaffen werden, denn auch die Bürgerschaft würde dazu drängen, behaupteten zwei andere Gemeinderäte das Gegenteil, jedoch mit dem Hinzufügen, daß die Beleuchtungsfrage für die Dauer nicht von der Hand zu weisen, aber reiflichste Erwägung am Platze sei.

Nach Schluß der interessanten Diskussion, in deren Verlauf Herr Ingenieur Heil über verschiedene Punkte Aufklärung gab, wurde einem Antrag zugestimmt, nach welchem erst noch andere Vorträge über die z. Zt. als vorteilhaft geltenden Beleuchtungsmethoden gehört werden sollen, ehe zur definitiven Beschlußfassung in dieser für Grünberg so wichtigen Angelegenheit geschritten wird.

(Grünberger Anzeiger)

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01. Februar 1905

Kinderarbeit

Wie seit dem 1. Januar 1904 die Kinderarbeit im Gewerbebetrieb gesetzlich geregelt und eingeschränkt ist, so ist demnächst auch ein Gesetz über die Kinderarbeit in der Landwirtschaft und im Haushalt zu erwarten. Die Vorarbeiten zu diesem Gesetz sind schon im Gang. Da hier ein Lebensinteresse der Landwirtschaft, namentlich der kleineren Landwirte berührt wird, hat die Landwirtschaft alle Ursache, die Augan offen zu halten, daß nicht ein Gesetz zu stande kommt, welches in wohlgemeintem Eifer sie auf's empfindlichste schädigt.

Der Christlich-soziale Verein für Laubach und Umgegend hat deshalb diesen Gegenstand auf die Tagesordnung seiner nächsten Versammlung gesetzt, die am Mittwoch in Ruppertsburg stattfindet, und auf welche auch hier als von höchstem Interesse aufmerksam gemacht wird.

(Grünberger Anzeiger)

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28. Januar 1905

Verabschiedung des Kreisschulinspektors

Zu Ehren des von hier weggehenden Kreisschulinspektors Backes hatten sich am Sonntag etwa 65 Lehrer des Kreis Schotten, die meist auf Schlitten herbeigeeilt waren, im Gasthofe "zur Schützenhalle" im festlich geschmückten Saale zu einem Abschiedskommers eingefunden. Auch die Mitglieder der Kreisschulmommission waren vollständig erschienen.

Der Vorsitzende der letzteren, Geh. Rat Schönfeld, brachte den ersten Toast auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog, Lehrer Link (Rudingshain) widmete tief bewegte Abschiedsworte dem scheidenden Kreisschulinspektor, die derselbe mit einem Hoch auf das Blühen und Gedeihen der Schulen des Kreises Schotten erwiderte. Zuletzt brachte Lehrer Gerhard (Laubach) ein Hoch auf die Kreisschulkommission aus. Musikalische Vorträge hielten die Teilnehmer noch lange beim frohen Becherklang zusammen.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Januar 1905

Pfarrverwalter

Pfarrverwalter Weisel, seither in Fauerbach tätig, wurde zum Pfarrverwalter in Groß-Eichen ernannt.

[Bis in das Jahr 1904 hatte Pfarrer Valentin Brück die Pfarrstelle in Groß-Eichen/Klein-Eichen inne. Erst im Jahr 1906 wird der nächste Pfarrer vor Ort wirken.]

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Januar 1905

Neujahr 1905

Im Wintermantel hat das alte, müde Jahr von uns Abschied genommen; unter Sturm, Frost und Schneegestöber, die fast ohne Übergang strömenden Regengüssen folgten, und namentlich an den deutschen Seeküsten mancherlei Schaden anrichteten, hat das Jahr 1904 seine letzten Tage verbracht und sich dann empfohlen.

Das Jahr 1905 ist an seine Stelle getreten; ihm sind geradeso, wie seinem Vorgänger, die lebhaftesten Wünsche entgegengebracht; viele Millionen haben in frohem Kreise, beim hellen Gläserklang sein Erscheinen begrüßt, und Andere haben seufzend die Last eines schweren Schicksals, das uneingeladen einkehrte, empfunden.

In unseren Tagen, die das Meiste von früherer Ruhe und Behaglichkeit des Lebens, eines Lebens, in dem freilich das Rasten nicht selten zum Rosten wurde, eingebüßt haben, wohnen Freud und Leid oft Tür an Tür. Die Freude mit Maß genießen, die Sorge tapfer bekämpfen, es bleibt das beste Rezept für den weiten Weg durch das neue Jahr, dessen festlicher Beginn nun vorüber ist.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

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