| 30, Dezember 1903 | Grünberger BeleuchtungZum Jahresende 1903 veröffentlichte der Grünberger Anzeiger folgenden Kommentar: "Wenn man in der Weihnachtszeit die Straßen unserer Stadt durchging und sich die Läden und Lädchen ansah, bekam man verschiedene Beleuchtungsarten zu sehen. Während der eine, da er sich mit den modernen Lampen nicht befassen mochte, noch seine vielleicht neue Petroleumlampe benützte, stellte der Andere seine Waren im Scheine einer Gasglühlichtlampe aus, der nächste wieder hatte sich so eine moderne Spiritusglühlampe angeschafft. Auch die Stadt hatte sich zu einem Versuch mit letzterer aufgerafft, der jedoch nicht nach Wunsch ausfiel. Die Neumühle hat sogar elektrisches Glühlicht. Allgemein das Bestreben, etwas gutes, hervorragendes zu leisten. Da wäre es wohl an der Zeit, daß die Gemeindevertretung oder führende Männer sich zu einer allgemeinen, einheitlichen Beleuchtungsart entscheiden wollten. Da für ein kleineres Gemeinwesen, wie Grünberg, ein Elektrizitätzwerk nicht rationell genug betrieben werden kann, auch das Unternehmen nur dann lebensfähig sein könnte, wenn der Stadtsäckel in Mitleidenschaft gezogen würde, bliebe nur ein gut angelegtes, und das wäre das einzig passende für Grünberg, Gas-Werk zu bauen übrig. Wenn man von Zeit zu Zeit liest, dass Städtchen von der Größe Grünbergs und noch größere neue Gaswerke bauen, so ist es doch einleuchtend, dass für uns dies auch das einzige richtige ist, denn in Folge der Vielseitigkeit seiner Verwendung zu Leucht- und Kochzwecken und für Motoranlagen ist es eigentlich als Ideal zu bezeichnen. Elektrische Lichtanlagen sind, wenn sie nicht genügend Reserve-Maschinen haben, sehr unzuverlässig und kostspielig durch Beschädigungen infolge Fahrlässigkeit. Es wäre demnach zu erwägen, ob nicht Interessenten sich zu einer bestimmten Zeit zusammenfinden und die Frage einer eingehenden Besprechung unterwerfen wollten." (Grünberger Anzeiger) |
| 22. Dezember 1903 | MeldungenDer in Laubach gestern (15. Dezember 1903) abgehaltene Weihnachtsmarkt war von einer großen Anzahl von Verkaufsständen, mehr als die Hälfte die früheren Jahren übertreffend, besucht. In der Hoffnung, dass die Seentalbahn eine größere Zahl von Kauflustigen herbeiführen würde, sah man sich getäuscht. Dagegen waren Gonterskirchen, Wetterfeld und Villingen gut vertreten. Die Kaufabschlüsse wurden jedoch mehr in den Läden als auf dem Markte gemacht. Die Postschalter sind am nächsten Sonntag (20. Dezember 1903) für den Packetverkehr wie wochentags, für den Briefverkehr dagegen wie an den übrigen Sonntagen für das Publikum geöffnet. Noch vor zwanzig Jahren (1883) war die Düngung der Wiesen eine Seltenheit. Die Anwendung des Kompostes und der Jauche und hier und da des Stalldüngers auf Wiesen hatte sich zwar bewährt und war seit altersher eingeführt, da aber die zur Verfügung stehenden Düngermengen in keinem Verhältnis zu den Wiesenflächen standen, so erhielten nur wenige der letzteren einen vollen Ersatz für die entzogenen Pflanzennährstoffe. Erst seitdem die künstlichen Düngemittel sich mehr und mehr eingeführt haben, vollzieht sich auch hier (Grünberg) eine Änderung, wenn es auch immer noch (trotz Werbung in den Dörfern) Landwirte gibt, die an die Wirkung und Rentabilität der Kunstdüngemittel nicht glauben wollen. An den oberhessischen Bahnlinien soll mit Beginn des Sommerfahrplanes die Bahnsteigsperre eingeführt werden. An einzelnen Stationen beginnt (22. Dezember 1903) man bereits mit der Einzänung. (Grünberger Anzeiger) |
| 9. Dezember 1903 | Vorstellung der BaumrodemaschineAm vergangenen Mittwoch (9. Dezember 1903) wurde in Lardenbach die neuangeschaffte Stendal'sche Baumrodemaschine, unter dem Beisein des Erfinders sowie mehrerer Herren aus dem Ortsvorstand, an hundertzwanzigjährigen Buchen geprobt. Von allen Zuschauern fiel dem Erfinder, Herrn Forstwart Stendal, für die große Leistungsfähigkeit der Maschine großer Beifall zu. Was die Arbeit und Kraft der Maschine selber anbelangt, so muss man bezeugen, dass dieselbe sicher und gut arbeitet und allen Anforderungen, die an dieselbe gestellt worden sind, entsprochen hat. Sie ist sehr einfach, kann leicht bedient werden und ist unseren Holzhauern schon ein unentberliches Werkzeug geworden. (Grünberger Anzeiger) ["Diese neue Stendalsche Maschine besteht im wesentlichen nur aus zwei getrennt zu transportierenden Teilen, nämlich dem mit Schlitten und Hebel verbundenen Druckbalken, und der mit dem Doppelstachel versehenen Druckstange. Der Druckbalken besteht aus einem 2,50 Meter langen 12 cm starken Holzbalken. Der 1,50 Meter lange Holzhebel befindet sich in einer durch Scharnier mit dem unteren Ende des Schlittens verbundenen eisernen Hülse. |
| 24. November 1903 | MeldungenDer Weickartshainer Ortsbürger Georg Heinrich Dörr fand auf einem seiner Aecker eine Schachtel Gold- und Silbermünzen, welche aus dem 16. Jahrhundert stammen. Auf einigen derselben ist deutlich die Jahreszahl 1586 zu lesen. Der Fund ist gemäß den Vorschriften des Denkmalschutzgesetzes durch die Bürgermeisterei an zuständiger Stelle zur Anzeige gebracht wurde. Heute Nacht (17. November 1903) hat sich als neuer Gast bei uns (im Vogelsberg) der Schnee eingestellt. Schon gestern Abend stöberte es fortgesetzt ganz heftig, sodaß bis heute Morgen die Fluren ein weißes Kleid erhalten hatten. Der Witterung nach zu urteilen, scheint noch mehr Schnee in Aussicht zu stehen. Der Güterverkehr auf der Strecke Hungen-Mücke hat eine erfreuliche Zunahme zu verzeichnen. In der letzten Woche gingen mehrere Waggons Eisensteine gingen bereits von Station Laubacher Wald nach "Erzwäscherei Stockhausen". Unter den Stationen im Seental hat Weickartshain den stärksten Stückgutverkehr. (22. November 1903) Die Auszahlung und Beischreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der hiesigen (Grünberg) Spar- und Leihkasse geschieht am Mittwoch, den 2. Dezember für die Orte: Harbach, Ilsdorf, Kesselbach, Kirschgarten, Klein-Eichen, Lauter und Lehnheim. Die Großh. Bürgermeistereien werden gebeten, das ihre Ortsangehörigen Betreffende in deren Interesse durch die Schelle nekannt machen zu lassen. Grünberg, den 24. November 1903. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. (Grünberger Anzeiger) |
| 11. November 1903 | MeldungenEin heiteres Vorkommnis ereignete sich am Morgen des 1. November 1903 auf der Station Weickartshain. Als nämlich der Zug 7.30 Uhr von Mücke kommend hier eintraf, fehlten der Zugführer und ein Passagier. Während dieselben in Stockhausen eine Karte nachlösen wollten, war der Zug abgedampft. Telephonisch verlangte der Zugführer, abgeholt zu werden. Was war zu machen? Der Zug fuhr zurück nach Stockhausen, holte die Zurückgebliebenen und dampfte dann lustig weiter. Gelegentlich des schwarzbraunen Besuches, mit welchem wir in vergangener Woche (3. November 1903) beehrt wurden, kamen auch zwei glutäugige Zigeuner-Schönen in die Hofraite eines Weickartshainer Bewohners. Die eine von den Beiden betritt das Haus und bettelt. Währendem steht die andere im Hofe und füttert die Hühner mit den in ihrer Schürze befindlichen Brodkrumen. Auf einmal stob das Hühnervolk mit Geschrei auseinander, bis auf ein Stück, welches nach einem kühnen Griff seitens der Zigeunerin in deren aufgeschürzten Unterrock verschwunden war. "Doch das Unglück schreitet schnell!" Ein Nachbar hatte, hinter seinem Fenster stehend, die Schwarze beobachtet. Es steht zu vermuten, dass, nachdem ihr das Huhn wieder abgenommen worden, man ihr auch das in solchen Fällen übliche "Fanggeld" verabreicht hat. Bei den diesjährigen Herbst-Kontrollversammlungen haben zu erscheinen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve. (Kleiner Dienstanzug: Mütze, Waffenrock oder Ueberrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot); 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen; 3. Diejenigen der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besondere Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollversammlung zugeht. Die Ersatzreservisten haben bei den Herbstkontrollversammlungen nicht zu erscheinen. In der Nähe der Station Laubacher Wald unternimmt eine Dortmunder Gesellschaft Schürfungen auf Eisensteine. Die bereits gefundenen Erzstücke sollen stark eisenhaltig sein; eine größere Ausdehnung der Eisengruben, die sich sowohl auf gräflichem als städtischem Gebiete befinden, ist zu erwarten. Zur Ableistung des Verfassungseides hat Großh. Kreisamt Schotten Termin auf Montag, 23. November l. J., vormittags 11 Uhr in dem Rathause zu Laubach anberaumt für die Gemeinden: Freienseen, Groß-Eichen, Gonterskirchen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld. (Grünberger Anzeiger) |
| 11. Oktober 1903 | Wirtshaus-EröffnungFlotte Tanzweisen durchklangen heute (11. Oktober 1903) das Dörfchen Klein-Eichen, Alt und Jung zusammen lockend zu dem von den meisten Klein-Eichenern noch nicht erlebten Ereignis, denn 53 Jahre waren verflossen, seit zum letzten Male Kirmes hier gehalten wurde. Lange Jahre war gar keine Wirtschaft im Orte, bis dann heute Herr Ludwig Krieger in seinem neuerbauten, geräumigen Hause eine Gastwirtschaft eröffnete. Küche und Keller des neuen Wirtes bieten des Guten viel, und so ist die Hoffnung berechtigt, daß nun in Zukunft auch in Klein-Eichen stets ein guter Trunk und Bissen zu bekommen ist. (Grünberger Anzeiger) [Aus dieser Zeitungsmeldung geht hervor, dass in Klein-Eichen auch Kirmes gefeiert wurde. Allerdings ist demnach die letzte Kirchweih im Jahre 1850 abgehalten worden. Zu diesem Zeitpunkt stand das Kirchengebäude 108 Jahre lang im Dorf. - Ludwig Krieger kam aus Hainbach nach Klein-Eichen und heiratete 1901 Elisabetha Hofmann, die war gebürtig aus dem "Doppelhaus" mitten im Dorf. Hier lebte die Familie Krieger nach der Eheschließung. Tochter Auguste heiratete Karl Opper und Enkelin Ilse heiratete nach dem 2. Weltkrieg Felix Darga. Zum Ende des Krieges wurde die Gastwirtschaft alsbald aufgegeben. Und aus dem "Doppelhaus" machte Felix Darga das heutige Wohnhaus.] |
| 30. September 1903 | Einweihung EisenbahnstreckeAm Morgen des Einweihungstages (Mittwoch, 30. September 1903) der Bahnstrecke Mücke-Laubach gab es einen auf der Oberhessischen Bahn wohl noch nie beförderten Transport, dieser passierte in der Früh die Station Grünberg; es war dies ein sogenannter Wasserzug, welcher die Maschine des anläßlich der Einweihung der Bahn Mücke-Laubach abgelassenen Extrazuges mit Wasser zu speisen hatte. Nachdem auf der Station Mücke alles für den Bahnbetrieb nötige fertiggestellt ist, hat man jedoch das vor allem erforderliche Wasser nicht rechtzeitig beschaffen können und mußte solches erst von Gießen kommen lassen. Kurz nach 3 Uhr lief dann der zu den Einweihungsfeierlichkeiten der Eisenbahnstrecke Mücke-Laubach bestellte Extrazug, aus zwei Lokomotiven, einem Salonwagen und neun Personenwagen mit nur erster und zweiter Klasse - zusammen 28 Achsen - bestehend, von Station Mücke ab. Die Lokomotiven waren mit Fähnchen und Laubkränzen, sämtliche Wagen mit Eichenlaubguirlanden geschmückt. Von hier hatten sich mit Wagen Se. Erlaucht Graf Otto zu Solms-Laubach, der Stadtvorstand, sowie eine Anzahl von Beamten in Mücke eingefunden, um sich an der Extrafahrt zu beteiligen. [An den vom Großherzoglichen Kreisamt Schotten angeregten Feierlichkeiten Teil zu nehmen, zeigte sich in Merlau und Flensungen ansonsten keine Lust, wohl mit Rücksicht auf die durch den Bahnbau auferlegten Lasten; es fuhr daher der erste Zug auf der Mücke ohne Sang und Klang ein, während an den übrigen Stationen feierliche Begrüßungen geschahen.] Auf sämtlichen Bahnhöfen war die Bevölkerung der anliegenden Ortschaften zahlreich erschienen. Um 1/2 3 Uhr stellte sich der Festzug, bestehend aus dem Weickartshainer Musikchor, der Schule, den Damen, dem Ortsvorstand, dem Kriegerverein ect. auf und zog unter klingendem Spiel nach dem mit Kränzen und Guirlanden geschmückten Bahnhof (auf die Seenbrücke). Über dem Geleise befand sich ein Bogen mit der Aufschrift "Glückliche Fahrt". Von Lardenbach kam ebenfalls ein Festzug mit den Gemeinderäten und Bürgermeistern, die Schulekinder mit ihren Lehrern, die verschiedenen Vereine und viele Festjungfrauen und nahm auf dem Bahnhof Aufstellung. Um 3.34 Uhr kam ein prächtig geschmückter, aus 12 Wagen bestehender Zug aus Stockhausen angebraust. Nach einem dreifach donnernden Hoch setzte die Musik ein und spielte ein Lied. Nachdem Se. Exz. Herr Finanzminister Gnauth, der Präsident der Königl. Eisenbahn-Betriebsinspektion zu Frankfurt a. M., sowie die Vertreter der Großh. Kreisämter Gießen, Schotten, Alsfeld u. s. w. ausgestiegen waren, übergab das Töchterchen des Forstwarts Stendal von Weickartshain unter Aufsagen eines kleinen Gedichtes ein Bouquet. Herr Pfarrer Weinberger von Lardenbach hielt darauf eine sehr schöne Begrüßungsansprache, welche in einem Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog endete, worauf "Heil Dir im Siegerkranz" gemeinschaftlich gesungen wurde. Se. Exz. besichtigte dann die unteren Räume des Bahnhofes. Nach kurzen Begrüßungen ertönte der Ruf "Einsteigen". Dies taten auch die schmucken Festjungfrauen. Unter ungeheurem Jubel dampfte der Zug nach dem nahegelegenen Freienseen. Im "Laubacher Wald" hatten sich die hiesigen Forstwarte eingefunden, um eine Gewehrsalve abzugeben. In Laubach begaben sich alle Fahrgäste zum "Hotel Schützenhof", wo ein Festessen aus 77 Gedecken stattfand. In Festreden wurde Dank erstattet der Regierung und deren ausführenden Organen für den Bau der Bahn, sowie den Gemeinden für die Bereitwilligkeit zur Zahlung der Beiträge für die Geländeerwerbung. Um 7.45 Uhr brachte der Extrazug die Gäste aus dem Seentale wieder in ihre Heimat und die fernen Besucher wieder nach Station Mücke zur Weiterfahrt. [Wie Pfarrer Röschen (Freienseen) in der Chronik festhielt, musste an diesem Tage Abschied von der alten Postkutsche genommen werden. Dreißig Jahre lang war Ferdinand Horst als Postillion zweimal täglich mit den Pferden nach Mücke gefahren. Dem "Pöstchen", welches mittags 3 Uhr zum letzten Mal abfuhr, unmittelbar vor den Einweihungsfeierlichkeiten, galt ebenfalls eine kleine Abschiedsfeier in Freienseen. Mit einer Ansprache und Musik fuhr das geschmückte "Pöstchen" ab. Zum letzten Mal lieferte es nun die Post auf der Mücke ab. Unterwegs wurden auch die Gemeinden mit der Post bedient.] Herr Gastwirt Hock war mit seiner Wirtschaft derweil am Bahnhof (Weickartshain) anwesend und lange blieben die Teilnehmer bei einem Glase Bier und einem Tänzchen beisammen, bis der kalte Abendnebel sie ans Heimgehen mahnte. Mögen alle Fahrten der Seentalbahn glücklich sein und der ganzen Umgegend zum Segen gereichen. (Grünberger Anzeiger/Die Seental-Eisenbahn) |
| 26. September 1903 | EisenbahnbauAm gestrigen Samstag (26. September 1903) fand die bauliche Abnahme der Eisenbahnstrecke nach Mücke statt. Vor dem Eröffnungstage derselben, am 1. Oktober, wird die Einweihung Mittwoch den 30. September geschehen. Soviel bis jetzt bekannt ist, wird mittags 3 Uhr ein Extrazug von Mücke nach Laubach gehen; zur Anteilnahme sind besondere Einladungen nach den betreffenden Stationsorten ergangen. Um 5 Uhr ist im Hotel zum "Schützenhof" in Laubach ein Festessen angesetzt, zu dessen Beteiligung eine Liste bei dem Gastwirte offen liegt. Für den Abend sind in Freienseen weitere Festlichkeiten im Plane. Die Großh. Regierung wird durch den Finanzminister Se. Exz. Gnauth vertreten sein. Herrn Schäfer von Kirchhain wurde die Verwaltung der Bahnstation Weickartshain übertragen. Am vorigen Freitag (25. September 1903) hielt er seinen Einzug. Zum Weichensteller wurde Herr Rühl von Nidda ernannt. (Grünberger Anzeiger) |
| 26. September 1903 | Postagentur LardenbachVom Tage der Betriebseröffnung der Nebenbahn Laubach-Mücke, welche voraussichtlich am 1. Oktober d. Js. (1903) erfolgt, wird die Posthilfsstelle in Lardenbach in eine Postagentur umgewandelt und die Verwaltung dem zum Postagenten angenommenen Johannes Mölcher übertragen. [Johannes Mölcher war Wirt, blieb ledig und starb 1907 mit 44 Jahren] Zum Landbestellbezirk der Postagentur werden derselben [neben Klein-Eichen] die Orte Weickartshain, Stockhausen und Stockhäuserhof zugeteilt. Die Landpostfahrt Freienseen-Mücke wird vom gleichen Zeitpunkt ab aufgehoben. (Grünberger Anzeiger) |
| 19. September 1903 | MeldungenDie der polizeilichen Abnahme der Strecke Laubach-Mücke obliegenden Beamten trafen heute (15. September 1903) Nachmittags 5 Uhr mit einem Sonderzuge von Mücke in Laubach ein. Die Regierung war durch einen Ministerialrat und die beiden Kreisamtmänner von Schotten und Gießen vertreten. Es hatten sich mehrere hiesige Geschäftsleute wegen der Zufuhr ihrer in der Nähe des Bahnhofes liegenden Lagerhäuser eingefunden. Nach Besichtigung und Aufnahme eines Protokolls fuhren die Revisionsbeamten in einem, dem planmäßigen 6 Uhrzug angefügten Salonwagen nach Hungen weiter. Die bauliche Abnahme der Strecke soll Ende nächster Woche erfolgen. Kirchweihe feiern am kommenden Sonntag und Montag (20. und 21. September 1903) die Orte Queckborn und Lardenbach. Möge diesen Festen ein günstigeres Wetter als das bisherige beschieden sein, dann wird auch ein zahlreicher Besuch von auswärts nicht ausbleiben. (Grünberger Anzeiger) |
| 03. September 1903 | MeldungenDer Hagelschaden, den das Unwetter vorige Woche (1. September 1903) (im oberen Vogelsberg) verursachte, ist größer als man anfangs dachte. Jeden Tag begehen Taxatoren der verschiedenen Hagelversicherungen die Felder. Viele Landwirte erhalten ganz ansehnliche Beträge. Während im übrigen Oberhessen wohl vielfach schon die Weizenernte (am 2. September 1903) beendet ist, steht hier (im Vogelsberg) noch alles auf dem Halm, ja in den Gemarkungen Engelrod und Rebgeshain ist der Weizen noch grün, sodaß zur Reife noch andauernder Sonnenschein erforderlich ist. Der Eröffnungstermin der Eisenbahnstrecke Laubach-Mücke rückt näher heran; von dem Winterfahrplan verlautet bis jetzt (3. September 1903), daß der erste Zug wie seither um 7 Uhr in Laubach eintreffen wird, um dieselbe Zeit wird der erste Zug in der Richtung von Mücke hierher (Laubach) kommen, weshalb dort eben ein Lokomotivschuppen gebaut wird. Damit wird ein Hauptwunsch der Bewohner des Seentales erfüllt. Mit Ausnahme der Einrichtung eines "Fürstenzimmers" sollen an dem hiesigen Bahnhofsgebäude keine baulichen Veränderungen mehr vorgenommen werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 20. August 1903 | StraßenmeisterUnsere kreislichen Behörden, welche sich mit baulichen Ausführungen zu beschäftigen haben, bestehen im wesentlichen nur aus drei Straßenmeistern, die sämtlich ihren Sitz in Schotten haben; die Oberaufsicht über die kommunalen Bauten führt der Kreisbaurat in Gießen. Schon die weite Entfernung seines Wohnsitzes von unseren namentlich im Osten gelegenen Orten erschwert die erforderlichen Beaufsichtigungen. Dringend wünschenswert wäre daher die Anstellung eines Technikers für unseren Kreis. Was nun den Wohnsitz der Straßenmeister anlangt, so hat unser Kreistag schon vor zwei Jahren den Beschluß gefasst, daß bei weiteren Anstellungen in erster Linie Ulrichstein, in zweiter Laubach zu berücksichtigen seien. Da nun in diesem Frühjahr der Kreistag die Anstellung eines vierten Straßenmeisters beschlossen hat und ferner die Pensionierung eines in Schotten wohnenden Straßenmeisters bevorsteht, so glaubte man, daß nunmehr, da die Wohnsitze von zwei Straßenmeistern für Schotten wohl genügen dürften, die beiden Städtchen Ulrichstein und Laubach je einen Straßenmeister erhalten würden. In beiden Orten aber war man sehr enttäuscht, als man in einem letzthinigen Ausschreiben des Großh. Kreisamts Schotten bezüglich Anstellung eines neuen Straßenmeisters den zukünftigen Wohnort desselben nicht genannt fand. Die Erregung, die sich beider oben genannter Städtchen bemächtigt hat, wird sich erst dann legen, wenn Großh. Kreisamt dem dritten Straßenmeister seinen Wohnsitz in Ulrichstein, und den vierten denselben in Laubach anweisen wird. Auch für Leitung von kommunalen und Privatbauten dürfte sich an beiden Plätzen, die seither genötigt waren, ihre Techniker in anderen oberhessischen Kreisen zu suchen, genügende Beschäftigung vollauf finden. (Grünberger Anzeiger) |
| 20. August 1903 | WasserversorgungBekanntlich herrscht in vielen Ortschaften hiesiger Gegend, wie z. B. in Stangenrod, Weickartshain, Reinhardshain u. a., Mangel an gutem Trinkwasser. Besonders bei länger anhaltender Trockenheit versiechen die wenigen vorhandenen Brunnen fast vollständig, und es ist eigentlich zu verwundern, dass der Mangel an Wasser nicht schon nachteilig auf den Gesundheitszustand der Bewohner einwirkte. Eine Hauptsorge dieser Gemeinden sollte die glückliche Lösung der Wasserversorgungsfrage sein, und der in voriger Nummer des Anzeigers veröffentlichte Beschluß des Kreistages Gießen, die Projektionskosten für Wasserleitungen in den Gemeinden bestreffend, verdient alle Anerkennung. Hiernach übernimmt die Kreiskasse zunächst vorlagsweise die Projektionskosten, sodaß es auch der ärmsten Gemeinde ermöglicht ist, ein Projekt zur Anlage einer Wasserleitung ausarbeiten zu lassen. Es ist mit Freude zu begrüßen, daß einzelne Ortschaften der Gegend in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel vorangegangen sind. Möchten die übrigen bald nachfolgen. (Grünberger Anzeiger) [Ob es auch für den Kreis Schotten solch eine Hilfsmaßnahme gab, ist z. Zt. nicht bekannt.] |
| 01. August 1903 | VortragAm Sonntag, 2. August 1903 nachmittags 3 Uhr, findet zu Lardenbach bei Herrn Gastwirt Mölcher Vortrag des Großh. Landwirtschaftslehrers Herrn Andrae von Büdingen über Erziehlung guten Futters, künstliche Düngung, Aufzucht von Jungvieh, insbesondere Züchtigung reiner Rassen statt. Zu dem vorbezeichneten Vortrage sind Mitglieder des Vereins, sowie alle sonstigen Interessenten freundlich eingeladen. (Grünberger Anzeiger) |
| 25. Juli 1903 | MeldungenDie Eröffnung der neuen Bahnstrecke Laubach-Mücke ist nunmehr definitiv auf den 1. Oktober festgesetzt; die Hinausschiebung ist größtenteils auf die Nichtvollendung der Hochbauten zurückzuführen, doch sind auf der Strecke Freienseen-Mücke auch noch etwa 200 Arbeiter mit Festlegung des Bahngleises beschäftigt. Dieser Tage erschien im Verlage von E. Roth, Gießen die Promotionsarbeit von Dr. Ludwig Spilger in Laubach: Flora und Vegetation des Vogelsberges. Prof. Hansen, Gießen hat dieselbe mit einem Vorwort versehen, in dem er die Arbeit den Freunden des Vogelsbergs empfiehlt, da dieselbe zum erstenmal ein Gesamtbild der Pflanzenwelt des Vogelsberges wiedergibt. Pfarrei Lardenbach: Am 3. Mai 1903 getauft wurde dem Landwirt Heinrich Keller II. dahier eine Tochter Minna geboren, am 14. April 1903; Getauft wurde am 1. Juni 1903 dem Landwirt Heinrich Mölcher XI. dahier ein Sohn, Adolf, geboren am 18. April. Dem Vernehmen nach behufs (zu dem Zweck) Besichtigung der neuen Bahnlinie Laubach-Mücke weilten am Dienstag (21. Juli 1903) in Laubach die Herren Präsident Thomè, Regierungsrat Wolpert und Regierungsassessor Drescher von der Eisenbahndirektion Frankfurt in Begleitung des Vorstandes der Eisenbahnbauabteilung Nidda, Herrn Hildenbrand. Gegen Abend trafen die Herren hier per Chaise (leichte Kutsche) ein und begaben sich um 6.38 zur Rückreise in den bereit gestellten Extrazug. Mit der Eröffnung obiger Verbindungsbahn wird auch das Anschlußgleise der Grube Stockhausen fertiggestellt sein, wie auch die Grube Flensungen einen direkten Anschluß des Bergwerks mit der Bahnlinie beabsichtigt. Infolge dieser prächtigen Abfuhr der Erzeugnisse wird dann auch wohl in beiden Gruben eine vermehrte Förderung eintreten. (Grünberger Anzeiger, 25. Juli 1903) |
| 18. Juli 1903 | MolkereigenossenschaftBekanntmachung im Grünberger Anzeiger am 18. Juli 1903: Aus dem Vorstand der Molkereigenossenschaft zu Nieder-Ohmen e. G. m. u. H. sind die Herren Bürgermeister Kratz von Ober-Ohmen, Johs. Knöß von Ober-Seibertenrod, Karl Hofmann von Bobenhausen und Heinrich Lein von Klein-Eichen ausgeschieden; neu gewählt sind die Herren Karl Wagner in Nieder-Ohmen und Johannes Schneider in Merlau. Grünberg, den 26. Juni 1903. Großh. Amtsgericht Grünberg. (Grünberger Anzeiger) |
| 15. Juli 1903 | MeldungenIm Grünberger Anzeiger wird am 15. Juli 1903 vom Ankauf von Simmentaler Zuchtvieh berichtet. Der landwirtschaftliche Provinzialverein beabsichtigt, um die Zeit gegen Ende August durch die Kommission von Sachverständigen Zuchtvieh der Simmentaler Rindviehrasse aus dem Originalzuchtgebiet einzuführen. Der Import erstreckt sich nur auf wirklich gutes Zuchtmaterial von Bullen, jungen Kühen und Kalbinnen. Die Durchschnittspreise dürften sich in der Schweiz wohl gleich hoch stellen, wie in früheren Jahren. Die Ankaufskosten trägt der Verein. Beteiligen können sich am Bezuge: Einzelzüchter, Gemeinden und Zuchtvereine und sind die Bestellungen schriftlich unter Angabe des Geschlechts und der sonstigen Wünsche bei den Zuchtvereinen oder direkt bei der Geschäftsstelle des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen in Alsfeld anzumelden. Die angekauften Tiere werden unter den Bestellern versteigert. Der Zweiten Kammer ging ein Gesetzentwurf über die Umwandlung und Ablösung der Streuberechtigungen in fremden Waldungen zu. Danach findet das Gesetz vom 24. Juli 1899 betr. die Ablösung von Reallasten und Dienstbarkeiten auch auf die Streuberechtigung Anwendung. Die den Gemeinden zufallenden Ablösungssummen sollen verzinslich angelegt werden, um den Zinsertrag zur Anschaffung von Streumitteln im Bedarfsfalle zu verwenden. Die Regierungsvorlage wird damit begründet, daß die Streuberechtigung, welche den Waldboden ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Forstwirtschaft der schützenden Streudecke beraubt, notwendig zu einer Verarmung des Bodens und damit zu einer dauernden Schädigung der Waldkultur führt. Eine Nutzung, die solche Wirkungen zeitigt, müsse als eine geradezu kulturfeindliche bezeichnet werden. Nachdem andere Bundesstaaten die Streuberechtigung zwangsweise gegen Entgelt abgelöst haben, müsse Hessen diesem Beispiel folgen. Bekanntmachung im Grünberger Anzeiger am 15. Juli 1903: Samstag den 18. d. M. nachmittags 2 Uhr soll in der Wirtschaft des Johs. Mölcher dahier (in Lardenbach) die Umpflasterung einer circa 120 qm haltenden Straßengosse nach den vor der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden. Der Voranschlag liegt auf der Bürgermeisterei von 9 Uhr vormittags an am Versteigerungstag offen. Lardenbach, den 13. Juli 1903. Großh. Bürgermeisterei Lardenbach, Lein. (Grünberger Anzeiger) |
| 11. Juli 1903 | Aus den KirchenbüchernAuszug aus den Kirchenbüchern. I. u. II. Vierteljahr 1903. Pfarrei Groß-Eichen (und Klein-Eichen). (Grünberger Anzeiger) |
| 06. Juli 1903 | HoherodskopffestDas gestrige (6. Juli 1903) Hoherodskopffest, das von äußerst gutem Wetter begünstigt war, verlief unter Teilnahme von mehr als tausend Personen. Die Festrede wurde von Herrn Amtsrichter Pfeifer gehalten; sie klang in einem Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Viele Verkaufsbuden fanden namentlich durch die Jugend reichen Zuspruch; zum Tanzvergnügen für Jung und alt spielte die rühmlichst bekannte Kapelle Faust-Köhler ihre Weisen auf. Eine aufgelegte Sammelliste für den Bismarckturm ergab einen ansehnlichen Betrag. (Grünberger Anzeiger) |
| 04. Juli 1903 | Bekanntmachungim Grünberger Anzeiger vom 4. Juli 1903: In dem Verfahren zur Anlegung der Grundbücher und Berggrundbücher für Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhäuserhof beginnt die Anmeldungsfrist am 10. Juli 1903, die Frist endigt am 9. Oktober 1903. Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der Anmeldungsfrist zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Großherzoglichen Ortsgerichtsvorstehers zu Klein-Eichen und Lardenbach und aus dem Anschlag an den dortigen Ortstafeln ersehen werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 03. Juli 1903 | MeldungenAus Ober-Ohmen berichtete der Grünberger Anzeiger am 1. Juli 1903, daß die Frau, die jüngst mit einem anderen ledigen Manne eine Vergnügungsfahrt nach Paris unternommen, nun wieder freiwillig zurückgekeht ist, hat Aufnahme in ihrem Hause gesucht und auch wieder gefunden. Ein "hoher" Gast besuchte heute Morgen (2. Juli 1903) für kurze Zeit unsere Gegend - ein Luftballon, der in der Richtung nach Südwest einem unbekannten Ziele zustrebte. Wie von Zuschauern aus Klein-Eichen und Freienseen berichtet wird, wurde dort wahrgenommen, daß sich drei Personen in dem Ballon befanden. Gestern früh (3. Juli 1903) gegen 5 Uhr flog ein Luftballon mit mehreren Passagieren, wahrscheinlich Mitgliedern der Militär-Luftschiffer-Abteilung, von Nordost nach Südwest. Die Herren unterhielten sich damit, die Aufmerksamkeit unserer Frühaufsteher durch Alarmschüsse auf sich zu lenken. (Grünberger Anzeiger) |
| 01. Juli 1903 | EisenbahnbauEinen weniger gut unterrichteten Korrespondenten scheint der "Frankfurter Generalanzeiger" in Laubach zu haben, der vor etwa acht Tagen von hier (Laubach) meldete, daß der Umbau des Bahnhofsgebäudes begonnen habe. Bis jetzt ist von einer Veränderung seines ursprünglichen Zustandes nichts zu bemerken. Da auch wesentliche sonstige Fertigstellungen, z. B. Weichenanlagen in Stockhausen und Mücke, noch nicht vollendet sind, so herrscht die Ansicht vor, daß der Eröffnungstermin der neuen Bahnstrecke nicht, wie beabsichtigt, am 1. August, sondern vielleicht erst am 1. Oktober 1903 erfolgen dürfte. (Grünberger Anzeiger) |
| 25. Juni 1903 | ReichstagswahlAngesichts der bevorstehenden Reichstagswahl möchten wir an dieser Stelle (12.06.1903) nochmals alle Wahlberechtigten ermahnen, am 16. Juni (1903) ihre Pflicht zu tun und mit dem Stimmzettel an die Wahlurne zu treten. Für die diesmalige Wahl sind einige reichsgesetzliche Neuerungen vorgesehen, die nicht unbeachtet zu lassen sind: Die Wahlzeit ist morgens 10 bis abends 7 Uhr und zwar wird mit dem Glockenschlag abends sieben Uhr der Wahlakt geschlossen, und die dann noch im Wahllokal befindlichen Wähler können später ihr Stimmrecht nicht mehr ausüben, was bisher der Fall war. Zur Erweiterung der geheimen Abstimmung ist nunmehr der Isolierraum da, wo der Wähler, nachdem er im Lokale sein Wahlkouvert in Empfang genommen, dann vüllig Ungesehen seinen Stimmzettel in letzteres steckt und damit zur Urne tritt. Das Gesamtergebnis der Reichstagswahl im Wahlkreise Gießen-Grünberg-Nidda ist: Heyligenstaedt 5356, Köhler 5022, Krumm 6034. Die Wahl in Alsfeld-Lauterbach-Schotten ergab für Kreisrat Dr. Wallau 5642, Bindewald 5472, Dr. Michels (Soz.) 1084, Wolthan (Centr.) 501, andere Personen 10 Stimmen. In den übrigen hessischen Wahlkreisen gibt es ebenfalls lauter Stichwahlen. Die Stichwahlen am 25. Juni 1903 in Oberhessen bedeuten einen "glänzenden" Sieg der bürgerlichen Parteien über die Sozialdemokratie, und hat besonders die Landbevölkerung gezeigt, daß in ihre noch ein gesunder nationaler Kern steckt. Trotz der günstigen Witterung für die Heuernte sind in dem vorwiegend ländlichen Wahlkreisen mehr Stimmen abgegeben worden als am 16. Juni 1903. Im Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten wurde der liberale Kandidat, Herr Dr. Wallau, mit einer Majorität von etwa 1200 Stimmen gegen den bisherigen Abgeordneten Bindewald gewählt. Dr. Wallau erhielt 8121, Bindewald 7034 Stimmen. Die amtlich eingegangenen Einzel-Resultate lauteten im Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda: Die amtlichen Einzel-Resultate lauten im Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten: (Grünberger Anzeiger) |
| 08. Juni 1903 | EisenbahnbauDer Oberbau der Strecke Laubach-Mücke hat im wesentlichen seine Vollendung erreicht; schon gehen die beladenen Bahnzüge aus dem Seentale bis zur Station Laubach. Die Schutzgeländer an den Einschnitten sowie die Warnungstafeln an den Straßenübergängen wurden in letzter Zeit fertig gestellt. Am heutigen (8. Juni 1903) hat man mit der Wegschaffung eines Teils des roten Berges (Nähe Villa Albers) begonnen, um für die Lokomotivführer die den Gonterskirchener Berg herabkommenden Fuhrwerke eintretenden Falls zur rechten Zeit sichtbar zu machen. Noch nicht ganz vollendet ist das Innere der Hochbauten, insbesondere ist der Umbau des hiesigen Bahnhofes noch nicht in Angriff genommen. Man hofft bestimmt, den Eröffnungstermin, am 1. August, einhalten zu können. (Grünberger Anzeiger) |
| 06. Juni 1903 | Zur VolkszählungNach einem vom kaiserlichen statistischen Amte veröffentlichten Quellenwerk über die Ergebnisse der Volkszählung vom Dezember 1900 setzt sich die Bevölkerung der hessischen Wahlkreise zusammen wie folgt: 1) Gießen: 106.182 Evangelische, 3.239 Katholiken = 112.220; 2) [...]; 3) Alsfeld: 73.779 Evangelische, 3.826 Katholiken = 79.117; 4) [...]; 5) [...]; 6) [...]; 7) [...]; 8) [...]; 9) [...]. Während der letzten Legilaturperiode waren die einzelnen Wahlkreise vertreten: 1) Gießen durch einen Antisemiten; 2) Friedberg durch einen Nationalliberalen; 3) Alsfeld durch einen Antisemiten; 4) Darmstadt durch einen Sozialdemokraten; 5) Offenbach durch einen Sozialdemokraten; 6) Bensheim durch einen Nationalliberalen; 7) Worms durch einen Nationalliberalen; 8) Bingen durch einen freisinnigen Volksparteiler; 9) Mainz durch einen Zentrumsmann. (Grünberger Anzeiger) |
| 02. Juni 1903 | PrämieBei dem am 2. Juni (1903) in Schotten stattgehabten Prämiierungsmarkt erhielt Heinrich Mölcher XII. aus Lardenbach für eine Vogelsberger Kuh 15 Mk. Prämie. (Es gab vier Heinrich Mölcher in Lardenbach die für den genannten Mölcher in Frage kommen könnte. Die kamen aus den Häusern: Roth/Müller, Langohr und Keil/Keller.) (Grünberger Anzeiger) |
| 27. Mai 1903 | WahlkampfDie ersten Versammlungen im Kreis Schotten, in denen sich der Reichskandidat, Herr Dr. Wallau aus Lauterbach, seinen Wählern vorstellte, waren sehr zahlreich besucht und bewiesen die ausgezeichnete Aufnahme und der Beifall, den seine Ausführungen fanden, welch' glücklichen Griff man damit getan hat, daß man diese sympathische Persönlichkeit als Reichstagskandidaten aufgestellt hat. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden in Schotten und Ulrichstein den klaren Ausführungen des Herrn Dr. Wallau und begeisterter Beifall folgte seiner Programmrede. In den Versammlungen waren auch sehr viele Wähler aus den umliegenden Orten anwesend. Das Hoch, das zum Schlusse der Versammlungen auf den Kandidaten ausgebracht wurde, fand begeisterte Zustimmung. Glückauf zum 16. Juni, der uns jedenfalls endlich einmal einen Abgeordneten aus unserer Mitte bescheren wird. (Grünberger Anzeiger) |
| 24. Mai 1903 | EisenbahnbauHeute (24. Mai 1903) hatten die Besucher der neuen Bahnstrecke bei Freienseen einen eigenartigen, den Appetit weckenden Anblick. Die hier arbeitenden Kroaten brieten ein etwa einen Zentner schweres Schwein, nachdem sie es ausgenommen und wieder zugenäht, ganz wie es war an einem langen Spieße, diesen eifrig vor starkem Holzfeuer drehend. Das abträufelnde Fett wurde in Suppenschalen aufgefangen und lieferte wohl die Sauce zu dem knusprigen Braten. (Grünberger Anzeiger) |
| 23. Mai 1903 | BekanntmachungBekanntmachung: Großherzogliches Ministerium der Justiz hat als Tag, an welchem mit der Anlegung des Grundbuches der Gemarkung Klein-Eichen, Lardenbach, Stockhäuserhof zu beginnen ist, den 10. Mai 1903 bestimmt. Laubach, am 13. Mai 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Auszug aus den Kirchenbüchern. I. Vierteljahr 1903. Pfarrei Lardenbach. Getaufte: Am 4. Januar: dem Landwirt Hartmann Günther II. eine Tochter, Emilie, geboren am 12. Dezember 1902. Am 1. Februar: dem Kirchendiener Christian Schmidt ein Sohn, Wilhelm, geboren am 7. Januar. Am 1. März: dem Straßenwart Konrad Schmidt ein Sohn, Ernst, geboren am 11. Februar. Am 8. März: dem Tagelöhner Karl Geiß eine Tochter, Emilie, geboren am 7. Februar. Am 29. März: dem Landwirt Karl Seipel eine Tochter, Lina, geboren am 4. März: Am 3. Mai: dem Landwirt Heinrich Keller II. eine Tochter, Minna, geboren am 14. April. (Grünberger Anzeiger) |
| 14. Mai 1903 | Neue WirtschaftEinen zweiten schönen, stattlichen Bau hat unser Seental erhalten, nämlich das Wirtschaftsgebäude des Herrn Guth von Ober-Roßbach. Schmuckvoll steht der unten aus Blendstein, oben aus Holz verfertigte Bau da und erfreut den vorüberziehenden Wanderer in der seligen Hoffnung, später einmal unter dem schönen, dem Hause gegenüberstehenden Lindenbaum seinen Durst stillen zu können. Hoffentlich erhält die Wirtschaft auch einen dem entsprechenden Namen, wie: "Zum Seentale" oder "Zur Linde" etc. Eine Kegelbahn soll sicherem Vernehmen nach auch angelegt werden. So scheint dies ein schönes Vergnügungsplätzchen für die Seentalbewohner zu geben. (Grünberger Anzeiger) |
| 09. Mai 1903 | Vortrag zum ObstObstbautechniker Wiesner aus Friedberg wird Donnerstag den 21. Mai 1903 nachmittags 4 Uhr dahier (in Lardenbach) einen Vortrag halten über das Thema: Der Obstbau im Kreise Schotten; Frühjahrsveredelungen mit Demonstrationen über Umpfropfen; Kronenschnitt; Obstbaumschädlinge. Nach dem Vortrag findet eine Gratisverlosung einiger Obstbäume unter die anwesenden Mitglieder statt. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. (Grünberger Anzeiger) |
| 26. April 1903 | LehrerkonferenzNächsten Samstag findet hier in Schotten die diesjährige Kreiskonferenz der Lehrer statt. Auf der Tagesordnung stehen zwei Punkte, einmal lautet die Frage: wie ist der Unterricht in der Fortbildungsschule für die Schüler anregender und für das Leben nutzbringender zu machen, zum anderen wird über das Wesen der Disziplinierung und ihre Bedeutung für Erziehung und Unterricht Bericht erstattet werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 25. April 1903 | KandidatDie liberalen Parteien des Wahlkreises Alsfeld, Lauterbach und Schotten haben sich dahin geeinigt, dem jetzigen Reichstagsabgeordneten Bindewald als Kandidaten Kreisrat Dr. Wallau gegenüber aufzustellen. Genannter Herr erfreut sich namentlich auch in Kreisen der ländlichen Bevölkerung großer Beliebtheit. (Grünberger Anzeiger) |
| 25. April 1903 | Aushebung Pferde und FahrzeugeBekanntmachung am 25. April im Grünberger Anzeiger: Wir machen die Besitzer derjenigen Pferde und Fahrzeuge, welche bei der Aushebung im Falle einer Mobilmachung zu gestellen sind, bereits im Frieden ausdrücklich auf folgende gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam: 1. Uebertretungen der hinsichtlich der Stellung der Pferde zur Aushebung getroffenen Anordnungen werden nach § 27 des Kriegsleistungsgesetzes mit Geldstrafe bis zu 150 Mark geahndet. 2. Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pferde nicht ungesäumt und vollständig vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe zu gegenwärtigen, daß auf ihre Kosten eine zwangsweise Herbeischaffung der nicht gestellten Pferde vorgenommen wird. 3. Der Verkauf eines Pferdes vor erhaltener Gestellungsaufforderung entbindet nicht von dessen Gestellung, sofern die Ablieferung an den neuen Erwerber noch nicht erfolgt ist. Eine Ausnahme findet nur statt, wenn nachweislich der Verkauf an die Militärbehörde an Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Militärbeamte, welche sich ihre Pferde für die Mobilmachung selbst beschaffen, erfolgt war. 4. Von Bekanntgabe des Mobilmachungsbefehls bis nach Beendigung der Pferdeaushebung ist jede Ausführung von Pferden in andere Kreise oder Ortschaften verboten. [...]. 5. Bei der Vorführung müssen die Pferde durch den Besitzer versehen sein mit: Halfter, Trense, zwei mindestens zwei Meter langen Stricken und gutem Hufbeschlag. Der Wert dieser Stücke ist in der Taxe mit enthalten. Fehlt eines derselben, so werden die dadurch entstehenden Kosten bei der Taxsumme in Abzug gebracht. 6. Pferde, welche als brauchbar ausgewählt, aber zunächst nicht abgenommen werden, sind von den Besitzern, bei Weidung der unter 1 erwähnten Strafe, auf drei Wochen, [...] zur Verfügung der Militärbehörde zu halten. Bis zur förmlichen Abnahme haben die Besitzer oder deren Beauftragte die Pferde zu beaufsichtigen und auf eigene Kosten zu verpflegen. [...] 7. Bei den bereits früher gemusterten Pferden sind an den Halftern auf der linken Seite die Bestimmungstäfelchen, welche die Designation der letzten Musterung aufweisen, zu befestigen. 8. Schläger und bissige Pferde sollen ausdrücklich als solche bezeichnet werden, um Unfällen vorzubeugen. Großherzogliches Kreisamt |
| 15. April 1903 | Meldungen 1903"Hätten wir doch das Aprilwetter im März und das des März in diesem Monate", so seufzt mancher, der am heutigen (15. April 1903) die Schneeflocken herunwirbeln sieht. Die Vegetation ist durch die warmen Märztage weiter als sonst; überall sprießt junges Buchenlaub und in die offenen Blüten der Kirschen, Pflaumen und Frühbirnen setzten sich Schnee und Eis. Schnee blinkte am ersten Ostertage von den Höhen und Schnee glitzerte am zweiten Ostertage von den aufgegangenen Frühlingsgewächsen unserer Hausgärten. In der Aussaat auf den Feldern, besonders in der Gerstenäckerbestellung ist man noch weit zurück. Soll nichts schlimmeres nachkommen, so muß baldige Witterungsbesserung eintreten. Auf Grund zuverlässiger Nachricht kann mitgeteilt werden, daß der Fahrplan der neuen Bahnstrecke jetzt definitiv festgestellt ist. Leider trägt er unseren Wünschen nach zwei Richtungen keine Rechnung. Weder erhalten wir Seentaler den ersten Morgenzug, welcher erst von Laubach aus nach Hungen geht, und den letzten Abendzug, welcher von Hungen kommend in Laubach bleibt, noch ist der zweite Morgenzug so gelegt, daß die Gymnasiaten des Seentals rechtzeitig zum Beginn des Gymnasialunterrichts in Laubach eintreffen, da dieser Zug erst um 8 Uhr 20 Min. in Laubach ankommt. Bekanntmachung: In unser Genossenschaftsregister wurde heute eingetragen: 1) [...] Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht mit dem Sitze zu Groß-Eichen. Gegenstand des Unternehmens ist die Milchverwertung auf gemeinsame Rechnung und Gefahr. [...] Die Willenserklärung und Zeichnung für die Genossenschaft muß durch zwei Vorstandsmitglieder erfolgen, [...] Die Haftsumme der einzelnen Genossen beträgt für jeden erworbenen Geschäftsanteil je 500 Mark; [...] 2) der Vorstand besteht aus: 1) Johann Philippi II. zu Groß-Eichen; 2) Heinrich Faust VII. zu Groß-Eichen; 3) Johannes Momberger II. zu Ober-Seibertenrod; 4) Heinrich Rühl IV. zu Ober-Ohmen; 5) Johannes Fuchs II. in Höckersdorf; 6) Georg Schuch in Weickartshain; 7) Heinrich Lein in Klein-Eichen. Grünberg (Hessen), am 15. April 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung: Die Lieferung von 610 behauenen Grenzsteinen zur Aussteinung der neuen Bahnlinie Laubach-Mücke soll vergeben werden. [...] schriftliche Angebote mit der Aufschrift "Grenzsteinlieferung für die Bahnstrecke Laubach-Mücke" sind bis zum 1. Mai l. Js. vormittags 11 Uhr einzureichen. Schotten, den 20. April 1903. Großh. Kreisvermessungsamt Schotten. (Grünberger Anzeiger) |
| 11. April 1903 | Frühjahrs-KontrollversammlungDie Frühjahrs-Kontrollversammlungen finden statt: Zu Grünberg am westlichen Ausgang auf der Straße nach Gießen [...] am 16. April 1903. Zu Lich in der Amtsgerichtsstraße [...] am 17. April 1903. Zu Hungen an der Post [...] am 18. April 1903. Zu Laubach auf der Straße nach Wetterfeld für die Bewohner von Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen mit der Grummetsmühle, Wadenhäusermühle und Ziegelei, Ilsdorf (Solms), Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg, Wetterfeld: am 28. April 1903, nachmittags 3 Uhr: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots; Reservisten und Wehrleute 1. Aufgebots, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen und sämtliche Ersatz-Reservisten. (Grünberger Anzeiger) |
| 06. April 1903 | Bahnbau im SeenbachtalDer Bahnbau nach Mücke geht seinem Ende zu; bereits (6. April 1903) lassen die Bauunternehmer ihr Material, wie Rollwagen und Eisenbahnschienen, zur Bahnstation befördern. Vorbei ists mit den bombenartigen schallenden Sprengschüssen, die monatelang mit gewohnter Pünktlichkeit das Ohr trafen; auch dort wird man in den nächsten Tagen mit der Einrichtung des Packlagers, das sonst auf der Strecke ziemlich vollendet ist, beginnen. Mit dem Auflegen der Eisenbahnschwellen und der Eisenbahnschienen hat man am Laubacher Bahnhof angefangen und hofft man, günstige Witterung vorausgesetzt, alle 3-4 Tage 1 Kilometer weit zu kommen. An dem Bahnbau Mücke-Laubach ereignete sich heute (6. April 1903) Vormittag in der Nähe von Stockhausen ein Unfall, der zwei Menschenleben in Todesgefahr brachte. Es ist bekannt, daß die Erdmassen durch Kippwagen, mittelst einer kleinen Lokomotive fortbewegt werden. Dies geschieht auch hier. Da nun durch das in den letzten Tagen dahier niedergegangene Regenwetter, die Erdmassen des noch neuen Eisenbahndammes sich stellenweise ungleich niedergesetzt haben, so ist auch das provisorisch gelegte Schienengleise aus der richtigen Lage gekommen. Hierdurch entgleiste die kleine Lokomotive und stürzte mit dem Führer und Heizer derselben, ohne daß dieselben vorher abspringen konnten, rechtsseitig den Eisenbahndamm hinab, ohne daß die beiden einen besonderen Schaden erlitten. Auch die Maschine ist gut dabei weggekommen, da sie ja auf dem weichen Bahndamm kein besonderes Hindernis fand, nur das Schutzdach derselben ist verbogen. Mittels eines Drahtseils versuchte man die Lokomotive wieder hinauf auf das Gleise zu bringen, was jedoch eine schwierige Arbeit ist. (Grünberger Anzeiger) |
| 30. März 1903 | WetterDie ungewöhnliche Temperatur der letzten Woche hat die Vegetation in merkenswertem Maße zur Entwicklung gelangen lassen. Kirschen und Frühobst öffnen bereits (30. März 1903) ihre Blüten und der Wald färbt sich an einzelnen Stellen schon mit grünen Lärchen und Weiden. Auch der Waldmeister ist an verschiedenen Plätzen schon hoch gekommen und gar Mancher war in der Lage, in diesem Jahre seine Maibowle schon im März sich ansetzen zu können. Die seit gestern eingetretene kühlere Witterung, der nach den Wetterberichten kältere Tage folgen sollen, läßt leider für unsere weitere Blütenentwicklung die schlimmsten Folgen befürchten. (Grünberger Anzeiger) |
| 14. März 1903 | FahrplanDer definitive Entwurf des Sommerfahrplans für die Eisenbahnstrecke ist seitens der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. den Interessenten zugegangen; derselbe unterscheidet sich vom vorigen Sommer in nichts bis zur Eröffnung der Strecke nach Mücke, die bekanntlich am 1. August erfolgen soll. Es ist prokektiert, daß Laubach nach wie vor Ausgangs- und Endpunkt werden soll. Weniger günstig erscheint der Umstand, daß der erste Zug von Mücke erst um 8.20 nach Laubach kommt. Es ist dies für die Bewohner des Seentales, die in Laubach auf dem Amtsgerichte zu tun haben oder sich mit Schülern in tägliche Beziehung zu dem hiesigen Gymnasium setzen wollen, entschieden zu spät. Warum der Zug in Mücke volle 32 Minuten Aufenthalt nimmt, und nicht alsbald nach 7.07, eintreffend des Zuges von Alsfeld, wieder abfährt, ist nicht ersichtlich. (Grünberger Anzeiger) |
| 07. März 1903 | Kreisstraße verfahrenDie Kreisstraße von Stockhausen nach Mücke ist durch die schweren Eisensteinfuhrwerke derart verfahren und gleisig, daß sie, namentlich für Personenfuhrwerk, fast unfahrbar geworden ist. Wer dies weiß, fährt über Lardenbach, Klein- und Groß-Eichen auf Mücke. Am 7. März (1903) kam auf dieser Straße ein Postunfall vor. Die Personenpost von Freienseen, die täglich zweimal diesen Weg machen muß, hatte das Malheur zwischen Stockhausen und Flensungen in Stücke zu gehen, sodaß der Postillon mit Pferd und Briefbeutel zu Fuß auf Post Mücke wandern mußte. Es wäre sehr zu wünschen, wenn endlich einmal diese Straße so in Stand gesetzt würde, daß Menschen, Tiere und leichteres Fuhrwerk dieselbe ohne Schaden passieren könnten. Fragliche Straße gehört zum Kreise Schotten. (Grünberger Anzeiger) |
| 24. Februar 1903 | Meldungen 1903Einige Wochen früher als sonst (10. Februar 1903), nämlich schon in voriger Woche, konnte man den Flug von Kranichzügen im Seenbachtal nach ihrer nördlichen Heimat mehrmals sehen und das Geschrei hören. Das deutet auf das Ende dea Winters und herannahenden Frühling. Seit mehreren Wochen (14. Februar 1903) sind die Hausfrauen durch den Milchabschlag per Topf von 25 auf 20 Pfg seitens vieler Milchverkäufer erfreut worden. Es besteht wohl kein Zweifel, daß dieser Abschlag dem ergiebigen Futtervorrate des vorigen Jahres, sowie auch den jetzigen Butterpreisen (per Pfund 80 bis 90 Pfg.) entspricht. Da dürfte es wohl zu erwarten sein, daß alle Landwirte sich demgemäß bei der Milchabgabe verhalten und bei Behaltung seitheriger Qualität ihren einsichtigen Kollegen baldist folgen. Heute Nachmittag (15. Februar 1903) hielt auf Veranlassung des Grünberger Orts-Gewerbevereins im Saale des Gasthauses "Zum Rappen" Herr Oberbergrat Professor Dr. Ehelius aus Darmstadt einen Vortrag über Vulkane und Erdbeben mit Berücksichtigung des früheren bedeutenden Vulkans Vogelsberg. In über einunddreiviertelstündigem Vortrage, welcher insbesondere recht genaue Erklärung über die Entstehung und das Vorkommen der einzelnen Gesteine unseres Vogelsberges und seiner Umgebung gab, fesselte der Vortragende die zahlreich erschienen Zuhörer. An der Bahn Laubach-Mücke werden eben (15. Februar 1903) noch 2 kleinere Brücken vor Stockhausen gebaut. Die Strecke ist dann von Mücke bis Chaussee Laubach-Schotten fahrbar. Die Stations- und Nebenbauten sind im Rohbau fertig. Sie machen einen ganz guten Eindruck, wenn auch der angewandte "Jugendstil" unseren Bauern nicht besonders gefallen will. Die Orte im Seentale sind absolut nicht einverstanden mit dem Projekte des Fahrplanes, welchen Herr Kaufmann Ritter-Laubach in den nächsten Tagen der Großh. Handelskammer in Friedberg vorlegen wird, wenn es derselbe Plan ist, der seiner Zeit veröffentlicht wurde. Die Gemeinden des Seentales wollen deshalb bei der Eisenbahndirektion vorstellig werden. Vor einigen Tagen (jetzt: 21. Februar 1903) wurde in Freinseen die älteste Frau des Ortes, wohl auch die älteste der Umgegend, Witwe Dickel, zu Grabe getragen. Die Greisin war bis gegen Ende vorigen Jahres noch rüstig und bei guter Gesundheit, so daß man annehmen konnte, sie würde ihren hundersten Geburtstag noch erreichen, nun aber hat ein Schlaganfall ihrem Leben ein Ziel gesetzt. Dem Vernehmen nach haben sich dem Gesuch um Errichtung einer Haltestelle an der Schottener Straße die Gemeinden Freienseen und Lardenbach bis jetzt (22. Februar 1903) nicht angeschlossen. Sollte man dort der Meinung sein, Laubach allein würde die Erreichung dieses Projektes bewerkstelligen, so dürfte man sich im Irrtum befinden. Beide Gemeinden haben das gleiche Interesse wie Laubach und es würde von ihnen später zu bereuen sein, wenn sie nicht einmütig mit der Stadt handeln wollten. Zeit zum Besinnen dürfte noch gegeben sein, da die Arbeiten (an der Bahnstrecke) bis jetzt nicht derart fortgeschritten sind, daß der anfänglich beabsichtigte Termin am 1. Juli d. Js. zur Eröffnung eingehalten werden kann. In ihrer Sitzung (24. Februar 1903) hat die Großh. Handelskammer Friedberg einstimmig die Unterstützung des Antrages Ritter-Laubach, der eine bessere Postbestellung und bessere Zugverbindung auf der Neubaustrecke Mücke-Laubach-Hungen bezweckt, beschlossen, ferner den Beschluß gefasst, bei der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. wegen durchgehendem Betrieb auf den Strecken Mücke-Laubach- Hungen-Friedberg und Schotten-Nidda-Friedberg vorstellig zu werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 8. Februar 1903 | HaltestelleIn der gestrigen Sitzung des Gemeinderats Laubach stand unter anderem auf der Tagesordnung: Das Gesuch um Errichtung einer Haltestelle (nach Bedarf) an der Kaltenmönchswiese. Gesuche gleicher Art werden von den Gemeinden Gonterskirchen, Freienseen und Lardenbach eingereicht werden. An dieser an der Schottener Kreisstraße gelegenen Stelle ist bereits eine Holzverladestelle vorgesehen; das Halten der Züge nach Bedarf dürfte wohl keinen Schwierigkeiten begegnen. Für die oben genannten Orte aber ist die Erreichung ihrer Kreisstadt viel leichter zu bewerkstelligen, da der Weg nach dieser sich auf etwa sieben Kilometer verkürzt. Ebenso dürfte während des Sommers vielen Besuchern des schön gelegenen Jägerhauses die Errichtung einer Haltestelle an diesem Platze sehr willkommen sein. (Grünberger Anzeiger) |
| 31. Januar 1903 | Streitigkeiten in StockhausenGroße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So scheint es auch bei der in der Nachbargemeinde Stockhausen bevorstehenden Bürgermeisterwahl der Fall sein. Am verflossenen Samstag, 31. Januar, gab es dieserhalb in der Weil'schen Wirtschaft dahier Streitigkeiten, die schließlich zu Tätlichkeiten führten, wobei es blutige Köpfe abgesetzt haben soll. Wie man hört, so sei sogar von dem Messer Gebrauch gemacht worden, sodaß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Eine entstandene Kopfwunde soll so bedeutend sein, daß sie von ärztlicher Seite zugenäht werden mußte. Wie man hört, so sei diese Sache zur Anzeige gebracht worden und wird ev. die Untersuchung nähere Aufklärung in diese Angelegenheit bringen. (Grünberger Anzeiger) |
| 31. Januar 1903 | RechtschreibungUm bei der Einführung der einheitlichen Rechtschreibung in den Schulen, die am 1. April 1903 stattfinden wird, die Eltern der Schüler und Schülerinnen vor unnötigen Kosten zu bewahren, den Schülern selbst die Eingewöhnung in die neue Schreibweise ohne Härte zu ermöglichen und zugleich die berechtigten Interessen des Buchhandels zu schützen, hat, die Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten am 30. Dezember (1902) folgende Anordnungen getroffen und durch Ausschreiben den sämtlichen Schulvorständen des Landes bekannt gemacht: 1) Zur Neueinführung dürfen fortan nur solche Schulbücher vorgeschlagen werden, die den Regeln der neuen Rechtschreibung entsprechen. 2) Es ist wünschenswert, daß für den Anfangsunterricht im deutschen Lesen und Schreiben vom 1. April 1903 an nur Lehrmittel in der neuen Rechtschreibung gebraucht werden. Doch wird auch gegen Beibehaltung bereits eingeführter ... wenn sich die Lehrer der nicht allzuerheblichen Mühe unterziehen, diese Bücher im Sinne der neuen Regeln abzuändern. 3) Für alle jenseits der Elementarstufe gebrauchten Schulbücher und sonstigen Lehrmittel mit alter Schreibweise wird vom 1. April 1903 an eine Übergangszeit von fünf Jahren gewährt. ... 4) Bei der Beurteilung der Schülerleistungen soll Unsicherheit in der neuen Rechtschreibung für die nächsten Jahre nicht entscheidend in Betracht kommen. (Grünberger Anzeiger) |
| 04. Januar 1903 | MeldungenDas neue Jahr hat mit einer abnormen hohen Temperatur begonnen. Amgestrigen Abend (Laubach, 4. Januar 1903), zwischen acht und neun Uhr, konnte man am westlichen Himmel ein größeres Gewitter beobachten, eine um diese Zeit gewiß seltene Erscheinung; auch die in gewissen Zeitabschnitten niedergehenden Regenmassen traten als Begleiterscheinungen von Gewittern, von Westen herzihend, auf. Nach dem Kalender dauert die jetzt herrschende Witterung bis zum 17. des Monats, dann sind Schnee und Kälte zu erwarten, vielleicht bringt dann die Änderung auch die Beendigung der hier immer mehr sich ausbreitenden Influenzaerkrankungen. Die Unsitte des Neujahrschießens mit scharf geladener Waffe hat in Freienseen einem Burschen schweres Unheil eingebracht. Es wurde ihm aus Unvorsichtigkeit von einem Kameraden eine Kugel durch die Hand gejagt, welche dieselbe so zerriß, daß der Geschossene noch in der Nacht zum Arzte gebracht werden mußte. (Grünberger Anzeiger) |