25. September 1926

Wäscheleinen und Lichtleitung

Öfters sieht man, daß sich in den Höfen Wäschedrähte in der Nähe von Lichtleitungen befinden. Dies ist sehr gefährlich. Vielleicht wird ein vom Winde bewegtes Wäschestück gegen die Lichtleitung getrieben und der ganze Wäschedraht unter Strom gesetzt. Verschiedentlich haben Frauen beim Aufhängen der Wäsche einen Schlag erhalten; ein solcher kann unter Umständen den Tod zur Folge haben. Ehe man daher eine Wäscherolle anbringt, sehe man darauf, daß der Abstand von der Lichtleitung groß genug ist.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
23. September 1926

Schöffengericht Laubach

Die Verhandlung (23. September 1926) gegen den Dienstknecht T. von Lardenbach wegen Körperverletzung wurde zur Ladung weiterer Zeugen auf den 28. Oktober vertagt.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
16. September 1926

Ballonverfolgung Schotten

Die gestrige (13. September 1926) Ballonverfolgung des Automobil- und Motorrad-Clubs Schotten hatte viel Zuschauer auf den Bockzahl gelockt. Das Wetter war denkbar ungünstig, es regnete verschiedentlich und über den Oberwald zog ein Gewitter mit dichten Nebelwolken.

Der Heißluftballon, der rasch gefüllt war, wurde um 2.15 Uhr losgelassen. Einige Pendelbewegungen, und schon verschwand das gelbe Ungetüm in den niedrigen, eiligst nach Nordost dahinziehenden Wolken. Mit Kraftwagen und Motorrädern wurde nun die Verfolgung aufgenommen, aber von dem Ballon war nichts mehr zu sehen.

Einer der Fahrer sah ihn noch einmal im Oberwald, hoch oben zwischen zwei Wolken davonsegeln. Aber dann war die Sicht wieder verdeckt, vom Taufstein-Turm sah man nur noch die Spitzen der benachbarten Bäume, über dem Oberwald-Gebiet lag ein solider Herbstnebel.

Wohl wurde das ganze Gebiet mit lautem Geknatter unentwegt abgestreift, bis nach Bad Salzschlirf dehnte einer der Fahrer seine Erkundungen aus, aber alles Mühen war erfolglos. Nach vierstündiger Fahrt durch Regen und Schmutz kehrten die letzten Fahrer nach dem vereinbarten Treffpunkt, dem Haus Hubertus, zurück, der Ballon war Sieger geblieben.

Hoffentlich wird der Ausreißer bald gefunden, von Weidbuben, Wanderern oder Forstbeamten. Die Fahrt soll noch einmal versucht werden, aber nur an einem klaren Tag, der besseres Jagdglück verspricht.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
09. September 1926

Straßen-Staublage

Die Kiesdecke der fertig gewalzten Ohmstraße hat sich in eine dicke Staubschicht verwandelt. Die Autos wirbeln Wolken auf, wie am Berge Sinai, auf 10 Mtr. kann man die Nummer nicht mehr erkennen, ein Vorteil für rücksichtslose Fahrer. Das Gras an der Straßenböschung und die angrenzenden Gemüsegärten sind mit einer grauen Staubschicht bedeckt. Die an der Straße liegenden Häuser leiden sehr unter der Staublage.

Man kann kein Fenster öffnen, wenn nicht das gesamte Mobiliar verstauben soll. Es wäre angebracht, wenn innerhalb des Ortsbereichs die Straße täglich mindestens zweimal gesprengt würde, wie es einzelne Hausbesitzer heute schon tun. Auch von gesundheitlichem Standpunkt wäre das sehr zu begrüßen, denn der aufgewirbelte Staub führt unzählige Krankheitskeime mit sich.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
02. September 1926

Vom Riedesel’schen Revier

Das hiesige Freih. Riedesel’sche Revier in Ober-Ohmen umfaßt über 1000 Morgen Wald und ca. 200 Morgen Feld. Die Riedesel’sche Verwaltung trug sich mit dem Gedanken, das hiesige Revier zu verkaufen, jedenfalls weil es infolge der hohen Verwaltungskosten unrentabel ist. Da der Wald sehr zerstreut liegt in den Gemarkungen Ober-Ohmen, Ruppertenrod, Groß-Eichen, Höckersdorf, Unter-Seibertenrod, Zeilbach und Stumpertenrod, ist die Verwaltung sehr zeitraubend, und es sind infolgedessen hier zwei Beamte, ein Revierförster und ein Förster tätig.

Der Gemeinde Ober-Ohmen wurde auch eine Waldparzelle zum Kaufe angeboten. Es handelte sich um das Haarholz, das rechts von der Straße Ruppertenrod–Ermenrod liegt und sich an ein Waldstück der Gemeinde Ober-Ohmen anschließt. Der Preis – man sprach von 80 000 bis 90 000 Mark – war aber, den Verhältnissen entsprechend, so hoch, daß die Gemeinde die Zinsen nicht aufbringen konnte. Die Bestände sind nämlich noch lange nicht schlagreif und werfen deshalb in den ersten Jahrzehnten kaum nennenswerte Erträge ab. Infolgedessen mußte die Gemeinde das Angebot abschlagen.

Bekanntlich hat ja der Staat das Vorkaufsrecht auf derartige Verkäufe; es bleibt abzuwarten, ob der Staat letzten Endes doch Käufer der Waldbesitzstücke bleibt.

Etwas anderes wäre es mit den 200 Morgen Äckern und Wiesen. Da es sich hierbei meist um gutes und bestes Land handelt, dürfte sich die Gemeinde wohl kaum die günstige Gelegenheit entgehen lassen, ihren Besitz abzurunden. Bei einem Verkauf in einzelnen Stücken würde die Gemeinde evtl. noch ein gutes Geschäft machen, da heute gutes Land sehr gesucht und deshalb hoch im Preise ist.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
02. September 1926

Ergebnis der Reichsjugendwettkämpfe

Die Reichsjugendwettkämpfe der Schulen des Bezirks Laubach am 31. August hatten folgendes Ergebnis:

Altenhain (12 Teilnehmer, 5 Sieger): […]

Freienseen (20 Teilnehmer, 15 Sieger): Stein, Heinrich 65 Punkte, Sauer, Otto 65, Lind, Georg 66, Schreiner, Kurt 81, Walter, Heinrich 70, Immelt, Ernst 68, Reichmann, Hermann 68, Köhler, Richard 60, Lauster, Ernst 61, Keller, Karl 61, Ruppel, Adolf 70, Lind, Adolf 68, Köhler, Otto 58, Brachmann, Hermann 54, Männche, Heinrich 57.

Gonterskirchen (5 Teilnehmer, 1 Sieger): […]

Groß-Eichen (18 Teilnehmer, 14 Sieger): Tröller, Wilhelm 70 Punkte, Reining, Ernst 55, Peter, Wilhelm 62, Eimer, Otto 71, Bär, Ernst 65, Weitzel, Heinrich 65, Paul, Wilhelm 64, Bort, Wilhelm 59, Knöß, Karl 56, Fault, Anton 63, Hisserich, Heinrich 56, Knöß, Otto 65, Bär, Karl 60, Faust, Gustav 62.

Lardenbach [Klein-Eichen] (5 Teilnehmer, 5 Sieger): Kauß, Otto 56 Punkte, Schneider, Rudolf 61, Högy, Otto 61, Mölcher, Reinhard 73, Keller, Karl 62.

Laubach (16 Teilnehmer, 14 Sieger): […]

Ruppertsburg (16 Teilnehmer, 5 Sieger): […]

Sellnrod (12 Teilnehmer, 6 Sieger): Döpfer, Wilhelm 64 Punkte, Fach, Heinrich 58, Müller, Ernst 55, Schneider, Heinrich 67, Roth, Friedrich 56, Funk, Wilhelm 59.

Stockhausen (2 Teilnehmer, 1 Sieger): Krauß, Rudolf 67 Punkte.

Wetterfeld (9 Teilnehmer, 1 Sieger): […]

(Grünberger Anzeiger)

 

 
29. August 1926

Seenbach

Die Arbeiten am Seenbach sind für ein paar Wochen eingestellt worden. Das neue Bachbett ist von Flensungen bis zur Grenze der Stockhausener Gemarkung gerade gelegt. Es wurden dabei drei Morgen Wiesenland gewonnen. Nun müssen die alten Bachwindungen zum Teil noch aufgefüllt werden. Es soll damit gewartet werden, bis das Ackerland, das zum Auffüllen gebraucht wird, abgeerntet ist.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
24. August 1926

Umgestaltung des Landpostwesens

Der Landpostbestelldienst mußte in der Nachkriegszeit erheblich eingeschränkt werden, sodass die Klagen der Dörfer und kleinen Landstädte nicht verstummen wollen. Nun soll eine völlige Umgestaltung des Landpostwesens eintreten.

Die bisherige Zusammenrichtung der Zustellung auf einen einzigen Bestellgang bedingt, daß die Zusteller vielfach außerordentlich belastet sind, namentlich bei langen Wegen und da, wo ein stärkerer Paketverkehr zu vermitteln ist. Fahrräder und Pferdefuhrwerke haben die Erwartungen, die an ihre Verwendung geknüpft wurden, nicht erfüllt. Sie erleichtern zwar die Zurücklegung der Entfernungen, sind aber für die Bestellung innerhalb der ländlichen Ortschaften hinderlich.

Die Neuerung will daher das Landpostbestellwesen in Zukunft in zwei grundsätzlich getrennte Verkehrsleistungen zerlegen: in die reine Zurücklegung der Entfernungen vom Postamt bzw. der Eisenbahnstation bis zum ländlichen Bestellbereich durch Kraftwagenlinien und andererseits Zustellung bzw. Ablieferung im Bestellbezirk, letztere durch ein besonderes Personal und Neugestaltung des Posthilfsstellen- und Agenturwesens auf dem Lande.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
24. August 1926

Wer drückt den Getreidepreis?

Der Verband der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften beschreibt die schwierige Lage der Landwirtschaft nach einer schlechten Ernte. Aufgrund von Ernteausfällen von etwa 25 bis 30 Prozent bei Weizen, Roggen und Hafer sowie bis zu 40 Prozent bei Gerste und zusätzlich schlechter Getreidequalität durch anhaltende Niederschläge geraten viele Landwirte in wirtschaftliche Not.

Gleichzeitig wird kritisiert, dass Händler und Marktteilnehmer die ohnehin niedrigen Getreidepreise weiter drücken. Während ein Teil des Handels die Lage der Bauern verstehe, versuche ein anderer Teil aus Sicht des Autors rücksichtslos, von deren Not zu profitieren.

Besonders scharf angegriffen wird die damalige Regelung der Einfuhrscheine. Der Autor argumentiert, dass diese Verordnung den Export von überschüssigem Roggen behindere. Dadurch würden deutsche Roggenpreise sinken, während Länder wie Polen und Russland wichtige Absatzmärkte, insbesondere in Skandinavien, beliefern könnten.

Gefordert wird daher von der Reichsregierung und dem zuständigen Reichstagsausschuss ein sofortiges Handeln. Insbesondere sollen die Einfuhrscheinregelungen schnell geändert werden, um den Roggenexport zu erleichtern und weitere wirtschaftliche Schäden für die Landwirtschaft zu verhindern.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
21. August 1926

Maul- und Klauenseuche

In Lardenbach ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Es werden gebildet: ein Sperrbezirk, umfassend die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen, ein Beobachtungsgebiet, umfassend die Feldgemarkungen Lardenbach und Klein-Eichen.

(Grünberger Anzeiger, 21. August 1926)

 

Verkehrsbund Oberhessen

Am Samstagnachmittag (21. August 1926) fand in Gießen im Restaurant „Hindenburg“ eine aus allen Teilen der Provinz gut besuchte vorbereitende Sitzung statt, die die Gründung eines „Verkehrsbundes Oberhessen“ zum Ziele hatte. Der Verkehrsbund Oberhessen bezweckt den Zusammenschluß von Kreisen, Städten, Landgemeinden, Badeverwaltungen, Verkehrsvereinen usw. zu einer großzügigen Fremdenwerbung und zur Behebung der dringenden alten und neuen oberhessischen Verkehrsnöte und -sorgen im Eisenbahn-, Kraftpost- und Fremdenrundfahrtwesen.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
19. August 1926

Umleitungsverkehr

Infolge von Walzarbeiten an der Hauptstraße Ruppertenrod-Mücke ist durch amtliche Verfügung der Motorrad- und Autoverkehr durch Wettsaasen geleitet worden. Es gehen täglich bis zu 40 Autos durch, für unsere enge Ortsstraße ein etwas zu starker Betrieb.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
18. August 1926

Aus dem Seental

Begünstigt durch den anhaltenden Sonnenschein, nehmen die Erntearbeiten um den 18. August rum einen raschen Verlauf. Das Getreide ist zum größten Teil gemäht und dürfte wohl bei weiterer beständiger Witterung bis Ende nächster Woche vollständig unter Dach und Fach sein. Vereinzelt wird schon mit dem Schnitt des Grummets begonnen.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
12. August 1926

Verkehrsbund Oberhessen

Zur Verbesserung der noch sehr im Argen liegenden Verkehrsverhältnisse Oberhessens soll ein die ganze Provinz umfassender Verkehrsbund ins Leben gerufen werden, dem beizutreten vom hiesigen Gemeinderat schon beschlossen wurde. Eine erste Versammlung in dieser Angelegenheit ist auf Freitag in Gießen anberaumt. Zu wünschen ist, daß kein Ort Oberhessens sich ausschließt und alle dem Verkehrsbund beitreten.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
12. August 1926

Herumlaufen der Hunde

Verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit geben uns Veranlassung, auf die Bestimmungen über Halten von Hunden auch an dieser Stelle hinzuweisen. Möge sich jeder Hundebesitzer mit diesen Bestimmungen vertraut machen, da das Aufsichtspersonal angewiesen ist, jede Zuwiderhandlung unnachsichtlich zur Bestrafung anzuzeigen.

In erster Linie wird auf Artikel 25 des Jagdstrafgesetzbuches aufmerksam gemacht, der lautet:

„Wer einen Hund bei sich hat und denselben außerhalb der erlaubten Verbindungswege über 100 Schritte von diesen frei herumlaufen läßt, sowie derjenige, dessen Hund, ohne von jemand mitgenommen worden zu sein, allein in der angegebenen Weise frei herumläuft, wird bestraft. Schäfer unterliegen bezüglich ihrer Hunde diesen Bestimmungen nicht.“

Eine Polizeiverordnung des Kreisamts Schotten vom 13.3.07 bestimmt: Hunde dürfen nach 10 Uhr abends ohne Aufsicht nicht mehr auf der Straße herumlaufen. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Daß bissige Hunde ohne Maulkorb nicht herumlaufen dürfen, scheint auch in Vergessenheit geraten zu sein, sonst hätte es nicht vorkommen können, daß in letzter Zeit mehrfach Personen von einem Hunde gebissen wurden. Selbstverständlich ist der Hundebesitzer für allen Schaden verantwortlich.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
05. August 1926

Wieder Preis-Scheibenschießen 1926

Der Laubacher Krieger- und Militärverein hält zum ersten Mal nach dem Kriege am Sonntag, den 8. August und Sonntag, den 22. August 1926 auf den Schießständen des hiesigen Schützen-Vereins ein Preis-Scheibenschießen ab, an dem sich auch die Mitglieder auswärtiger Kriegervereine beteiligen können.

 

Ferkelpreise 1926

Auf allen in unserer Gegend abgehaltenen Schweinemärkten sind ziemlich hohe Preise erzielt worden. Es kosteten nämlich Ferkel von 5–7 Wochen 32–45 Mk., von 7–9 Wochen 45–55 Mk. und von 9–12 Wochen 55–75 Mk. pro Stück. Den Preisen der Schlachtschweine gegenüber ist dies natürlich nicht zu viel, da diese immer noch teurer werden.

 

Großer Viehbedarf 1926

Der Landwirtschaftskammer-Ausschuß für die Provinz Oberhessen in Gießen sendet an die Bürgermeistereien Karten zur Anmeldung von Nutzvieh, welche daselbst von den Mitgliedern abgeholt werden können. Da in Lich den Landwirten infolge Lungenseuche ganze Viehbestände eingingen oder geschlachtet werden mußten, benötigen dieselben Nutzvieh. Die Vermittlung erstreckt sich auf Tiere Vogelsberger und Simmentaler Rasse, gekört und ungekört. Man helfe hierbei mit, daß die geschädigten Landwirte wieder zu ihren Viehbeständen gelangen.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
03. August 1926

Getreideernte 1926

Die Getreideernte hat begonnen (3. August 1926), die erste Frucht, die Gerste, wird geschnitten, und der Wind bläst durch die Stoppeln.

 

Flugverkehr 1926

Heute, im Zeitalter des Fortschritts, vergeht kein Tag, wo nicht ein Flieger seine Maschine über unsere Täler und Höhen steuert. Heute ist ein Flugzeug nichts Neues mehr, wenn es oben in den Lüften surrt.

Höchstens unsere Kleinen laufen auf der Straße zusammen und rufen laut: „Ein Flieger, ein Flieger, er kommt herab!“ Dabei ist auch der Wunsch der Vater des Gedankens, den Flieger einmal am Boden zu sehen. Es wäre für uns ein nervenfesselndes Schauspiel gewesen. Doch ob all der Kinderwünsche zog der Flieger ruhig weiter seine Bahn.

Vor dem Kriege war es den biederen Vogelsbergern einmal vergönnt, einen Flieger von nahem zu sehen. Im Herbst 1913 ging auf dem „Steinmöhl“ bei Ober-Ohmen ein Eindecker nieder, der die Orientierung verloren hatte. Von nah und fern eilten die Bewohner herbei, um den seltenen Vogel zu bestaunen.

Das Interesse oder besser gesagt die Neugierde war früher viel größer als heute. Wenn man früher ein Luftballon über die Berge schweben sah, lief man oft stundenweit, um der Landung desselben zuzusehen.

Als an einem Sonntagmorgen vor dem Kriege das Luftschiff „LZ. 7“ von der aufgehenden Sonne bestrahlt, über das Ohmtal flog, eilte Jung und Alt auf die Straße, manche kamen barfuß direkt aus den Federn, um Zeppelins Lebenswerk zu bewundern. Das Luftschiff flog so niedrig, daß man die Insassen mit bloßem Auge sah. Ein lebhaftes Winken erfolgte hinter dem majestätischen Luftkreuzer her.

Die Fliegerei ist heute schon etwas Selbstverständliches, lang wirds nimmer dauern, und auch der einfache Bürger kann für ein paar Mark eine Reise durch die Luft antreten. Hoffentlich bietet sich vielen Gelegenheit, einmal das neue Zeppelin-Luftschiff, das von den Opfergroschen des deutschen Volkes in Friedrichshafen erbaut wird, zu sehen.

 

Sommermarkt 1926

Der altbekannte Schottener Sommermarkt findet in althergebrachter Form am Montag, den 9. August 1926 als Pferde- u. Rindviehmarkt; Dienstag, den 10. August als Rindvieh- u. Schweinemarkt; Mittwoch, den 11. August als Krämermarkt und Volksfest statt. Nach den Anfragen und Bestellungen zu urteilen wird der Markt sehr besucht werden und seine alte Anziehungskraft ausüben.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
18. Juli 1926

Bürgermeisterwahl

Bei der gestrigen (18. Juli 1926) Bürgermeisterwahl in Klein-Eichen erhielten der seitherige Beigeordnete Herr Karl Müller 48 Stimmen, Herr Wilhelm Hoffmann 45 Stimmen. Der seitherige Beigeordnete ist somit zum Bürgermeister des Dorfes gewählt.

[Karl Müller ist der Großvater von Walter Müller und Ur-Großvater von Katja Jurreit. Wilhelm Hoffmann ist der Vater von Minna Faust/Loob, Mutter von Hermann Loob.]

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
01. Juli 1926

Todesfall

Adolf Mölcher, geboren am 18. April 1903, war das siebente Kind von Heinrich und Katharina Mölcher (Großeltern von Lilli Reining). Die Familie lebte in Lardenbach im Haus Reining/Langohr an der „Untergasse“.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
26. Juni 1926

Aus dem Seental

Seit dem Eintritt trockener Witterung hat man in unsere Gegend allgemein mit der Heuernte begonnen. Die Niederschläge der vergangenen Wochen bewirkten auf den höher gelegenen Wiesen einen reichlichen Grasbestand, während die nassen Wiesen in den Niederungen begreiflicherweise nicht ganz befriedigen. Im Allgemeinen gibt es aber vieles und gutes Heu, wenn auch wegen der mangelnden Hitze das Trocknen sich rascher vollziehen müßte. — Die Aussichten der diesjährigen Obsternte, Kirschen, sowohl wie Aepfel und Birnen, sind hier gering. Man klagt allgemein über schlechten Behang der Bäume.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
21. Jun i 1926

Postauto-Route

Ab Montag (21. Juni 1926) verkehrt das Postauto Ulrichstein – Mücke über Bobenhausen, Höckersdorf, Groß-Eichen, Ruppertenrod, Mücke, da die Ohmstraße von Ruppertenrod über Ober-Ohmen, Unter- und Ober-Seibertenrod gewalzt wird.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
19. Juni 1926

Fahnenweihe in Groß-Eichen

Das Fest der Fahnenweihe des Turnvereins Groß-Eichen wurde am Samstagabend (19. Juni 1926) durch einen Lampionzug durch die Straßen des Dorfes nach dem Festplatze eröffnet. Nach einem Gesangsvortrag des hiesigen Gesangvereins hielt der erste Vorsitzende des Turnvereins, Lehrer Kopf, die Begrüßungsansprache. Er dankte im Namen des Vereins all denen, die in unermüdlicher Arbeit beim Sammeln, Schmücken und Aufbauen der Festhallen, Tribüne, des Tanzbodens und dergl. geholfen und zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Gesangliche und turnerische Vorführungen folgten und zeigten, daß auf beiden Gebieten das Dorf Gutes zu leisten vermag.

Sonntagvormittag (20. Juni 1926) fand ein Kirchgang des Vereins statt. Pfarrer König, der seit kurzem in Groß-Eichen steht, hielt den Festgottesdienst. Zwischen 12 und 1 Uhr trafen die fremden Vereine, die infolge des günstigen Wetters sehr stark vertreten waren, ein, und der Festplatz und das Dorf füllten sich mit einer Menschenmenge, wie sie hier wohl noch nicht zu sehen war.

Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, besonders den Festredner, Pfarrer Staubach, und den Oberturnwart des Gaues Hessen. Pfarrer Staubach war 18 Jahre Seelsorger in Groß-Eichen und ein guter Bekannter des Gründers unseres Turnvereins. Im Verlaufe seiner Ansprache wies der Redner auf die hohen Ziele der Deutschen Turnerschaft zum Wohle des Einzelnen und zum Segen des gesamten Volkes hin.

Nach dem Gesang des Deutschlandliedes trug Fräulein Lina Stamm einen Prolog vor, und überreichte und enthüllte die Fahne. Nach der Enthüllung hielt Pfarrer Staubach die Weiherede unter Zugrundelegung der Inschrift und übergab die Fahne ihrer Bestimmung mit der Ermahnung, immer die vier Worte des Symbols der Deutschen Turnerschaft „Frisch, fromm, froh, frei“ und ihre richtige Bedeutung vor Augen zu behalten.

Als Vorführungen folgten nun Freiübungen, an denen sich alle Turner und die Turnerinnen von Ober-Ohmen Laubach und Grünberg beteiligten.

Damit die Jugend mit Tanzen noch auf ihre Rechnung kam, wurde gegen 5 Uhr das Programm beendet, und es gab ein gemütliches Beisammensein. Für Abwechslung war gesorgt; waren doch außer zwölf Ständen mit Zucker-, Schokolade- und Spielwaren u. a. eine Schiffschaukel, ein Kaspertheater und eine Schießbude da. Bis spät in die Nacht hinein ging das fröhliche Treiben, so daß zu hoffen ist, daß alle Festbesucher mit dem Gebotenen zufrieden waren.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
15. Juni 1926

Bürgermeister verstorben

Im Alter von 73 Jahren ist der Bürgermeister von Klein-Eichen, Christian Hoffmann (11.04.1853 - 15.06.1926) verstorben. Er war von 1911 bis 1926 Bürgermeister Klein-Eichens.

Fotos

 
13. Juni 1926

Seenbach

Die Regulierung der Seenbach, die in Verbindung mit der Feldbereinigung durchgeführt werden soll, nimmt in dieser Woche (13. Juni 1926) ihren Anfang. Die vielen Windungen, die der Bach macht, sollen verschwinden, und ein gerader Flutgraben wird das Wasser aufnehmen. Es soll damit den vielfachen Überschwemmungen der Wiesen, die das ganze Tal oft in einen See verwandeln, ein Ende gemacht werden. Die Regulierung schafft den Vielen, die durch das Stilliegen der Eisensteingruben arbeitslos geworden sind, willkommenen Verdienst. Die Ausführung der Arbeiten ist der Firma Schneider von Heuchelheim bei Gießen übertragen worden.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
20. Mai 1926

Warnung vor Zuzug in die Stadt

Oft besteht bei der Landbevölkerung die Auffassung, weibliche Hilfskräfte würden in den Städten leicht Anstellung als Dienstboten oder dergleichen finden. Diese Ansicht ist entschieden irrig. Tatsächlich sind weit mehr Stellensuchende als offene Stellen für solche Mädchen vorhanden. Nicht wenige Familien des städtischen Mittelstandes mußten infolge Geldmangels ihre bisherigen Dienstmädchen entlassen.

Vor einem planlosen Zuzug weiblicher Hilfskräfte in die Stadt muß daher mit dem größten Nachdruck gewarnt werden. Aber auch von einem Zuzug männlicher Hilfskräfte in die Stadt ist nicht weniger abzuraten. Die Arbeitslosigkeit in den meisten Industriezweigen ist derart groß, daß keineswegs mit einem Unterkommen in den Städten zu rechnen ist. Die Geschädigten sind in erster Linie die Zuwandernden selbst, sie müssen ihre Leichtfertigkeit oder Unwissenheit erfahrungsgemäß oft schwer genug büßen!

(Grünberger Anzeiger)

 

Älteste Frau Oberhessens

Am Mittwochnachmittag (19. Mai 1926) wurde die älteste Frau Laubachs und wahrscheinlich auch ganz Oberhessens, die Witwe Elisabeth Rausch geborene Lipp, zur letzten Ruhe gebracht. Die Verstorbene, die am 10. Oktober 1829 zu Ulrichstein geboren wurde, verdankte ihr hohes Alter wohl in erster Linie der sorgsamen Pflege ihrer Töchter.

(Grünberger Anzeiger)

[Für das frühe 20. Jahrhundert, in dem die Lebenserwartung für Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch bei unter 60 Jahren lag, war ein Alter von 96 Jahren eine absolute Seltenheit.]

 

 
14. Mai 1926

Hauptversammlung des Kreiszuchtvereins

Der Kreisrinderzuchtverein für die Vogelsberger Rasse hielt kürzlich (14. Mai 1926) in der Wirtschaft Böß (Grünberg) seine Generalversammlung ab. In Abwesenheit des 1. Vorsitzenden, leitete der 2. Vorsitzende, Direktor Trautmann-Grünberg, die Verhandlungen. Die Rechnungsablage erstattete Verwaltungsobersekretär Philipp. Sie wies ein recht günstiges Ergebnis auf. Die Rechnungsprüfer Velten und Weber-Göbelnrod erteilten dem Kassierer Entlastung.

Direktor Trautmann gab hierauf den Tätigkeitsbericht ab. Sehr behindert wurde die Tätigkeit des Vereins durch die Maul- und Klauenseuche. Über das Ergebnis der Körungen 1925 berichtete Richberg von der Landwirtschaftskammer Gießen. Die Zahl der Körungen und Aufnahmen ins Herdbuch hat erfreulicherweise zugenommen.

Nach längerer Aussprache wurde mit großer Mehrheit als Ort der Kreistierschau Grünberg gewählt. Die Landwirtschaftskammer und der Zuchtverein stellen hierzu ungefähr 1500–2000 Mk. zur Verfügung. Der Zuchtverein selbst 300 Mark. Außerdem werden die Stadt Grünberg und die Korporationen Preise stellen.

Zwecks Verhütung der Gefährdung der Reinzucht des Vogelsberger Rindes ist die Versammlung der Ansicht, daß reingezüchtete Tiere auf den Prämiierungen und Schauen anderen Tieren mit kleinen Farbfehlern usw. vorzuziehen sind. Die Zucht ist gefährdet durch die Einführung fremden Blutes, z. B. Westfälischer Bullen, die Farbfehler haben; deshalb beim Einkauf auf gute, alte Zucht achten. Direktor Trautmann dankte der Versammlung für das Vertrauen und versprach den Verein und die Vogelsberger Zucht mit seiner ganzen Kraft zu fördern.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
11. Mai 1926

Land Preise

In Ober-Ohmen wurde ein Stück Kleeland versteigert, wobei infolge allgemeinen Futtermangels recht beträchtliche Preise erzielt wurden. Für 1/4 Morgen wurden 65—70 RM. bezahlt, so daß das ganze Stück annähernd 500 RM. einbrachte.

(Grünberger Anzeiger)

 

Schneefall im Mai

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat sich im Vogelsberg starker Schneefall eingestellt. Stellenweise sind Obstbaumäste unter der Schneelast abgebrochen. Die Sonnenstrahlen machten der weißen Herrlichkeit jedoch bald ein Ende, nur im oberen Vogelsberg behauptete der ungebetene Maiengast sich länger.

(Grünberger Anzeiger)

 

Arbeitsmarktlage

Der Arbeitsmarkt im nördlichen Oberhessen, wozu die Städte im Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten gehören, hat im Monat April infolge Belebung der Bautätigkeit und zahlreicher Notstandsarbeiten eine fühlbare Erleichterung erfahren.

Gegenüber 3529 Hauptunterstützungsempfängern und 4522 Zuschlagsempfängern am 1. April waren am 30. April noch 2786 Hauptunterstützungsempfänger und 3731 Zuschlagsempfänger vorhanden.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Mai 1926

Flug von Gießen

Das in Gießen stationierte Flugzeug hat dieser Tage eine Glanzleistung vollbracht, indem es die Strecke Mannheim — Gießen mit Passagieren an Bord in einer reinen Flugzeit von 35 Minuten zurücklegte. Flug und Landung sind völlig glatt verlaufen.

(Grünberger Anzeiger)

[Der historische Flughafen Gießen erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine kurze, aber glanzvolle Phase als bedeutender Knotenpunkt der zivilen Luftfahrt. Gegründet wurde die Anlage im Jahr 1925 nordöstlich der Stadt auf dem Gelände „Am stolzen Morgen“ durch die Luftverkehr AG Oberhessen-Lahngau (OBLAG). Die feierliche Einweihung des Flugfeldes fand am 5. Juli 1925 vor rund 2.000 Zuschauern statt.
Anders als heutige Flughäfen besaß der Gießener Flugplatz in seiner zivilen Phase keine befestigte Start- und Landebahn. Das gesamte Rollfeld bestand aus einer großen, ovalen Grasfläche, die – je nach Windrichtung – aus allen Himmelsrichtungen angeflogen werden konnte.]

Fotos

 
04. Mai 1926

Abschied Pfarrer Weinberger

Herr Pfarrer Weinberger, der seit dem 26. August 1888 in Lardenbach seines Amtes waltete — er ist auf seiner ersten Stelle geblieben —, sah sich durch seine geschwächte Gesundheit genötigt, um Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen.

Am Sonntag, den 18. April 1926 hielt er seine Abschiedspredigt in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche, die auch von der mit Lardenbach eng verbundenen Nachbargemeinde Klein-Eichen gut besucht war und ein sichtbares Bild der Liebe, zu dem jetzt aus seinem Amt scheidenden Seelsorger gab.

Als Text hatte er gewählt 1 Moses 32,11 und Apostelgeschichte 20,21. Durch seine lange, fast 38jährige Wirksamkeit ist er mit seinen Gemeindegliedern eng verwachsen. Die ganze Kirchengemeinde wünscht, daß sein nun neu angetretener Lebensabschnitt ein recht langer und sonniger werde und er die wohlverdiente Ruhe noch lange in unserer Mitte genießen möge.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
29. April 1926

Der Aberglaube auf dem Lande

In den Großstädten hat der Spiritismus, der Okkultismus, der Somnambulismus, die Astrologie usw. viele Tausende von Anhängern. Mangel an Wirklichkeitssinn, Hang zum Mystischen, manchmal auch zur Hysterie, „moderne“ Formen des Aberglaubens sammeln ein gläubiges Heer um die sogenannten geheimen Wissenschaften und ihre Verkünder und Ausleger.

Auf dem Lande rümpft man gerne die Nase über diese Verirrungen großstädtischen Lebens. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auf dem Lande auch heute im zwanzigsten Jahrhundert noch die primitivsten Formen eines Aberglaubens vorhanden sind. Man erinnere sich, welchen schauerlichen Hokuspokus immer wieder gerissene Zigeunerweiber zum Schaden gutgläubiger Bauersleute ausführen können. Da kommen Schwindeleien vor, die man getrost neben mittelalterliche Hexengeschichten stellen könnte.

Es gibt leider auch heute noch Menschen, die allen Ernstes daran glauben, daß ihnen Vieh verhext, Krankheiten angewunschen, Unglück in der Familie, Hagel und Mißwachs im Felde, Unsegen im Stall durch geheime Kräfte mißgünstiger Menschen zugefügt werden kann, und daß umgekehrt durch solche geheime Kräfte Krankheiten geheilt, Wohlstand und Familienglück begründet werden kann. Namentlich Bauersfrauen und sonstige weibliche Hofinsassen schenken diesen „geheimen Kräften“ leider oft viel mehr Glauben und Zutrauen als dem ehrlichsten Berater, dem besten Freund und dem wohlmeinendsten Helfer.

Es ist nicht auszudenken, wieviel Unglück schon angerichtet worden ist durch skrupellose Scharlatane, die sich diese unglückliche Neigung zu abergläubischen Vorstellungen zunutze gemacht haben.
Jeder wackere Bauer, der mit beiden Füßen im wirklichen Leben steht und sich den Kopf freigehalten hat von diesem dummen abergläubischen Zeug, sollte als Hausvater dafür sorgen, daß in seinem Haus und Hof die ungesunde Luft des dumpfen Aberglaubens nicht eindringen kann.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
11. April 1926

Der Ackerpflug

In Ilsdorf ereignete sich dieser Tage ein seltener Fall. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (11. April 1926) war hoch im Geäste eines Süßapfelbaumes ein kompletter Ackerpflug entsproßt. Drei Tage lang wagte sich niemand heran, die seltene Aprilfrucht zu pflücken. Endlich fanden sich zwei beherzte Männer, die dem allgemeinen Aufsehen ein Ende machten und die Frucht zu Boden brachten. Man sollte auf solche Erscheinungen achten, denn wenn die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte auf den Bäumen wachsen, wird es in Zukunft für die Industrie und Arbeiterschaft schlecht bestellt sein.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
08. April 1926

Silberne-Hochzeit

Am 8. April feiern der Oberpostschaffner Georg Alexander und seine Ehefrau Susanne geb. Mölcher das Fest der Silbernen Hochzeit. Im Jahre 1901 haben Georg Alexander aus Nieder-Ohmen und Susanne Mölcher aus Lardenbach geheiratet. Deren Sohn Otto war lange Zeit als Postbote in den Dörfern unterwegs.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
14. März 1926

Protestversammlung - Abbau des Amtsgerichts und der Realschule Laubach

Auf den Ruf des Bürgervereins hatten sich am Sonntag (14. März 1926) Angehörige aller Stände und Parteien zu einer großen Protestversammlung im „Solmser Hof“ vereinigt. In Darmstadt war allen Ernstes erwogen worden, Amtsgericht und Realschule Laubach den Abbaumaßnahmen zu unterwerfen, die der Staat zur Verminderung der Ausgaben im Staatshaushalt vorzunehmen gezwungen ist.

Über die Amtsgerichtsfrage berichtete Herr Oberamtsrichter Zimmermann. Er wies überzeugend nach, dass eine Zusammenlegung des Amtsgerichts mit dem Amtsgericht einer benachbarten Stadt nur eine sehr geringe Kostenersparnis zur Folge haben würde. Anderseits müssten für die bauliche Vergrößerung des erweiterten Amtsgerichts sehr wahrscheinlich bedeutende Mittel aufgebracht werden. Der Abbau des Amtsgerichts Laubach sei also mit Ersparnisnahmen kaum zu begründen.

Hinsichtlich der Realschule argumentierte Direktor Dr. Rainer, dass der aktuelle Schülermangel lediglich eine vorübergehende Folge des Geburtenrückgangs während der Kriegs- und Inflationsjahre sei und bald wieder mit deutlich höheren Zahlen zu rechnen sei. Als konkrete Lösung zur Standortsicherung wurde die Bildung eines neuen Schulbezirks entlang der Bahnlinie vorgeschlagen, was zulasten der kleineren Schule im benachbarten Hungen gehen sollte.

Die Versammlung schloss mit einer einstimmigen Resolution an die hessische Regierung: Da Laubach bereits durch die Aufgabe seines Gymnasiums ein großes Opfer gebracht habe, forderte man aus Gründen der Gerechtigkeit den Erhalt der verbleibenden Institutionen.

Die Schließung konnte zunächst abgewendet werden. Das Amtsgericht Laubach blieb über die 1920er Jahre hinaus bestehen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 sogar als eigenständiges Gericht wiedereröffnet. Die endgültige Auflösung erfolgte erst am 1. Juli 1968, woraufhin die Zuständigkeit auf das Amtsgericht Gießen überging.

Die Realschule: Auch hier war der Widerstand erfolgreich. Die Schule überstand die Sparmaßnahmen der Weimarer Republik. Nach 1945 wurde sie auf Initiative örtlicher Persönlichkeiten als „Realgymnasium Laubach“ weitergeführt und entwickelte sich später zur heutigen Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Laubach-Kolleg weiter.

Die genannten „Abbaumaßnahmen“ waren Teil einer allgemeinen Sparpolitik im Volksstaat Hessen, die durch die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und die Hyperinflation von 1923 notwendig geworden war.

[Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853 wurde Klein-Eichen dem Sprengel des Landgerichts Laubach zugewiesen.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“.

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts und Klein-Eichen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.]

(Grünberger Anzeiger, Wikipedia)

Fotos

 
02. März 1926

Protestversammlung

ÜVor einigen Tagen fand in Lardenbach eine Versammlung der Vertreter der Gemeinden statt, welche an einem angemessenen Personenverkehr auf der (Bahn-) Strecke Mücke - Laubach interessiert sind.

Zu der Protestversammlung war Herr Landtagsabgeordneter Fenchel eingeladen. Viele weitere Interessenten hatten sich eingefunden, sodaß die kleingeplante Versammlung zur Massenversammlung wurde.

Die Ausführungen aller Redner zeugten von der großen Verstimmung, die in der ganzen Gegend herrscht infolge der stiefmütterlichen Behandlung des Zugverkehrs auf der genannten Strecke.

Die Bahn ist 1903 unter namhaften Opfern der anliegenden Gemeinden erbaut worden. Der Zugverkehr entspricht aber lange nicht den jetzigen Bedürfnissen. Herr Abgeordneter Fenchel versprach, sein Möglichstes zu tun, um den bestehenden Mißständen abzuhelfen, trat aber zu weit gehenden Wünschen der Anwesenden entgegen und riet, nur das Allernotwendigste zu verlangen. So kamen Mindestforderungen zustande, die in einer Resolution ihren Ausdruck fanden.

Die anwesenden Vertreter der Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Stockhausen, Freienseen, Flensungen, Sellnrod, Wohnfeld, Groß-Eichen, Altenhain, Ilsdorf und Bobenhausen führen Protest gegen die ungerechte Behandlung seitens der Reichseisenbahn-Gesellschaft.

Der gegenwärtige Zustand zwingt die Anwohner des fraglichen Gebietes, den Weg von Laubach bzw. Mücke zu Fuß zurückzulegen. Dazu kommt, daß die Ärzte ihre Besuche z. T. am Nachmittag ausführen und die Beschaffung der Arzneimittel im Laufe des Nachmittags nicht mehr möglich ist.

Es ist zwar morgens gegen 7 Uhr günstige Verbindung nach Gießen und Frankfurt gegeben, jedoch ist bei der Rückkehr nur noch Station Mücke am selben Abend zu erreichen. Die Beseitigung der genannten Mißstände wäre dadurch zu erzielen, daß der Abendzug von Hungen, der jetzt bis Laubach (an 8 Uhr) durchgeführt wird, bis Mücke weitergeführt wird und dort die Passagiere in Richtung Laubach mitnimmt. Auf diese Weise wäre auch die Beschaffung von Arzneimitteln in Laubach oder Grünberg am späten Nachmittag möglich.

Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Gemeinden seinerzeit beim Bau der Bahn bedeutende Zuschüsse geleistet haben und daß sich der Verkehr wesentlich gehoben hat durch Gründung neuer Unternehmen (Molkereien, Bergwerke, Tuchfabriken, Zigarrenfabriken usw.), sodaß in der Tat eine große Benachteiligung der Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit Tatsache geworden ist.

Für die Sonntage wird derselbe Zugverkehr gewünscht wie an Werktagen. Der augenblickliche Sonntags-Zugverkehr bietet fast keine Verbindungsmöglichkeiten. Kein Wunder, daß infolgedessen der rege Sonntagsverkehr der Friedenszeit geschwunden ist.

Die vertretenen Gemeinden verlangen, daß aufgrund der seinerzeit von den Gemeinden geleisteten Zuschüsse und der unterdessen erfolgten wirtschaftlichen Entwicklung den schon seit längerer Zeit schwer empfundenen Mißständen abgeholfen wird.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
28. Februar 1926

Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde in der Provinz Hessen-Nassau und im Staat Hessen in der würdigsten Weise begangen. Fahnen auf Halbmast, Glockengeläute und Posaunenchöre von den Kirchtürmen um die Mittagszeit mahnten eindruckstief zum Gedächtnis der gefallenen Helden. Auch in allen Städten und Gemeinden des Freistaates Hessen haben die Feiern einen würdigen Verlauf genommen.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
27. Februar 1926

Schöffengericht

Ein Landwirt aus Stockhausen hatte gegen einen Strafbefehl, den er wegen unberechtigten Befahrens eines bestellten Feldes erhalten, Berufung eingelegt. Die Beweisaufnahme brachte keine Klarheit, weshalb Ortsbesichtigung vorgenommen werden soll.

Der Viehschweizer des Oberseener Hofes hatte Anfang Oktober v. Js. auf einer noch nicht abgeernteten Wiese in der Nähe der Löbsack-Mühle Rindvieh geweidet. Dafür bekam er einen Strafbefehl, gegen den rechtzeitig Einspruch erhoben wurde. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, dass der Pächter des Oberseener Hofes das Recht hat, in der Zeit vom 1. Oktober bis 22. Februar jeden Jahres die Wiesen als Weide zu benutzen, ganz gleich, ob das Grummet abgeerntet ist oder nicht. Der Angeklagte wurde frei gesprochen. (27. Februar 1926)

[Ein Viehschweizer war historisch ein spezialisierter Landarbeiter, der für die Betreuung von Vieh und die Milchverarbeitung zuständig war – unabhängig davon, ob er tatsächlich aus der Schweiz stammte.]

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
18. Februar 1926

Arbeitsgelegenheit

Die Zunahme der Arbeitsgelegenheit zeigt sich in den mittleren und kleineren Orten mehr und mehr, so dass dort die Zahl der Erwerbslosen abnimmt, während in den Großstädten besonders noch viele Kaufleute unbeschäftigt sind. Der Andrang zum kaufmännischen Beruf war zu groß geworden. Dagegen muß auf dem Baumarkt mit neuem Leben gerechnet werde.

(Grünberger Anzeiger)

 
16. Februar 1926

Vereitelter Einbruch

In einer der letzten Nächte versuchten Diebe in einem Lardenbacher, etwas abseits gelegenen Bauernhaus einzubrechen. Die junge Frau hörte Geräusch und machte Licht. Als plötzlich alles ruhig war, glaubte sie sich getäuscht zu haben. Am nächsten Morgen sah man, dass am Küchenfenster bereits das Blei losgelöst war. (16. Februar 1926)

 

Viehversicherung

Schon seit Jahren plant die Genossenschaft Lardenbach und Klein-Eichen die Gründung einer Viehversicherung auf Gegenseitigkeit. Die Sache ist soweit gediehen, dass in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung die letzten Beschlüsse gefasst werden sollen.

(Grünberger Anzeiger)

 
12. April 1926

Bettelunwesen

Das Bettelunwesen hat in Lardenbach Formen angenommen, die bald nicht mehr zu überbieten sind. Das hiesige "Gemeindehaus" ist dauernd von mehreren wandernden "Familien" belagert. Ein Bettler reicht dem anderen die Türklinke. Es wäre zu wünschen, dass den Herrschaften kein Geld, sondern nur Nahrungsmittel gereicht würden. Das hilft ab. Der wirklichen Not wollen wir helfen, aber das Geld ist zu rar. (12. Februar 1926)
[Gemeindehaus: Seentalstraße Ecke Hölzchesweg: dass „Hossehäussi“, das „Hirtenhaus“]

 

Grubenbetrieb 1926

Sicherem Vernehmen nach ist damit zu rechnen, dass der Grubenbetrieb auf Luse-Ilsdorf bald wieder aufgenommen wird, wenn auch zunächst nicht voll. Die Gruben befinden sich infolge der nassen Witterung zum Teil in recht schlechtem Zustand. (12. Februar 1926)

(Grünberger Anzeiger)

 

 
07. Februar 1926

Auf der Flucht

In der vergangenen Nacht (7. Februar 1926) logierte bei Göbel in Lardenbach ein ehemaliger Zögling seines jetzigen Mieters. Nachdem der Besuch gestern abend ohne Erfolg versucht hatte, in der Wirtschaft Nickel, Stockhäuserhof, einen Renner zu verkaufen oder Geld zu pumpen (den Renner wurde er dann auf der Mücke los), ging er morgens vor Tag mit dem Motorrad des Mietsherrn Göbel durch.

Da aber die Zündkerze fehlte, mußte der arme Junge das Motorrad bis auf den Stockhäuserhof drücken. Der Einfachheit halber schnitt er den Laufriemen entzwei. In der Fahrradhandlung von Otto Nickel erschwindelte er sich dann unter allerlei Märchen Zündkerze und Riemen und stob ab. Dem Vernehmen nach ist die Reise in Butzbach zu Ende gegangen. Man hat ihn schon.

 

Volksbildungsabend

Gestern abend (7. Februar 1926) veranstaltete der Männergesangverein im Saal des Gastwirts Diehl in Lardenbach seinen diesjährigen Volksbildungsabend. In urwüchsiger Weise wurden die heiteren Dorfbilder von Vonalt aufgeführt. Einige Chöre (u. a. "Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein!", "Deutsches Reiterlied", "Morgenruf") schmückten die Pausen würdig aus. Der Bruderverein Freienseen war geschlossen erschienen und sang ebenfalls vier Lieder voll Schönheit mit vorzüglichem Stimmenausgleich. Der Besuch war sehr stark.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
06. Februar 1926

Arbeitslosigkeit im unteren Vogelsberg

Die Witterungsverhältnisse waren diesen Winter nicht immer die angenehmsten, denn schon im Herbste hatte man einen solchen Frost und Schnee, daß sogar, was sehr selten vorkommt, die Holzhauer einige Zeit nicht fällen konnten. Aber durch diese Pause wird trotzdem das Holzhauen nicht später beendet werden, weil durch die allgemeine Erwerbslosigkeit einmal die seither bestandenen Rotten sich vergrößert haben und dann auch mehr Rotten eingesetzt wurden. Man muß es begrüßen, daß hier durch die Forstämter der zum größten Teil schuldlosen Arbeitslosen gedacht und das allzugroße Elend etwas gelindert wurde.

Wie wird nun die Arbeitslosigkeit im Frühjahr werden? Allem Anschein nach nicht ganz zufriedenstellend. Unsere Gegend wird von der Arbeitslosigkeit, die hier in der Industrie herrscht, schwer betroffen. Aber auch die Landwirtschaft leidet schwer darunter, denn Industrie und Landwirtschaft hängen sehr voneinander ab, eine Tatsache, die in besseren Zeiten sehr oft verkannt wurde. Gewöhnlich dachte der Arbeiter, die Erzeugnisse des Landwirts müßten billiger sein, und der Landwirt dachte, der Arbeiter könne billiger schaffen.

Aber dieser Gedanke ist falsch, denn beide Berufe sind sehr abhängig voneinander und müssten deshalb Hand in Hand gehen. Es klingt sonderbar, ist aber zutreffend: Sobald die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr billig sind, kann sie der Arbeiter am schlechtesten kaufen, und umgekehrt mangelt dann dem Landwirt das Geld zum Ankauf von Industrieerzeugnissen. Deshalb, Arbeiter und Bauern, seid gegenseitig nicht gehässig und bekämpft Euch nicht, sondern geht Hand in Hand!

 

Anschaffung einer Motorspritze

Der Kreis Gießen hat als erster hessischer Kreis eine Motorfeuerspritze angeschafft, die der Überlandlöschhilfe dienen soll. Die Motospritze wird in Gießen stationiert. Auch ein Automobiltransportwagen zur Beförderung der Bedienungsmannschaften wird angeschafft werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Februar 1926

Nebenbahnen

Vom Standpunkte der Anwohner der Nebenbahnen war es zu begrüßen, daß die Strecke Grünberg-Lich unlängst sich nach langen Mühen den gewünschten Abendzug erkämpft hat. Aber um so bedauerlicher erscheint es uns an der Strecke Mücke-Laubach-Hungen, daß die Reichsbahnverwaltung so schlecht für unsere Verkehrsbedürfnisse sorgt und sich auch wohl garnicht mit der Absicht zur Abhilfe trägt.

Es sind wiederum die Orte Freienseen, Lardenbach-Weickartshain und Stockhausen, die an jener Bahnstrecke die allerschlechtesten Reisemöglichkeiten besitzen. Es ist doch ein unhaltbarer Zustand, daß werktags um 5.06 der letzte Zug Mücke in der Richtung Hungen verläßt. Kommt man aber von Hungen, so hat man hier gar schon um 3.04 Uhr die letzte Anschlußmöglichkeit.

Wir glauben, im Rahmen des Möglichen zu bleiben, wenn wir wünschen, daß der Zug, der Hungen abends 7.22 Uhr verläßt, über sein Ziel Laubach hinaus bis Mücke durchgeführt wird, von wo aus er nach 9 Uhr wieder nach Laubach zurückfahren könnte. Dadurch wären Anschlüsse an die Abendzüge hergestellt. Hoffentlich hat die Bahnverwaltung ein Einsehen!

(Grünberger Anzeiger)

 
30. Januar 1926

Budget "Volksschule"

Wie aus den letzten Landtagsverhandlungen zu sersehen war, wird das Budget des hessischen Staates durch das Kapitel "Volksschule" sehr stark belastet. Nach dem alten Schulgesetz für Hessen bezog jeder definitiv aufgestellte Lehrer den Grund- oder Stellengehalt von 900 Mk. aus der Gemeindekasse. Nur die Dienstzulage wurde vom Staat entrichtet. Außerdem hatte die Gemeinde die Vergütung für den Handarbeits- und Fortbildungsschulunterricht aufzubringen. Ferner wurde die Dienstwohnung für den Lehrer unentgeltlich gestellt. Nach dem neuen Volksschulgesetz gingen alle diese Lasten auf den Staat über.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
09. Januar 1926

Eisenerzmarkt und Bauernprotest

Die Lage des Eisenerzmarktes im Lahn- und Dillgebiet in Oberhessen hat sich im Dezember weiterhin verschlechtert. Die noch in Betrieb befindlichen Gruben können nur noch mit äußerster Anstrengung ihren Betrieb aufrecht erhalten. Wenn auch die flüssigen Mittel für die Zahlung von Löhnen und Gehälter bisher noch gereicht haben, so können doch die fälligen Steuern und sozialen Lasten bereits nicht mehr fristgerecht aufgebracht werden. Man befürchtet, daß durch etwa zu erwartende Zwangsbetreibungen auch noch die letzten Gruben zum Erliegen kommen werden.

Über 1000 Kleinbauern und Kleingewerbetreibende des Vogelsberges waren am 6. Januar in Schotten versammelt, um Protest zu erheben gegen die untragbaren Steuern. Es wurde scharfe Kritik geübt an der Steuerveranlagung des Vogelsberger Notgebietes, sowie am Steuerdruck des Reichs und des Volkstaates Hessen. Ist die Regierung nicht gewillt, einschneidende Sparmaßnahmen zu ergreifen und uns die geforderte Erleichterung zu verschaffen, so wird sie dafür verantwortlich zu machen sein, wenn der Bestand unseres Hessenlandes für die Zukunft gefährdet ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
02. Januar 1926

Aus Stadt und Land 1926

Das hessische Gesamtministerium hat bestimmt: Jede Maskerade und jedes karnevalistisches Treiben, wie beispielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten, ist verboten. In der Zeit von Aschermittwoch ab sind alle karnevalistischen Veranstaltungen, wie Maskenbälle, Kostüm- und Trachtenfeste, Kappenabende usw. auch für geschlossene Gesellschaften verboten. Wer den Vorschriften zuwiderhandelt, oder sich an einer verbotenen Veranstaltung beteiligt oder eine Veranstaltung in seinen Räumen duldet, wird mit Gefängnis bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 RM. oder mit einer dieser bestraft.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

 

back top next