| 07. Februar 1926 | Auf der FluchtIn der vergangenen Nacht (7. Februar 1926) logierte bei Göbel in Lardenbach ein ehemaliger Zögling seines jetzigen Mieters. Nachdem der Besuch gestern abend ohne Erfolg versucht hatte, in der Wirtschaft Nickel, Stockhäuserhof, einen Renner zu verkaufen oder Geld zu pumpen (den Renner wurde er dann auf der Mücke los), ging er morgens vor Tag mit dem Motorrad des Mietsherrn Göbel durch. Da aber die Zündkerze fehlte, mußte der arme Junge das Motorrad bis auf den Stockhäuserhof drücken. Der Einfachheit halber schnitt er den Laufriemen entzwei. In der Fahrradhandlung von Otto Nickel erschwindelte er sich dann unter allerlei Märchen Zündkerze und Riemen und stob ab. Dem Vernehmen nach ist die Reise in Butzbach zu Ende gegangen. Man hat ihn schon.
VolksbildungsabendGestern abend (7. Februar 1926) veranstaltete der Männergesangverein im Saal des Gastwirts Diehl in Lardenbach seinen diesjährigen Volksbildungsabend. In urwüchsiger Weise wurden die heiteren Dorfbilder von Vonalt aufgeführt. Einige Chöre (u. a. "Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein!", "Deutsches Reiterlied", "Morgenruf") schmückten die Pausen würdig aus. Der Bruderverein Freienseen war geschlossen erschienen und sang ebenfalls vier Lieder voll Schönheit mit vorzüglichem Stimmenausgleich. Der Besuch war sehr stark. (Grünberger Anzeiger) |
| 06. Februar 1926 | Arbeitslosigkeit im unteren VogelsbergDie Witterungsverhältnisse waren diesen Winter nicht immer die angenehmsten, denn schon im Herbste hatte man einen solchen Frost und Schnee, daß sogar, was sehr selten vorkommt, die Holzhauer einige Zeit nicht fällen konnten. Aber durch diese Pause wird trotzdem das Holzhauen nicht später beendet werden, weil durch die allgemeine Erwerbslosigkeit einmal die seither bestandenen Rotten sich vergrößert haben und dann auch mehr Rotten eingesetzt wurden. Man muß es begrüßen, daß hier durch die Forstämter der zum größten Teil schuldlosen Arbeitslosen gedacht und das allzugroße Elend etwas gelindert wurde. Wie wird nun die Arbeitslosigkeit im Frühjahr werden? Allem Anschein nach nicht ganz zufriedenstellend. Unsere Gegend wird von der Arbeitslosigkeit, die hier in der Industrie herrscht, schwer betroffen. Aber auch die Landwirtschaft leidet schwer darunter, denn Industrie und Landwirtschaft hängen sehr voneinander ab, eine Tatsache, die in besseren Zeiten sehr oft verkannt wurde. Gewöhnlich dachte der Arbeiter, die Erzeugnisse des Landwirts müßten billiger sein, und der Landwirt dachte, der Arbeiter könne billiger schaffen. Aber dieser Gedanke ist falsch, denn beide Berufe sind sehr abhängig voneinander und müssten deshalb Hand in Hand gehen. Es klingt sonderbar, ist aber zutreffend: Sobald die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr billig sind, kann sie der Arbeiter am schlechtesten kaufen, und umgekehrt mangelt dann dem Landwirt das Geld zum Ankauf von Industrieerzeugnissen. Deshalb, Arbeiter und Bauern, seid gegenseitig nicht gehässig und bekämpft Euch nicht, sondern geht Hand in Hand!
Anschaffung einer MotorspritzeDer Kreis Gießen hat als erster hessischer Kreis eine Motorfeuerspritze angeschafft, die der Überlandlöschhilfe dienen soll. Die Motospritze wird in Gießen stationiert. Auch ein Automobiltransportwagen zur Beförderung der Bedienungsmannschaften wird angeschafft werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 01. Februar 1926 | NebenbahnenVom Standpunkte der Anwohner der Nebenbahnen war es zu begrüßen, daß die Strecke Grünberg-Lich unlängst sich nach langen Mühen den gewünschten Abendzug erkämpft hat. Aber um so bedauerlicher erscheint es uns an der Strecke Mücke-Laubach-Hungen, daß die Reichsbahnverwaltung so schlecht für unsere Verkehrsbedürfnisse sorgt und sich auch wohl garnicht mit der Absicht zur Abhilfe trägt. Es sind wiederum die Orte Freienseen, Lardenbach-Weickartshain und Stockhausen, die an jener Bahnstrecke die allerschlechtesten Reisemöglichkeiten besitzen. Es ist doch ein unhaltbarer Zustand, daß werktags um 5.06 der letzte Zug Mücke in der Richtung Hungen verläßt. Kommt man aber von Hungen, so hat man hier gar schon um 3.04 Uhr die letzte Anschlußmöglichkeit. Wir glauben, im Rahmen des Möglichen zu bleiben, wenn wir wünschen, daß der Zug, der Hungen abends 7.22 Uhr verläßt, über sein Ziel Laubach hinaus bis Mücke durchgeführt wird, von wo aus er nach 9 Uhr wieder nach Laubach zurückfahren könnte. Dadurch wären Anschlüsse an die Abendzüge hergestellt. Hoffentlich hat die Bahnverwaltung ein Einsehen! (Grünberger Anzeiger) |
| 30. Januar 1926 | Budget "Volksschule"Wie aus den letzten Landtagsverhandlungen zu sersehen war, wird das Budget des hessischen Staates durch das Kapitel "Volksschule" sehr stark belastet. Nach dem alten Schulgesetz für Hessen bezog jeder definitiv aufgestellte Lehrer den Grund- oder Stellengehalt von 900 Mk. aus der Gemeindekasse. Nur die Dienstzulage wurde vom Staat entrichtet. Außerdem hatte die Gemeinde die Vergütung für den Handarbeits- und Fortbildungsschulunterricht aufzubringen. Ferner wurde die Dienstwohnung für den Lehrer unentgeltlich gestellt. Nach dem neuen Volksschulgesetz gingen alle diese Lasten auf den Staat über. (Grünberger Anzeiger) |
| 09. Januar 1926 | Eisenerzmarkt und BauernprotestDie Lage des Eisenerzmarktes im Lahn- und Dillgebiet in Oberhessen hat sich im Dezember weiterhin verschlechtert. Die noch in Betrieb befindlichen Gruben können nur noch mit äußerster Anstrengung ihren Betrieb aufrecht erhalten. Wenn auch die flüssigen Mittel für die Zahlung von Löhnen und Gehälter bisher noch gereicht haben, so können doch die fälligen Steuern und sozialen Lasten bereits nicht mehr fristgerecht aufgebracht werden. Man befürchtet, daß durch etwa zu erwartende Zwangsbetreibungen auch noch die letzten Gruben zum Erliegen kommen werden. Über 1000 Kleinbauern und Kleingewerbetreibende des Vogelsberges waren am 6. Januar in Schotten versammelt, um Protest zu erheben gegen die untragbaren Steuern. Es wurde scharfe Kritik geübt an der Steuerveranlagung des Vogelsberger Notgebietes, sowie am Steuerdruck des Reichs und des Volkstaates Hessen. Ist die Regierung nicht gewillt, einschneidende Sparmaßnahmen zu ergreifen und uns die geforderte Erleichterung zu verschaffen, so wird sie dafür verantwortlich zu machen sein, wenn der Bestand unseres Hessenlandes für die Zukunft gefährdet ist. (Grünberger Anzeiger) |
| 02. Januar 1926 | Aus Stadt und Land 1926Das hessische Gesamtministerium hat bestimmt: Jede Maskerade und jedes karnevalistisches Treiben, wie beispielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten, ist verboten. In der Zeit von Aschermittwoch ab sind alle karnevalistischen Veranstaltungen, wie Maskenbälle, Kostüm- und Trachtenfeste, Kappenabende usw. auch für geschlossene Gesellschaften verboten. Wer den Vorschriften zuwiderhandelt, oder sich an einer verbotenen Veranstaltung beteiligt oder eine Veranstaltung in seinen Räumen duldet, wird mit Gefängnis bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 RM. oder mit einer dieser bestraft. (Grünberger Anzeiger) |