26. Dezember 1904

Hoher Besuch

Se. Königl. Hoheit der Großherzog erstattete heute mit seiner hohen Braut im gräflichen Schlosse in Laubach einen Besuch ab. Sie fohren mit Begleitung in einem Automobilwagen, während Se. Durchlaucht Fürst Lich und Gemahlin einen Vierspänner benutzten. Um 12 Uhr mittags traf der hohe Besuch ein. Bei der Abfahrt um 4 Uhr hatten sich an der Straße nach Wetterfeld zu zahlreiche Personen eingefunden, um dem hohen Brautpaare ein "Hurra-Hoch" zuzurufen.

(Grünberger Anzeiger)

 
26. Dezember 1904

Wetter

Das Weihnachtswetter war ungünstig: naßkalt; am 2. Feiertage rieselte es sogar fein herab. Kein Wetter für Ausflügler.

(Grünberger Anzeiger)

 
03. Dezember 1904

Bekanntmachung

Die Auszahlung und Beschreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht am Montag, den 5. Dezember 1904 für die Orte: Harbach, Ilsdorf, Kesselbach, Kirschgarten, Klein-Eichen, Lauter und Lehnheim nachmittags von 2 - 4 Uhr.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. November 1904

Wetter

"Gestrenge Herren regieren nicht lange!" Das könnte man auch von der anfangs dieser Woche eingetretenen Kälteperiode, die jetzt wieder wärmerem Wetter Platz gemacht hat, sagen. Ein Beweis, daß letzteres bis jetzt das herrschende war, ist Tatsache, daß ein Hausbesitzer in Laubach in seinem Garten dieser Tage ein Sträußchen Veilchen pflücken konnte.

(Grünberger Anzeiger)

 
17. November 1904

Diphteritis

In umliegenden Dörfern sind bereits Todesfälle infolge Diphteritis vorgekommen, auch hier sind in letzter Woche mehrere diphteritische Erkrankungen aufgetreten. An die nötige Vorsicht bei Verbreitung dieser Krankheit sei besonders erinnert.

(Grünberger Anzeiger)

 
29. Oktober 1904

Herbst-Kontrollversammlungen

Auf der Straße nach Wetterfeld in Laubach findet am 21. November 1904 um 3 1/2 Uhr nachmittags die Herbst-Kontrollversammlung statt. Dies für die Orte Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Ilsdorf (Solms), Lardenbach, Ruppertsburg und Wetterfeld.

Befreiungsgesuche sind spätestens 8 Tage vor dem Apell durch das Hauptmeldeamt einzureichen und müssen durch die Bürgermeistereien [...] beglaubigt sein. [...] Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Kontrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Oktober 1904

Gallusmarkt

Trübe Aussichten waren es, die den Verlauf unserer Gallusmarkttage bedrohten: Dicker Nebel und Regenwetter waren dem prächtigen Herbstwetter am Sonntage, an dem durch das Krämerische Karussel unserer Jugend eine kleine Vorfreude bescheert werden konnte, gefolgt und ließen befürchten, daß der übel berüchtigte Begleiter so vieler Gallusmärkte, überreichlicher Schmutz, auch heuer sich einstellen würde.

Glücklicherweise änderte sich das Bild und am 19. Oktober beleuchteten freundliche Sonnenstrahlen die Alt und Jung aus Grünberg und dessen Umgebung wohlbekannte, von einer großen, zu Fuß und zu Wagen, mit fahrplanmäßigen und Extrazügen angekommenen Menschenmenge belebte Szenerie.

Der Besuch des Marktes war gleich dem im Vorjahre ein ganz bedeutender, was schon daraus zu entnehmen ist, daß am ersten Tage auf hiesigem Bahnhof etwa 4000 Personen verkehrten und 1969 Fahrkarten, 452 mehr wie im Vorjahre, ausgegeben wurden.

Der Juxplatz war etwas schwächer besetzt. An Schaubuden hatten sich nur vier eingefunden, darunter ein Panoptikum, in dem u. a. zu sehen waren "Groß und Stafforst, allein das Geld wert," eine Bude mit dem "Schrecken der Urwälder und der Meere," eine Arena, in der Kämpfe mit indischen Stieren vorgeführt wurden, und die heutzutage unvermeidliche Schnellphotographenanstalt.

Um so reichlicher war sonst für Vergnügen gesorgt. In vier verschiedenen Lokalen konnte der Göttin des Tanzes gehuldigt werden. Im "Wilden Mann" sorgten humoristische Vorträge einer Tiroler Gesellschaft einen seltenen Genuß. Im Allgemeinen können die Geschäftsleute mit den Erfolgen des Marktes zufrieden sein.

Es waren 150 Krämerstände aufgestellt. Der Viehmarkt war befahren von auswärts mit 1992 Schweinen und 212 Stück Rindvieh. An wertvollerem Vieh waren nur 2 Simmentaler Kühe aufgetrieben, die für je 350 Mk. verkauft wurden. Schweine kosteten 28 - 40 - 50 Mk. das Paar.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Oktober 1904

Bekanntmachung

Betr.: Wahlen zur Großherzoglichen Handelskammer Friedberg, für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten. Unter Hinweis auf die im Laufe des Monats November 1904 stattfindenden Ergänzungswahlen zur Großh. Handelskammer für die sämtlichen Wahlbezirke mit Ausnahme Laubachs machen wir nach Artikel 11 des Gesetzes vom 6. August 1902 hiermit bekannt, daß die Listen der Wahlberechtigten nunmehr ausgestellt sind.
[...]

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Oktober 1904

Dienstjubiläum

Das war einmal ein Jubeltag, ein herrliches, wohlgelungenes Fest, das fünfzigjährige Dienstjubiläum des Herrn Lehrer Schneider, welches zu Lardenbach (am 4. Oktober 1904) gefeiert wurde. Goldig glänzte die Herbstsonne am wolkenlosen Himmel, reine, herzerquickende Freude und Teilnahme leuchtete aus den Augen von Kindern und Erwachsenen. Von nah und fern waren sie herbeigeeilt, die Freunde und Kollegen, um an dem Ehrentage ihres Seniors innigen Anteil zu nehmen.

Das Kirchlein war zu klein, um alle die zu fassen, die mit Herrn Schneider Gott die Ehre geben wollten für die Gnade und den Segen, welchen Gott so reichlich über den Jubilar und hierdurch zugleich über die Gemeinden, denen derselbe 48 Jahre lang seine treuen Dienste gewidmet, ausgegossen. In zu Herzen gehenden Worten wurden diese Gedanken von Pfarrer Weinberger ausgeführt.

Nach der kirchlichen Feier zeigte es sich, welch hohe Anerkennung einem pflichtgetreuen Lehrer zuteil wird, welche Anhänglichkeit und Dankbarkeit sich derselbe in den Herzen der schlichten Dorfbewohner erworben. Se. Königl. Hoheit der Großherzog verlieh dem Jubilar die Krone zu dem Verdienstkreuze Philipps des Großmütigen, welche Auszeichnung Herr Geheimrat Schönfeld mit tiefempfundenen Worten der Hochachtung und Wertschätzung überreichte.

Auch das hohe Kirchenregiment drückte in einem Schreiben seine Anerkennung und Dankbarkeit aus für die vielen und guten Dienste, welche der Gefeierte in pflichtgetreuer Weise der Kirche geleistet. Reiche und schöne Geschenke wurden dem Jubilar von den Gemeinden- und Kirchenvorständen, den Kollegen und Schülern überreicht.

Ein langer Festzug mit Musikkapelle an der Spitze durchzog die reichgeschmückten Straßen des Ortes. Das Festessen, dessen Reichhaltigkeit und Güte dem Gastwirte, Herrn Mölcher, alle Ehre machte, wurde gewürzt durch viele treffliche Ansprachen, ganz besonders gelang es dem Obmanne unseres Landeslehrervereins, Herr Backes, durch seine launigen, herzlichen Worte die Versammlung zur größten Heiterkeit hinzureißen.

Verschönt wurde die Feier durch Musik- und Gesangsvorträge. Von dem Sohne des Jubilars, welcher in Rheinhessen amtiert, wurde vorzüglicher Wein, eigenes Gewächs, geliefert, welcher auch bald dem Schüchternsten die Zunge löste und Gedanken und Reden noch höheren Schwung verlieh. Ein Tänzchen, an welchem der Jubilar noch selbst teilnahm, beschloß die schöne Feier.

In voller körperlicher und geistiger Frische hat der Jubilar die Strapazen dieses Tages überwunden. Er ist das schönste Beispiel dafür, daß ein arbeitsreiches, in Mäßigkeit hingebrachtes Leben das beste Mittel ist, ein so glückliches und hohes Alter in solcher Frische zu erreichen. Möge Gott ihm und seiner noch ebenso rüstigen Gattin noch viele Jahre diese Frische des Geistes und des Körpers erhalten.

(Grünberger Anzeiger)

Am 4. Oktober 1904 wurde das 50-jährige Dienstjubiläum von Lehrer Peter Schneider gefeiert. Über dieses Jubiläum berichtete einen Tag später die Zeitung: „Gestern feierte unsere Gemeinde das 50-jährige Dienstjubiläum ihres bidern, viel geehrten und beliebten Lehrers Schneider. Wie sehr die ganze Gemeinde an dieser Feier teilnahm, das kündete eindringlich das schöne Festkleid, das der Ort angelegt hatte. Fahnen und Guirlanden grüßten aus den Häusern, Fichten säumten die Straßen und überall prangte Fensterschmuck.

Um 11 Uhr riefen die Glocken zum Festgottesdienst. Die nicht große Ortskirche war alsbald so von Festteilnehmern gefüllt, dass ihrer viele vor den Toren der Kirche bleiben mussten. Auf Grund des Schrifteortes: „Der Herr ist meine Stärke, mein Lobgesang und mein Heil“, hielt der Ortspfarrer, Herr Weinberger, eine zu Herzen dringende Festrede.

Der Gesangverein verschönte die erhebende Feier durch Gesangsvorträge. Dem Gottesdienst folgte die offizielle Feier im Schulsaale. Hier überreichte Herr Geheime Rat Kreisrat Schönfeld unter warmer Anerkennung der Verdienste des Jubilars, der unermüdlich und treu seinen Berufspflichten 48 Jahre lang im Schulverband Lardenbach, Klein-Eichen, Solms-Ilsdorf und Stockhäuser Hof oblagen – die Krone zum Verdienstkreuz Philipp des Großmütigen.

Herr Dekan Wagner verlas ein huldvolles Schreiben Großherzoglichen Ober-Konsistorium. Der Herr Kammerrat der gräflichen Herrschaft von Laubach übergab eine Glückwunschadresse der Gräfin Wtw. Zu Laubach. Herr Lehrer Gerhard von Laubach überbrachte namens des Bezirkslehrervereienes Laubach ein prächtiges Bild, Armins Heimkehr aus der Schlacht im Teutoburger Wald.

Der Oberbürgermeister schenkte im Auftrag genannter Schulverbände ein prächtiges Sofa mit prachtvollem Teppich. Herr Pfarrer August Weinberger überreichte für den Kirchenvorstand ein schönes Bild. Dann sprach ein Schulknabe unter Geschenküberreichung so schöne, tief bewegende Worte, dass viele Augen sich feuchteten. Tief bewegt und gerührt dankte der Jubilar für alle Geschenke, für alle Ehrungen und Wertschätzungen. Unter Vorantritt einer Musikkapelle bewegte sich nach der amtlichen Feier ein Festzug durch die Ortsstraßen zur Festtafel im Melchior’schen Saale.

(?)

Fotos

 
04. September 1904

Meldungen

Die diesjährigen Hauptkörungen im Kreise Schotten finden statt: Am 26. September nachmittags 1 Uhr in Groß-Eichen, nachmittags 4 Uhr in Klein-Eichen, nachmittags 5 Uhr in Lardenbach, nachmittags 6 Uhr in Freienseen [...] Gelegentlich der durch die Hauptkörungen bedingten Anwesenheit der Körkommission in den Gemeinden können auch einzelne noch nicht zur Zucht in den Gemeinden verwendete Faseltiere zwecks Entscheidung über ihre Tauglichkeit auf Antrag der Besitzer der Tiere fachverständig begutachtet werden.

Auch in diesem Jahr (4. September 1904) hat die Grünberger Einwohnerschaft es sich nicht nehmen lassen, im Verein mit der Jugend der für das deutsche Vaterland so bedeutsamen Folgen der Tage von Sedan in festlicher Weise zu gedenken.
In Weickartshain feierte der Kriegerverein (am 4. September 1904) sein zwanzigjähriges Stiftungsfest, verbunden mit der Sedanfeier. Unter Vorantritt der Vereinskapelle bewegte sich der Festzug, an welchem sich auch Leherer und Schulkinder beteiligten, durch die Ortsstraßen nach dem schönen Festplatze im Walde. Nach dem gemeinschaftlich gesungenen Liede "Deutschland über Alles" hielt der Vorsitzende des Vereins eine von patriotischem Geiste tief durchwehte Sedanrede, welche mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang.
[Der Sedantag (auch Tag von Sedan oder Sedanstag) war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) jährlich um den 2. September gefeiert wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan. Ob dieser Tag auch hier in Klein-Eichen oder Lardenbach gefeiert wurde scheint möglich.]

Dienstag den 4. Oktober feiert unser verehrter Lehrer Schneider sein 50jähriges Dienstjubiläum. Zu demselben werden die Kollegen, Freunde und Bekannten des Jubilars freundlich eingeladen. Der Gottesdienst gebinnt um 11 Uhr. Für die Beteiligung am Festessen bei Gastwirt Mölcher ist Anmeldung bei diesem oder bei Herrn Lehrer Gerhard in Laubach bis Ende September erwünscht.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
31. August 1904

Kanonendonner

Am heutigen Vormittage wurde bis nach Laubach lebhafter Kanonendonner hörbar, welcher von der zwischen Lich und Münzenberg übenden 25. Artilleriebrigade herrührte.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. August 1904

Meldungen

Am gestrigen Abend (22. August 1904) ging ein schweres von Südost kommendes Gewitter mit starkem Regenfalle über die Gegend. Gärten und Wiesen wurden tüchtig getränkt, während die Felder, da das Wasser oft schnell abschoß, immer noch nicht genug das lang ersehnte Naß haben. Auf den Straßen bildeten wahre Bäche den Passanten Hindernisse. Während dieses Gewitters schlug der Blitz in einen in Klein-Eichen stehenden Birnbaum ein.

In eine nicht nur unangenehme, sondern gefährliche Lage gerieten am Montag (22. August 1904) Abend eine Anzahl Grünberger Besucher des Weickartshainer Kirchweihfestes. Sie hatten sich während des Gewitters auf den Weg nach der etwa zwanzig Minuten entfernten Station gemacht und waren bei der herrschenden Finsternis, die auf Augenblicke nur durch die herniederfahrenden Blitzstrahlen erhellt wurde, vom Wege abgekommen und an eine sumpfige Stelle geraten, an der sie bis zu halber Körperhöhe im Wasser standen. Nur mit vieler Mühe retteten sie sich wieder auf festen Boden, die Richtung nach dem Bahnhof aber hatten sie verloren und kamen anstatt an diesem wieder in Weickartshain an, von wo aus der gefahrvolle Weg nochmals unternommen wurde, diesmal mit besserem Erfolg, wenn auch arg mitgenommen von den unaufhörlich sintflutartig herniederströmenden Regen.

Der heute (25. August 1904) abgehaltene Viehmarkt in Grünberg zeigte einen außerordentlich starken Auftrieb von Schweinen, dem indessen ungenügende Nachfrage gegenüberstand, sodaß die Ware zum großen Teil unverkauft wieder abgefahren werden mußte; die unsicheren Futteraussichten beeinflußten die Kauflust augenscheinlich in ungünstiger Weise. Die erzielten Preise waren 25-45-50 Mark pro Paar; Einlegschweine 60-100 Mk. Auftrieb und Handel beim Rindvieh waren unwesentlich.

Auf eine fünfzigjährige Lehrtätigkeit wird Lehrer Schneider in Lardenbach am 4. Oktober d. Jh. zurückblicken. Von diesen 50 Jahren hat Herr Lehrer Schneider 48 in Lardenbach verbracht, wohin er nach zweijähriger Tätigkeit in Sichenhausen bei Hirzenhain versetzt wurde.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
20. August 1904

Einquartierungen

Die Großh. Kreisämter veröffentlichten eine Übersicht über die beabsichtigte Belegung der Gemeinden durch Truppen während der diesjährigen Herbstübungen. Danach erhalten Einquartierungen:

[...]

Klein-Eichen am 13. Sept.: 1 Komp. Inf., 4 Off., 135 M., 1 Pf., 16. Sept.: 2/3 Komp. Inf., 2 Off., 92 M., 1 PF., 1/2 Est Drag., 3 Off., 50 M., 63 Pf., 17. u. 18. Sept.: 1 Komp. Inf., 4 Off., 138 M., 2 Pf., 20. u. 21. Sept.: 1/4 Reg. Ulanen, 3 Off., 90 M., 93 Pf., 22. u. 23. Sept.: 1/2 Reg. Kavall,. 2 Off., 52 M., 55 Pf., 1 1/2 Komp., 6 Off. 26 M., 4 Pf., 23. u. 24. Sept.: 1 Batt. schwere Artl., 6 Off., 15 M., 58 Pf., 1 Komp., 4 Off., 130 M., 2 Pf.

Lardenbach am 9. Sept.: 1 Batt. Artl., 6 Off., 86 M., 3 Pf., 13. Sept.; 1 Inf.-Batl.-Stab, 4 Off., 16 M., 4 Pf., 1 Komp. Inf., 5 Off., 135 M., 2 Pf., 20. u. 21. Sept.: 1 Est. Drag., 4 Off., 118 M., 123 Pf., 16. Sept.: 1 Komp. Inf., 4 Off., 138 M., 2 Pf.; 1/2 Est. Drag., 3 Off., 59 M., 63 Pf., 17. u. 18. Sept.: 1 Inf.-Batls.-Stab, 5 Off., 17 M., 6 Pf.; 3 Komp. Inf., 8 Off., 276 M., 4 Pf.; 22. u. 23. Sept.: 1/2 Est. Drag., 2 Off., 53 M., 55 Pf.; R.-Stab u. 2 Komp., 18 Off., 279 M., 10 Pf.; 23. u. 24. Sept.: 1 Batt. schwerer Artl, 6 Off., 186 M., 58 Pf.; R.-Stab u. 1 Komp., 9 Off., 160 M., 16 Pf.

[...]

(Grünberger Anzeiger, 20. August 1904)

Die Fürsorge für die räumliche Unterbringung des Militärs war grundsätzlich eine Aufgabe des Staates. Zur Einquartierung (wie hier bei Manövern) konnten alle, ihrer Beschaffenheit nach zur Unterbringung von Mannschaften und Pferden geeigneten Räume in Anspruch genommen werden.

Für die Masse der in einer Ortschaft unterzubringenden Truppen wurde als Faustregel die Anzahl der Feuerstellen (Haushaltungen) gerechnet, in denen je ein Mann, bei sogenannter engerer Belegung 4 bis 5 Mann untergebracht wurden. Auf Bauernhöfen wurden bis zu 50 Mann und darüber untergebracht. In allen Ortschaften, welche mit Garnison zu belegen waren, wurde der Umfang, in welchem die Quartierleistungen gefordert werden konnte, durch ein Kataster bestimmt.

Die Höhe der Entschädigung wurde abhängig von den Dienstgraden der untergebrachten Militärangehörigen und von dem sogenannten Ortstarif gewährt. Die Zahlung der Entschädigung erfolgte an den Ortsvorstand, die Auszahlung an die einzelnen Quartiergeber war dann Sache des Ortsvorstandes.

Für Dienstpferde der Garnison wurden Anforderungen an die Stallungen gestellt. Den Quartiergebern verblieb in der Regel der Pferdemist als Vergütung für das Beleuchtungsmaterial und das Stallzubehör.

(Wiki)

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17. August 1904

Vergebung von Straßenbauarbeiten

Betreffend: Umbau der Kreisstraße: Straße Flensungen -. Freienseen nach Stockhausen und Herstellung der Ortsdurchfahrt Stockhausen.
Die bei rubr. Straßenumbau erforderlich werdenden Arbeiten und Lieferungen im Voranschlagsbetrage von 8750 Mk sollen im Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden.
Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsichtnahme für die Interessenten auf.
Ebendaselbst sind die Angebote verschlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Dienstag den 23. August d. Js. vormittags 10 Uhr abzugeben. Die Eröffnung erfolgt an vorgenantem Termin in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.
Gießen, den 5. August 1904
Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

(Grünberger Anzeiger)

 
13. August 1904

Merldungen

Die Regimentsfelddienste als Vorübungen zum Manöver haben jetzt begonnen, den Infanterie-Regimentern sind Kavallerie-Abteilungen beigegeben. So finden zurzeit Uebungen zwischen dem Regiment Kaiser Wilhelm-Gießen und dem 1. Bataillon 168er-Butzbach in der Gegend Lang-Göns, Kirch-Göns statt. Vom 15. August an hat die 49. Infanterie-Brigade Scharfschießen im Gelände Großen-Buseck - Beuern. Ihr Brigade-Exerzieren ist bei Steinbach und Gießen, demselben geht das Regiments-Exerzieren der 116er und 168er voraus. Letzteres Regiment wird vom 22. August bis 10. September in Gießen einquartiert.
Bisher haben sich für die Einquartierung nur 500 Quartiere gefunden. Man hofft zwar, dass noch Meldungen für einige Hundert eingehen werden, trägt sich aber schon mit dem Gedanken, dass man für den größeren Teil der Mannschaften Massenquartiere beschaffen muß. Wir hören übrigens, dass es bei den 2000 Mann nicht bleiben wird,dass seitens der Militärverwaltung die Absicht besteht, für einige wenige Tage des August 5000 Mann nach Gießen zu legen.

Der Statistik des Dekanats Grünberg entnehmen wir, dass das letztere im Vorjahre eine Seelenzahl von 26312 Personen gegen 26210 in 1902 aufwies; hiervon leben 118 von der evangelischen Landeskirche getrennt. Die Kirche besuchten an den Sonntagen durchschnittlich 6203 oder zirka 160 Proz. Unter den 20 Pfarreien des Dekanats steht beim Kirchenbesuch obenan Ermenrod mit 65 Prozent; es folgen Ober-Ohmen mit 49, Lardenbach 47, Wetterfeld und Münster je 46, Winnerod 45, Queckborn 44, Londorf 39, Burg-Gemünden 38, Groß-Eichen/Klein-Eichen 36, [...]
Der Abendsmahlbesuch ergibt nachstehende Reihenfolge: Münster 221 Prozent, Ettingshausen 215, Queckborn 207, Lardenbach 205, Ermenrod 198, Winnerod 193, Ober-Ohmen 193, Wetterfeld 191, Wirberg 190, Merlau 177, Ehringshausen 177, Burg-Gemünden 175, Nieder-Ohmen 172, Londorf 171, Freienseen 169, Nieder-Gemünden 151, Groß-Eichen/Klein-Eichen 149, [...]. Für die Zwecke christlicher Liebestätigkeit brachten auf: Grünberg 167 Pf., [...], Lardenbach 42, [...], Groß-Eichen/Klein-Eichen 20 Pfennige auf den Kopf der Bevölkerung.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
18. Juli 1904

Meldungen

In demselben Maße als die Hitze andauert (15. Juli 1904) und sich steigert, in derselben Weise hebt sich der Wasserverbrauch für Menschen, Tiere und Pflanzen. Kein Wunder, dass bei der lang anhaltenden Trockenheit Wassermangel eingetreten ist.

Heute (18. Juli 1904) wurde in den Gemarkungen um Grünberg und Laubach auf vielen Äckern mit dem Kornschnitt begonnen. In den Dörfern Lardenbach, Röthges, Ruppertsburg, ist die Getreideernte in vollem Gange. Man hofft, bis zum Mittwoch mit dem Kornschnitte fertig zu sein. Das Korn liefert infolge seiner schweren Aehren reichen Körnerertrag; für dieselben sind die Halme oft nicht stark genug, sodass die Kornfelder hier und da umliegen, wodurch Schwierigkeiten beim Schneiden sich ergeben.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
02. Juli 1904

Maldungen

Das Großh. Ministerium des Inneren, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat unter dem 19. April 1904 eine Verfügung über die in der Volksschule zulässigen Disziplinarmittel erlassen Diese Verfügung bedeutet einen wesentlichen Fortschritt und hat in ganz Deutschland Beachtung gefunden. In Hessen ließen sich die bisher geltenden Bestimmungen nicht länger halten. Bei den allergeringsten Bestrafungen unartiger Kinder wurden von unverständigen Eltern Staatsanwalt und Verwaltungsgerichtshof in Bewegung gesetzt. Für die unnötig vor Gericht gestellten Lehrer aber hatte die unberechtigte Klage eine Fülle von Gemütsaufregungen und Ärger zur Folge.
Künftig wird der Lehrer auch verlogenen, trotzigen Schülerinnen, die schlimmer sind als die bösartigsten Knaben, nicht mehr völlig machtlos gegenüberstehen. In besonders schwierigen Fällen dürfen auch sie körperlich bestraft werden. Ebenso ist in solchen Fällen die Züchtigung von Kindern unter scht Jahren statthaft.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Juni 1904

Maldungen

Das diesjährige Ober-Ersatzgeschäft im Kreise Schotten findet Dienstag den 7. und Mittwoch den 8. Juni 1904 in dem Rathaussaale zu Schotten statt. Es haben zu erscheinen jedesmal pünktlich um 8 Uhr: 1. die von der Ersatz-Kommission als tauglich erkannten Militärpflichtigen; 2. die für dauernd unbrauchbar befundenen Militärpflichtigen; 3. die zum Landsturm ersten Aufgebots in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; 4. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; 5. die von den Truppenteilen zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Soldaten; 6. die von den Truppenteilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen. Jedem Militärpflichtigen, welcher vor der Ober-Ersatz-Kommission zu erscheinen hat, wird besondere schriftliche Ladung durch Vermittelung der Bürgermeisterei seines Wohnortes zugestellt werden.

In dem Besitze eines Landwirtes aus Freienseen befindet sich eine zehnjährige Kuh, welche schon 14 Kälber gehabt, darunter waren 6 Zwillingskälber. Gewiß ein seltenes Vorkommnis.

Beim Fischen im Seenbache im Juni wurde eine 11 1/2 Pfd. schwere Forelle gefangen, welche eine fast handlange Wasserratte verschluckt hatte, deren Schwanz noch aus dem Maule hervorsah.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Juni 1904

Fernblick

Wir wollen nicht verfehlen auf einen Aussichtspunkt unserer Umgebung hinzuweisen, der erst kürzlich durch Abtreibung eines Hochwaldes geschaffen, den wenigsten Fußwanderern bekannt sein dürfte. Von dem bei Freienseen, ca. 10 Minuten vom Freienseener Pflanzgarten, gelegenen Elmersberg genießt man einen herrlichen Fernblick auf den gesamten Vogelsberg.

Insbesondere läßt die nördliche Lage dieses Punktes zu, den Schloßberg mit Ulrichstein zu sehen, und dieses dürfte wohl die einzige Stelle unserer Umgebung sein, von der man Ulrichstein erblickt. Eine große Zahl Dörfer, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Merlau, Klein-Eichen, Freienseen und Lardenbach, die weiter sichtbar sind, verleihen dem gesamten Bild einen eigenartigen Reiz.

Der Weg nach diesem Punkt ist vom hiesigen (Laubach) Zweigverein V.H.-C. neu markiert mit einfachen gelben Kreuz, beginnend am Johann-Friedrich-Stift. Auch von dem markierten Weg Grünberg-Hoherodskopf liegt dieser Punkt nur etwa 40 Schritte abseits und kann, dem gelben Kreuz folgend, in wenigen Minuten erreicht werden.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
25. Mai 1904

Meldungen

Auf die Einladung des Herrn Bürgermeisters Jochem von Laubach hatten sich gestern (14. Mai 1904) im Gasthaus "Zur Traube" hier etwa die Hälfte der Bürgermeister des Kreises Schotten eingefunden. Zweck der Versammlung, der auch der Kreisrat, Herr Geh. Regierungsrat Schönfeld, beiwohnte, sollte die Gründung eines Kreisvereins der Bürgermeister des Kreises Schotten sein, wie solche Vereinigungen auch anderwärts bereits bestehen. 26 Bürgermeister traten dem neu zu gründenden Verein sofort bei.

In unserem Großherzogtum bestehen zurzeit drei Seminare zur Ausbildung von Volksschullehrern, nämlich in Alzey, Bensheim und Friedberg, ein Seminar (Darmstadt) zur Ausbildung von Volksschullehrerinnen, sowie zwei Seminarien (Mainz und Darmstadt) zur Heranbildung von Lehrerinnen für das höhere Schulfach. Da diese Bildungsanstalten nicht ausreichen, plant man in maßgebenden Kreisen die Gründung eines weiteren Lehrerseminars.

Die diesjährigen Vormusterungen des Pferdebestandes werden vorgenommen: 1. Zu Laubach ..., 2. zu Ruppertsburg ..., 3. zu Freienseen ..., 4. zu Lardenbach am Ausgang nach Sellnrod am 26. Mai 1904 und zwar: für Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Groß-Eichen vormittags 11 Uhr, für Klein-Eichen vormittags 11.10 Uhr, für Sellnrod und Schmitten vormittags 11.15 Uhr. Jeder Pferdebesitzer ist verpflichtet, seine sämtlichen Pferde zur Musterung zu gestellen ...

Mit Rücksicht auf die drohende Gefahr einer Verschleppung der Schweinepest sieht Großh. Kreisamt Schotten sich veranlasst, auf Grund des Art. 17 des Reichsviehseuchengesetzes für die im Kreise Schotten stattfindenden Viehmärkte bis auf weiteres (ab dem 18. Mai 1904) folgende Sicherheitsmaßregeln anzuordnen: 1. Landwirte, welche Schweine feilbieten, müssen mit Ursprungszeugnissen seitens der zuständigen Ortspolizeibehörde (Bürgermeisterei) versehen sein. 2. ...

Da in der Provinz Oberhessen die Schweinepest neuerdings (21. Mai 1904) wieder ausgebrochen ist, werden seitens der Behörden die Maßregeln zu deren Unterdrückung getroffen und die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen eingeschärft. Als wesentliche Erscheinungen werden an den an der Seuche erkrankten Schweinen wahrgenommen: Verminderte oder ganz aufgehobene Freßlust, Fieber, Hinfälligkeit und Schwanken im Hinterteil ...

Einen dummen Jungenstreich oder die Tat eines Blödsinnigen beging derjenige, welcher am 24. April 1904 abends zwischen den zwei letzten Zügen zwischen Stockhausen und Mücke einen etwa 1 Zentner schweren Stein auf das Schienengleise legte, um dadurch den Zug zum Entgleisen zu bringen. Glücklicherweise hatte der Lokomotivführer das Hindernis noch rechtzeitig wahrgenommen. Er gab sofort Gegendampf, konnte jedoch nicht verhindern, daß trotzdem die Maschine den schweren Stein aufschnitt. Ein Schaden oder Unglück ist weiter nicht entstanden.
Am 20. Mai 1904 war ein Untersuchungsrichter in Stockhausen und in den Nachbarorten Klein-Eichen und Flensungen, um den oder die Täter zu ermitteln. Hoffentlich gelingt es, den Bösewicht zu entlarven, damit er für seine ruchlose Tat die gebührende Strafe erhält.

(Grünberger Anzeiger)

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11. Mai 1904

Wildschaden

Nach dem von Großh. Kreisamt Schotten veröffentlichten Verzeichnis der für die Jahre 1904, 1905 und 1906 zu Sachverständigen in Wildschadensangelegenheiten gewählten Sachverständigen und Ersatzmänner gehören zum ersten Bezirk: Stadt Laubach, Waldgemarkung Laubach, Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg, Wetterfeld, Lardenbach und Solms-Ilsdorf. Zum zweiten Bezirk gehören: Groß-Eichen und Klein-Eichen. Ansprüche wegen Ersatzes von Wildschaden sind bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemeinde, in deren eigener oder polizeilich zugeteilter Gemarkung der Wildschaden eingetreten ist, binnen einer Woche zum Zwecke der Einleitung des Sühneverfahrens anzumelden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Mai 1904

Forellenbrut

In der durch die Wiesen fließenden Ilsbach wurde in voriger Woche "Forellenbrut" eingesetzt und zwar durch die Forstakademie zu Gießen im Beisein des Großh. Forstinspektors der Oberförsterei. Der von Höckersdorf kommende Ilsbach eignet sich durch sein Quellwasser, steiniges Wasserbett und mit Erlen bepflanzte Ufer ganz vorzüglich als Forellenbach. Mit der Einsetzung von Forellenbrut in die benachbarte Ohm hat man die besten Ergebnisse zu verzeichnen.

(Grünberger Anzeiger)

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04. Mai 1904

Körung

Die Körkommission des III. Körbezirkes (Simmentaler Vieh) wird nachfolgende Körtermine abhalten: Freitag den 27. Mai zu: Ruppertsburg vormittags 9 Uhr, Wetterfeld vormittags 11 Uhr, Laubach mittags 12 Uhr, Groß-Eichen nachmittags 3 1/2 Uhr. Die Züchter von Simmentaler Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von der betreffenden Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Orte aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Mai 1904

Schneefall im Mai

Wer am Morgen des 4. Mai 1904 gegen 8 Uhr den dichten Schneefall im Seenbachtal beobachtete, mußte von ernstem Zweifel befallen werden, in welcher Jahreszeit wir augenblicklich leben, fast noch eigentümlicher war es, dass schon am Mittag, während die Höhen des Vogelsbergs noch in leichtem Weiß erglänzten,, Gewitter auf Gewitter unter heftigem Donner im Tal vorüberzogen.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. April 1904

Frühjahrs-Kontrollversammlung

Zu den Frühjahrs-Kontrollversammlungen im Landwehrbezirk Gießen 1904 haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve und der Landwehr I. Aufgebots (kleiner Dienstanzug); 2) die Mannschaften der Reserve und Landwehr I. Aufgebots aller Waffen, einschließlich Halbinvaliden und nur Garnisondienstfähigen; 3) die zur Disposition der Truppenteile oder Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen; 4) die Ersatzreservisten, geübte und nicht geübte: aus den Orten Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Solms-Ilsdorf, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld zu Laubach auf der Straße nach Wetterfeld am Freitag den 29. April vormittags 9 Uhr.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. April 1904

Station Mücke

Die mehr und mehr aufblühende Station Mücke beginnt allmählich ein bedeutender Industriestandort zu werden. Die 1903 eröffnete Bahnstrecke Laubach-Mücke hat wieder großen Verkehr gebracht und eine Erweiterung der Holzindustriewerke veranlaßt. Gegenwärtig wird von der rheinischen Bergwerksgesellschaft ein neues Eisensteinbergwerk angelegt und durch eine Drahtseilbahn mit der Station verbunden.

Die reichhaltigen Eisensteinlager haben nur geringe Tiefe. Dem stets steigenden Verkehr der Reisenden und Touristen wird durch Erbauung eines Hotels durch Winn-Gießen Rechnung getragen, das bis Herbst vollendet sein soll. Mücke ist der Hauptausgangspunkt der Reisenden und Touristen nach dem nordwestlichen Vogelsberg und Ulrichstein.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. März 1904

Meldungen

Das an vielen Orten beobachtete Meteor wurde auch hier am Montag (21. März 1904) etwas nach 8 Uhr abends am südlichen Himmel in glänzender Erscheinung bemerkt.

Der Landwirt F. W. aus Atzenhain schlachtete ein Schwein im Alter von 1 Jahr und 3 Wochen, welches das ansehnliche Gewicht (Schlachtgewicht) von 419 Pfund erreichte.

Gestern Abend (22. März 1904) kam es in einer Spinnstube in Bernsfeld zu Streitigkeiten, wobei einer der Teilnehmer den Revolver zog und die Gesellschaft bedrohte. Nachdem ihm die Waffe abgenommen und auf der Bürgermeisterei abgeliefert war, wurde der Polizeidiener auf der Straße verhöhnt. Wenn ein solcher Geist in unseren ländlichen Spinnstuben einreißt, so haben sie jeden Anspruch auf Existenzberechtigung verscherzt, und jeder ordnungsliebende Einwohner muß dagegen entschieden protestieren.

Der (Eisenbahn-) Sommerfahrplan ab 1. Mai 1904 bringt gegenüber dem Winterfahrplan nur geringe Änderungen. Der Morgenzug von Mücke trifft in Laubach statt wie jetzt um 8 um 8.14 ein, für die Schüler aus dem Seental, die das hiesige Gymnasium besuchen wollen, zu spät. Die übrigen Mißstände werden sich erst beseitigen lassen, wenn die Züge von Mücke nach Friedberg direkt gehen, was vom 1. Oktober ab der Fall sein soll.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
02. März 1904

Militär-Ersatzgeschäft

Das diesjährige Ersatzgeschäft für den Kreis Schotten findet im Rathaussaale zu Schotten an nachbenannten Tagen statt:

Dienstag, 8. März für Freienseen; Mittwoch, 9. März für Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach mit Solms-Ilsdorf, Laubach; Donnerstag, 10. März für Ruppertsburg; Freitag, 11. März für Wetterfeld. Samstag, 12. März findet die Losziehung statt, wobei das Erscheinen den Militärpflichtigen überlassen bleibt. Für die Nichterscheinenden lost ein Mitglied der Ersatz-Kommission. Das Geschäft beginnt jedesmal präzis um 9 Uhr vormittags, die Militärpflichtigen müssen jedoch pünktlich um 8 1/2 Uhr im Musterungslokale anwesend sein.

Militärpflichtige, die bereits in den Vorjahren gemustert worden sind, haben ihren Losungsschein mitzubringen. Wer durch Krankheit am Erscheinen vor der Ersatz-Kommission im Musterungstermin verhindert ist, hat ein ärztlich beglaubigtes Attest einzureichen. Diejenigen, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben auf eigene Kosten drei glaubhafte Zeugen hierfür zu gestellen, oder ein Zeugnis eines beamteten Arztes beizubringen, bzw. den Nachweis derselben in anderer glaubwürdiger Weise zu führen.

Harthörigkeit oder sonstige Ohrenleiden, Schwachsinnigkeit usw. und Augenleiden sind durch Zeugnisse von Lehrern, Geistlichen, Bürgermeistern, besonders aber von Aerzten, im Musterungstermin nachzuweisen. Die Ansprüche auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienst sind, soweit dies noch nicht geschehen, umgehend bei den Großh. Bürgermeistereien oder spätestens im Musterungstermin selbst vorzubringen. Die Entscheidung über die Gesuche der Reservisten um Zurückstellung wegen häuslicher und gewerblicher Verhältnisse für den Fall ihrer Einberufung zu den Fahnen wird an den Tagen gefällt werden, an denen die Militärpflichtigen aus den betreffenden Gemeinden zur Musterung zu erscheinen haben.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
17. Februar 1904

Chaussierarbeit

Am Mittwoch den 17. Februar 1904 nachmittags 3 Uhr sollen zirka 100 lf. Meter Chaussierarbeit sowie 20 Meter Steine zum Zerschlagen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei an den Wenigstnehmenden vergeben werden.
Klein-Eichen, den 10. Februar 1904. Großh. Bürgermeisterei Klein-Eichen. Müller.

[Als Chaussierung bezeichnet man eine althergebrachte Bauweise, bei der auf eine grobe, hohlraumreiche Schotterschicht feiner gekörnte Schotterschichten auf Wegen oder Straßen aufgebracht werden. Die Flächen weisen eine hohe Tragfähigkeit auf und sind wasserdurchlässig. Die Erstellung ist kostengünstig. Leider ist nicht überliefert welcher Weg chaussiert werden sollte. Die Länge von 100 Meter wäre z. B. die Strecke vom "Kreuz" bis zum Grenzgraben. Oder die Länge des Stichweges ins Hinterdorf.]

(Grünberger Anzeiger)

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23. Januar 1904

Kreisverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke

Veranlaßt durch den Umstand, daß der übermäßige Gebrauch alkoholischer Getränke unserem Volke schwere Schädigungen zufügt, haben sich einsichtsvolle Männer aus allen Kreisen der Bevölkerung und in allen Teilen unseres Vaterlandes zu dem großen deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke verbunden.

Die Aufgabe dieses Vereins ist: über die schweren und vielseitigen Nachteile des mißbräuchlichen Genusses geistiger Getränke aufzuklären und jeden Einzelnen zu treuer Mitarbeit an der Minderung der erkannten Überlstände anzuregen. Diese haben im Laufe der Zeit erheblich zugenommen. Unser ganzes Volk leidet unter denselben. Durch unsere Zugehörigkeit zu dem deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke dienen wir also dem finanziellen, körperlichen, geistigen und sittlichen Wohl unseres Volkes.

Aus folgenden Angaben erhellt, daß diese Behauptung eine wohlbegründete ist: Zur Zeit werden in Deutschland im Jahre verbraucht: 684 240 000 Liter Branntwein, 6 151 800 000 Liter Bier, 322 000 000 Liter Wein, oder auf den Kopf mit Einschluß von Frauen und Kindern 12,9 Liter Branntwein, 115,8 Liter Bier, 644 Liter Wein. Das kostet im Jahre mindestens 50 Mark auf den Kopf oder 250 Mark auf eine Durchschnittsfamilie oder 2500 Millionen Mark für unser gesamtes deutsches Volk. Das letztere legt sich diese kolossalen Ausgaben auf für den Verbrauch von Stoffen, welche fast keinen Nährwert haben, sondern lediglich als Genußmittel zu betrachten sind.

In welcher Weise der Mißbrauch geistiger Getränke die körperliche und geistige Gesundheit und die sittlichen Eigenschaften verschlechtert, ist allgemein bekannt. Es braucht nur kurz darauf hingewiesen zu werden, daß andauernder Alkoholmißbrauch in den Organen des Körpers krankhafte Veränderungen hervorruft, die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten schwächt, die Nerven zerrüttet und zu Geisteskrankheiten führt.

Aus allen deutschen Irrenanstalten wird bezeugt, daß mindestens ein Viertel, manchmal ein Drittel und sogar die Hälfte aller geistigen Erkrankungen auf Konto des Trunkes kommt. Zu beachten ist die schlimme Wirkung der Unmäßigkeit auf die Nachkommenschaft, indem Trinkerkinder oft mit Nervenleiden, Epilepsie und Geistesstörungen behaftet sind. Die Schädigung der moralischen Eigenschaften ergibt sich aus dem Umstand, daß die Statistik der Verbrechen in vielen Fällen auf Alkoholmißbrauch als Ursache hinweist.

Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke will die gewissenlose Verleitung und Gelegenheitsmacherei zum Trinken bekämpfen, dagegen bessere Anschauungen, bessere Sitten, bessere Einrichtungen und bessere Gesetze hinsichtlich des Verkaufs und Gebrauchs geistiger Getränke anstreben.

Der Verein will dafür eintreten, daß niemand mehr als Sklave unvernünftiger Trinksitten unmäßig geistige Getränke trinken muß, obwohl er gar nicht mag. Er will die laxe moralische Anschauung bekämpfen, daß nur der "trunkfeste Mann, der den tiefen deutschen Männertrunk bei feuchtfröhlichem Gelage u.s.w. liebt", ein ganzer Mann sei, sondern er will zu erreichen suchen, daß Niemand seine Willensfreiheit dem Trunkzwang und den Trinksitten opfern muß ohne deshalb von irgend Jemand schief angesehen zu werden.

Pfarrer Joh. Fritsch, Ruppertsburg, Kreisarzt Dr. Koeninger, Schotten

(Grünberger Anzeiger im Januar 1904)

Fotos

 
18. Januar 1904

Bahnbau

Zur Richtigstellung bringt das Gr. Kreisamt Schotten zur Kenntnis der Interessenten, daß die Offenlegung des Enteignungsantrags bezüglich des Geländes für den Bahnbau Laubach-Mücke in der Zeit vom 16. bis 30. Januar l. J. einschließlich auf dem Amtszimmer der Gr. Bürgermeisterei Laubach stattfindet.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

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