1919

Im Jahre 1919

Es herrschte Frieden, doch es war längst nicht überall friedlich. Die Siegermächte hatten sich in Paris zu Friedenskonferenzen zusammengefunden, um die Ordnung in Europa neu festzulegen.
Der Weltkrieg war gerade am 11. November 1918 mit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich zu Ende gegangen. Er hat ca. 9 Millionen Tote gefordert.

Im Grünberger Anzeiger bedankte sich am 4. Januar das Fussartillerie-Regiment 27 bei den Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen für die erwiesene Gastfreundschaft während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in den beiden Dörfern. Über Weihnachten und Neujahr hatten sich die Mannschaften einquartiert. Auf dem Rückzug von der Westfront wollten die Meisten nach Westpreußen und Posen.

An die Landbevölkerung waren Aufrufe ergangen den unzähligen zurückkehrenden Kriegern Arbeit, Nahrung und Wohnung zu geben. "Über allem muß jetzt die Forderung der Erhaltung unserer landwirtschaftlichen Kraft und der inneren Ruhe und Sicherheit stehen."

Die Zahlen der Gemeindeumlagen werden für das Jahr 1918 veröffentlicht. An Gemeindesteuern werden demnach für das Rechnungsjahr 1918 in Klein-Eichen 1800 Mark erhoben. In Lardenbach sind dies z. B. 5500 Mark. Und in Groß-Eichen 10500 Mark.

83 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen sich an der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung. Die KPD hat sich der Wahl nicht gestellt, die USPD erreicht lediglich 22 Mandate. Sieger der Wahl sind die Sozialdemokraten mit 165 Mandaten. Frauen sind in Deutschland erstmals wahlberechtigt.
In Klein-Eichen bekommt die Deutsch Nationale Volkspartei mit 50 Stimmen den größten Zuspruch. Es folgt die Deutsche Demokratische Partei mit 23 Stimmen. Gefolgt von der Sozialdemokratischen Mehrheitspartei mit 17 Wähler. In Lardenbach zeigt sich die gleiche Rangfolge.

Der Grünberger Anzeiger kommentiert die Wahl folgendermaßen: "Wenn man jetzt die Listen der Wahlberechtigten mit der Zahl der Nichtstimmenden vergleicht, so muß einen eigentlich die starke Zahl der letzteren verblüffen. Sicher sind es auf dem Lande die bejahrten Frauen, denen es gar nicht in den Sinn will, wozu sie den Stimmzettel abgeben sollen, und die von der Bedeutung der Wahl nichts verstehen. Es gibt aber auch eine Anzahl männlicher Personen, die sich in die neue Zeit nicht finden wollen und so ihren Mißmut durch Fernbleiben von der Wahlurne bekunden."

Der Staatenausschuss beschließt in Weimar die Einführung von Schwarz-Rot-Gold als Nationalfarben.

Nach einer Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes treten infolge der Demobilmachung die den Heeres- und Marineangehörigen gewährten Portovergünstigungen für Feldpostsendungen außer Kraft - das Ende der Feldpostbriefe.

"Nach Berliner Meldungen soll auch im laufenden Jahre die Sommerzeit wieder eingeführt werden. Ihr Beginn ist für Montag, den 14. April vormittags 2 Uhr, ihr Ende für Montag, 15. September, vormittags 3 Uhr, in Aussicht genommen. Da sich die Einrichtung im Kriege allgemein bewährt hat, wird man den neuen Entschluß nur begrüßen dürfen."

"Das Ministerium des Inneren hat verfügt, dass die Abhaltung öffentlicher Maskenbälle in diesem Jahre mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit von den Polizeibehörden durchweg nicht zu genehmigen ist. Da auch im Hinblick auf die Kohlennot und die Einschränkung des Lichtverbrauchs eine Beschränkung der Dauer der öffentlichen Tänze überhaupt erforderlich ist, so können Tanzerlaubnisscheine für die Folge nicht länger, als die Feierabendstunde dauert, erteilt werden. Auch Privatvergnügungen haben sich hiernach zu richten, andernfalls kann entsprechende Entziehung des Lichtverbrauchs eintreten." In diesem Jahr gab es im Dorf noch keine elektrische "Lichtverbraucher".

"Als vor einiger Zeit die Soldaten auf ihrem Rückmarsche für ihre Pferde in den Ortschaften Heu aufkauften, wurde ihnen solches für 12 Mark für den Zentner abgelassen. Damals glaubte man, dieser Preis werde nicht mehr übertroffen. Jetzt werden sogar für den Zentner 36 Mark und darüber bezahlt. Eine ähnliche Preissteigerung hat nun auch für die Pferde stattgefunden. Von den Soldaten konnte man ein Paar Pferde für 170 Mark erstehen, jetzt kosten diese bei einer Versteigerung zu Laubach 800 bis 1500 Mark."

"Amtlichen Mitteilungen zufolge nehmen die Geheimschlachtungen derart überhand, dass der Bestand an Schlachtvieh in Kürze aufgebraucht ist. Zur Sicherstellung des Fleischbedarfs für die nicht auf Schleichhandelswegen zu versorgende Bevölkerung sind demzufolge überaus scharfe Einfriffe in die Zucht- und Nutzviehbestände der Provinz Oberhessen unausweichlich."

Im Kreis Schotten wurden für die Zeit vom 1. April 1919 bis 1. April 1922 die Kommandanten der Pflichtfeuerwehr ernannt. In Klein-Eichen ist dies Eduard Zimmer. Zu dessen Stellvertreter ernannt wurde Ludwig Ernst Zimmer (?). In Lardenbach ist Heinrich Schneider Kommandant und Stellvertreter Wilhelm Keller.

Der 1. Mai ist zum ersten mal in Deutschland Feiertag. Aber nur in diesem Jahr, da er an den Abstimmungen scheiterte.

Das hessische Landesernährungsamt bestimmt, dass jegliche Ausfuhr von Pferden aus dem hessischen Staatsgebiet verboten ist. Der Versuch der Ausfuhr ist strafbar. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.

Zu der Gemeindewahl gibt es in Klein-Eichen einen gemeinsamen Wahlvorschlag: Wilhelm Felsing, Wilhelm Zimmer 2r, Karl Mölcher, Heinrich Eckhardt, August Zimmer, Ernst Faust, Ernst Zimmer, Eduard Zimmer, Otto Volp, Heinrich Müller, Karl Dörr und Ludwig Krieger.

Die deutsche Delegation unterschreibt am 28. Juni unter Protest den ihr vorgelegten Friedensvertrag von Versailles, welcher formell den Ersten Weltkrieg abschließt. Zugleich wird im Vertragswerk die Satzung des entstehenden Völkerbundes akzeptiert. "Unmittelbar nach Friedensschluss beginnen die Heimbeförderungen der deutschen Kriegsgefangenen. Zur Durchführung dieser gewaltigen Aufgabe wurde das Deutsche Reich in sieben Gruppen aufgeteilt. Der Gruppe Rhein in Bad Homburg fällt der bedeutensde Anteil zu, da die Stadt infolge ihrer zentralen Lage die Heimführung aller auf französischem, belgischem Boden in französischer, belgischer, englischer und amerikanischer Hand befindlichen Gefangenen regeln soll.

"In den letzten Tagen (Juli 1919) konnte man im Seenbachtal Leute aus Frankfurt oder der Umgegend von Frankfurt beobachten, die Seife, Schokolade, Reis und andere schöne Sachen zum Verkauf anboten. Bemerkenswert dabei war, dass sie keine Lebensmittel, sondern nur Geld in Zahlung haben wollten. Direkt auffallend war, dass sie die Waren zum Teil ganz dringend anboten, und wenn die Leute nicht kaufen wollten, sogar unverschämt wurden. Scheinbar haben diese Herren Schleichhändler noch größere Posten und Bestände und befürchten jetzt, wegen der Aufhebung der Sperre ein rasches Sinken der Preise. Die Hamsterpreise für Eier und Butter sind ja schon seit 14 Tagen gefallen, zum größten Verdruß so manches Wucherers."

"Heute (22. Juli) ereigneten sich auf dem Eisensteinbergwerk "Luse" in unserer Nachbarschaft zwei ernste Unfälle. Im Stollen wurde ein Bursche von herunterstürzenden Erdmassen verschüttet. Es gelang, ihn zu befreien; er war anfänglich bewußtlos, erholte sich aber bald. Der andere Unfall traf eienen Bergmann aus Sellnrod an der Kreissäge. Von dieser löste sich ein Stück Holz und flog dem Manne mit solcher Wucht an den Kopf, daß er verletzt in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte."

Mit 262 Ja- zu 75 Nein-Stimmen wird die "Weimarer Verfassung" von der Nationalversammlung verabschiedet. Es ist die erste parlamentarisch-demokratische Verfassung Deutschlands.

Die Hauptkörung (Auswahl der Tiere für die Zucht) der Gemeindebullen, Eber und Ziegenböcke für 1919 soll im Kreis Schotten vorgenommen werden. Am 1. August nachmittags wird dies um 3 Uhr in Klein-Eichen sein und um 3.30 Uhr in Lardenbach.

Erst seit Oktober diesen Jahres fanden in der Klein-Eichener Kirche regelmäßig alle 2 Wochen Predigtgottesdienste mit dem Pfarrer statt. Robert Staubach war der Pfarrer für Groß- und Klein-Eichen.

"Die Zahl der Kriegsopfer unserer Kirchengemeinde (Lardenbach mit Stockhäuser Hof und Solms-Ilsdorf) beträgt einschließlich eines seit September 1914 Vermißten 22. In Gefangenschaft gerieten 7 Gemeindemitglieder. Aus russischer, englischer und französischer Gefangenschaft ist je ein Gefangener zurückgekehrt, vier warten noch in Frankreich auf ihre Heimkehr."

Ein weiters Mal wurde Christian Hoffmann zum Bürgermeister Klein-Eichens gewählt.

(Grünberger Anzeiger)

 
1918-1919

Kriegsende 1918-1919

Vor 100 Jahren, am 11. November 1918 findet die Unterzeichnung des Waffenstillstands statt. Noch am selben Tag schweigen die Waffen. Der blutige (Erster Welt-) Krieg hat über zehn Millionen Menschenleben gekostet, davon zwei Millionen auf deutscher Seite, und unendliches Leid erzeugt. Die militärische Niederlage besiegelt das Ende des Kaiserreiches.

Durch Aufzeichnungen in den Kirchenchroniken von Groß-Eichen und Lardenbach sind einige Momente dieser Zeit aus unseren Dörfern festgehalten worden. Pfarrer Robert Staubach betreute von 1906 bis 1924 das Kirchspiel Groß- und Klein-Eichen. In Lardenbach war August Weinberger von 1888 bis 1926 Pfarrer. Beide haben Ereignisse aus ihrer Pfarrei aufgeschrieben.

So berichtete Pfarrer Staubach vom "Abbruch" des Krieges und dem Rückzug der Truppen. Diese berittenen Truppen zogen öfters durch die Dörfer. Die 80. Division nahm in Groß-Eichen ihr Standquartier. Am 1. Weihnachtstag sorgte die Kapelle des 264. Infanterie-Regiments während des Hauptgottesdienstes für ein schönes Platzkonzert. Am 27. Dezember zogen sie dann weiter.

Der Lardenbacher Pfarrer Weinberger schreibt dagegen von einem "Unglücklichen Kriegsausgang". "Der Krieg nahm für uns , nachdem wir so lange einer Welt von Feinden Trotz geboten, schließlich doch einen unglücklichen Ausgang. Was hauptsächlich begründet ist in dem Eingreifen der Amerikaner, der Uneinigkeit, dem Sittenverfall, Wucher und Mammonsdienst, die in unserem Volk mehr und mehr überhandnehmen."

Weiter zeigt sich Weinberger sehr politisch: "Am 9. November brach dann, was das Schlimmste war, die Revolution aus. Der Kaiser und die anderen deutschen Fürsten entsagten dem Thron. Die Sozialdemokraten, die alles schon lange im Stillen vorbereitet hatten, rissen die Gewalt an sich und richteten Republiken ein." Diese Revoluzer seien von den Bolschewisten aus Russland unterstützt worden "zur Entfachung der Weltrevolution".

Über den Rückmarsch der Truppen schrieb Weinberger: "Der Rückzug des Heeres vollzog sich von November (1918) an im allgemeinen in Ordnung. Wir hatten zur Bewillkommnung Ehrenpforten am Dorfeingang (von Lardenbach) errichtet und hie und da noch Girlanden angebracht. Es zogen gewaltige Truppenmassen mit Geschützen, Wagen und Kolonien durch, was oft stundenlang dauerte. Den Ersten wurde Obst, Kuchen und Brot reichlich dargeboten. Sie (die Truppen) zogen meist über Ulrichstein Richtung Fulda. Mitunter auch von Musik begleitet. Die Pferde sahen oft gar mager und elend aus."

"Anfang Dezember (1918) bekamen wir, wie alle Dörfer der gegend, starke Einquartierungen. Zuerst wechselte die rasch. Das letzte, dass 3. Batallion , behielten wir drei Wochen lang über Weihnachten und Neujahr. Die Mannschaften waren meist aus Westpreußen und Posen. Unsere Leute bemühten sich wohl alle, soweit es ihnen möglich war."

"Die Soldaten hätten nur dem Ernst der Zeit mehr Rechnung tragen müssen. Sie nahmen auf die um Gefallene Trauernden kaum Rücksicht. Sie tanzten mit den Mädchen öfters im Wirtshaus und kamen spät in ihr Quartier. Die Disziplin hatte sich schon sehr gelockert, so dass die Vorgesetzten keinen leichten Stand hatten."

"Weihnachten feierten die Soldaten mit uns. Am Abend des ersten Festtages begrüßte der Pfarrer die heimgekehrten Krieger unseres Kirchspiels zusammen mit hier einquartierten im Gottesdienst, wo der Lichterglanz des Christbaumes und unsere alten schönen Lieder das trübste Christfest, das wir gefeiert, verschönte und erhellte. Am zweiten Feiertag Abend versammelte sich nochmal die Gemeinde sehr zahlreich in der Kirche.

Der eigentliche Friedensvertrag wurde in Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichnet. Das Oberkonsitorium der Evangelischen Kirche ordnete einen Gottesdienst am 6. Juli an, in dem diesem Frieden gedacht werden sollte. Am Schluß dieses Gottesdienstes erklang ein viertel Stündiges Trauer- und Bußgeläut. So Pfarrer Staubach.

Im Laufe des Novembers 1919 kehrten unsere in englischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Kameraden nach Groß-Eichen zurück, schreibt Pfarrer Staubach. Zu der Zeit wartete man noch auf die sich in französischer Gefangenschaft befindlichen Soldaten. So auch auf Wilhelm Dörr aus Klein-Eichen. Dessen Bruder mußte noch im April 1918 in Frankreich sein Leben lassen.

Fotos

 
11. November 1918

Ende des 1. Weltkrieges

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben. Er begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 und die dadurch ausgelöste Julikrise vorausgegangen waren. Er endete am 11. November 1918 mit dem Sieg der Kriegskoalition. Wichtige Kriegsbeteiligte waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen.

Mit großem Nationalstolz zogen die Soldaten in den Krieg. Die Bildtafeln der Kriegsteilnehmer waren weit verbreitet. Durch das gemeinsame Kirchspiel von Groß- und Klein-Eichen waren hier Soldaten beider Dörfer abgebildet. Opfer forderte dieser "Große Krieg", wie ihn die Franzosen nennen, in allen Städten und Dörfern. Auf dem Klein-Eichener Friedhof, auf dem Denkmal, stehen die Namen der vier Soldaten, die ihr Leben in diesem ersten Weltkrieg lassen mussten.

Karl Schütz (+1916) wohnte zuletzt im Hinterdorf im "Horste-Haus" (später Träger und Kraft). Er ist nicht auf der Bildtafel der Kriegsteilnehmer vertrten.

Karl Dörr (+1918) stammte aus "Schmitz-Haus"(Dittrich). Er war der Bruder von Wilhelm Dörr, dem Großvater von Norbert Dittrich. Ebenfalls nicht auf der Bildtafel.

Hermann Zimmer (+1918) stammte aus "Zimmers-Haus" (Purr). Seine Schwester Anna ist die Mutter von Heinrich Frank.

Heinrich Felsing (verm. 1916) lebte im Hinterdorf im "Woarsch-Haus" (Becker/Langstroff). Er war der Großonkel von Inge Lein.

Fotos

 
02. Mai 1916

Gewitter

Am 2. Mai 1916 hat ein schweres Gewitter in Lardenbach, Klein-Eichen, Seenbrücke und Stockhäuser Hof vier Blitzeinschläge verursacht ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. So berichtete der Grünberger Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Mai. In Lardenbach schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Knöß und zündete. Da sofort Hilfe zur Stelle war, gelang es, dank der Wasserleitung, die sich hier zur Verhütung eines großen Schadenfeuers wieder einmal sehr nützlich erwies, den Brand im Keime zu ersticken. Glücklicherweise fanden sich an der Stelle, wo der Blitzstrahl niederging, nicht viel brennbare Gegenstände, sodaß das Feuer keine Nahrung fand.

In Klein-Eichen schlug der Blitz in einen Apfelbaum. Auf dem Stockhäuser Hof ging ein Blitzstrahl auf einem Acker in der Nähe eines dastehenden Wagens zur Erde und riß eine lange Furche in den Erdboden. Auf der Seenbrücke ging der Blitzstrahl in eine junge Eiche. Die vier Blitzschläge gingen in einem Umkreise von kaum einer halben Stunde nieder.

 
07. März 1916

Jahresbeginn 1916

Im dritten Jahr des 1. Weltkriegs offenbarte sich die Kriegsmüdigkeit der Armeen. Die Knochenmühle von Verdun forderte Menschenopfer ohne Ende, auf beiden Seiten. Jede Angriffsoperation war mit großen Verlusten verbunden. Auch die Zivilbevölkerung wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Die männlichen Arbeitskräfte wurden an der Front als Kanonenfutter eingesetzt. So nahmen Frauen die Arbeitsplätze der Männer ein. Durch den Ausfall von Einfuhren hungerten die Menschen in Deutschland.

Für die Landbevölkerung im Vogelsberg endete jedoch die Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahr sind in den Häusern die Petroleumlampen wieder gefüllt. Die Qualität des jetzt im Handel zu bekommenden Steinöls ist besser als das vorherige aus Rumänien. Aber es riecht stärker als das amerikanische Petroleum. Das Karbidlicht ist im Moment nicht mehr gefragt.

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und verfügt, dass um die Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen, der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu einem Alter von zwei Jahren verboten ist. Der Ankauf von Jungvieh und Milchkühen zur Schlachtung in Hessen und das außer Landes bringen ist ebenfalls verboten. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt.

Der Bundesrat hat im März eine Verordnung erlassen, dass bei der Enteignung von Kartoffeln der Höchstpreis für die Tonne um 30 Mark zu kürzen ist. Der Höchstpreis für Kartoffeln beim Verkauf durch den Erzeuger im Großhandel in Hessen hat 96 Mark für die Tonne zu betragen. Der Preis für den Doppelzentner inländischer Frühkartoffeln darf beim Verkauf durch den Erzeuger 20 Mark nicht überschreiten. Als Frühkartoffeln gilt die Ernte, die vor dem 15. August 1916 geliefert wird.

Klein-Eichen hat sein erstes Opfer zu beklagen. Am 24. Februar 1916 kommt Karl Schütz (Hinterdorf) ums Leben. Die weiteren Umstände sind nicht bekannt. Einige Tage vorher erhielt der Musketier Otto Keller aus Lardenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Galizien von Seiner Majestät dem Kaiser persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse hatte auch schon sein Bruder Wilhelm erhalten.

(GA)

 
30. Dezember 1915

Silvesternacht

Das Großherzogliche Kreisamt Grünberg weißt in einer amtlichen Bekanntmachung die Großh. Bürgermeistereien eindringlich an, dem sonst üblichen Unfug in der Silvesternacht nachdrücklich zu steuern und Überschreitungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Alle Fälle werden als grober Unfug bestraft. Mit Recht sagt die Bekanntmachung, daß mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit die Bevölkerung jegliche lärmende Ausgelassenheit unterlassen möge, da dadurch die Gefühle zahlreicher Familien gerade in diesem Jahre besonders verletzt werden. Möge jeder Silvester so feiern, daß es heißt: Würdig der großen, ernsten Zeit.

(Grünberger Anzeiger)

 
26. Dezember 1915

Selbstmord

Das Weihnachtsfest, das Fest der Liebe und Freude, brachte einer Freienseener Familie großes Herzeleid. Der vermögende Landwirt R. lebte seit einiger Zeit in dem Wahne, er könne sich und die Seinen in dieser schweren Kriegszeit nicht durchbringen. Letzte Nacht suchte und fand er Vergessen in den angeschwollenen Wassern des Seenbaches. Möge ihm Gott ein gnädiger Richter sein.

(Grünberger Anzeiger)

 
21. Dezember 1915

Sperrbezirk

Das aus Anlass des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Laubach gebildete Beobachtungsgebiet wird aufgehoben. Die Gemarkungen Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg und Wetterfeld werden dem gefährdeten Gebiet zugeteilt. Der Sperrbezirk Laubach bleibt bestehen.

(Grünberger Anzeiger)

 
15. Dezember 1915

Stare

Um diese Zeit haben wir noch niemals hier im Talgrunde oder im Felde Schwärme von Staren gesehen wie jetzt. Vielleicht hat die überaus milde Witterung im Dezember, die in voriger Woche sogar 11 Grad R. betrug, die Stare zurückgehalten. Vielleicht kann aber auch hier der Weltkrieg mitsprechen. Die Stare halten sich sonst um diese Zeit in der Rheintiefebene auf. Hierin kann aber wohl der Kanonendonner hörbar sein.

Beleuchtung

Neben dem Karbidlicht bürgert sich auf dem Lande die Spirituslampe nur zögernd ein, obgleich sie dem ersteren entschieden überlegen ist. Wohl kostet der neue Kriegsbrenner zur Spirituslampe bei seiner trefflichen Konstruktion nur 4 Mark, aber die zu einer solchen Lampe nötigen Nebenteile, wie Zylinder, Glühstrumpf, Einfüllkännchen u. dgl. kosten auch noch einmal nahezu 4 Mark. Und das ist teuer!
Wenn man für einen Zylinder 60 Pfg. bezahlen muß, den man sonst für 25 Pfg. kauft, und für ein Glühstrümpfchen statt 60 Pfg. 90 Pfg., so wird an den Franzen geschnitten, was am Hauptteil geschont wird. Gerade so geht es mit dem Spiritus.
Noch immer kann man in den Dörfern keinen Spiritus, die Literflasche zu 45 Pfg., bekommen. Wo Spiritus vorhanden ist, da kostet die Flasche ohne Glas 60 Pfg., weil sie noch alten Spiritus enthält. Das sind Hemmschuhe für ein Beleuchtungsmittel, das ihre Beseitigung verdient.

(Grünberger Anzeiger)

 
14. Dezember 1915

Hundesteuer

Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die im Laufe dieses Jahres abgeschafften Hunde bis spätestens zum 31. Dezember bei der zuständigen Bürgermeisterei abzumelden sind. Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember bewirkt, so ist die Hundesteuer für das folgende Jahr weiterzuentrichten. Wer ferner am 1. Januar selbst gezüchtete junge Hunde im Alter von unter drei Monaten besitzt, wird entweder gleich oder nachträglich zur Hundesteuer für das kommende Jahr zugezogen.

Nur wenn nachgewiesen wird, daß ein junger Hund vor Erreichung des Alters von drei Monaten zu Grunde gegangen oder nach Orten außerhalb des Großherzogtums veräußert worden ist, tritt Steuerbefreiung ein.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. Dezember 1915

Bekanntmachung

Die Auszahlung und Beschreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht am Donnerstag den 16. Dezember 1915 für die Orte: Geilshausen, Kesselbach, Kirschgarten, Klein-Eichen und Reinhardshain; nachmittags von 2-4 Uhr für Grünberg.

Die Zinsen, welche in den Monaten Dezember und Januar nicht erhoben werden, werden in den Sparkassenbüchern den Einlagekapitalien verzinslich gutgeschrieben, auch wenn die Einlagebücher zum Beschreiben der Zinsen nicht zur Vorlage gelangen.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. Dezember 1915

Sperrbezirke

Die Maul- und Klauenseuche ist in Laubach ausgebrochen. Die Gemarkung Laubach wird als Sperrbezirk erklärt. Es wird ein Beobachtungsgebiet gebildet, das aus den Gemarkungen Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg und Wetterfeld besteht. Die übrigen Gemeinden des Kreises, außer Betzenrod und Ulrichstein, die noch Sperrbezirke sind, bleiben als gefährdetes Gebiet bestehen.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Dezember 1915

Bekanntmachung

Mit dem 7. Dezember 1915 tritt eine neue Bekanntmachung betreffend Verarbeitung, Veräußerung und Beschlagnahme von Baumwolle, Baumwollabgängen, Baumwollabfällen und Baumwollgespinsten (abgekürzt: Spinnverbot) in Kraft.

[...] Die neue Bekanntmachung beschlagnahmt Baumwolle, Baumwollabgänge, Baumwollabfälle und Kunstbaumwolle. Trotz der Beschlagnahme bleibt aber die Veräußerung und Verarbeitung von Baumwollabfällen (mit Ausnahme von Stripsen und Kämmlingen), sowie von Kunstbaumwolle gestattet, jedoch ist ihre Verarbeitung an eine Betriebseinschränkung geknüpft.

Die Veräußerung von Baumwolle, Baumwollabgängen, Stripsen und Kämmlingen ist nur von Selbstverarbeitern an Selbstverarbeiter zulässig.

Bezüglich Baumwolle, Baumwollabgängen, Stripsen und Kämmlingen verbleibt es beim bisherigen Verarbeitungsverbot, das in der Bekanntmachung näher geregelt ist.

Eine wesentliche Änderung tritt aber dadurch ein, daß den Baumwollspinnereien gestattet wird, Baumwolle, Baumwollabgänge, Stripse und Kämmlinge zu bestimmten Gespinsten in der Zeit vom 7. Dezember bis 29. Februar 1916 auch ohne Belegschein zu verarbeiten.

[...]

(Grünberger Anzeiger)

 
27. November 1915

Bekanntmachung

Die Auszahlung und Beischreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht am Donnerstag den 16. Dezember 1915 für die Orte: Geilshausen, Kesselbach, Kirschgarten, Klein-Eichen und Reinhardshain; nachmittags von 2-4 Uhr für Grünberg.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. November 1915

Aus dem Vogelsberg

Die alten Nußbäume, die Wahrzeichen mancher Hofraite, fallen. In all den Dörfern herrscht zur Zeit Nachfrage nach den Nußbäumen. Obgleich gerade in diesem Herbste die Welschnüsse eine reiche Ernte hatten, werden doch die Bäume gefällt und verkauft. Von den Händlern wird 50 Mk. für den Festmeter bezahlt. Dies ist zwar ein Preis, den dieses Holz auch in Friedenszeiten galt, aber da fehlte die Nachfrage.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. November 1915

Ein Weihnachtswunsch im zweiten Kriegsjahr

Wie das herannahende Weihnachtsfest Gelegenheit bietet, sich des Roten Kreuzes zu erinnern, zeigt folgendes nachahmenswertes Beispiel: Eine alte 85jährige Dame hat auch dieses Jahr wieder ihre Angehörigen gebeten, von den herkömmlichen Weihnachtsgeschenken abzusehen und dem Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz in Berlin dem Werte der üblichen Gaben entsprechende Geldbeträge auf ihren Namen einzuzahlen, die Quittungen darüber aber als Festgeschenk ihr auf den Weihnachtstisch zu legen.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. November 1915

Herbst-Kontrollversammlung im Kreise Schotten

Es haben ohne weiteren Befehl in Schotten, am Schützenhaus, am Bockzahl zu erscheinen: Samstag den 27. November vormittags 9 Uhr sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve, Landwehr I und II aller Waffen, der Seewehr I und II, sowie des ausgebildeten Landsturms aller Waffen, sowie sämtliche Ersatzrekruten. Ferner sämtliche Ersatzreservisten, die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften, sowie alle dem Heere und der Marine angehörenden Personen, die sich zur Erholung, wegen Krankheit oder auf Grund häuslicher Verhältnisse usw. auf Urlaub befinden, und soweit marschfähig sind, daß sie den Kontrollplatz erreichen können.

[...]

Es haben sämtliche bis auf weiteres oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkte vom Heeresdienst befreite oder zurückgestellten Personen teilzunehmen. Erscheinen in bürgerlicher Kleidung. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpässe und Führungszeugnisse sowie sonstige Ausweise sind mitzubringen. Unpünktlichkeit und Versäumnis der Kontrollversammlungen werden nach den Kriegsgesetzen auf das Strengste bestraft.

Gießen, den 8. November 1915. Großherzogliches Bezirkskommando.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. November 1915

Die Verbreitung der Karbidlampe im Weltkrieg

Der Grünberger Anzeiger berichtete im Herbst 1915: "In unseren Ortschaften hat jetzt die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid.

Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt. Die Lampen sind aber nicht billiger, sondern teurer geworden. Das macht die Nachfrage. Es hat auch das Karbid eine Teuerung erfahren, die in dieser ernsten Zeit der Verteuerung der Lebensmittel auffällt.

Im vorigen Jahre kostete die Tonne Karbid 25 Mark, jetzt kostet sie über 40 Mark. also eine Verteuerung um fast das Doppelte. Hier ist die Frage wohl nicht unbegründet, ob denn gleich ein Brennstoff, der doch aus der Steinkohle hergestellt wird, eine solche Teuerung erfahren muß. Die starke Nachfrage kann allein eine solche Verteuerung nicht erklären."

Das zweite Kriegsjahr, 1915, verdeutlichte dass der Krieg noch länger andauern würde. Im Prinzip konnte keine Seite in diesem Jahr wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Der Stahlhelm löste im deutschen Heer die Pickelhaube nach und nach ab. Der erste Gasangriff erfolgt bei Ypern durch Abblasen von Chlorgas aus Druckgasflaschen.

Im November schreibt der Grünberger Anzeiger: "Die Karbidlampe, die jetzt fast allgemein an Stelle der Petroleumlampe auf dem Land getreten ist, vermag diese nicht völlig zu ersetzen. Wohl brennt das Karbidlicht heller, blendender als das Petroleumlicht, aber ihm fehlt die Gleichmäßigkeit und die Beständigkeit des letzteren.

Wenn die Karbidlampe angezündet ist, dann leuchtet sie am hellsten. Der Karbidbehälter wird naturgemäß mit der Brenndauer wärmer, ja heiß. Diese Hitze beeinträchtigt aber die Leuchtkraft der Flamme, sie wird röter und matter. Eine Erschütterung der Lampe durch einen Stoß bringt dann ein vorübergehendes Anwachsen der Flamme.

Oft übersieht man die Pflege des Brenners bei der Karbidlampe. Die Flamme darf nie von selbst erlöschen, sondern muß ausgeblasen werden. Andernfalls verrußt der Brenner, und die Lampe leuchtet nicht. Zählt man noch die Behandlung der Karbidlampe hinzu, die tägliche Reinigung erheischt, so versteht man das Urteil, das da leutet: Die Karbidlampe ist ein Notbehelf."

Eine Karbidlampe ist eine Gaslampe, in welcher der Brennstoff in chemisch gebundener Form transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Der Körper der Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern. Im unteren Behälter der Lampe befindet sich Calciumcarbid, auf das aus dem oberen Behälter Wasser tropft. Das entstehende Ethin-Gas verlässt den unteren Behälter durch eine kurze Rohrleitung, die in einem Brenner endet, der vor einem Hohlspiegel aus Metall fixiert ist. Das entweichende Gas wird am Brenner entzündet. Die grelle Flamme wird vom Spiegel fokussiert und zur Beleuchtung genutzt.

(GA/wiki)

Fotos

 
17. November 1915

Drescherschlag

So viel hat man seit langen Jahren den Drescherschlag nicht aus den Scheunen gehört wie im gegenwärtigen Winter. Während der Zeit, in welcher die Dreschmaschine arbeitete, war man noch zu sehr mit anderen landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt, so daß es an der erforderlichen Hilfskräften fehlte. Auch erforderte der Ausfall der Sommerfrucht keine so lange Dreschzeit wie sonst. So griff man hier und da wieder zum Dreschflegel.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. November 1915

Aus Stadt und Land

Ein sehr begehrter Artikel sind zur Zeit die Karbidlampen bei den Landbewohnern. Durch die Knappheit im Petroleum sucht jeder ein Ersatzlicht zu bekommen. Spirituslampen sieht man selten. Diese Tatsache machte sich ein Herr Reisender zunutze. Er reiste in Karbidlampen. So besuchte er dieser Tage einige Ortschaften. Dort bot er Karbidlampen zu allen Zwecken und zu einem recht billigen Preise an. Er führte aber die Lampen nicht bei sich, sondern verkaufte nur auf Bestellung. Dabei mußte jeder Käufer - das war die Hauptsache - eine Vorausbezahlung machen. Manche leisteten die Anzahlung, manche auch nicht. Die letzteren waren die klügeren. Die Besteller warten, nachdem der Reisende versprochen, die Lampen nach drei Tagen zu liefern, schon seit 14 Tagen auf die Erledigung ihrer Bestellung. Der Herr Reisende ist verduftet. (10. November 1915)

Am Samstag den 13. November vormittags 9 Uhr kommen auf dem Hofe des Pferdelazaretts zu Babenhausen 15 Stück Beutefohlen im Alter von 4 Monaten bis zu 2 Jahren zur Versteigerung. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung. Eine Rückvergütung auf die Steigpreise wird für diese Fohlen nicht gewährt. (11. November 1915)

Der Kommunalverband ist in der Lage, in den nächsten Tagen an die versorgungsberechtigten Personen seines Bezirks eine bestimmte Menge besten Weizenmehls abzugeben, das aus Ersparnissen zurückgelegt werden konnte. Es werden 500 Gramm an jeden Empfangsberechtigten verteilt werden. Ferner ist es dem Kommunalverband gelungen, etwa 600 Zentner Reis zu beschaffen, der in etwa 14 Tagen zu wesentlich billigerem als dem gegenwärtigen Preise - etwa zu 55 Pfennig für das Pfund - zum Verkauf gebracht werden wird. Auch 400 Zentner Seife werden demnächst durch Vermittlung des Verbandes zur Ausgabe kommen.

(Grünberger Anzeiger)

 
03. November 1915

Aus Stadt und Land

Ein siebzehnjähriger Bursche aus Unter-Seibertenrod, mit Namen Momberger, erlitt einen schrecklichen Unglücksfall durch die Dreschmaschine, bei der er beschäftigt war. Zu Appenborn auf der Rabenau geriet er während des Dreschens in die Strohpresse und wurde zerdrückt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Eltern, deren einziger Sohn der Verunglückte gewesen, ließen ihn auf hiesigem Friedhof bestatten. (3. November 1915)

Wie treu das Pferd an seinem Herrn hängt und wie es ihn auch im Feindeslande wieder zu erkennen weiß, lehrt folgendes Vorkommnis. Ein Landwirt aus Ruppertenrod mußte sein Pferd zur Kriegslieferung bringen. Mehrere Monate danach wurde auch der Pferdebesitzer zur Fuhrparkskolonne eingezogen. Dieser Tage ereignete sich nun der Zufall. daß er sein Pferd in Feindesland in einer anderen Kolonne entdeckte. Er rief dem Pferde zu. Das spitzte die Ohren und ließ ein Wiehern hören,.Das Pferd hatte seinen Herrn, der es nun liebkoste, wiedererkannt. (3. November 1915)

Durch die Bekanntmachung vom 20. Juli 1915 ist eine Bestandsmeldung von Fertigfabrikaten, die ganz oder teilweise aus reinem Kupfer bestehen, angeordnet worden. Die Verfügung über Kupfer aus Fertigfabrikaten wurde darin gewissen Beschränkungen unterworfen, doch enthielt die damalige Anordnung noch keine Beschlagnahme. Neuerdings werden nun durch die "Bekanntmachung, betreffend Beschlagnahme und Nachmeldung von Kupfer in Fertigfabrikaten" vom 2. November 1915 eine Reihe der in Bekanntmachung aufgezählten Gegenstände der Beschlagnahme unterworfen. [...]

(Grünberger Anzeiger)

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28. Oktober 1915

Aus Stadt und Land

Über die Todeserklärung vermißter Kriegsteilnehmer (Grünberger Anzeiger am 19. Oktober 1915) bestehen verschiedentlich Zweifel. Maßgebend sind die Bestimmungen des § 15 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der folgenden Wortlaut hat: "Wer als Angehöriger einer bewaffneten Macht an einem Kriege teilgenommen hat, während des Krieges vermißt worden und seitdem verschollen ist, kann für tot erklärt werden, wenn seit dem Friedensschlusse drei Jahre verstrichen sind. Hat ein Friedensschluß nicht stattgefunden, so beginnt der dreijährige Zeitraum mit dem Schlusse des Jahres, in welchem der Krieg beendet worden ist. Als Angehöriger einer bewaffneten Macht gilt auch derjenige, welcher sich in einem Amts- oder Dienstverhältnis oder zum Zwecke freiwilliger Hilfeleistung bei der bewaffneten Macht befindet."

Der Bundesrat hat (am 25. Oktober 1915) beschlossen, daß jeder Landwirt 10 Zentner Gerste für seine eigene Wirtschaft zurückbehalten kann ohne Rücksicht darauf, wieviel er geerntet hat. Bisher war jeder Landwirt verpflichtet, die Hälfte seiner Gerste an den Zentralverband abzuliefern. Die Landwirte müssen allerdings den Nachweis des Bedürfnisses führen.

Für die Gefangenen im kalten Rußland wurde von der Stockhäuser Großherzoglichen Bürgermeisterei (26. Oktober 1915) die Summe von Mark 74,80 zusammengebracht und an die betreffenden Sammelstelle abgesandt. Es ist dies gewiß ein ehrendes Zeugnis für die Opferwilligkeit der kleinen Gemeinde mit nur 150 Einwohnern.

Das überaus schöne Herbstwetter ist den Feldarbeiten (27. Oktober 1915) sehr zu statten gekommen. Dadurch ist die Wintersaat glücklich zu Ende gebracht worden. Die Sturzäcker konnten meist zum zweitenmal gepflügt werden. Die Wurzelgewächse sind eingeerntet worden. Das es dafür höchste Zeit ist, mahn der eingetretene Frost.

In den Ortschaften des Vogelsberges hat jetzt (27. Oktober 1915) die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid. Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt.

Ein Kaufmann im Kreis Alsfeld soll für 3/4 Pfund Weißrübsamen den Betrag von drei Mark gefordert und erhalten haben. Das ganze Pfund kostete zur gleichen Zeit anderwärts 1 Mark. Wenn die eingeleitete Untersuchung die eingegangene Anzeige bestätigt, steht dem Kaufmann außer einer Gefängnisstrafe die Schließung seines Geschäftes auf Grund der neuen Bestimmungen über die Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel bevor. Das Kreisamt bittet, alle Fälle derartiger Bewucherung der Gendarmerie mitzuteilen.

(Grünberger Anzeiger)

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14. Oktober 1915

Gallusmarkt

Das gleiche Schicksal wie dem vorjährigen war auch dem diesjährigen Gallusmarkt beschieden. Der noch immer währende Weltkrieg und die in der Umgegend von Gießen herrschende Maul- und Klauenseuche und das hierdurch erfolgte Verbot des Viehmarktes hatte man es vorgezogen, den Markt auf dem Marktplatz in der Stadt und den Nebenstraßen abzuhalten. Zwischen den Marktständen herrschte ein lenhaftes Treiben, trotzdem so viele hunderte, ja tausende gegen sonst fehlten. Hoffen wir, daß dem zweiten Gallusmarkt während der Kriegsdauer kein dritter folgt. (14. Oktober 1915)

(Grünberger Anzeiger)

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13. Oktober 1915

Erster Weltkrieg im Herbst 1915

Das zweite Kriegsjahr zeigte, daß es sich nicht um einen Krieg von wenigen Wochen handeln würde. Keine Seite konnte in diesem Jahr wesentliche Erfolge erringen. Alle waren damit beschäftigt, ihre Infrastruktur auf eine Kriegsproduktion umzustellen. Noch zu Kriegsbeginn war das Haupttransportmittel für Mensch und Material das Pferd. Im Sommer begann der deutsche Angriff auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führte. Und im Oktober erfolgte der deutsch-österreichische Angriff auf Serbien. Bis November war das Land besetzt und besiegt.

Nachdem sich schon bald nach Kriegsbeginn herauskristallisierte, dass es mit einem schnellen Sieg nichts werden würde, musste man sich in Deutschland Gedanken machen, wie die Rüstungsindustrie am Laufen gehalten werden konnte. Gerade die sich abzeichnenden Materialschlachten an Ost- und Westfront und die englische Seeblockade offenbarten die Notwendigkeit für das deutsche Militär, neue Rohstoffquellen für sich zu erschließen.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hatte daher zwei Verordnungen erlassen, die am Rathaus in Grünberg ausgehängt und im Grünberger Anzeiger abgedruckt wurde. Dabei ging es um die Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Dies betraf Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herde. Auch Badewannen und Warmwasserbehälter mussten gemeldet werden.

Ebenso meldete der Grünberger Anzeiger am 13. Oktober 1915, dass aus der Gemeinde Klein-Eichen 17 Mann unter den Fahnen stehen. Und das bis zu diesem Zeitpunkt noch alle gesund seien. Nur einer hatte eine Verwundung erlitten.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Oktober 1915

Aus Stadt und Land

Der Gallusmarkt wird abgehalten, aber ohne Viehmarkt, der Gefahr der Maul- und Klauenseuche wegen. Unterhaltungsbuden und -Stände dürfen den Markt beziehen, dem Ernst der Zeit angemessen, aber ohne Musik.

Das der Stadt zugeteilte Petroleum wird in den nächsten Tagen an die Bezugsberechtigten durch die hiesige Bürgermeisterei verteilt werden.

Wie vielen Familien der Umgegend, haben die Kämpfe an der Westfront auch hiesigen (in Grünberg) Trauer beschieden: Dachdecker Konrad ... befindet sich unter den Gefallenen. Er hinterläßt eine Witwe mit drei Kindern. Kaufmann Ernst ..., ein Eohn von Hutmacher ... dahier, der in Gießen verheiratet war, ist ebenfalls bei den letzten schweren im Westen gefallen. Der Sohn Ludwig des Metzgermeisters ... erlitt eine schwere Verletzung durch einen Schuß in Schulter und Oberarm, die glücklicherweise nicht lebensgefährlich ist und Hoffnung auf gute Heilung bietet. Er liegt in einem Lazarett in Offenburg in Baden. (5. Oktober 1915)

Wiederum hat der Krieg mit rauher Hand ein Opfer von einer hiesigen Familie gefordert. Nachdem im Vorjahr bereits zwei Söhne der Familie den Heldentod erlitten, ist ihnen nun auch der Schwiegersohn auf dem Felde der Ehre in den Tod gefolgt. Oberlehrer Dr. Theodor ... starb im Westen an zwei Bauchschüssen als Leutnant an der Spitze seiner Kampagnie den Heldentod. (5. Oktober 1915)

(Grünberger Anzeiger)

 
30. September 1915

Aus Stadt und Land

Die Kartoffelernte ist im vollen Gange (22. September 1915). Das herrliche Herbstwetter läßt die Knollen sehr gut in die Keller bringen und beschleunigt die Ausgrabung. Was man im Vorjahre bis zum Feierabend gelesen, das hat man jetzt schon in den Vormittagsstunden in den Säcken. Eine solch vortreffliche Kartoffelernte wie jetzt gehört zu den Ausnahmen. Die Keller werden buchstäblich voll. Was an der Getreideernte zu wünschen übrig blieb, die Kartoffelernte füllt die Lücken aus. Und in welcher Vollendung sind die Kartoffeln gewachsen! Da wetteifern alle Sorten, von der frühen Frührose bis zur späten Woltmann. Ein reichster Segen voll Aepfel in der Erde. "O, England, geh' heim mit deinem Aushungerungsplan! An Gottes Segen ist alles gelegen und nicht an schnödem Menschenwahn."

Die Kartoffelernte ist noch nicht ganz beendigt (29. September 1915), und schon sind die Keller gefüllt. Oft vermögen sie den reichen Segen nicht alle zu fassen. Wie groß das Kartoffelergebnis diesmal ist, erhellt aus der Tatsache, daß man von einer Mest, gleich einem Vietelmorgen, über einhundert Körbe voll geerntet hat. Allerdings sind das Ausnahmen, aber bezeichnend. Obwohl alle Sorten geraten sind, lobt man am meisten die "Weltwunder". Überall ist man sich einig über den vorzüglichen Geschmack der diesjährigen Kartoffeln. Die diesjährige großartige Ernte lehrt, daß die Kartoffel trocken wachsen will.

Die Obstkelter und der Honigkessel werden zur Zeit (29. September 1915) sehr fleißig benützt. In den geschützten Tallagen sind die Birnen sehr reich geraten. Die geben vortrefflichen Obsthonig. Dabei sind die Birnen preiswert, das Simmer wird mit 1,70 Mk. verkauft. Eigenartig ist das Aussehen der Zwetschen. Sie sind schon an den Bäumen halb gedörrt. Viel Zwetschen gab es nicht, aber trotzdem hat der Zwetschenkuchen nicht gefehlt.

Etwas Neues und noch nie Dagewesenes ist aus dem Raum Laubach zu berichten. Ein neuer Feind ist hier aufgetreten, die Schnakenplage. Man fühlt sich an die Bergstraße oder nach Rheinhessen versetzt, wenn die ahnungslosen Schläfer in der Nacht von diesen blutgierigen Feinden überfallen werden. Wer hätte das gedacht, daß diese bis hierher vordringen würden. Wenn sie sich nur nicht auf einen langen Stellungskrieg vorbereiten! (30. September 1915)

(Grünberger Anzeiger)

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11. September 1915

Bekanntmachung

1. Alle im wehrpflichtigen Alter befindlichen ehemaligen Personen des Beurlaubtenstandes, die während ihrer Zugehörigkeit zur Ersatzreserve, Reserve, Landwehr 1 und 2, Seewehr 1 und 2, die Entscheidung: "dauernd untauglich", "dauernd garnisionsdienstunfähig", oder "dauernd weder feld- noch garnisiondienstunfähig" (dauernd weder-noch) erhalten haben, sollen einer Nachuntersuchung unterworfen werden.

2. Zu diesem Zwecke haben sich die Betreffenden bei dem Bezirksfeldwebel ihrer Kontrollstelle und zwar: für den Kreis Gießen bei dem Hauptmeldeamt Gießen, für die Kreise Alsfeld und Lauterbach bei dem Meldeamt Alsfeld, für den Kreis Schotten bei der Bezirkskompagnie Schotten in nachstehender Weise persönlich zu melden:

Donnerstag, 16. September 1915, alle in 1895-1886 Geborenen, Freitag, 17. September 1915, alle in 1885-1875 Geborenen, Samstag, 18. September 1915, alle in 1874-1870 Geborenen, - jedoch ausschließlich der vor dem 8. September 1870 Geborenen. - Die militärischen Ausweispapiere sind mitzubringen.

3. Die an: Verkürzung oder Mißgestaltung des ganzen Körpers, Geisteskrankheiten, Epilepsie, chronischen Gehirn-, Rückenmarks- und anderen chronischen Nervenleiden, Blindheit beider Augen, Taubheit beider Ohren, Verlust größerer Gliedmaßen zu leiden glauben, haben dies bei der Meldung unter Vorlage eines mit dem Dienststempel versehenen Zeugnisses eines beamteten Arztes oder einer amtlichen Bescheinigung zur Sprache zu bringen.

4. Unterlassung der Meldung wird nach den Kriegsgesetzen bestraft. 5. In Zweifelsfällen haben sich die Betreffenden an ihren zuständigen Bezirksfeldwebel zu wenden.

Gießen, den 10. September 1915. Großherzogliches Bezirkskommando.

(Grünberger Anzeiger)

 
31. Juli 1915

Bestandserhebung

Das Generalkommando des 18. Armeekorps hat unterm 27. Juli 1915 zwei Verordnungen über Bestandserhebung für Baumwollerzeugnisse und Bestandserhebung von Bastfaserrohstoffen und Erzeugnissen aus Bastfasern (Jute, Flachs, Ramie, europäischen Hanf und überseeischen Hanf) erlassen, die am 2. August 1915, nachts 12 Uhr in Kraft treten. [...] Die Meldepflicht aller gedachten Gegenstände beginnt mit dem 2. August 1915. Im Unterlassungsfalle sind erhebliche Strafen zu erwarten.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat zwei Verordnungen erlassen und zwar über: 1) Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. A) Gegenstände aus Kupfer und Messing: 1. Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben; 2. Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herden; 3. Badewannen, Warmwasserschiffe, -behälter, -blasen, -schlangen usw. B) Gegenstände aus Reinnickel: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben; 2. Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen usw. 2) Sämtliche Vorräte der in einer der Bekanntmachung beigefügten Übersichtstafel erwähnten Chemikalien. [...] Die Meldepflicht zu 1) wird noch festgesetzt, zu 2) beginnt sie am 10. August dieses Jahres.

(Grünberger Anzeiger)

 
27. Juli 1915

Landwirtschaft und Kohlweißling

Vor 100 Jahren, im Sommer 1915, hat die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen an die hiesigen Landwirte appelliert, für den langen Winter zu sorgen und Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Dies habe gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt mache bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behalte vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht wisse, was die Witterungverhältnisse bringen. Deshalb sollten die Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu sei eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Unterdessen entwickelten die Schüler Lardenbachs und Klein-Eichens auf Anregung ihres Lehrers in der Vertilgung des massenhaft auftretenden Kohlweißlings lobenswerten Eifer. Sie hätten bis jetzt über 15000 Stück gefangen. Als Lohn erhielten sie Hefte mit schönen Erzählungen.

Auf den Feldern oder in den Gärten war der Kohlweißling nicht gerne gesehen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen Kohl u. a. bis auf den Strunk kahl. Daher gab es solche Aktionen bei denen die Schulkinder gegen solche Plagen eingesetzt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
12. Juli 1915

Lazarett im Laubacher Schloß

Als vor fast einem Jahre der größte aller Kriege, in dem wir gegen die halbe Welt für den Fortbestand unseres geliebten Vaterlandes kämpfen, uns frevelhaft aufgezwungen war, wurde der von Ihrer Durchlaucht der Gräfin Mutter zu Solms-Laubach angeregte Vorschlag der Einrichtung eines Lazaretts im Laubacher Schloß freudig aufgenommen von Laubach und den Gemeinden der Umgebung, welche wetteiferten in der Hingabe von Geld, Mobiliar, Wäsche und Lebensmitteln, um ihr Interesse an der guten Sache zu bekunden und in dem Wunsche, unseren tapferen Ehemännern, Söhnen und Brüdern, die von ihnen in dem großen Kampfe davongetragenen Wunden hier Linderung und Heilung suchen sollten, das beste zu bieten, was sie hatten.

Ohne diese so bereitwillig und so tatkräftig gewährte Unterstützung wäre das Werk nicht gelungen, an dem außer Laubach sich die Gemeinden Ruppertsburg mit Friedrichshütte und Henriettenhof, Gonterskirchen, Einhartshausen mit Jägerhaus, Freienseen, Altenhain, Wohnfeld, Sellnrod, Groß-Eichen, Stockhausen, Stockhäuser Hof, Klein-Eichen, Lardenbach, Weickartshain, Lauter mit Bingmühle, Wetterfeld, Ettingshausen, Münster, Röthges und Villingen beteiligten, und es ist Ihrer Durchlaucht der Gräfin Mutter ein Herzenbedürfnis, öffentlich ihren innigsten Dank auszusprechen für alle dieser Sache erwiesenen Wohltaten; darin einbegriffen sind auch alle die, welche durch ihre tägliche persönliche uneigennützige Hingabe die Möglichkeit boten, den vielseitigen Anforderungen an die Pflege und Wohlfahrt aller Insassen gerecht werden zu können.

Es haben bis jetzt 208 Verwundete und Kranke im Lazarett Aufnahme finden können und die Anzahl der Verpflegetage beläuft sich auf über 8500. Wenn auch die mit Gottes Hilfe in diesen schweren elf Monaten errungenen Waffenerfolge die Hoffnung auf einen für uns guten Ausgang rechtfertigen, so ist leider ein nahes Ende des Riesenkampfes noch nicht in Aussicht, es gilt daher auch, unser Lazarett noch weiter aufrecht zu erhalten und unseren Männern draußen es nach unserem Können im Aushalten gleich zu tun.

(Grünberger Anzeiger)

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24. Juni 1915

Holunderwasser

Zur Zeit steht in den Wäldern und Hecken des Vogelsberges der Holunder in voller und reicher Blüte. Aus diesen Blüten läßt sich, was nicht allgemein bekannt ist, ein sehr schmackhaftes und billiges Getränk herstellen.

Man nimmt 9 Liter Wasser. Dahinein legt man 5 Holunderdolden und läßt sie 24 Stunden lang liegen. Weiter gibt man zu dieser Flüssigkeit 1 3/4 Pfund Zucker, ein Kännchen Weinessig und eine Zitrone. Nun wird das Getränk in Flaschen gefüllt und im Keller aufbewahrt. Der Trunk schmeckt überraschend angenehm und erfrischend.

(Grünberger Anzeiger)

 
24. Juni 1915

Aus Stadt und Land

Die Musterung des Landsturmes der Jahresklasse 1916 ist durch Verfügung des stellv. Generalkommandos des 18. Armeekorps angeordnet. Die Musterung findet für sämtliche 1896 geborenen Landsturmpflichtigen die im Kreise Schotten aufenthältlich sind, im Rathaussaale zu Schotten statt: Freitag den 2. Juli vorm. 7 1/2 Uhr für die Landsturmpflichtigen aus den Gemeinden: Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach. [...] Sämtliche zur Musterung kommenden Leute müssen jedesmal pünktlich vorm. 7 Uhr, im Rathaussaale in Schotten in reinem und nüchternem Zustand erscheinen.

Heute (24. Juni 1915) traf bei Frau Elisabeth Becker in Solms-Ilsdorf die Nachricht ein, daß von ihren vier im Felde stehenden Söhnen der jüngste, Wilhelm, in einem Gefecht in den Karpathen den Heldentod fürs Vaterland gefunden hat. Ehre dem Andenken auch dieses Tapferen! Das kleine, nur 14 Hofreiten und 70 Einwohner zählendes Dörfchen betrauert nunmehr drei Vaterlandsverteidiger, außer dem zuletzt Gefallenen Ludwig Bast und Gustav Sehrt, als tot und einen, den Sohn von Wilhelm Biedenkapp, als vermisst. Von dem letzteren fehlt seit dem 9. Sptemeber 1914 jede Spur.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. Juni 1915

Die Ernte im Sommer

Die erste Ernte dieses Sommers (23. Juni 1915), der Raps oder Wintersamen, ist eingebracht worden. Er ist vorzüglich geraten, wie wärend eines Menschenalters nicht. So sauber, so weißgelb hat man noch keinen Wintersamen heimgebracht. Der Raps hat in diesem Jahr eine doppelte Ernte gebracht, zuerst eine reiche Honigernte den Bienen, nun eine vorzügliche Samenernte zur Oelgewinnung. Gerade das Samenöl spielt im ländlichen Haushalte eine große Rolle; es steht hier an Stelle von Butter und Schmalz und Salatoel. Doe Oele stehen zur Zeit hoch im Preise. Es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß der Preis für Samenöl durch die ausgezeichnete Ernte abschlagen wird.

Die einschüriugen Wiesen, das sind solche, die nur einmal während des Jahres gemäht werden, sind jetzt (23. Juni 1915) zum Verkaufe gekommen. Wenn auch ihr Grasbestand gegen sonstige Jahrgänge zurückstand, war er doch besser als man erwartet hatte. Die Erträge dieser Wiesen waren gut. Da hohe Preise für das Heugras bezahlt wurden, so waren die erzielten Beträge ansehnlich

(Grünberger Anzeiger)

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19. Juni 1915

Aus Stadt und Land

Die Heuernte ist beendigt (19. Juni 1915). Das eigentliche Heuwetter hat die Arbeit sehr erleichtert. Gerade vor der Heuernte bangte manchem wegen der zu bewältigenden Arbeit. Aber wie unsere tapferen Truppen draußen jedem Ansturm der Feinde gewachsen sind und bleiben und durchhalten, so bleiben auch die Daheimgebliebenen gewachsen und halten durch. So nach außen und innen in Kraft gestählt und vertraut auf des Allmächtigen Durchhilfe, kann der Sieg nicht fehlen.

(Grünberger Anzeiger)

 
09. Juni 1915

Aus Stadt und Land

Die wichtigste Zeit für den Landwirt ist der Sommer und der Herbst. Hier gilt es für den langen Winter zu sorgen, Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Letzteres hat gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt macht bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behält vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht weiß, was die Witterungsverhältnisse bringen. Deshalb sollten unsere Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu ist eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Die Heuernte ist zur Zeit (9. Juni 1915) in vollem Gange. Es gibt eine vorzügliche Qualität des diesjährigen Heus. Was an Quantität fehlt, wird durch Qualität ersetzt. So ist es beim Klee auch der Fall. Wenn jetzt in Bälde die Wiesen einen gründlichen Regen bekommen, dann steht eine reiche Grummeternte in Aussicht. Die Beträge für das Heugras bei den jetzigen Heugrasversteigerungen übertreffen wohl die vorjährigen, sind aber nicht teuer zu nennen.

Bei dem Ablassen der Mühlgräben (9. Juni 1915) zu Reinigungszwecken des Wasserbettes und Reparaturen der Mühlen zeigt es sich, daß in dem Wassergraben nach der Nikolausmühle bei Wettsaasen nicht eine Spur von Krebsen mehr zu finden war, während gerade dieser Mühlgraben von jeher sehr krebsreich war. Die Krebse müssen einer Krankheit, vielleicht der Krebspest zum Opfer gefallen sein.

Die Bienenzüchter haben in diesem Sommer (9. Juni 1915) wieder einmal nach langer Zeit eine reiche Honigernte. Es ist eigentlich wunderbar, daß trotz der Trockenheit ein solcher Honigreichtum vorhanden ist. Schon die Rapsblüte lieferte in diesem Jahre eine gute Honigernte. Und jetzt sind die Honigerträge noch reicher. Woher, fragten wir uns , als Bienenzüchter, nehmen jetzt die Bienen den Honig? Wiesenblumen sind nicht mehr vorhanden. Ein Gang in den Wald brachte uns Aufschluß. Im Walde summte und brummte es wie bei einem Bienenschwarm. Die unscheinbaren Blüten der Himbeersträucher waren der Tisch, an dem die Bienen tafelten.

(Grünberger Anzeiger)

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17. Mai 1915

Obstblühte

Die Obstbäume blühen im Seenbachtale herrlich. Die Nachtfröste haben ihnen bis jetzt keinen Schaden getan.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Mai 1915

Blütenreichtum

Ein solcher Blütenreichtum, wie ihn gegenwärtig die Kirsch-, Pflaumen- und Birnbäume zeigen, gehört zu den Ausnahmen, Das sind nicht einzelne Blüten, sondern ganze Blütensträuße, in denen die Obstbäume prangen. Auch die Zwetschenbäume und Aepfelbäume haben reichen Blütenansatz.

Im vorigen Jahr fiel bei uns (Unterer Vogelsberg) der ganze Blütenschmuck einer Maifrostnacht zum Opfer. Es war die Nacht auf den ersten Mai, darinnen das Thermometer drei Grad unter Null sank.

Bis jetzt ist die Blütenzeit vortrefflich verlaufen. Die arabischen Kirschen, ein Mittelobst zwischen Kirschen und Pflaumen, haben bereits abgeblüht. Ziehen in diesem Jahre die Eisheiligen gelinde Saiten auf, dann gibt es ein reiches Obstjahr und wieder Obsthonig oder Latwerge (Latwerge ist die Bezeichnung für stundenlang im Backofen eingekochtes Mus aus Pflaumen) ins Haus, der das Kriegsbrot besser schmecken läßt.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Mai 1915

Frühjahrsbestellung

Für die Frühjahrsbestellung der Felder hatte man bei dem Mangel an Arbeitskräften Befürchtungen gehegt. Sie sind, Gott sei Dank, unbegründet geblieben. Das herrliche Wetter hat die Arbeiten so gefördert, daß sie sich früher ihrem Ende zuneigen wie in Friedensjahren.

Gewiß vermißt man die Manneskräfte, die im Felde stehen müssen, aber mit Gottes Hilfe geschieht auch die Arbeit rasch und früh trotz des Weltkrieges.

Mit dem Ende dieser Woche geht das Säen der Gerste und das Stecken der Kartoffeln seinem Schlusse zu. Nur in den höheren Bergen des Vogelsberges verzögern sich diese Ausstellungsarbeiten naturgemäß.

Und wie bebaut sich das Land! So, wie es der Landwirt wünscht und wie die grundbedingenden Ursachen einer guten Ernte es erfordern. Die Aussichten für die Landwirtschaft sind mithin sehr günstig. Uns braucht es vor dem "Durchhalten" nicht bange zu sein.

(Grünberger Anzeiger)

 
22. April 1915

Aus Stadt und Land

Den Ostermarkt in Groß-Felda am 6. April 1915 begünstigte kein schönes Wetter, das Regenwetter der Ostertage hielt noch an. Trotzdem war die Auffahrt an Jungschweinen gut. Da die Nachfrage stark und die Preise auf der Höhe waren, entwickelte sich ein flotter Handel. Es wurde bezahlt für die Ferkel erster Sorte 55-60, zweiter Sorte 50-55. dritter Sorte 40-50 Mark. Das sind Preise, wie man sie in der jetzigen Zeit wohl kaum erwartet hätte.

Eine solche späte Obstbaumblüte wie sie dieser Frühling bringt, gehört zu den Ausnahmen. Dadurch wird aber für unsere Gegenden im Vogelsberg die Bedingungen einer guten Obsternte gegeben. Je später bei uns die Blüte, desto besser die Aussichten auf ein reiches Obstjahr. Im vorigen Jahr fiel die Obstbaumblüte den Maifrösten zum Opfer. Bei frühen Blütenzeiten brachen oft schon um diese Zeit die Kirschblüten auf. Gegenwärtig stecken alle Blütenknospen noch in den Hüllen. Dazu ist der Ansatz der Tragknospen ein sehr reicher. Wird die Blütezeit eine schöne - und einmal muß ja doch das Regenwetter aufhören - dann steht eine reiche Obsternte zu erwarten.

Am Freitag, 16. April 1915, starb Herr Fabrikant Karl Knöß in Frankreich den Heldentod. [Karl Knöß war in zweiter Ehe mit Minna Keller verheiratet. Gelebt hat die Familie auf der Seenbrücke im Haus Müller.]

Die Frühjahrsbestellung von Garten und Feld steht (am 22. April 1915) in vollem Gange. Obwohl der Weltkrieg so viele Arbeitskräfte der Heimat entzogen, ist nirgends ein Stillstand oder auch nur Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeiten zu sehen. Jeder weiß, auch wir Daheimgebliebenen müssen durchhalten wie unsere Feldgrauen. Gar mancher Alte, der schon auf seinem Altenteil ruhte, hat wieder frisch die Peitsche in die Hand genommen und führt den Pflug. Wo aus der Familie die Manneskraft im Felde steht, da helfen Verwandte und Nachbarn. Das ist auch Kriegshilfe und zwar eine echte. Wenn das Wetter weiter so verbleibt, dann geht die Ausstellung rasch von statten ungeachtet der vielen Pferdekräfte die fehlen.

Dem Unteroffizier der Reserve Eduard Mölcher aus Lardenbach, welcher sich auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindet, wurde das Eiserne-Kreuz verliehen. (25. April 1915) [Eduard Mölcher war der Sohn von Heinrich und Katharina Mölcher (Haus Reining/Langohr, Eduard starb im Sommer 1918 im Alter von 30 Jahren.]

[22. April 1915: Deutschland setzt in der Zweiten Flandernschlacht des Ersten Weltkrieges bei Ypern in Belgien als erstes Land in der Geschichte Giftgas in großem Umfang ein. 5000 französische Soldaten werden durch Chlorgas sofort getötet, doppelt so viele schwer verletzt.]

(Grünberger Anzeiger)

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05. April 1915

Konfirmation in Groß-Eichen 1915

Die Konfirmation ist ein bedeutender Schritt im Leben vieler evangelischer Christen. Sie ist eine feierliche Segenshandlung, die den Übergang ins kirchliche Erwachsenenalter markiert. Der Begriff stammt vom lateinischen „confirmatio“, was „Bekräftigung“ oder „Bestätigung“ bedeutet.

Die Konfirmation hat mehrere Bedeutungen: Bestätigung der Taufe, Abschluss des kirchlichen Unterrichts, Zulassung zum Abendmahl, Eintritt ins Erwachsenenleben.

Die Tradition der Konfirmation geht auf die Reformation zurück. Martin Bucer, ein Reformator, führte sie 1539 als Kompromiss ein, um die Kindertaufe mit einem späteren persönlichen Glaubensbekenntnis zu verbinden.

Für die Kinder aus Klein-Eichen und Groß-Eichen findet die Konfirmation zusammen in Groß-Eichen statt.

(wikipedia, Sonntagsblatt, vivat)

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16. März 1915

Aus Stadt und Land

Mit Schnee bedeckter Erdboden und Kranichzüge in der Luft, die den nahenden Frühling ankünden, dazu nachts fünf bis 6 Grad Kälte nach Reaumur und ins Feld zurückkehrende Lerchen - das reimt sich schlecht zusammen. Wiederholt wurden Kranichzüge beobachtet, die aber, durch den herrschenden Winter jedenfalls irre gemacht, nicht weiter nach Norden zogen, sondern über hiesiger Gegend kreisten (10. März 1915).

Daß der alte Flachs, der schon seit Jahrzehnten in den Scheuern oder auf dem Speicher in einem Winkel lagert, noch so zu Ehren kommen und so begehrenswert werden würde, das hätte kein Landwirt geträumt. Allerdings rosten und rasten und verfallen die Werkzeuge, die zu seiner Verarbeitung gehörten: Breche, Schwingstock, Spinnrad, Haspel und Webstuhl, weil die Hausindustrie des Tuchmachens eingegangen ist. Der Flachs aber, der noch aus dieser Blütezeit stammt, ist durch den Weltkrieg ein sehr begehrter Kaufgegenstand geworden. Die Händler, die jetzt die Häuser eifrig aufsuchen, in denen noch Flachs aufbewahrt wird, bezahlen den Zentner, je nach dem Stand der Verarbeitung, mit 30 bis 60 Mark. So sieht man nicht selten ganze Wagenladungen mit Flachs durch die Vogelsberger Ortschaften fahren (10. März 1915).

Die hessische Vermißten-Ermittlung zu Darmstadt sammelt Namen der Vermißten hessischer Regimenter und dringt durch Vertrauensleute in Frankreich denen Gegendienste geleistet werden, in alle französischen Lager. Sie will außerdem feststellen die Namen der Gefangenen, die bereits geschrieben haben, und ihre Adresse. Sie will ferner ermitteln, ob einzelne Gefangene nicht schreiben dürfen, um bei den feindlichen Regimentern mit Hilfe der Amerikanischen Gesandtschaft vorstellig zu werden. Dies zu ermitteln, ist ganz besonders wichtig, ja wichtiger als alle Nachforschungen nach Vermißten.
Die Pfarrer und Lehrer werden gebeten, zu helfen, daß alle erforderlichen Angaben aus ihren Gemeinden an den Vertrauensmann, Pfarrer Volp in Laubach, baldigst gelangen. Auch werden sie gebeten, der Korrespondenz der Gefangenen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und Bemerkenswertes mitzuteilen, auch namentlich dem Vertrauensmann anzuzeigen, wenn plötzlich ein lange verschollener Krieger nach Hause schreibt. Pfarrer und Lehrer des Kreises Schotten werden dringend gebeten, nach dem diesbezüglichen Aufruf, sowie nach Mitteilungen zu verfahren (16. März 1915).

(Grünberger Anzeiger)

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08. März 1915

Aus Stadt und Land

Seit mehr als einem halben Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Krieg ist im Osten und Westen. An Land, in der Luft und auf dem Wasser. Während aus Klein-Eichen bis dahin noch kein Soldat ums Leben kam, sind schon zwei Lardenbacher in diesen ersten Monaten umgekommen.

"Landwirtschaftliche Versammlung in Groß-Eichen: Am Montag den 8. März findet in Groß-Eichen eine Versammlung statt, in welcher Ökonomierat Spieß aus Friedberg einen Vortrag über das Thema "Der deutsche Bauersmann und der Weltkrieg" mit anschließender Besprechung halten wird. Zu der Versammlung, die um 8 Uhr abends im Saale des Gastwirtes Ed. Rahn beginnt, sind alle Freunde der Landwirtschaft eingeladen. Die Versammlung wird in erster Linie für die Gemeinden Groß-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach und Klein-Eichen veranstaltet."

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11. Februar 1915

Aus Stadt und Land

Mit sofortiger Wirkung (2. Februar 1915) hat das Kreisamt für den Bereich des Kreises Alsfeld Höchstpreise für Schweinefleisch und Schweinefleischwaren und für Brot festgesetzt. Es kosten das Pfund Fleisch 84 bis 90 Pf.., Speck 1,10 Mk., Dörrfleisch 1,15 Mk., Schinken ohne Knochen 1,40 Mk., Schwartemagen 1,10 Mk., Blut- und Leberwurst 90 Pf., Fleischwurst 1 Mark und ausgelassenes Schweineschmalz 80 Pf. Der Preis für Roggenbrot darf den Betrag von 17 Pf. für das Pfund nicht übersteigen.

Die Bewohner der Dörfer, die noch mit keiner elektrischen Lichtzentrale verbunden sind und auch nach Lage der Zeit (3. Februar 1915) eine solche in absehbarer Zeit nicht erhalten, sahen sich gezwungen, nach einem Ersatz des mangelnden Petroleums sich umzusehen. Der wird jetzt voll geboten in den "Karbid-Lampen". Diese Acetylen-Tischlampen, wie man sie jetzt überall leicht bekommen kann, ersetzen nicht nur die alt gewohnten Petroleumlampen, sondern übertreffen sie an Leuchtkraft und stellen sich im Gebrauch nicht teurer wie Petroleum. England vermag in dieser Hinsicht uns nicht im geringsten zu schädigen, wohl nur Amerika.

Daß die Opferwilligkeit für unsere tapferen Feldgrauen nicht erlahmt sondern auf der Höhe bleibt, getreu dem Kaiserwort: Soldat und Bürger müssen gleich opferbereit sein, bezeugt die Reichswollwoche (3. Februar 1915). Wer auf den Bürgermeistereien unserer Ortschaften die zusammengekommenen Vorräte an Wollsachen sieht, von den ganz neuen Schlafkoltern bis zu den wohlerhaltenen Kleidungsstücken, die ungebraucht die Kleiderschränke füllten, der kann den Opfersinn ermessen, der auch die Bewohner des einsamsten Gebirgsdörfchens von ganzem Herzen erfüllt. Wenn die Wollvorräte unserer Ortschaften zusammenschließen an den Zentralstellen, dann gibt es Eisenbahnzüge voll. Dann wird sich aber auch das Los unserer braven Kämpfer in den feuchten, schneeigen Schützengräben und Unterständen bezüglich warmer Decken bessern.

Für den Kreis Schotten sind Höchstpreise für Roggenbrot, Schweinefleischware und Kartoffeln festgesetzt worden. Hiernach darf der Preis für den vierpfündigen Laib Brot 70 Pfg. nicht übersteigen. Wenn Roggenbrot in anderen Gewichtsmengen abgegeben wird, so darf der Preis für das Pfund 17 Pfennig nicht übersteigen. Der Höchstpreis für Schweinefleischware sind: Bauchfleisch 90 Pfg., Bratfleisch 95 Pfg., Kotelettfleisch 1 Mk., Dörrfleisch 1,20 Mk., Speck 1,20 Mk., Schinken ohne Knochen 1,40 Mk., Blutwurst 80 Pfg., Leberwurst 90 Pfg., Schwartenmagen 1,20 Mk., Fleischwurst 1 Mk., ausgel. Schweineschmalz 1,20 Mk.
Für Speisekartoffeln [..] erfolgen und eine Tonne (20 Zentner) nicht übersteigen, darf der Preis für den Doppelzentner bester ausgelesener Kartoffeln bei freier Lieferung in den Aufbewahrungsraum des Käufers 7 Mark nicht übersteigen.
Die Festsetzungen gelten auch für Verkäufe nach Orten außerhalb des Kreises Schotten, ohne Rücksicht darauf, ob diese dem Großherzogtum Hessen angehören oder nicht.

Mit Rücksicht darauf, daß in der zweiten Hälfte d. Mts. die Musterung und Aushebung der unausgebildeten Landsturmpflichtigen, die in den Jahren 1875 bis einschließlich 1884 geboren sind, stattfindet, werden alle diejenigen Landsturmpflichtigen, die sich noch nicht zur Landsturmrolle angemeldet haben, aufgefordert, dies sofort (6. Februar 1915) zu tun. Die Anmeldung hat bei der Bürgermeisterei des Aufenthaltsortes zu erfolgen.

Die Reichswollwoche hat in Laubach großen Erfolg gehabt. Hochaufgeschichtet liegen die geschenkten Decken, Anzüge und Lumpen nach Güte und Braubarkeit sortiert. Freilich hat nicht Laubach allein dies alles geliefert, sondern auch die meisten Orte des Kreises Schotten haben ihre Sachen hier abgeliefert, weil hier ein Desinfektionsofen ist, in dem alles zunächst desinfiziert wurde. Was von den Anzügen noch irgend brauchbar ist, bleibt ganz und wird den ostpreusischen und elsäßischen Flüchtlingen zu gute kommen.

Die Musterung und Aushebung sämtlicher in den Jahren 1875 bis 1884 einschließlich geborenen Pflichtigen, welche von einer Ober-Ersatzkommission die endgültige Entscheidung "Landsturm mit Waffe" oder "Landsturm ohne Waffe" erhalten haben und die früheren ungedienten Ersatz-Reservisten, die infolge ihres Alters inzwischen zum Landsturm übergetreten sind, findet im Kreise Schotten statt: 1) Mittwoch den 17. Februar 1915 vormittags 8 1/2 Uhr im Rathaussaale zu Schotten u. a. für die Gemeinden: Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach [...]

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
26. Januar 1915

Maul- und Klauenseuche im Kreis Schotten

Nachdem auch in Bobenhausen II, Groß-Eichen, Laubach, Sellnrod und Schmitten die Maul- und Klauenseuche erloschen und die vorschriftsmäßig ausgeführte Desinfektion abgenommen worden ist, sind die angeordneten Maßnahmen über Sperrbezirke, Beobachtungs- und gefährdete Gebiete wieder aufgehoben worden.

Der Kreis Schotten ist jetzt frei von Maul- und Klauenseuche. Die Gemarkungen Groß-Eichen, Klein-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Sellnrod, Schmitten, Freienseen, Wetterfeld und Laubach bilden wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Weickartshain ein gefährdetes Gebiet.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
23. Januar 1915

Lazarett in Grünberg

Das Lazarett in der Turnhalle ist soweit eingerichtet. In freundlicher Weise hat der Turnverein dazu seine Turnhalle, haben Grünberger Familien die wichtigsten Gegenstände der Inneneinrichtung zur Verfügung gestellt. Es konnten 34 Betten aufgestellt werden, und wir verfügen über ausreichende Wäsche. Herzlichen Dank allen Gebern. Nun gilt es, die Vorräte für Küche und Keller einzubringen. Auch dazu wenden wir (Zweigverein vom Roten Kreuz) uns zunächst an die Opferwilligkeit der Bewohner Grünbergs und der Umgegend.

(Grünberger Anzeiger)

 
09. Januar 1915

Auszug aus den ev. Kirchenbüchern

In der Pfarreri Groß-Eichen wurde am 22. November Landwirt Johann Konrad Funk zu Sellnrod und Elise Zimmer, Tochter des Landwirts Georg Zimmer zu Klein-Eichen in der Kirche in Klein-Eichen getraut. [Eltern von Erich Funk.]

In der Pfarrei Lardenbach wurde am 4. Oktober dem Landwirt Wilhelm Mölcher 2r. eine Tochter Johanna (geb. 9. September) getauft. Am 18. Oktober wurde dem Landwirt Karl Knöß 2r. zu Lardenbach eine Tochter Minna (geb. 18. September) getauft. Am 25. Oktober wurde dem Landwirt Otto Groß eine Tochter Anna (geb. 5. Oktober) getauft.

(Grünberger Anzeiger)

 
09. Januar 1915

Maul- und Klauenseuche

Die Maul- und Klauenseuche ist in Lardenbach und Freienseen erloschen. Die in den betreffenden kreisamtlichen Bekanntmachungen angeordneten Maßnahmen sind wieder aufgehoben worden. Die Gemarkungen Freienseen und Lardenbach mit Stockhäuser-Hof scheiden aus dem Sperrgebiet aus und werden dem Beobachtungsgebiet zugeteilt.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Januar 1915

Musterung

Das Musterungs- und Aushebungsgeschäft 1915 findet an den nachgenannten Tagen in Schotten in dem Rathaussaale statt: Mittwoch den 13. Januar 1915 vorm. 8 1/2 Uhr für die Militärpflichtigen aus den Gemeinden: Altenhain, Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg, Sellnrod und Wetterfeld.

Zu den obengenannten Terminen haben jedesmal pünktlich um 8 Uhr vormittags im Rathaussaale in Schotten zu erscheinen: [...] Die wegen Untauglichkeit von Truppenteilen zur Verfügung der Ersatzbehörde entlassenen Mannschaften haben sich Freitag den 15. Januar 1915 vorm. 8 1/2 Uhr im Rathause in Schotten zu stellen; hierzu gehen ihnen besondere Ladungen durch das Bezirkskommando Gießen zu.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Januar 1915

Silvester im Vogelsberg

So ernste, stille Silvester wie die diesjährige haben unsere Ortschaften während eines Menschenalters nicht gefeiert. Wohl läuteten auch diesmal die Glocken das neue Jahr ein, aber kein Schuß krachte, keine Rakete stieg auf, kein Feuerwerk knatterte, kein Prosit Neujahr schallte auf den Straßen. So trug man dem Ernst der Zeit überall gebührend Rechnung. Und auch eine solche Kundgebung unseres Volkes darf uns mit Genugtuung erfüllen, zeigte sie doch, daß jedermann der großen Zeit würdig zu leben weiß.

(Grünberger Anzeiger)

 
31. Dezember 1914

Aus Stadt und Land

So viele auch der Stimmung sind, die dem Beibehalten der schönen Sitte des Christbaums in dieser großen, gewaltigen Zeit das Wort reden, fehlen doch auf diese Weihnachten die Weihnachtstannen auf dem Lande in den meisten Familien. Die Zeit ist zu ernst, zu schwer, um die rechten Gefühle für die strahlende Weihnachtstanne aufkommen zu lassen. Man sagt sich, wo unsere Tapferen in ihren Schützengräben auf so vieles Verzicht leisten müssen, da können wir auch einmal auf den Weihnachtsbaum Verzicht leisten. So dürfte auch mancher Christbaum selbst in der Kirche fehlen.

Weihnachten, das Fest der Liebe, ist vorbei. Wenn auch die Zeiten ernst sind, so ist doch das schöne Fest nicht ganz unbemerkt dahin gegangen, denn allenthalben hatten sich rege, mildtätige Hände gefunden, die überall Not und Sorgen zu unterdrücken suchten. Im Lazarett in Laubach ist bereits am Mittwoch (23. Dezember 1914) das Christkind eingekehrt und hat die verwundeten Krieger mit Tabak, Zigarren, Büchern, Zigarrentaschen, Bildern und verschiedenem mehr beschenkt.

Das Generalkommando des 18. Armeekorps gibt folgenden Erlaß bekannt: "Den Wünschen weiter Kreise der Bevölkerung entsprechend, habe ich mich mit der Verlängerung der Polizeistunde in der bevorstehenden Silvesternacht einverstanden erklärt. Es entspricht dem Ernst der Zeit nicht, wenn die Silvesternacht durch übermäßige Ausgelassenheit usw. gefeiert wird. Von dem gesunden Geist der Bevölkerung erhoffe ich zuversichtlich, daß sie den durch den Krieg geschaffenen ernsten Verhältnissen in der Silvesternacht Rechnung tragen wird. - Freiherr v. Gall, General der Infantrie und kommandierender General."
In einer Bekanntmachung des Polizeipräsidenten in Frankfurt heißt es: "Sollte wider Erwarten ein polizeiliches Einschreiten notwendig werden, so wird gegen die Schuldigen unnachsichtlich vorgegangen und haben die Straftäter strenge Bestrafung zu gewärtigen. Vor dem Schießen mit Schußwaffen und dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern jeder Art wird besonders gewarnt. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder in dieser Nacht nicht ohne Aufsicht auf die Straßen zu lassen und auch ihrerseits darauf hinzuwirken, daß dem Unfug mit Feuerwerkskörpern gesteuert wird."
Ähnlichen Wortlaut haben auch die, die Neujahrsnacht betreffenden Verfügungen oberhessischer Kreisämter, sodaß wohl zu erwarten ist, daß die Silvesternacht überall ruhig verläuft.

Das Kreisamt Schotten ordnete für den Kreis Schotten die sofortige (31. Dezember 1914) Urbarmachung der vielen bisher nutzlos umherliegenden Geländestücke in den einzelnen Gemarkungen an. Die Gemeindebehörden haben die anbaufähigen Bodenflächen festzustellen und deren Besitzer zum ungesäumten Anbau anzuhalten.

(Grünberger Anzeiger)

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14. Dezember 1914

Meteor

Heute morgen gegen 3/4 9 Uhr konnten Lardenbacher Holzhauer ein Meteor beobachten, das nach starker hellgrüner Lichtentwicklung in der Richtung von Süd-Osten nach Nord-Westen verschwand.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Dezember 1914

Petrolummangel

In der letzten Zeit sind wiederholt Klagen darüber erhoben worden, daß in einzelnen Orten im Kleinhandel Erdölpreise gefordert werden, die zu den Preisen, welche die Lieferungsgesellschaften stellen, im Mißverhältnis stehen. Zu einer Preiserhöhung, wie sie vielfach vorgenommen wurde, liegt nach Lage der derzeitigen Großhandelspreise, die den durchschnittlichen Preisstand vor dem Kriege im allgemeinen nicht überschritten haben, kein Anlaß vor.

Andererseits ist die Einfuhr von Erdöl nach Deutschland gegen Friedenszeiten wesentlich erschwert, sodaß die großen Lieferungsgesellschaften bei Abgabe von Erdöl an die Kleinhändler zurückhaltend sein müssen. Die Versorgung Deutschlands mit Erdöl ist nicht so reichlich, um davon absehen zu können, auf eine Einschränkung des Verbrauchs hinzuwirken.

Die Bevölkerung muß also weit haushälterischer als seither mit dem Erdöl umgehen; sie wird auch gut daran tun, sich an die Verwendung von Spiritus zu Beleuchtungszwecken zu gewöhnen, zumal angesichts der durch die verminderte Zufuhr bedingten Zurückhaltung der Lieferungsgesellschaften die Kleinhändler den Wünschen ihrer Kundschaft nach Lieferung von Erdöl nicht in jedem einzelnen Falle selbst beim besten Willen zurzeit genügen können.

Sie werden vielfach genötigt sein, beim Verkauf des Erdöls eine Kürzung der sonst ihren Kunden abgegebenen Mengen eintreten zu lassen. Hierbei wird es für die Kleinhändler, die ihre Kundschaft kennen, leicht möglich sein, zu verhindern, daß einzelne Käufer sich auf Kosten der Allgemeinheit einen Vorrat an Erdöl zu unberechtigten Preissteigerungen, zu denen, wie erwähnt, nach Lage der derzeitigen Großhandelspreise keine Veranlassung vorliegt, benutzt werden, so wird wohl die Festsetzung von Höchstpreisen nicht umgangenen werden können.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Dezember 1914

Aus Stadt und Land

Auf den großen Korbweidenpflanzungen der Freiherrlich Riedeselschen Besitzung in der Gemarkung Ilsdorf, den Wadenhäuser Erlen, fand jetzt (2. Dezember 1914) die Versteigerung der diesjährigen Korbweiden statt. Zu der Versteigerung hatte sich eine große Zahl Liebhaber eingefunden und die Ernte von 400 Zentnern ging glatt ab. Erlöst wurden für den Zentner durchschnittlich über drei Mark.

Die alljährlich um diese Zeit (2. Dezember 1914) beginnende Arbeit hat auch jetzt wieder eingesetzt. Wenn man befürchtete, es würde die Zahl der Holzmacher nicht genügen, so ist das nicht eingetroffen. Die Rotten der Holzmacher sind vollzählig an der Arbeit. Ergänzung für die im Felde als Wehrmänner stehende Holzmacher haben sich gefunden in jüngeren und älteren Leuten.

Für die im Gießener Gefangenenlager untergebrachten Zivilgefangenen israelitischer Konfession, die meistens aus Russisch-Polen stammen, wird auf Verwendung ihrer Frankfurter Glaubensgenossen rituelle Küche eingeführt.

Von den vielen im Heere kämpfenden hessischen Lehrern haben bis jetzt (3. Dezember 1914) 60 den Heldentod gefunden. 16 Lehrer erhielten für ihr tapferes Verhalten vor dem Feinde das Eiserne Kreuz.

Die Verordnungen des Bundesrates haben den Zweck, die Versorgung Deutschlands mit Brot bis zur nächsten Ernte unter allen Umständen sicherzustellen. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Verordnungen im ganzen Volke Verständnis finden und alle Kreise ihre Lebens- und Wirtschaftsführung dementsprechend einrichten. Die Versorgung Deutschlands mit den wichtigsten Nahrungsmitteln bis zur nächsten Ernte ist gesichert, mag sich der Krieg auch noch so lange hinziehen, wenn von vornherein sparsam mit den Vorräten umgegangen wird. Unsere Feinde bauen darauf, daß Deutschland, möge es auch mit den Waffen Erfolge erzielen, schließlich doch durch Nahrungsmangel zu einem ungünstigen Frieden gezwungen werden kann. Es ist die heilige vaterländische Pflicht der in der Heimat Zurückgebliebenen, jeder an seiner Stelle und in seiner Weise dazu mitzuwirken, daß diese Hoffnung nicht in Erfüllung geht. Sie wird nicht in Erfüllung gehen, wenn das Brot nicht vergeudet und das Brotgetreide nicht an das Vieh verfüttert wird.

(Grünberger Anzeiger)

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01. Dezember 1914

Kriegssammlung

Für Zwecke des Roten Kreuzes gingen in Lardenbach an Geld einschließlich der Kirchenkollekten und den Opfern bei Kriegsbetstunden bis jetzt (1. Dezember 1914) im ganzen 1155,51 Mark ein. Außerdem wurden von mehreren Gemeindegliedern noch für ca. 50 Mark Wolle zu Strümpfen geschenkt. Für die kriegsnotleidenden Ostpreußen ergab eine besondere Sammlung 275 Mark.

Von Mädchen (Schülerinnen einbegriffen) und Frauen wurden angefertigt, bzw. gespendet: 74 Hemden, 30 Betttücher, 67 Paar Strümpfe, 37 Paar Stauchen, 67 Taschentücher, 46 große Binden, 68 kleine Binden, 73 Fußlappen, 26 Dreizipfel, 13 Halstücher, 30 Handtücher, 11 Spreukissen, 20 kleine Kissenbezüge für Spreukissen, 10 Deckbezüge, 22 große Kissenbezüge, 29 Tücher in verschiedenen Größen, 17 Leibbinden, 9 Unterhosen, 6 Unterjacken, 6 Ohrenschützer, 1 Sack Charpie [Wundverbandmaterial aus Fasern].

Die Sachen wurden zum Teil an die Materialien-Abteilung im Alten Palais zu Darmstadt, zum Teil an das Kreiskommitee für die Rote-Kreuz-Sammlung in Schotten und an das Lazarett nach Laubach geschickt. An letzteres gingen auch zwei Wagen mit Kartoffeln, Gemüse, Eier, Butter und Milch von Lardenbach ab.

In voriger Woche sandten die Lardenbacher an die Soldaten Weihnachtspakete, enthaltend: 1 warmes Hemd, 1 Paar Strümpfe, ein neues Testament, 1 Kleines Christbäumchen mit Kerze, 1 Formkuchen, Konfekt, Zigarren, Wurst und Seife. Der Kriegerverein fügte jedem seiner Mitglieder noch ein Fläschchen Cognac bei.

(Grünberger Anzeiger)

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17. Oktober 1914

Maul- und Klauenseuche

Vor 110 Jahren, im Oktober 1914 ist in Klein-Eichen und Lardenbach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die beiden Dörfer bildeten einen Sperrbezirk. Einige Tage später in diesem Monat, am 17. Oktober, kamen die Dörfer Merlau und Sellnrod hinzu. Diese Viruserkrankung war lange, gerade bei Landwirten gefürchtete, immer wiederkehrende Seuche beim Vieh. Selbst der Viehmarkt des Grünberger Gallusmarktes fand in dieser Zeit des 1. Weltkrieges wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rhe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

Die durch eine Infektion mit dem Virus ausgelöste Maul- und Klauenseuche tritt in der Regel lokal auf und das Virus wird in erster Linie durch Kontakt- wie durch Schmierinfektion bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren, mit kontaminierten Pferchen oder Viehtransportfahrzeugen übertragen. Allerdings kann das Virus auch durch die Luft verbreitet werden.

Da Menschen nur sehr selten infiziert werden, die Seuche sich aber unter Tieren äußerst schnell ausbreitet, ist MKS vornehmlich eine gravierende Bedrohung für die Landwirtschaft. Wie diese Erkrankung damals ausging ist leider nicht überliefert.

Fotos

 
15. Oktober 1914

Gallusmarkt

Prächtiges Wetter, so schön, wie seit langen Jahren nicht, war den beiden Tagen (14. u. 15. Oktober 1914) beschieden, für die der diesjährige Gallusmarkt festgesetzt war - der blaue Himmel aber wölbte sich heuer über einem leeren Anger, die heiteren Sonnenstrahlen konnten nicht das frohe Getümmel bescheinen, das sonst belebte. Hatte bereits der Ernst der Zeit, der keinen Raum läßt für lautes, festliches Treiben, für den Markt von vornherein ein anderes Gepräge vorgesehen, so wurde sein Verlauf noch besonders beeinträchtigt durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Nachbargemeinden, infolge dessen der Viehmarkt, der andernfalls zu den besten Erwartungen berechtigte, dem Verbote verfiel.

Die geringen Ueberbleibsel, eine Anzahl Krämerstände, unter deren Inhabern der nie fehlende "Jacob" durch das verbotene laute Anpreisen seiner Waren auch heuer wieder auffiel, waren von der Turnhalle aus der Straße entlang nach der Stadt zu aufgestellt, und im übrigen merkte man an einer größeren Zahl Besucher aus der näheren Umgebung, daß der altberühmte und beliebte Gallusmarkt nicht ganz vergessen war und sich auf kommende bessere Zeiten vertrösten kann, ebenso wie unsere Geschäftswelt, deren klingender Erfolg für diesmal bescheidener wie sonst ausfiel.

Also den Kopf nicht hängen lassen - auch der alte Gallusmarkt, der so manche Jahrhunderte mit ihrem Friedensglück und ihrem Kriegselend überdauerte, wird sich "durchhauen" und neu verjüngt auf dem Plane erscheinen, wenn unser Kaiser und seine Kriegsheere die Saat gedroschen und eingeheimst haben, die der Auswurf der Menschheit ihnen gestreut.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
10. Oktober 1914

Viehmarkt

Infolge des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Solms-Ilsdorf, Kreis Schotten, ist die Abhaltung des Viehmarktes zu Ruppertenrod am 29. d. Mts. nicht genehmigt worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Oktober 1914

Meldungen

In Lardenbach ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Gemarkungen Lardenbach und Klein-Eichen bilden einen Sperrbezirk. [Die Maul- und Klauenseuche ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rehe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht und Menschen nur selten für MKS anfällig.]

Unzuträglichkeiten, die sich bei Besuchen im Lazarett zu Laubach, namentlich an den Sonntagen, ergeben haben, veranlassen das Lazarettkomitee nochmals ausdrücklich bekanntzugeben, daß Besuche nur während der Besuchsstunden nachmittags zwischen 2 und 5 Uhr gestattet sind und daß alle Besucher sich durch Anschellen an der am Haupteingang befindlichen Glocke anzumelden haben. Zugleich ist um den übermäßigen Andrang an Sonntagnachmittagen etwas einzudämmen, bestimmt worden, daß an den Sonntagen ausschließlich nur Angehörige der Verwundeten als Besucher zugelassen werden.

Anschreiben Kriegsministerium an die Großherzogliche Bürgermeisterei Laubach (3. Oktober 1914): ... mit Bedauern muß mittgeteilt werden, daß Ihr Vorschlag nicht durchführbar ist. Die Truppen haben überhaupt keine Verpflichtung, den Angehörigen den Tod oder die Verwundung mitzuteilen. Es ist dies tatsächlich nicht möglich, denn die siegreich vorgehende Truppe überläßt die Audräumung des Gefechtsfeldes den nachfolgenden Truppen. Die Toten werden dann durch die Erkennungsmarken festgestellt. Dazu kommt, daß den Truppenteilen jede schriftliche Arbeit ferngehalten werden mu, die nicht dringend notwendig ist, und dazu gehören auch die Verlustlisten. Kompagnie-, Eskadron- und Batterieführer werden ja bei geringen Verlusten gern die Angehörigen benachrichtigen, bei großen ist dies jedoch nicht möglich.

Der stellvertretende Generalstab der Armee hat folgendes bestimmt: Das Photographieren auf dem Kriegsschauplatz und in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten ist nur mit Genehmigung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres und auf Grund der besonderen von ihm erlassenen Bestimmungen gestattet.

Deutsche Hausfrau! Kauft von jetzt ab nur deutsches Gustin statt des bisher vielfach verwendeten englischen Fabrikates Mondamin. Dies ist die Antwort auf die treulose Kriegserklärung seitens Englands. Dr. Oetker's Gustin ist besser und obendrein billiger als das englische Mondamin.

Wascht Euch mit deutscher Seife! Die Enländer unterstützt, wer Sunlight-Seife und Tompsons Seifenpulver kauft, denn diese Erzeugnisse werden in Fabriken, die mit englischem Kapital arbeiten, hergestellt. Deutsche Hausfrauen, gebt Euer Geld nicht in Feindeshände!

Schwarzbrot ist nahrhafter und gesundheitsdienlicher als Weißbrot und sollte daher in dieser Kriegszeit umso mehr bevorzugt werden, als wir zwar Roggen aber nicht auch Weizen zur vollen Deckung unseres Bedarfs im eigenen Lande gewinnen. Das feine Mehl, dessen Erzeugung eine Lebensbedingung für die modernen großen Mühlen ist, gibt weniger nahhaftes Brot als das grobe, das jeder Dorfmüller herstellen kann.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
28. September 1914

Hilfe in der Not

Während Hundertausende dem Rufe des Kaisers folgend, zu den Waffen gegriffen haben, um des Reiches Dasein gegen Neider und Hasser zu verteidigen, hat sich zu Hause eine andere erhebende Bewegung machtvoll entfaltet. Jung und alt, arm und reich wetteifern in dem Bestreben, den durch den Krieg entstandenen Nöten zu steuern, die Wunden heilen oder lindern zu helfen.

Das Lazarett in Laubach wurde mit 50 Betten eingerichtet und wird auch durch Gaben weiter unterhalten. An den Naturalleistungen für das Lazarett beteiligten sich sämtliche Gemeinden des Laubacher Amtsgerichtsbezirks. Weitere Gaben werden im Amtsgericht immer dankend angenommen. Helfe ein Jedes an seinem Teile rüstig weiter, das entstandene und noch entstehende Kriegselend zu lindern.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. September 1914

Dreschmaschinen brummen

In den Ortschaften brummen die Dreschmaschinen. Durch den Weggang der Wehrmannschaften fehlt es an Leuten zum Handdrusch mit den Flegeln. So greift auch der kleinste Landwirt zum Ausdrusch mit der Dampfdreschmaschine. Oft sind zwei derselben in einem Ort tätig. Da jedermann gerne aushilft, so fehlt es an Hilfskräften nicht trotz dem Auszug der Wehrmänner.

Der Ausdrusch ergibt gute Resultate. Weizen, Hafer und Gerste geben gut ins Maß bei vollentwickelten Körnern, Korn etwas weniger. Die Kartoffelernte hat begonnen. Ist auch der Ausfall kein überreicher, so ist er doch ein guter. Vortrefflich stehen die übrigen Hackgewächse. Nur am Kraut haben die Raupen Schaden angerichtet. Auf Aeckern und Kohlrüben in der Nähe von Waldungen sind alle Blätter kahl gefressen bis auf die Rippen.

(Grünberger Anzeiger)

 
17. September 1914

Meldungen

Wie in anderen Orten sollen auch in Grünberg für unsere Soldaten draußen im Felde Wäschestücke und Strickarbeiten angefertigt werden. Die Frauen und Jungfrauen werden hiermit gebeten, sich, soweit sie nicht durch Arbeiten im eigenen Haushalt in Anspruch genommen sind, an der Herstellung dieser Gegenstände zu beteiligen.
Die Wolle für Strümpfe, die 50 cm Beinlänge haben sollen, und Stauchen, die 15 cm lang und 40-50 Maschen weit sein sollen, kann, soweit sie nicht von den Betreffenden selbst angeschafft wird, von Dienstag an im 1. Pfarrhaus in Empfang genommen werden. Die fertigen Gegenstände bittet man im Pfarrhaus abzugeben, von wo sie zur Sammelstelle nach Gießen weiter befördert werden.

Unter den Schlachtviehpreisen sind am meisten die für die Kälber gesunken. Man bezahlt 38 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht. Vor dem Kriege kostete das Pfund bis zu 52 Pfg. Obgleich auch die Preise für Rindvieh herabgegangen, merkt man im Ladenverkauf noch keinen Preisabschlag. Daselbe ist der Fall mit dem Preis für das Schweinefleisch (10. September 1914).

Die Zahl der den Heldentod für das Vaterland gestorbenen, aus der näheren Umgebung stammenden Krieger erhöht sich. In Weitershain fand am Mittwoch die Beerdigung des Vizifeldwebels im Füsilierregiment Nr. 80 statt, und auch dessen Bruder, Gefreiter im Infantrieregiment Nr. 168 fiel auf dem Felde der Ehre. Familien aus Ruppertenrod, Merlau und Nieder-Gemünden betrauern aus gleicher Ursache den Tod ihrer Männer und Söhne.

In manchen Gemeinden wetteifert man gegenwärtig mit dem Stricken von Strümpfen und Pulswärmern für die tapferen Kämpfer im Felde draußen. Das geschieht zum Teil in der Strickschule, zum Teil durch Frauen und Mädchen zu Hause. Das Garn wurde durch die Gemeinde angekauft und frei geliefert.

Auch in Grünberg hatten sich die Kriegsanleihen recht guten Erfolges zu erfreuen, indem von der hiesigen Bankfirma Philipp Jöckel 140 000 Mark eingelaufene Zeichnungen bei der Reichsbank eingereicht werden konnten.

In vielen Orten gehen in diesem Herbste meist eine Obsternte verlustig. Weder Aepfel noch Birnen noch Zwetschen hängen an den Bäumen. Die Blüten waren im Frühjahr erfroren. Im Seentale gibt es in einzelnen Gemeinden sehr viele Zwetschen, übehaupt läßt der Preis von 5 Pfg. für das Pfund auf bessere Erträge als in anderen Gegenden schließen.

(Grünberger Anzeiger)

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15. August 1914

Deutsche Sprache

Kurz nach Kriegsbeginn schreibt der Grünberger Anzeiger: Reinigt die deutsche Sprache von unnötigem fremdländischen Zeug! Es ist schon der Vorschlag gemacht woden, anstatt des faden "Adje" beim Abschiednehmen die urdeutsche Ausdrucksweise "Behüt Gott" zu gebrauchen, wozu man als Antwort verschiedene Redeweisen anwenden könnte, z. B. "Gott befohlen", "In Gottes Namen" oder durch "Gott mit uns".

Ein solcher Vorschlag ist jedem ehrlichen Deutschen aus dem Herzen gesprochen. Dabei ist es aber zu bedauern, daß man an einer anderen noch faderen Ausdrucksweise als "Adje" mit einer Zähigkeit festhält, die einer besseren Sache würdig wäre. Wir meinen das tatarische "Hurra" statt des urdeutschen "Hoch".

"Hurra" stammt von den Tataren und wurde dann von den Russen und Franzosen und zuletzt auch vom deutschen Michel bei seiner Sucht nach fremdländischem Aufputz übernommen. In Wirklichkeit bedeutet der Ausdruck: Schlagt zu! oder: Henkt ihn auf! Er erklärt sich im Munde eines Kosaken, wenn er einen Feind überwältigt hat; bei den Gelegenheiten, bei welchen er sich jetzt in Deutschland eingebürgert hat, wo man jemand "hochleben" lassen will, paßt er wie eine Faust auf das Auge. Also fort mit diesem russisch-französischen Aufputz und zurück zum urdeutschen "Hoch"

(Grünberger Anzeiger)

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09. August 1914

Meldungen

Der "Englische Hof" in Grünberg ist der nationalen Begeisterung zum Opfer gefallen und durch "Deutscher Hof" ersetzt worden (8. August 1914).

So gefüllt wie am gestrigen (9. August 1914) Buß- und Bettag waren die Kirchen noch niemals an einem gewöhnlichen Sonntage. Die Plätze im Schiff und auf den Emporbühnen der Kirchen reichten nicht aus, die Menge der Andächtigen zu fassen, man stand noch in den Gängen der Kirchen. Der Ernst der großen Zeit, das Bewußtsein der schweren Opfer, die das Vaterland erheischt an Gut und Blut, und das feste Vertrauen zu Gott, daß er unserer gerechten Sache den Sieg verleiht, treibt unsere Bewohner zu den Kirchen, getreu dem Kaiserwort: "In die Kirchen, auf die Kniee und gebetet zu Gott.". Noch lastet der Druck des Abschiedsschmerzes, das wehe Gefühl des Scheidens von den Lieben, die den Fahnen gefolgt, auf den bekümmerten Herzen, aber aus dem kraftvollen Gesang, der die Hallen der Gotteshäuser durchtönt, hört das Ohr den hoffnungsvollen Glauben auf unseren Gott, auf Kaiser und Heer. Kein Krieger zieht ins Feld, ohne das heilige Abendmahl genossen zu haben. So ist's recht. Das heißt in Wirklichkeit: Mit Gott für Kaiser und Reich!

(Grünberger Anzeiger)

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04. August 1914

Meldungen

Für unser geliebtes Vaterland hat eine ernste Stunde geschlagen. Von Ost und West droht der Feind in frevelhaft uns aufgedrungenem Krieg in die Grenzen des Reiches einzudringen. Der Kaiser hat zu den Waffen gerufen. Es gilt die höchsten und heiligsten Güter zu wahren. Ich vertraue auf die alte Hessentreue, die sich in schwerer Zeit stets bewährt hat und hoffe, dass mein Volk die großen Opfer an Gut und Blut freudig bringen wird, die jetzt von ihm gefordert werden. Meine innigsten Wünsche begleiten meine Hessen, die berufen sind, mit den Waffen in der Hand für Kaiser und Reich zu streiten. Erbst Ludwig, Großherzog von Hessen-Darmstadt, 2. August 1914

Eine ernste, schicksasschwere Zeit ist über uns hereingebrochen. Das Vaterland ruft zu schwerer Pflichterfüllung. Gatten, Väter, Söhne müssen mit dem Schwert die geliebte Heimaterde verteidigen. Aber nicht nur von ihnen fordert das Vaterland Hilfe, sondern auch von uns Zurückgebliebenen. Vor allem müssen wir dafür sorgen, dass unsere Ernte heimgebracht wird und hierzu bedarf es unserer selbstlosen Mitarbeit. Wir richten deshalb die Bitte an Euch, unseren Bauern bei dem Einbringen der Ernte zu helfen. Es wird für unsere Soldaten, die hinausziehen und alles Treue zurücklassen müssen, ein Trost sein, zu wissen, dass in der Heimat dafür gesorgt ist, dass nichts von dem kostbaren Gut, das draußen auf den Feldern steht, zu Grunde geht; weiter bitten wir um freiwillige Gaben für diejenigen, die durch die Mobilmachung plötzlich ihrer Ernährer beraubt sind. [...] Bürgermeister, Pfarrer und Amtsrichter von Grünberg

Der schon lange gefürchtete und unvermeidlich scheinende Wltkrieg ist entbrannt. Obwohl man vorbereitet war, kam die Mobilmachung doch für viele überraschend. Ein letztes Hoffnungsfünkchen glimmte noch in aller Herzen, doch auch dieses erlosch. Als am Samstag (1. August 1914) um 6 Uhr der Mobilmachungsbefehl bekannt wurde, machte sich allgemein eine bedrückte Stimmung fühlbar. Ohne Murren nimmt jeder die schwere Last mit ruhiger Ergebenheit auf sich. Doch die waffenfähige Jugend hat frohe, helle Begeisterung erfüllt.

Durch den Gang der Ereignisse ist gegenwärtig der gesamte Telephon- und Telegraphenverkehr, sowie zum Teil auch die Briefbeförderung in bisher nie gekanntem Umfang ins Stocken geraten. Wie der Oberbefehlshaber in den Marken erklärt, wird diese Beschränkung des Verkehrs nur von vorübergehnder Dauer sein.

(Grünberger Anzeiger)

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31. Juli 1914

31. Juli 1914

Im Deutschen Reich wird um 13 Uhr der “Zustand der drohenden Kriegsgefahr” verkündet. Er beinhaltet Einschränkungen des öffentlichen Lebens und zieht die Mobilmachung der Streitkräfte nach sich.

Um 15 Uhr billigt der deutsche Kaiser Wilhelm II. ein deutsches Ultimatum an Russland. Es enthält die Aufforderung, innerhalb von zwölf Stunden alle Kriegsvorbereitungen einzustellen. Zugleich richtet die deutsche Regierung an Frankreich eine sog. Anfrage, in der das Land unter unannehmbaren Bedingungen zur Wahrung strikter Neutralität bei einem deutsch-russischen Krieg aufgefordert wird.

Die deutsche Regierung beginnt mit letzten diplomatischen Vorbereitungen für den unmittelbar bevorstehenden Kriegsausbruch. Sie versucht u.a. weitere Verbündete zu gewinnen.

 

Heute vormittag wurden im Lehnheimer Teich die Leichen eines jungen, verheirateten Mannes und eines 15jährigen Mädchens gefunden. Beide stammen aus einem Nachbarorte und sind anscheinend durch die Folgen eines Liebesverhältnisses in den Tod getrieben worden..

Das für kommenden Sonntag geplante Bezirkskriegerfest in Laubach wird nicht abgehalten werden. Und das geplante Volks- und Heimatfest in Ettingshausen findet nicht statt.

(Grünberger Anzeiger/chroniknet)

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30. Juli 1914

Beginn Erster Weltkrieg 1914

Im Juli 1914 führten die langjährigen Konflikte zwischen den europäischen Großmächten zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger erfolgte zunächst ein Ultimatum an Serbien und daraufhin eine Reihe von gegenseitigen Kriegserklärungen. Daher wird dieser Zeitraum auch als Julikrise bezeichnet.

Um 11 Uhr des 28. Juli 1914 erklärt die österreichisch-ungarische Regierung Serbien den Krieg. Gleichzeitig scheitert ein neuer Vermittlungsversuch seitens Großbritanniens an der ablehnenden Haltung des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns.

(Grünberger Anzeiger/chroniknet)

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14. Juli 1914

Meldungen

Mit dem Schluß des gegenwärtigen Landtags ist auch für den 6. Wahlkreis, Grünberg, ein Abgeordneter zu wählen. Die Neuwahlen finden voraussichtlich am 6. November 1914 statt. Zum 6. Wahlbezirk gehören: Allendorf a. d. Lumda, Allertshausen, Atzenhain, Beltershain, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen, Flensungen mit Mücke, Freienseen, Geilshausen, Göbelnrod, Groß-Eichen, Grünberg, Harbach, Ilsdorf, Ilsdorf-Solms mit Flensunger-Hof, Kesselbach, Klein-Eichen, Lehnheim, Lollar, Londorf, Lumda (Groß- und Klein), Mainzlar, Merlau, Odenhausen mit Appenborn, Queckborn, Reinhardshain, Ruttershausen mit Kirchberg, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Staufenberg mit Friedelhausen, Stockhausen, Treis a. d. Lumda, Weickartshain, Winnerod.

Eine große militärische Aufklärungsübung findet vom 13. bis 18. Juli unter Leitung der 21. Kavallerie-Brigade in Oberhessen und angrenzenden preußischen Gebieten statt. Sie erstreckt sich hauptsächlich in den Raum zwischen Vogelsberg, Wetzlar, Marburg, Frankenberg, Büdingen, Hanau und Gießen. Viele Gemeinden werden im Laufe der Übung Massenquartiere erhalten.

(Grünberger Anzeiger)

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04. Juli 1914

Verlobung in Klein-Eichen und Lardenbach

Karl Mölcher aus Lardenbach heiratete 1886 in Klein-Eichen Lina Zimmer. Sie hatten drei Kinder und lebten in der heutigen Lardenbacher Straße 5 (am Grenzgraben). Die jüngste Tochter Anna verlobte sich im Juli 1914 mit Carl Steinmüller aus Lardenbach. Dieser Name Steinmüller scheint aber zugezogen zu sein.

Die geplante Heirat zwischen Anna und Carl kam aber nicht zustande.

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Die Interessenlagen der Großmächte und die deutschen militärischen Planungen ließen den Lokalkrieg innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung Russlands (deutsche Kriegserklärung am 1. August) und Frankreichs (deutsche Kriegserklärung am 3. August) eskalieren. Kriegseintritt Großbritanniens am 4. August, was zur Ausweitung zu einem Weltkrieg führte.

Mittwoch, 9. September 1914: Das Deutsches Kaiserreich gibt das Programm der Kriegsziele der Reichsleitung zu Beginn des Ersten Weltkrieges bekannt. Das zentrale Ziel war die Sicherung des Deutschen Reiches nach West und Ost auf erdenkliche Zeit. Zu diesem Zweck muss Frankreich geschwächt werden und Russland von der deutschen Grenze nach Möglichkeit abgedrängt werden. Im Zuge der Schlacht an der Marne/Frankreich tritt das Deutsche Heer einen taktischen Rückzug an.

An diesem Mittwoch stirbt Carl Steinmüller als dritter Soldat aus Lardenbach im Ersten Weltkrieg.

Anna Mölcher wird im Februar 1921 Fritz Moritz Döhler in Klein-Eichen heiraten. Ihr einziger Sohn Erwin kommt 1944 im 2. Weltkrieg ums Leben. Aber das erlebt sie nicht mehr. Im Alter von 48 Jahren stirbt Anna Döhler 1940 in Klein-Eichen.

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11. Juni 1914

Meldungen

Schwere Unwetter sind am Donnerstag Nachmittag (11. Juni 1914) an vielen Orten Oberhessens niedergegangen. In Bobenhausen ging ein Wolkenbruch nieder, der die Gegend in einen See verwandelte, Äcker und Wiesen überschwemmte und die Aussaat zum Teil vernichtete. Auf der Straße in Höckersdorf wurde ein Milchwagen vom Wetter fortgerissen. Um 3 Uhr am Nachmittag entlud sich in Ilsdorf und Umgegend ein Gewitter, wie wohl noch nie eins in unserer Gegend beobachtet worden ist. Blitz folgte auf Blitz und Schlag auf Schlag. Der nach dem Gewitter neu einsetzende Regen brachte noch gewaltigere Mengen Wasser. Gegen 8 Uhr abends kamen jedoch solche Wassermassen in Ilsdorf an, dass das Bett des Ilsbaches das Wasser nicht alles fassen konnte. Das gesamte Solms-Ilsdorf stand unter Wasser. Holz, Bretter, Balken, Ökonomiegeräte flossen fort, und in manchen Häusern war das Vieh gefährdet. Die ganze Wadenhäuser Mühle glich einer Insel, aus der nur Haus und Scheuer hervorragte. Das Wasser rührte von einem Wolkenbruch her, der zwischen Ruppertenrod und Groß-Eichen niederging.

(Grünberger Anzeiger)

 
24. Mai 1914

Meldungen

Der Plan einer Autopost zwischen Ulrichstein und Mücke stößt auf Schwierigkeiten, die seine Verwirklichung sehr in Frage stellen. Die unteren Ohmtalorte weigern sich, den erforderlichen Zuschuß zu gewähren. Sie begründen ihren ablehenenden Standpunkt mit dem Hinweis, daß gerade in der Zeit, in der eine Autopost wünschenswert sei, also im Winter, diese aussetzen müßte. Da aber die Verkehrsverhältnisse auf Mücke an Feiertagen und bei anderen Gelegenheiten dringend eine Verbesserung bedürfen, so empfehle sich, bei solchen starken Personenbeförderungen das Einstellen von Beiwagen festzusetzen. Diese Beiwagen dürften dann nicht nur nach Belieben fahren, sondern zu festgesetzten Zeiten.

Die am 23. und 24. Mai 1914 in Schotten stattfindende landw. Kreisschau hat, nach den nunmehr abgeschlossenen Anmeldungen auf eine sehr ansehnliche Beschickung zu rechnen, wie dies bei dem durch klimatische Boden- und Besitzverhältnisse im besonderen Maße auf eine starke Viehzucht hingewiesenen Kreise Schotten nicht anders zu erwarten war. Die umfangreichste Ausstellungsabteilung ist diejenige der Rinder, die mit nahezu 300 Tieren erheblich alle bisherigen Kreisschauen übertrifft.
Es soll auch die Leistungen zweier Rassen in eine vergleichende Gegenüberstellung bringen, die schon seit Jahrzehnten sich in ihrer Verbreitung und wirtschaftlichen Gleichberechtigung starke Konkurrenz machen, nämlich die bodenständige und seit altersher angestammte Vogelsberger und die aus dem Auslande eingeführte und an die Verhältnisse des Vogelsberges mehr oder weniger gut angepasste Simmentaler Rasse. Bis auf den heutigen Tag wogt der Kampf um den Vorrang beider Rassen in wirtschaftlich nicht besonders günstig gestellten Gegenden.

Der Verband der Fahrrad- und Nähmaschinenhändler von Hessen-Nassau und Hessen-Darmstadt beabsichtigt am Sonntag den 24. Mai 1914 eine allgemeine Versammlung der Nähmaschinen- und Fahrradhändler aus der hiesigen Gegend abzuhalten und zwar soll die Versammlung in Gießen stattfinden.

Bei der mit der Kreistierschau in Schotten am 23. Mai 1914 verbundenen Prämiierung wurden die folgenden Züchter mit Preisen ausgezeichnet. Gruppe 1. Pferde ..., Gruppe 2. Rinder Vogelsberger Klasse III Kalbinnen trächtig: Heinrich Schneider, Lardenbach 2. Preis 50 Mark., Klasse IV Kühe trächtig: Heinrich Buß, Lardenbach Ehrenpreis 100 Mark., Klasse V Kühe trächtig: Karl Volp, Klein-Eichen 3. Preis 40 Mark., Heinrich Schneider, Lardenbach 3. Preis 40 Mark., Karl Volp, Klein-Eichen Anerkennung 10 Mark., Georg Krämer, Lardenbach Anerkennung 10 Mark., Rudolf Rühl, Lardenbach Anerkennung 10 Mark., Klasse VI Familien: Heinrich Schneider, Lardenbach 1. Preis 80 Mark., Karl Volp, Klein-Eichen 3. Preis 60 Mark., Gruppe 3. Schweine ..., Gruppe 4. Ziegen ..., Gruppe 5. Landschafe ..., Gruppe 6. Milchwirtschaftliche Erzeugnisse: Klasse III. Molkereibutter: Karl Steinmüller, Lardenbach Diplom 1. Kl.

(Grünberger Anzeiger)

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09. April 1914

Meldungen

Der neue Fahrplan ab 1. Mai 1914 bringt zwar keine größeren Veränderungen der Hauptzugverbindungen aber eine sehr willkommene, bequeme Neuerung für die Schüler des Gymnasiums in Laubsch aus der Richtung Villingen-Hungen und der Wetterau. Der Zug fährt morgens von Hungen bis Wölfersheim und von da zurück über Hungen bis Wölfersheim und von da zurück über Hungen nach Laubach; Ankunft daselbst 8 Uhr und Ankunft Mücke 8,47 Uhr vormittags. Die Rückfahrt erfolgt ab Mücke 12,05, in Laubach 12,45. Wir können der königlichen Eisenbahndirektion nur dankbar sein, daß unsere Wünschen stets ein großes Wohlwollen entgegengebracht wird, und wollen hoffen, daß eine rege Benutzung die Einrichtung lohnt und dem Gymnasium eine größere Schülerzahl zuführt.

Als erster Bundesstaat gubt das Großherzogtum Hessen eine Übersicht über die Geburten und die Säuglingssterblichkeit im Jahre 1913. Verglichen mit den vorausgehenden Jahren ergibt sich folgendes Bild:

Jahr
Lebendgeborene
gegen das Vorjahr
gestorbene Säuglinge
1. Jahr überlebt
1908
37 359
+ 480
4700
32 659
1909
36 299
- 1060
4722
31 577
1910
34 670
- 1629
3913
30 757
1911
33 209
- 1461
4273
28 946
1912
32 339
- 870
3247
29 096
1913
32 296
- 43
2986
29 310

Eine so späte Frühjahrsbestellung von Garten und Feld, wie sie die gegenwärtig so ungünstige Wetterlage bedingt, ist während eines Menschenalters im Vogelsberg kaum vorgekommen. Schon nähern wir uns der Mitte des Aprils und noch hat keine Pflugschar den Ackerboden berührt, keine Grabschaufel das Gartenland gelockert. Dabei vergeht kein Zag ohne Niderschläge. Der Erdboden ist übersättigt mit Feuchtigkeit, die Bachläufe gefüllt mit Wasser bis zur Ufergrenze.

(Grünberger Anzeiger)

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30. März 1914

Meldungen

Frühjahrs-Kontrollversammlung - In Freienseen am Bahmhof am 27. April 2 3/4 Uhr nachmittags für die Gemeinden Altenhain, Schmitten, Sellnrod, Freienseen, Groß-Eichen mit der Grummetsmühle, Wadenhäusermühle und Ziegelei, Klein-Eichen, Solms-Ilsdorf, Lardenbach, Wohnfeld (einschließlich der dazu gehörenden Mühlen, Höfe usw.). - Es haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere und Beamte der Reserve und der Landwehr 1. Aufgebots (kleiner Dienstanzug, Mütze). 2. Die Mannschaften der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots aller Waffen, einschließlich nur Garnisiondienstfähigen und zeitig Feld- und Garnsondienstunfähigen. 3. Die zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 4. Die Ersatzreservisten, geübte und nicht geübte.

Bei ziemlich guter Beteiligung fand am vergangenen Samstag abend (28. März 1914) auf dem Hoherodskopf der diesjährige Bismarck-Kommers statt. Nach gemeinschaftlichem Abendessen ging es durch den halben Meter tiefen Schnee nach dem Taufstein, wo auf dem Bismarckturm das Freudenfeuer angezündet wurde. Nach dem gemeinschaftlichen Gesang von "Deutschland über alles" marschierte man zurück zum Klubhaus, wo der Kommers begann. Unter Absingen gemeinschaftlicher Lieder verlief der Kommers in fröhlicher Stimmung.

Am Vogelsberg ist bei 6 Grad Kälte neuerdings (30. März 1914) wieder starker Schneefall eingetreten. Auf dem Hoherodskopf und im Oberwald ist die Schneedecke 25-30 Zentimeter hoch, sodaß Gelegenheit zu jeder Art von Wintersport geboten ist.

(Grünberger Anzeiger, März 1914)

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24. März 1914

Meldungen 1914

Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden dem Nachmittagskonzert der Großh. Hofkapelle am Montag, dem 9. März in der Turnhalle zu Schotten beiwohnen. Die Großherzoglichen Herrschaften werden am Montag um 4 Uhr in Schotten eintreffen und voraussichtlich direkt nach der Turnhalle fahren. Nach Beendigung des Konzerts werden ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin den Tee bei Herrn und Frau Kreisrat Dr. Merck einnehmen.
[Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein (* 25. November 1868 in Darmstadt; † 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen) war von 1892 bis 1918 der letzte Großherzog von Hessen. Am 19. April 1894 heiratete Ernst Ludwig auf Schloss Ehrenburg in Coburg seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh (1876–1936), die Tochter seines Onkels Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha und Maria Alexandrowna Romanowa.]

Die Pferdevormusterungen finden statt zu Lardenbach auf der Straße Flensungen-Freienseen in der Nähe der Haltestelle Weickartshain am Samstag den 25. April vormittags 10 1/4 Uhr für die Gemeinden Klein-Eichen, Solms-Ilsdorf, Flensunger Hof und Lardenbach. Jeder Pferdebesitzer ist verpflichtet, seine sämtlichen Pferde zur Musterung zu gestellen, mit Ausnahme der unter vier Jahre alten Pferde; der Hengste; der Stuten, die hochtragend sind und Vollblutstuten. Desweiteren Pferde, die auf beiden Augen blind sind; Pferde, die in Bergwerken dauerhaft unter Tage arbeiten; Pferde, die wegen Erkrankung nicht marschfähig sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nicht verlassen dürfen; Pferde, die bei einer früheren abgehaltenen Musterung als kriegsunbrauchbar bezeichnet worden sind.

Für den Kreis Schotten ist nachstehende den Schutz der Hecken, Grasflächen und Raine sowie die Unterhaltung der Garteneinfriedungen betrefende Polizeiverordnung erlassen worden: Das Abbrennen von Hecken, Grasflächen und Rainen ist in der Zeit vom 1. März bis Ende Oktober eines jeden Jahres verboten. Vom 1. November bis Ende Februar eines jeden Jahres ist das Abbrennen nur mit vorher eingeholter schriftlicher Erlaubnis der Ortspolizeibehörde und nur an Werktagen zulässig. Das Abbrennen darf nur bei Tag stattfinden. Das Beschneiden der Hecken und des Buschwerks ist in der Zeit vom 1. März bis Ende September eines jeden Jahres verboten. Die an öffentlichen Wege oder Plätze angrenzenden Garteneinfriedungen sind von den Besitzern stets in ordnungsmäßigem Zustand zu erhalten. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Verordnungen werden mit Geldstrafen bis zu 30 Mark bestraft.

Erledigt. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Lardenbach, Kreis Schotten. Mit ihr ist Organisten- und Vorlesedienst verbunden. Das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Solms-Laubach zu. [Es handelte sich um Wilhelm Reuhl aus Gambach.]

Entlassen wurde aus dem Schuldienst [wegen schwerer Verfehlungen] am 9. Februar 1914 der Lehrer Wilhelm Schmidt zu Lardenbach, Kreis Schotten.

(Grünberger Anzeiger im März 1914)

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14. März 1914

Weidegang

In immer weiteren Kreisen der landwirtschaftlichen Bevölkerung bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass der rationelle Weidegang nicht allein ein unentbehrliches Mittel zur Erhöhung von deren Leistungsfähigkeit ist, sondern auch wesentlich dazu beiträgt, die Viehproduktion zu verbilligen. Infolgedessen kann man Beobachtungen machen, dass nicht allein im oberen Vogelsberg durch die Hutweidemeliorationen große ertagreiche Weideflächen an die Stelle der früheren Ödländereien getreten sind, die jetzt nach den Grundsätzen einer modernen Weidewirtschaft als Gemeinde-Viehweide benutzt werden, sondern auch zahlreiche Einzellandwirte haben auf Anregung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses Privatdauerweiden eingerichtet und benutzen dieselben mit bestem Erfolg.

Um der großen Anzahl von Viehzüchtern, welche sich z. Zt. in ihrer eigenen Gemarkung keine Weidegelegenheit verschaffen können, die Vorteile des Weideganges zugängig zu machen, werden vom Landwirtschaftskammer-Ausschuss in der Provinz 4 Jungviehweiden unterhalten, welche etwa 100 Fohlen und 350 Rinder aufnehmen können. Der Auftrieb beginnt hier in der Zeit von Ende April bis Anfang Mai und endigt anfangs Oktober; der Weidegang dauert also 150 bis 160 Tage und kostet für ein Fohlen 65 und für ein Rind 40 Mk. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug im Jahre 1913 bei Fohlen 74 Kilogramm und bei Rindern 84 Kilogramm.

(Grünberger Anzeiger)

 
26. Februar 1914

Maldungen

Ein sonderbarer Heiliger trieb in den letzten Tagen hier in Lardenbach sein Unwesen. Unter dem Deckmantel eines Büchervertreibers geht er in die Häuser, besonders frommer Familien, und bittet dort, auf den Knien liegend, den lieben Gott, er möge doch den Menschen ein weiches Herz geben, damit sie ihm etwas schenkten. Da er auch durch schlechte Familienverhältnisse Mittleid zu erregen suchte, ist ihm auch manch ansehnliches Geschenk zuteil geworden. Durch sein späteres Verhalten wurde man jedoch mißtrauisch und soll heute morgen (11. Februar 1914) seine Verhaftung in Laubach erfolgt sein.

Das Ersatzgeschäft für 1914 wird stattfinden: Für den Musterungsbezirk Laubach, in dem Gasthaus von Otto Desch in Laubach: Montag den 2. März l. Js. vormittags 9 Uhr: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden: Altenhain, Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg, Schmitten, Sellnrod und Wetterfeld. Die Militärpflichtigen müssen pünktlich um 8 1/2 Uhr im Musterungssaal anwesend sein.

(Grünberger Anzeiger)

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10. Februar 1914

Landwirtschaft und Bergbau

Ein Landwirt aus Weickartshain schreibt einen Leserbrief der im Grünberger Anzeiger am 10. Februar 1914 veröffentlicht wird. Der leider anonyme Schreiber bezieht sich auf einen Artikel über "Arbeitslosigkeit in den Städten, Landflucht und Innenkolonisation": Nach Inbetriebsetzung des Bergwerks in unserer Gemarkung haben die Bodenpreise in unserer Gemeinde eine solche Höhe erreicht, dass eine rentable Bewirtschaftung für den Landwirt längst aufgehört hat.

Denn da bei dem Bau der Seentalbahn schon viele Morgen Acker- und Wiesenland den Landwirten entzogen worden sind, so hat jetzt auch das Bergwerk einen sehr großen Teil unserer Gemarkung nach Lardenbach zu zum Abbauen und zu Schlammteichen im Besitz, und da die Gewerkschaft noch vor kurzem eine neue Seilbahn errichtet und im vorigen Monat in Betrieb genommen hat, welche die Wascherzmassen von den Gruben Ilsdorf und Flensungen, und wie wir hören später auch von Merlau, zum Waschen hierher befördert, so kann es einem wirklich bange werden, wenn man an die Massen von Schlamm denkt, welche unsere besten Äcker und Wiesen einnehmen werden.

Es ist für unsere Landwirte der reinste Ruin, denn bei unserer kleinen Gemarkung, zu welcher auch noch ein großer Teil fiskalischer Wald gehört, ist der Verlust eines jeden Morgen Landes doppelt fühlbar. Nun hat unsere Gemeinde den Versuch gemacht, den zirka 30 Morgen großen Walddistrikt Eisenkaute, welcher vollständig in der Gemarkung, ringsum von Äckern und Wiesen umgeben, liegt, und wodurch den Anliegern großer Schaden zugefügt wird, zu erwerben.

Es ist aber abgelehnt worden, es heißt, der Fiskus gibt von seinem Wald nichts her. Wie verhält es sich jetzt mit dem Landwirt, wenn das Bergwerk eine Fläche Land haben will? Wenn der Landwirt nicht gutwillig hergibt, was das Bergwerk fordert, so heißt es einfach, wenn du nicht willst, so brauch ich Gewalt, es wird das Enteignungsverfahren eingeleitet, und der Landwirt muß mit dem zufrieden sein, was ihm von Taxatoren zugesprochen wird.

Als vor mehreren Jahren das Hofgut Merlau verkauft wurde, da wurden viele Morgen Acker- und Wiesenland, welches noch frisch trainiert war, zu Wald angelegt, weil es der Gemeinde zu viel war. Dieses Gelände ist der Landwirtschaft entzogen. Warum kann man nicht an anderer Stelle, wo es notwendig ist, einige Morgen Land abtreten? Man sollte meinen, der Staat sei an erster Stelle berufen, helfend einzugreifen. Denn was helfen alle Mahnungen und Schreibereien von Innenkolonisation und Festhalten an der Scholle, wenn dem Bauer sein Land weggenommen und ihm keine Gelegenheit geboten wird, anderes zu erwerben.

Da unsere Gemarkung auf drei Seiten von Wald umgeben ist, wovon nichts abgegeben werden soll, und auf der vierten Seite das Bergwerk immer mehr Land an sich zieht, so sehen unsere Landwirte einer recht trostlosen Zukunft entgegen.

(Grünberger Anzeiger)

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05. Februar 1914

Nacheichung

Die in § 11 der Maß- und Gewichtsordnung vom 30. Mai 1908 vorgeschriebene Nacheichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Längen- und Flüssigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und transportablen Handelswaagen unter 3000 Kilogramm soll im Kreise Schotten demnächst beginnen und nach dem untenstehenden Reiseplan durchgeführt werden.

Eichpflichtig sind alle diese Meßgeräte nicht nur im öffentlichen Verkehr, sondern auch im Handelsverkehr, wenn er nicht in offenen Verkaufsstellen stattfindet, sowie in fabrikmäßigen Betrieben, wenn sie zur Ermittelung des Arbeitslohnes dienen. Die Besitzer solcher eichpflichtigen Meßgeräte sind bei Meidung der gesetzlichen Strafe verpflichtet, ihre Meßgeräte, auch wenn sie schon geeicht und noch richtig sind, bei den örtlichen Eichtagen zur Nacheichung vorzulegen.

Ausgenommen sind ganz aus Glas hergestellte Meßgeräte und alle diejenigen, welche bereits das eichamtliche Jahreszeichen 13 oder 14 tragen. Fässer, große oder ortsfeste Waagen können bei örtlichen Eichtagen nicht behandelt werden; sie sind vom Großh. Eichamt in Friedberg besonders zu behandeln. Präzisionsmeßgeräte mit Ausnahme der Apotheken sind dem Großh. Eichamt Gießen einzusenden.

Zur Durchführung der Nacheichung sollen örtliche Eichtage abgehalten werden. Vom Eichamt Gießen: Am 7. Juli in Sellnrod für Sellnrod, Groß-Eichen, Wohnfeld, Höckersdorf, Altenhain, Schmitten, am 9. Juli in Freienseen für Freienseen, Klein-Eichen, Lardenbach, Solms-Ilsdorf (dazu Stockhausen und Weickartshain aus dem Kreis Gießen).

(Grünberger Anzeiger)

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27. Januar 1914

Schulbilder

Wandephotographen haben in verschiedenen Orten der Umgebung, besonders in Schotten, zahlreiche Eltern und Schulkinder betrogen. Sie machten mit Erlaubnis der Lehrer die bekannten Schulaufnahmen ließen sich von den Kindern, die die Bilder bestellten, im Voraus die Konterfeis bezahlen und verschwanden dann auf Nimmerwiedersehen. Da in manchen Dörfern seit Jahren kein Schulphotograph gewesen war, war das Interesse an den Bildern besonders groß. Infolgedessen heimsten die Schwindler in diesen Ortschaften hohe Summen ein.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Januar 1914

Zur Viehzählung

Das Ergebnis der letzten Viehzählung im Großherzogtum Hessen liegt nunmehr vor, berichtet der Grünberger Anzeiger am 20. Januar 1914. Am 1. Dezember 1913 wurden gezählt: 324 488 Stück Rindvieh, 409 372 Schweine, 53 838 Schafe und 142 008 Ziegen. Es bedeutet dies gegenüber der Zählung vom 2. Dezember 1912, also innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr, eine Zunahme von 20 346 Stück Rindvieh, von 72 291 Schweinen, von 5714 Schafen und von 8975 Ziegen. Diese Zunahme ist als eine sehr bedeutende zu bezeichnen.

Der Schweinebestand ist der höchste, der bisher im Großherzogtum festgestellt wurde. Immerhin steht er im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch etwas hinter dem Ergebnis vom Jahre 1907 zurück. Denn damals kamen auf 100 Einwohner 31,1 Schweine, gegenwärtig 30,9. Der Rindviehbestand hat noch nicht die Höhe des Standes vom Jahre 1907 erreicht; schon im Jahre 1897 war sogar die Anzahl des Rindviehs so groß wie heute. Die Schafe, die seit 1873 fast regelmäßig abgenommen haben, weisen eine recht bemerkenswerte Zunahme auf.

Die Zahl der Pferde wurde nicht festgestellt, dagegen sind die Kaninchen zum ersten Male in die Zählung mit einbezogen worden. Es wurden 150 670 Stück ermittelt.

Im Allgemeinen kann man mit dem Ergebnis der letzten Viehzählung recht zufrieden sein, und es ist nur zu hoffen, dass der erfreuliche Fortschritt in der Viehhaltung von Dauer ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
15. Januar 1914

Viehzählung vom 1. Dezember

Am 1. Dezember 1913 hat eine sogenannte kleine Viehzählung stattgefunden. Der Grünberger Anzeiger veröffentlichte das Ergebnis am 15. Januar 1914 (siehe auch 1. Dezember 1913).

Die mit der Aufnahme des Viehbestandes betrauten Personen (Zähler) sind von Haus zu Haus gegangen und haben für jede viehbesitzende Haushaltung gesondert die Anzahl der Tiere in eine Liste einzutragen. Im Hinblick auf die große Bedeutung der Viehzählung für die Volkswirtschaft und besonders für die Frage der Fleischversorgung war das bereitwillige Entgegenkommen gegenüber den Zählern und Ortsbehörden von großer Wichtigkeit.

(Grünberger Anzeiger)

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05. Januar 1914

Bund der Landwirte

Am Montag fand im überfüllten Saale des "Wilden Mann" in Grünberg die diesjährige Bezirksversammlung des Bundes der Landwirte für den Bezirk Grünberg statt. Von nah und fern waren die Teilnehmer herbeigeeilt, äußerst zahlreich war auch die Stadt Grünberg vertreten, sodaß tatsächlich kein Sitzplatz mehr aufzutreiben war.

Herr Landtagsabgeordneter Fenchel eröffnete die Versammlung, begrüßte die zahlreich Erschienenen, insbesondere die Herrn Landtagsabgeordneten Lutz, Korell und Brauer und den Vertreter der Frankfurter Geschäftsstelle Herrn Dr. Pieper.

In kurzen wirkungsvollen Worten schilderte Herr Fenchel die Momente, die zur Gründung des Bundes der Landwirte führten, der jetzt auf eine 20jährige Tätigkeit zurückblicken kann. Die damalige Bewegung war ein Notschrei, veranlaßt durch die Politik Caprinis.

Weit über 300 000 Landwirte und allen anderen Berufen Angehörige seien heute Mitglieder im Bund der Landwirte. Es gelte, fest zusammenzuhalten, denn auch die Gegner seien gewachsen. Der Bund sei nie einseitig gewesen, sondern, stets auch für die Interessen aller anderen Berufe eingetreten.

Herr Landtagsabgeordneter Lutz (Elpenrod), der folgende Redner, sprach über die hessischen Verhältnisse in wirkungsvoller Weise. Wir brauchen im Parlament Männer des praktischen Lebens, die im Landtag die Geschicke mit entscheiden sollen helfen. Das Wahlrecht sei nun ein direktes mit Pluralstimmen, die Zahl der Abgeordneten sei vermehrt, und habe man dafür sorgen müssen, daß der Einfluss des platten Landes nicht geschwächt werde.

Der eine dient mit Kunst, der andere mit Waffen, doch muss der Bauernstand uns Allen Brot schaffen. Mit diesen schönen Worten leitete Herr Dr. Pieper seinen äußerst lehrreichen Vortrag ein. Es gelte, besonders im Interesse des kleineren und mittleren Landwirts, der einen besseren Schutz für Obst, Milch und Rahm, sowie Erzeugnisse des Gartenbaues verlange. Der Leipziger Zusammenschluss sei zu begrüßen:, unser Ziel müsse sein: gegen Umsturz und Demokratisierung.

Nachdem noch weitere Ausführungen verschiedener Redner gehalten waren, schloß Herr Fenchel erst in vorgerückter Stunde die schön verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog.

(Grünberger Anzeiger)

 
03. Januar 1914

Missbrauch

In der gestrigen Strafkammersitzung in Gießen wurde Lehrer Wilhelm Schmidt aus Hartmannshain, der sich an Schulkindern vergangen hatte, zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Lehrer Schmidt wurde vom Freiherrn von Riedesel präsentiert und war von 1905 bis 1913 in der Lardenbacher Volksschule tätig. Ein Opfer soll nach mündlicher Überlieferung die Klein-Eichener Schülerin Emilie Gerbig gewesen sein.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. Dezember 1913

Meldungen

In Oberhessen veranstaltet die Verkaufsstelle des B. d. L. (Bund der Landwirte) in folgenden Orten Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel": 1. Großenbuseck ..., 2. Grünberg ..., 3. Groß-Eichen am Montag 8. Dezember 1913, abends 8 Uhr, im Gasthof des Herrn Friedrich Faust. Leiter der Versammlung ist Herr Landwirt Hch. Krebs. Hierzu sind eingeladen die Ortschaften: Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellnrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden. 2. "Die zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen". 3. Aussprache und Beantwortung von landwirtschaftlich-technischen Anfragen aus der Versammlung.

Der nationalliberale Verein "Seental" hielt gestern (15. Dezember 1913) bei Gastwirt Guth am Bahnhof Weickartshain eine Versammlung ab, die trotz der ungünstigen Zeit und des schlechten Wetters recht gut besucht war. Lehrer Rausch von Burkhardsfelden hielt einen mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag über: "Der Kampf um das Deutschtum in den Ostmarken."

Bei Gelegenheit der großen Viehzählung vom 2. Dezember des vorigen Jahres wurde auch der Verkaufswert des Viehstandes berechnet. Zu diesem Zwecke wurde von Fachleuten der durchschnittliche Wert eines Tieres der einzelnen Viehgattungen geschätzt. Diese Durchschnittswerte stellen sich für das Großherzogtum im Jahre 1912 (bzw. im Jahre 1900 bei der vorletzten Schätzung) wie folgt: Fohlen unter einem Jahre 313 Mk. (210 Mk.), Pferd von 3 bis 4 Jahren 923 Mk. (694 Mk.), Kalb unter 6 Wochen 67 Mk. (41 Kk.), Kuh oder Kalbin über 2 Jahre 474 Mk. (313 Mk.), Mutterschaf 38 Mk. (22 Mk.), Schwein von 1/2 bis 1 Jahr 123 Mk. (67 Mk.), Zuchtsau über 1 Jahr 168 Mk. (99 Mk.), Ziege 26 Mk. (17 Mk.). Bei Beurteilung dieser Wertsteigerung ist zu beachten, dass nicht nur die Preise gestiegen sind, sondern dass sich auch die Qualität der Haustiere gegen früher wesentlich gebessert hat. Der Viehbestand ist seit 1900 eher gefallen als gestiegen. (GA 23.Dezember 1913)

(Grünberger Anzeiger)

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01. Dezember 1913

Amtliche Viehzählung

Die zweite amtliche Viehzählung im Kreis Schotten fand im Dezember 1913 statt. Im Gegensatz zu vor einem Jahr gab es in Klein-Eichen 7 Stück Rindvieh mehr, nämlich nun 222. Im Nachbarort Lardenbach steigerte sich die Zahl des Rindviehs deutlicher. Um 73 Stück nahm dort der Bestand auf 354 zu. Von der Gesamtzahl des Rindviehs gab es in Klein-Eichen 129 Kühe. Und in Lardenbach waren es 203 Kühe.

Die Anzahl der Schweine war in beiden Dörfern nur etwas geringer als die des Rindviehs. In Klein-Eichen waren dies 213 Schweine. Mit darunter 12 Zuchtsauen. Damit hatte auch die Stückzahl der Schweine um 16 zugenommen. In Lardenbach gab es vor 100 Jahren 332 Schweine. Inbegriffen 32 Zuchtsauen.

Schafe und Ziegen gab es, genau wie vor einem Jahr, keine in Klein-Eichen. In Lardenbach zählte man immerhin 21 Ziegen. Neu gezählt wurden auch die Kaninchen. Gemeint sind wohl auch die Stallhasen. Jedenfalls gab es davon nur 22 Stück in Klein-Eichen und ganze 100 in Lardenbach.

Leider wurden keine Zahlen über den Bestand der Pferde und des Federviehs veröffentlicht. Der größte Viehbestand im Kreis Schotten war damals in Ulfa zu finden. Hier gab es 839 Stück Rindvieh und 1080 Schweine.

Von der Landwirtschaft gab es aus dieser Zeit weiterhin zu berichten, dass der Bund der Landwirte in Oberhessen Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel" in mehreren Orten abhielt. So auch am 8. Dezember 1913, abends um 8 Uhr, im Gasthof des Friedrich Faust in Groß-Eichen. Hierzu waren alle Mitglieder des BdL sowie alle interessierten Landwirte und Gartenfreunde aus den Ortschaften Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellenrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen eingeladen.

Referiert wurde über die Zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen. Und da ging es um den Kunstdünger der vor etwas mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Es wurde ein Verfahren gefunden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten »Kunstdünger«. So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.

(Grünberger Anzeiger)

 
27. November 1913

Landflucht und Arbeitslosigkeit

In den verschiedensten Städten haben in den letzten Wochen Arbeitslosenversammlungen stattgefunden, und im Parlament wurde die Frage der Arbeitslosenversicherung wiederholt besprochen. Bei der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse könnte eine solche Versicherung wohl nur örtlich geschaffen werden, wie das von zuständiger Seite aus betont wurde, und wie wir eine solche Versicherung in einzelnen Städten bereits haben. Einer allgemeinen staatlichen Versicherung stehen doch große Bedenken gegenüber. Wohl aber empfehlen sich andere Mittel, um nicht ein Heer von Arbeitslosen in den großen Städten heranwachsen zu lassen.

Ein Weg dazu ist die Verhinderung einer übermäßigen Abwanderung vom Lande in die Großstädte. Es sollen vor allem die landwirtschaftlichen Institute und ländlichen Fortbildungsschulen darauf hinwirken, die ländliche Jugend zur Ansässigkeit zu veranlassen. Diesem Zweck könnten auch die Winterschulen dienen, nur dürften sie dann nicht in Städten eingerichtet werden, in denen die jungen Leute das ganze jammerhaft tiefe Niveau großstädtischer Vergnügung zu sehen und zu kosten bekommen.

Im Zusammenhang mit dieser Frage hat man Mittel erhöht, welche der Förderung der Rückwanderung deutscher Auswanderer dienen. Es geht ja entschieden durch unsere Zeit bei allem Großstadtrausch doch ein Zug der Sehnsucht nach den heimlichen Reizen und Schönheiten des Landlebens. Es muß auch von unseren ländlichen Gemeinderäten alles getan werden, um diese Regungen zu verstärken: Förderung des Heimatsinnes, ländliche Wohlfahrtspflege, z. B. jetzt für den Winter Anlagen von Schlitten und Schlittschuhbahnen, Pflege einer einfachen, schlichten, kernigen Lebensweise, damit in unseren Dörfern wieder ein leiblich und geistig gesundes Geschlecht aufwächst, das Freude hat an seiner Scholle und nicht dem Phantom schnellen Reichwerdens und abstumpfender Vergnügungssucht nachjagt und dabei der Arbeitslosigkeit und Verarmung und dem sittlich-religiösen Bankrott verfällt.

(Grünberger Anzeiger)

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22. November 1913

Meldungen

Durch das schon fast 14 Tage anhaltende Regenwetter im Vogelsberg scheinen nun (22. November 1913) die allgemeinen Klagen über Wassermangel zu verstummen. Die Bäche führen eine vier- bis fünffache Menge Wassers ab wie vor dem Regenwetter. Alle tiefer gelegenen Stellen, Gräben usw. sind mit Wasser angefüllt. So mancher Wiesengrund gleicht einem See.

Die Reichspostverwaltung richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit die Paketmassen sich in den letzten Tagen vor dem Feste nicht zu sehr zusammendrängen, wodurch die rechtzeitige Bestellung in Frage gestellt wird. Die Pakete sind besonders fest und dauerhaft zu verpacken und die Adressen deutlich zu schreiben und fest aufzukleben. Der Name des Bestimmungsortes muss recht groß und kräftig geschrieben sein.

Am 1. Dezember d. Js. hat eine sogenannte kleine Viehzählung stattzufinden. Um die Viehbesitzer sowohl wie die Gemeindebehörden tunlichst wenig zu belasten, wird die Aufnahme des Viehbestandes so einfach wie möglich gestaltet. Die mit der Aufnahme betrauten Personen (Zähler) werden von Haus zu Haus gehen und den Viehbestand, für jede viehbesitzende Haushaltung gesondert, in eine Liste eingetragen. Im Hinblick auf die große Bedeutung der Viehzählung für die Volkswirtschaft und besonders für die Frage der Fleischversorgung ist es dringend zu wünschen, daß die Viehbesitzer das Zählgeschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen gegenüber den Zählern und Ortsbehörden möglichst erleichtern und durch gewissenhafte vollständige Beantwortung der an sie gestellten Fragen zu dem Gelingen der Zählung beitragen.

Zum Geburtstag Gr. Hgl. Hoheit des Großherzogs wurden u. a. verliehen: Das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem ..., das Ritterkreuz 2. Klasse dieses Ordens dem Postmeister Rechnungsrat Franz Schmidt in Grünberg, das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone dem ..., das silberne Kreuz dieses Ordens den ..., das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift "Für langjährige treue Dienste" dem Gemeinderatsmitglied Heinrich Becker zu Weickartshain, dem Gemeinderechner Wilhelm Hofmann zu Klein-Eichen, dem ..., das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift "Für Verdienste" den Vorsitzenden der Kriegervereine zu Freienseen Johannes Heinrich Reichert und zu Weickartshain Johannes Schmidt, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift "Für treue Dienste" dem Polizeidiener Reinhard Faust zu Groß-Eichen, dem Polizeidiener Kaspar Jantsch zu Lehnheim, dem Kirchendiener Heinrich Jung zu Freienseen, dem Förster Georg Tröller zu Weickartshain, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift "Für treue Arbeit" den Waldarbeitern Konrad Bachmann zu Freienseen und Christian Becht zu Gonterskirchen, dem Kreisstraßenwart Wilhelm Hahn zu Lehnheim, den Waldarbeitern Wilhelm Orth und Johs. Walter zu Freienseen, die silberne Verdienstmedaille des Ludwigordens den Hebammen ... [Wilhelm Hofmann - heute Haus Zabel.]

Die Auszahlung und Beischreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht: Dienstag, den 16. Dezember für die Orte Ilsdorf, Kesselbach, Klein-Eichen und Münster; nachmittags von 2 bis 4 Uhr für Grünberg.

(Grünberger Anzeiger)

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4. November 1913

Ortskrankenkasse

Die am 1. Januar 1914 in Wirksamkeit tretende allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Schotten ist in 5 Sektionen mit den Geschäftsstellen in Schotten, Laubach, Gedern, Ulrichstein und Eichelsdorf eingeteilt worden. Die Sektion Laubach umfasst die Gemeinden: Laubach, Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Ruppertsburg, Solms-Ilsdorf, Wetterfeld und die Waldgemarkung Laubach.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Oktober 1913

Meldungen

Von dem Vertrauensmanne des Vogelschutzvereins war im Herbst 1912 darauf hingewiesen worden, daß die Hausbesitzer keine Schwalbennester an ihren Häusern duldeten und behaupteten, die Schwalben brächten Wanzen in die Häuser. [...] die Tiere sind nicht imstande, sich in den Betten der Menschen einzunisten und bleiben in ihren Nestern oder verbreiten sich auf andere Nester, wie auch z. B. der Hühnerfloh nicht an den Menschen geht. [...] So würden auch Schwalbenwanzen ganz von selbst wieder verschwinden. Es ist deshalb zwecklos, die Schwalbennester aus unbegründeter Furcht zu vernichten; ja es wäre sogar gänzlich verkehrt, die Nester abzustoßen.

Die vom Großh. Oberversicherungsamt mit Wirkung vom 1. Januar 1914 festgesetzten Ortslöhne in der Provinz Oberhessen, veröffentlicht im Grünberger Anzeiger am 18. Oktober 1913:
Der Ortslohn gewöhnlicher Tagesarbeiter beträgt im Bezirk Schotten für Versicherte über 21 Jahre männl. 2,60 Mark und weibl. 2,00 Mark. Versicherte von 16-21 Jahren männl. 2,20 Mark und weibl. 1,50 Mark. Versicherte unter 16 Jahren männl. 1,50 Mark und weibl. 1,20 Mark.

Zur Ableistung des Verfassungseides ist Termin anberaumt: Freitag den 31. Oktober l. Js., vormittags 9 1/2 Uhr, in dem Rathaus zu Laubach für die Gemeinden Freienseen, Groß-Eichen, Gonterskirchen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld.

(Grünberger Anzeiger)

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03. Oktober 1913

Aus der Pfarrei Groß-Eichen

Getauft wurde am 29. August 1913 dem Landwirt Ernst Faust in Klein-Eichen ein Sohn Georg, geboren am 28. August 1913. Und am 31. August getauft wurde dessen Zwillingsbruder dem Landwirt Ernst Faust in Klein-Eichen ein Sohn Adolf, geboren am 28. August. Am 26. Oktober getauft wurde dem Landwirt Karl Rahn in Klein-Eichen ein Sohn Emil, geboren am 20. Oktober 1913.

Beerdigt wurde am 31. August 1913 Georg Faust, Söhnchen des Landwirts Ernst Faust in Klein-Eichen, 2 Tage alt, starb dieser am 29. August. Am 3. Oktober beerdigt wurde der Zwillingsbruder Adolf Faust, Söhnchen des Landwirts Ernst Faust in Klein-Eichen, er war 1 Monat und 3 Tage alt als er am 1. Oktober 1913 starb.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. September 1913

Auszug aus dem Kirchenbuch

Am 11. September wird im Grünberger Anzeiger aus dem Kirchenbuch Groß-Eichen "Getauft", "Getraut" und "Beerdigt" veröffentlicht: Am 16. Februar 1913 wird dem Landwirt Wilhelm Högy in Klein-Eichen sein am 5. Januar geborener Sohn Otto getauft. Und am 24. März 1913 wird dem Bergmann Otto Hofmann in Klein-Eichen eine Tochter Erna, geboren am 16. Januar getauft.

Beerdigt wird in Klein-Eichen am 21. April 1913 Landwirt Konrad Felsing, er starb am 19. April und wurde 39 Jahre 9 Monate alt. Am 27. April 1913 wird Landwirt Heinrich Felsing 2r in Klein-Eichen beerdigt, er starb am 25. April und wurde 46 Jahre 2 Monate alt.

(Grünberger Anzeiger)

[Otto Högy ist der Großvater von Axel Roth, Erna Hofmann ist die Mutter von Elke Rühl, Konrad Felsing ist der Großvater von Annelore Roth, Heinrich Felsing ist der Großvater von Lina Lein (2. Ehefrau von Ernst Lein)]

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26. August 1913

25 Jahre Pfarrer in Lardenbach

Gestern abend (26. August 1913) fand in Lardenbach eine seltene und schöne Feier statt. Es war der Tag, da vor 25 Jahren Herr Pfarrer Weinberger in hiesiger Gemeinde als Seelsorger in sein Amt trat. Die Gemeinde hat es sich nicht nehmen lassen, dieses Tages in einer Feier zu gedenken, trotzdem der Jubilar den Tag nur in aller Stille vorübergehen lassen wollte.

Abends gegen 1/2 9 Uhr bewegte sich ein Fackelzug von der Bürgermeisterei nach dem Pfarrhaus. Hier wurde die Feier durch den Choral: "Lobe den Herren, o meine Seele" eröffnet, worauf der hiesige Kirchenchor, dessen Präsident der Jubilar schon sehr lange ist, das Lied "Freundschaft und Liebe" anstimmte. Darauf hielt Herr Lehrer Schmidt eine kurze Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars während seiner Wirksamkeit hervorhob und zum Schlusse den Wunsch aussprach, der Gefeierte möge noch lange als Seelsorger in hiesiger Gemeinde tätig sein.

Sodann überreichte Herr Bürgermeister Lein im Namen der Gemeinde einen Ruhesessel und Herr K. Keil für den Kirchenchor das Bild der Königin Luise als Geschenk. Auch die Schüler widmeten ihrem Relogionslehrer eine schöne Gabe.

Herr Pfarrer Weinberger war sehr gerührt und dankte allen in bewegten Worten. Nur durch Gottes Gnade sei ihm eine solche segensreiche Wirksamkeit beschieden gewesen. Eintracht und Liebe, wie es in dem vorgetragenen Liede hieß, sollen auch ferner Pfarrer und Gemeinde mit einander verbinden.

Die Feier schloß mit Chor- und Choralgesang. Die Schüler erhielten zum Schlusse Brezeln und anderes Gebäck. Orts- und Kirchenvorstand, sowie der Kirchenchor wurde nach der Feier zu einem Gläschen Wein eingeladen,

(Grünberger Anzeiger)

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16. August 1913

Steuererträgnisse

Die 54 Gemeinden des Kreises Schotten zahlen im Rechnungsjahr 1913 die Summe von rund 160 000 Mark Staatssteuer. An der Spitze steht Schotten mit 21 000 Mark. Die Gesamtsumme an Gemeindesteuer beträgt für die 54 Gemeinden rund 400 000 Mark. Schotten erhebt 45 000 M., Laubach 31 000 M., Gedern 30 000 M., Ulfa 14 200 M., Eichelsdorf 13 000 M., Ober-Schmitten 12 000 M., Eichelsachsen 11 500 M., Ulrichstein 11 000 M., Ober-Seemen 11 000 M., Ruppertsburg 9000 Mark.

In Bezug auf die Höhe des Prozentsatzes stehen an der Spitze: Schmitten mit 248,9, Glashütten mit 236 und Kölzenhain mit 213 Prozent, am günstigsten stehen: Freienseen mit 26,7, Lardenbach mit 68,8, Ruppertsburg mit 74, Michelbach mit 71 und Wetterfeld mit 76,6 Prozent.

(Grünberger Anzeiger)

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06. Juli 1913

Volksfest auf dem Hoherodskopf

Unter überaus zahlreicher Beteiligung aller Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs und der Bevölkerung des Vogelberges fand am Sonntag das altherkömmliche Volksfest auf dem Hoherodskopf statt, das bei dem wider Erwarten herrlichen Wetter einen prächtigen Verlauf nahm.

Die Festleitung hatte in diesem Jahre die Sektion Ulrichstein in Händen. An Stelle des leider gesundheitlich verhinderten Vorsitzenden Dr. Bruchhäuser hielt Pfarrer Helwig (Ulrichstein) die Festrede, die unter dem reichsten Beifall aller Teilnehmer mit einem begeisterten "Frisch auf!" auf den Protektor des Vogelsberger Höhenklubs, Großherzog Ernst Ludwig, ausklang.

Auf der schönen freien Halde des Hoherodskopfes fanden dann Jugendspiele statt, bei denen das kleine Volk dann eifrig um die Preise rang. Aeußerst orginell war ein Verkaufsstand, in dem echter Ulrichsteiner in Krüglein kleineren und größeren Maßes von holder Hand zum Kauf angeboten wurde.

(Grünberger Anzeiger)

 
29.6., 6. Juli 1913

Preisschießen in Ilsdorf

Das Preisschießen, welches der Kriegerverein Ilsdorf alljährlich veranstaltet, wurde an den beiden letzten Sonntagen (29. Juni und 6. Juli 1913) abgehalten. Es erfreute sich eines recht zahlreichen Besuches aus der näheren und ferneren Umgebung. Abgegeben wurden an beiden Tagen über 2000 Schüsse. Die Schießergebnisse waren teilweise ganz hervorragend.

Am 1. Tage erhielt den ersten Preis mit 36 Ringen, Herr Jakob Zeiler (Stockhausen), der als der beste Schütze der Umgegend gilt. Den 2., 3., 4. 5., Preis mit 35 Ringen erhielten die Herren Sergant Rühl (Gießen), Hermann Reitz (Mücke), Lehrer Schmidt (Lardenbach) und Joh. Zeiler (Ilsdorf). Im ganzen wurden am 1. Tage 30 Preise verteilt, wobei nur noch die Ringzahl 32 in Betracht kam.

Am letzten Sonntag erhielten die ersten Preise mit 35 und 34 Ringen die Herren Musketier Bast (Gießen), Otto Stühler (Ilsdorf), Jak. Zeiler (Stockhausen), Karl Jüngst (Ilsdorf), Joh. Zeiler (Ilsdorf) und Friedrich Schneider (Ilsdorf). 43 Preise wurden verteilt und konnte nur noch die Ringzahl 32 berücksichtigt werden. Die Preise wurden in bar ausbezahlt, sie betrugen nahezu 250 Mark.

Außerdem wurden vier prächtige Ehrenscheiben geschossen. Die glücklichen Sieger waren die Herren: Otto Biedenkapp (Solms-Ilsdorf), Otto Nickel (Stockhausen), Eugen Jüngst (Ilsdorf) und Otto Hahn (Flensungen). Geschossen wurde mit Modell 71-84. Die Gewehre sind direkt von der Kammer, noch neu und durch Waffenmeister Theiß (Ilsdorf) in tadelloser Verfassung gehalten. Doch beabsichtigt der Verein, dieselben im nächsten Jahre gegen Modell 88 umzutauschen.

(Grünberger Anzeiger)

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25. Juni 1913

Dekanatssynode

Am Mittwoch tagte, wohl als die erste des Jahres, die Dakanatssynode des Dekanats Grünberg in dem uralten Kirchlein des durch den Kalendermann bekannt gewordenen Veitsberg. In dem Gottesdienst hielt Pfarrer Hofmann (Winnerod) die Liturgie, wobei die Schulkinder unter Leitung des 1. Lehrers, Herber, mehrmals sangen, darunter das schöne Lied "Näher, mein Gott, zu Dir". Die Predigt hielt Pfarrer Staubach (Groß-Eichen, zusammen mit Klein-Eichen schon immer Teil des Dekanats Grünberg).

Die anschließende Synode begann, unter dem Vorsitz von Dekan Röschen (Freienseen), mit den üblichen geschäftlichen Verhandlungen. Bei den Wahlen wurden die seitherigen Mitglieder des Dekanatsausschusses wiedergewählt, Pfarrer Georgi (Ermenrod), Pfarrer Scriba (Wetterfeld), Pfarrer Heuser (Nieder-Gemünden), Alt-Bürgermeister Zimmer (Grünberg), Bürgermeister Schmidt (Queckborn).

Der Dekanatserziehungsverein zählt 189 Zöglinge. Den Vortrag hielt Pfarrer Steiner (Deckenbach) über "Inwiefern birgt das weltliche Vereinswesen Gefahren für das kirchliche Gemeindeleben in sich, und wie kann diesen Gefahren seitens der Organe der Einzelgemeinde begegnet werden?" Bei voller Anerkennung der Berechtigung des Vereinswesens schildert der Vortragende die Gefahren und deren Bekämpfung. Diese besteht hauptsächlich in der Aufgabe, die Befriedigung der berechtigten Geselligkeit in ein nesseres Bett zu lenken und dem unheilvollem Alkoholismus zu wehren.

Das wahre Glück ist Freude in Gott. Bürgermeister Schmidt (Queckborn) sprach als Koreferent, seine Zustimmung aus und gab einige Ergänzungen. In der Besprechung wurden Volksfeste, Spielplätze u. a. empfohlen.

Sodann berichtete der Landessynodale Pfarrer Wagner /Darmstadt) über die wichtigsten Verhandlungen der Landessynode. Es war schon 1/2 3 Uhr vorüber, als die Synode geschlossen wurde. Bei dem folgenden gemeinsamen Mahle überreichte Pfarrer Siebeck (Merlau) dem zuletzt Genannten, als Erinnerung an das Dekanat, das er von 1901-1912 geführt, eine Gabe der Dekanatsgeistlichen, Photographien aller Kirchen des Dekanats, in schöner Mappe. Sichtlich bewegt dankte Pfarrer Wagner.

(Grünberger Anzeiger=

 
23. Juni 1913

Regierungsjubiläum

In erhebender Weise wurde gestern (23. Juni 1913) in Lardenbach das 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaiser gefeiert. Es war geplant, die Festlichkeit im Walde abzuhalten, doch das vorangegangene Regenwetter ließ dies nicht zu.

Ein stattlicher Festzug, voran die Schüler mit ihren Fähnchen und der Kriegerverein mit Fahne, bewegte sich um 2 Uhr (14 Uhr) durch das Dorf nach dem Saale der Diehlschen Gastwirtschaft.

Nach kurzer Begrüßung wechselten hier Gesänge des Kirchenchores, der Schüler und Deklamationen (kunstvoller Vortrag) derselben miteinander ab. Herr Pfarrer Weinberger hielt eine begeisternde Ansprache, in welcher er die Verdienste unseres Kaisers während seiner 25jährigen Regierungszeit besonders hervorhob. Sein Hoch galt unserem erhabenen Herrscher, dem Friedenskaiser.

Eine weitere Ansprache hielt Herr Lehrer Schmidt, der besonders der großen Zeit vor 100 Jahren gedachte und sie als Vorbild für die Jetztzeit, besonders für die Jugend sehr warm empfahl. Gerade an die letztere wandte er sich mit mahnenden Worten, stets eingedenk zu sein der großen Opfer, die einst unsere Väter dem Vaterlande dargebracht hatten.

Der Redner schloß mit einem Hoch auf Heimat und Vaterland. Nachdem das Programm sich in schöner Weise abgespielt hatte, blieb man noch einige Stunden in geselliger Weise beisammen.

(Grünberger Anzeiger)

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01. Juni 1913

Gewitter

Heute (1. Juni 1913) unternahm der Lardenbacher Kirchengesangverein unter seinem Dirigenten, Herrn Lehrer Schmidt, seinen diesjährigen Ausflug. Obgleich der Himmel wegen des starken Gewitterregens in der vorausgegangenen Nacht am Morgen ein recht trübes Gesicht zeigte, so gestaltete sich das Wetter am Mittag doch noch recht schön. Die Bahnfahrt ging vorerst nach Nieder-Gemünden. Von hier begann der Weitermarsch durch prächtigen Wald über Wäldershausen nach Homberg a. d. Ohm. Der Himmel hatte sich geklärt und man hatte hier eine schöne Fernsicht. Nach kurzer Rast und Stärkung im "Frankfurter Hof", ging es bei herrlichem Sonnenschein über Ober- und Nieder-Ofleiden nach Schweinsberg. Leider wurde hier nicht gestattet, das Schloß mit seinen Anlagen zu besichtigen.
Nach kurzer Wanderung über Rüdugheim kam man endlich am Fuße der Amöneburg, dem gesteckten Ziele, an. Hier begann der Aufstieg nach dem Felsenstädtchen, wie ihn wohl die wenigsten Teilnehmer bisher gemacht hatten. Auf dem sehr steilen Wege aufwärts konnten auch die schönen Basaltbrüche mit ihren hohen Steinsäulen besichtigt werden. In der Gartenwirtschaft des "Deutschen Hauses" wurde Einkehr gehalten. Nach dem hier für das leibliche Wohl gesorgt war, wurden die alten Klosterüberreste, die Kirche und sonstige Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen. Die Fernsicht war leider durch die sich trübende Luft etwas gehindert. Im Saale des genannten Gasthauses wurde nun der wohl empfundenen Ruhe gepflegt und auch tüchtig gesungen. Es gesellte sich bald eine große Zuhörerschar dazu, und deren lebhafter Beifall zollte den Sängerinnen und Sängern ihren Dank und bewies, daß die vorgetragenen Lieder einen guten Eindruck hinterließen.
Ein herannahendes Gewitter mahnte zum Aufbruch. Noch rechtzeitig, ehe der Himmel seine Schleusen öffnete, erreichte man die Bahn, die die Wanderer unter heftigem Donnern, Blitzen und Regen über Nieder-Gemünden nach Mücke brachte. Hier konnte man noch die Brandstätte des leider durch Blitzschlag eingeäscherten Sägewerks Mücke besichtigen. Um 10 Uhr (22 Uhr) wurde die letzte Fahrt nach Bahnhof Weickartshain angetreten. Ein jeder ging mit dem Bewußtsein nach Hause, einen schönen, an sehenswürdigen Genüssen reichen Ausflug gemacht zu haben.

Reich an Gewittern ist das diesjährige Frühjahr und besonders zahlreich beschieden waren sie unserer Gegebd (Laubach, Grünberg) am gestrigen Sonntag Nachmittag (1. Juni 1913). Rundum bewölkte sich der Himmel gegen 5 Uhr (17 Uhr) und nicht lange dauerte es, bis die Schleußen des Himmels sich öffneten und bei unaufhörlichem Blitzen und Donnern während zwei Stunden große Wassermassen zur Erde niederströmten, glücklicherweise ohne Begleitung des erntegefährdenden Hagels.

Das gestrige (1. Juni 1913) Gewitter hat in hiesiger Gegend furchtbar gehaust. In Ulrichstein hat es drei-, in Ober-Seibertenrod zweimal eingeschlagen. In letzterem in dieselbe Hofreite, wo es voriges Jahr eingeschlagen hatte. In Höckersdorf und Groß-Eichen schlug der Blitz je einmal ein. Glücklicherweise ist kein Brand entstanden. In Klein-Eichen zerschmetterte der Blitz eine Eiche ganz in der Nähe eines Hauses.

In dem Sägewerk "Oberhessische Holzindustrie" in Mücke entstand gestern (1. Juni 1913) nachmittag während eines heftigen Gewitters durch Blitzschlag ein Brand, der das Werk zum größten Teil in Asche legte. Dem Feuer fielen die mittlere Sägehalle, in der die Sägewerksmaschinen standen, und die Schreinerei mit den Maschinen zum Opfer. Verschont blieben die hintere Holzhalle und der vordere Holzplatz. Der ziemlich bedeutende Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Der Betrieb soll baldmöglichst wieder aufgenommen werden.

Bei dem furchtbaren Gewitter, das gestern (1. Juni 1913) nachmittag in Nordeck tobte, schlug es viermal ein. In drei Häusern schlug es in die Küche und zerstörte die elektrischen Leitungen. Eine Frau, die am Herde stand, wurde ohnmächtig, konnte sich aber bald wieder erholen.

(Grünberger Anzeiger)

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14. Mai 1913

Laubacher Stift 1913

Ein großer Segen für Laubach und die ganze nahe und weitere Umgegend ist das hiesige Johann-Friedrich-Stift. Welch segensreiche Tätigkeit diese Anstalt im verflossenen Jahre geleistet hat, möge aus nachstehenden Zahlen erhellen. Beschäftigt waren 5 Schwestern, von denen 1 im Krankenhaus, 2 im Siechenhaus, 1 in der Gemeindepflege und 1 in der Kleinkinderschule tätig waren.

Die Zahl der Kranken im Krankenhause betrug 73 mit 4046 Pflegetagen und 22 Nachtwachen. Die Schwester, welche mit der Gemeindekrankenpflege betraut ist, besuchte im Laufe des Jahres 94 Familien, denen in Krankheit und Armut gedient wurde mit 1764 Armen- und Krankenbesuchen, wobei 4 Tag- und 15 Nachtwachen geleistet wurden. Der Jungfrauenverein, welche diese Schwester ebenfalls leitet, war von 22 Jungfrauen besucht, während in der Kleinkinderschule von der fünften Schwester 50 Kinder gehütet wurden.

(Grünberger Anzeiger)

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29. April 1913

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Im Grünberger Anzeiger vom 29. April 1913 erschien folgende Anzeige:

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20. März 1913

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Im Grünberger Anzeiger vom 20. März 1913 erschien folgende Anzeige:

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15. März 1913

Achtung der Kommunalinteressen

Die Militärverwaltung will bei der Durchführung der neuen deutschen Militärvorlage, welche jährlich 68 000 Mann mehr Soldaten und eine Neubeschaffung von 30 000 Pferden für sechs weitere Kavallerie-Regimenter und für Zwecke der Artillerie fordert, die kleineren Garnisonen, das heißt die Zuweisung begrenzter Truppenteile an bisher garnisonlose Mittel- und Kleinstädte, mehr als bisher berücksichtigen.

Was militärisches Leben für eine Stadt bedeutet, braucht nicht erst groß auseinandergesetzt zu werden, die Träger des bunten Rocks bringen erhöhten Geldumlauf und fröhlicheren gesellschaftlichen Verkehr. Darum sind der in dieser Beziehung laut gewordenen Wünsche sehr zahlreiche, und wo dieselben erfüllt werden sollen, wird schnelle Entschlossenheit erforderlich sein. Denn ganz ohne Beihilfe aus dem Kommunensäckel werden die neuen Garnisonen kaum zu erhalten sein, daß sich die Anlage lohnt.

Nun kommt bei der gegenwärtigen Erhöhung der Friedensstärke noch ein besonderer Umstand in Betracht, die zahlreichen Offiziers-Neueinstellungen. An Wohngelassen, welche für Offiziere geeignet sind, besteht nicht gerade in solchen Städten, die für eine neue Garnison in Frage kommen könnten, Ueberfluß, es eröffnen sich für den Grundstücks- und Baumarkt also gute Aussichten.

Neue Häuser bedeuten neue Straßen, neue Straßen neue städtische Einnahmen. Schon im Hinblick darauf muß an die Vertretung solcher Garnison-Interessen herangegangen werden. Ueberhaupt macht die neue Vorlage ganz bedeutende bauliche Anforderungen nötig; man denke nur an die Kasernenerweiterungen und an die Unterbringung der oben erwähnten 30 000 Pferde.

Die Pferdepreise, die freilich noch niemlas niedrig waren, werden angesichts dieser Wertschätzung auch in die Höhe gehen, und an eine Zeit, wo das letzte Roß durch ein Automobil ersetzt sein wird, ist kaum zu denken. Im Gegenteil wird sich die Pferdezucht immer lohnender gestalten.

(Grünberger Anzeiger)

 
10. März 1913

Vereinswanderung

Von prächtigem Wetter begünstigt, stand gestern die erste diesjährige Vereinswanderung des Mückener Zweigvereins des V.H.C. statt, zu der sich 15 Teilnehmer zusammengefunden hatten.

Die Wanderung begann unter Führung von Hallstein und Jüngst um 1 Uhr in Mücke und führte über Ilsdorf, Groß-Eichen und Höckersdorf nach Sellnrod. Hier wurde bei Gastwirt Heinz eine kurze Rast gemacht.

Nachdem man sich an einem vorzüglichen Kaffee, der überdies noch den Vorzug großer Billigkeit hatte, erquickt hatte, wanderte man weiter über Klein-Eichen nach Stockhäuser Hof, dem Endziel der Wanderung.

Hoffen wir nun, daß die folgenden Wanderungen sich einer immer steigenden Beteiligung zu erfreuen haben, damit neben der Pflege der Geselligkeit auch das andere Hauptziel unseres V.H.C., die Weckung des Wandersinns und froher Wanderlust, immer mehr zu seinem Rechte komme.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Februar 1913

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Im Grünberger Anzeiger vom 15. und 25. Februar 1913 erschienen folgende Anzeigen:

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6. Februar 1913

Rechner in Lardenbach

Heinrich Schneider zu Lardenbach ist zum Rechner für die Gemeinde und Kirche Lardenbach ernannt, verflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Januar 1913

Grube "Luse"

Die Ausbeutung der Grube "Luse" an Eisensteinen bei Isdorf dürfte bald erschöpft sein. Umso größere Lager von Eisensteinen besitzt die Gesellschaft in der Nachbargemeinde Lardenbach und Stockhausen.

Ein neues Eisensteinlager in der Gemarkung Ilsdorf hat die Eisensteingesellschaft Grube "Luise" erworben. Da der Boden hier mit Jungwald bewachsen ist, sollen drei Morgen Wald abgetrieben werden. Gegenwärtig werden die Fundamente für die zu erbauende Drahtseilbahn gegraben.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
14. Januar 1913

Pfennigsparkasse

Die Pfennigsparkasse in Lardenbach, welche vor einigen Jahren durch Herrn Lehrer Schmidt ins Leben gerufen wurde und die auch durch denselben verwaltet wird, hat bis dahin (14. Januar 1913) als Einlage, meistens von den Schülern und Fortbildungsschülern, die hübsche Summe von 7000 Mark erreicht. Außerdem sind aber auch schon über 1000 Mark wieder zurückbezahlt worden, meistens an die Konfirmanden. Es ist dies doch gewiß eine segensreiche Einrichtung, woran die Kinder Gefallen haben, und wodurch diese schon früh zum Sparen angelernt werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. Januar 1913

Viehzählung

Die amtliche Zusammenstellung der Viehzählung am 2. Dezember 1912 im Kreise Schotten weist folgende Ergebnisse auf:

Gemeinde  
   
Pferde
Rindvieh
Schafe
Schweine
Ziegen
Federvieh
Bienenstöcke
Bobenhausen  
33
458
262
366
28
1319
39
Freienseen  
22
413
-
334
59
1473
28
Groß-Eichen  
44
557
116
592
60
2000
43
Solms-Ilsdorf  
3
77
-
61
5
144
-
Klein-Eichen  
16
215
-
197
-
590
6
Lardenbach  
11
281
-
259
21
861
10
Stockhäuser Hof  
7
48
-
45
2
173
8
Unter-Seibertenrod  
19
383
160
284
28
788
19
   

 

Gemeinde  
Schlachtungen
   
Rindvieh
Schafe
Schweine
Ziegen
Bobenhausen  
2
1
132
21
Freienseen  
2
-
149
7
Groß-Eichen  
2
1
242
9
Solms-Ilsdorf  
-
-
26
-
Klein-Eichen  
-
-
67
-
Lardenbach  
-
-
120
4
Stockhäuser Hof  
-
-
13
-
Unter-Seibertenrod  
4
1
128
13
   

Im ganzen Kreis Schotten wurden gezählt: 1823 Pferde, 2 Esel, 19806 Rindvieh, 5656 Schafe, 15359 Schweine, 1817 Ziegen, 59873 Federvieh, 1207 Bienenstöcke. Geschlachtet wurden: 42 Rindvieh, 45 Schafe, 6241 Schweine, 231 Ziegen.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Januar 1913

Wildschaden Ersatz

Für die Jahre 1913, 1914 und 1915 wurden gemäß Gesetz vom 1. Juni 1895 den Ersatz des Wildschadens betreffend für den Bezirk 1 die Sachverständigen gewählt. Die Tätigkeit dieser Kommission erstreckt sich nur auf den Bezitk 1, der aus den Gemarkungen der Stadt Laubach und den Waldgemarkungen Laubach, Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg, Wetterfeld, Lardenbach und Solms-Ilsdorf gebildet wird.

(Grünberger Anzeiger)

 
31. Dezember 1912

Meldungen

Wie schon eine Reihe von Jahren seither, so wird auch dieses Weihnachtsfest wieder am ersten Feiertage abends 6 Uhr in der Lardenbacher Kirche eine Christmette abgehalten werden, wobei der hiesige Schülerchor unter der bewährten Leitung des Lehrers, Herrn Schmidt, mitwirken. Am zweiten Weihnachtstage, abends 6 Uhr führen die Schüler in der Kirche ein Weihnachtsfestspiel in drei Bildern auf, worin Gesänge der Schüler u. Deklamationen abwechseln. Schon mehrere Jahre hat Lehrer Schmidt mit seinen Schülern durch ähnliche schöne Festspiele erfreut.

Eine schöne Ehrung wurde dem langjährigen, verdienten Polizeidiener Heinrich Keller 6r von der Lardenbacher Gemeinde zuteil. Nachdem der alte Kriegsveteran von 1866 und 1870-71 kürzlich von S. Königlichen Hoheit dem Großherzoge für seine mehr als 30jährige Dienstzeit als Ortsdiener das allgemeine Ehrenzeichen für langjährige, treue Dienste erhalten hatte, so überreichte ihm heute der Gr. Bürgermeister einen schönen Ruhesessel zum Weihnachtsgeschenk. Möge der alte Veteran, der trotz seines wechselvollen und arbeitsreichen Lebens noch sehr rüstig und seine Dienstobliegenheiten pünktlich erfüllt, noch recht lange in diesem Sessel von seinen Arbeiten ausruhen.

Eine auswärtige Telegraphenbaukolonne ist zurzeit (Dezember 1912) damit beschäftigt, unmittelbare Fernsprechverbindungen zwischen Grünberg einerseits und den Orten Stockhausen, Weickartshain, Lardenbach, Ilsdorf, Groß-Eichen, Ruppertenrod, Zeilbach und Groß-Felda andererseits herzustellen. Auch mit Hungen soll, wie man hört eine unmittelbare Fernsprechverbindung in absehbarer Zeit hergestellt werden. (Schon seit zehn Jahren, 1902, waren in Grünberg Fernsprecheinrichtungen in Betrieb. Es ist anzunehmen, dass in den Dörfern zuerst die Postämter mit einem Anschluss versorgt wurden.)

Daß sich der Winter bis jetzt von seiner mildesten Seite zeigt, läßt Menschen, Tiere und Pflanzen an der Jahreszeit irre werden. Hätte es nicht im Kalender gestanden, hätte die Freude um den Tannenbaum es nicht verkündet, es sei Winters- und Weihnachtszeit - die Witterung hätte es sicher nicht verraten. Eine Bestätigung des Gesagten bilden auch ein munter trabelnder "Maikäfer", sowie blühende Schneeglöckchen, die im Garten in etwas vorwitziger Weise sich ans Licht gewagt.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
02. Dezember 1912

Viehzählung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. Die Felder wurden immer kleiner und unwirtschaftlicher. Viele Höfe konnten sich gerade noch selbst versorgen. Mancher Bauer hat sich noch andere Arbeit gesucht, meist als Handwerker.

Innerhalb des Dorfes unterschied man die kleine soziale Klasse der Gäulsbauern, die sich Pferde als Zugtiere leisten konnten, von der größeren der Kuhbauern mit weniger Landbesitz und von den Ziegenbauern, die keine Zugtiere hatten. Vor 100 Jahren gab es in Klein-Eichen allerdings keine einzige Ziege. Auch keine Schafe waren zum Ende des Jahres 1912 im Dorf zu finden. Dies belegt eine Viehzählung die am 2. Dezember dieses Jahres im gesamten Kreis Schotten erfolgte. In Lardenbach dagegen waren 21 Ziegen, aber auch keine Schafe vorhanden.

Seit 1874 gehörte Klein-Eichen zum Kreis Schotten. Dieser bestand dann bis 1938. Vor 100 Jahren zählte man etwa 180 Einwohner im Dorf die in 32 Wohnhäuser lebten. Das größere Lardenbach hatte damals ungefähr doppelt so viele Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbstätigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ackerpflug noch von Pferd oder Kuh gezogen, die Saat aus dem Sätuch gesät, die Disteln von Hand gestochen, das Getreide mit der Sense gemäht, die Garben von Frauen eingebunden, die Körner mit dem Dreschflegel ausgedroschen, die Frucht zur Mühle gefahren, das Mehl zu Brot von Hand geknetet, der Backofen angeheizt, usw......
Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um die Ernährung zu sichern. Die Viehhaltung forderte einen großen Anteil der Arbeitszeit, vor allem die Stallpflege und die Aufzucht der Jungtiere. Heu und Grummet, Futterrüben und ein Teil der Getreide- und Kartoffelernte lieferten das notwendige Futter.

Im Gegensatz zu der Einwohnerzahl, hatte Klein-Eichen jedoch mehr Pferde, nämlich 16, als das unmittelbare Nachbardorf mit 11 Pferden. Auch bei der Anzahl des Rindviehs war das Verhältnis von 215 (Klein-Eichen) zu 281 (Lardenbach) nicht so weit auseinander. Das Hausschwein fand sich diesseits des Grenzgrabens 197 mal. Auf der anderen Seite zählte man 259 Stück im Dezember vor 100 Jahren. Bis zum Stichtag geschlachtet wurden im Klein-Eichen 67 Schweine. Mit 120 Schweine-Schlachtungen war der Bedarf in Lardenbach fast doppelt so hoch. Hier spiegelt sich wohl die Einwohnerzahl.

Wichtig für die Grundversorgung war auch das Federvieh. Es gibt nur die eine Zahl 590 Stück. Hier sind bestimmt nicht nur Hühner enthalten, sondern auch Gänse und vielleicht auch Enten und Truthähne. Die Anzahl des Federviehs in Lardenbach betrug 861 Stück. Gezählt wurden damals auch die Bienenstöcke. Und das ergab 6 Stück in Klein-Eichen zu 10 Stück in Lardenbach.

Solche Viehzählungen wurden in Deutschland erstmals 1873 durchgeführt. Seit 1912 sind dann jährliche amtliche Ermittlungen des Viehbestandes eingeführt worden. Der Pferde- und Geflügelbestand wird jährlich, der Rindvieh- und Schafbestand wird halbjährlich ermittelt, für Schweine finden vierteljährliche oder monatliche Zwischenzählungen statt.

Fotos

 
27. Juli 1912

Zeitungs-Meldung

Was so alles in der Zeitung stand! Im Grünberger Anzeiger vom 27. Juli 1912 war diese kleine Meldung zu finden. Leider ist nicht bekannt, wem dieses Missgeschick passierte.

Fotos

 
13. Juli 1912

Pfarrei Groß-Eichen

Aus der Pfarrei Groß-Eichen werden am 13. Juli die zurückliegenden Taufen gemeldet: Am 10. Dezember (1911) dem Landwirt Karl Rahn in Klein-Eichen ein Sohn Ernst, geb. am 5. November; am 24. Dezember (1911) dem Landwirt Wilhelm Högy zu Klein-Eichen eine Tochter Paula, geb. am 21. November; am 28. April (1912) dem Landwirt Ernst Faust in Klein-Eichen eine Tochter Marie, geb. am 31. März.
Laut Zeitungsmeldung sollen am 12. Mai (1912) der Eisenbahnschaffner Ludwig Euler in Klein-Eichen seine Frau Katharina Bär, Tochter des Landwirts Martin Bär aus Groß-Eichen, geheiratet haben.
Am 2. März starb in Klein-Eichen Margarete Römer, geb. Frank (Rüdingshausen), Ehefrau des Landwirts Friedrich Römer mit 72 Jahre 5 Monate 22 Tage alt.

(Grünberger Anzeiger)

 
17. Juni 1912

Unglücksfall

Heute Vormittag ereignete sich im benachbarten (von Lardenbach) Eisensteinbergwerk ein bedauerlicher Unfall, indem ein junger Arbeiter aus Wohnfeld durch herabfallende Gesteinsmassen einen Arm- und einen Beinbruch davontrug. Der Verunglückte wurde in die Klinik nach Gießen überführt.

(Grünberger Anzeiger)

 
12. April 1912

Anzeige im Grünberger Anzeiger

Am 14. April 1912 erschien im Grünberger Anzeiger diese Anzeige. Darin bietet Wilhelm Högy eine Kuh zum Verkauf an. Der Landwirt Wilhelm Högy stammt aus Ruppertsburg und hat 1902 in Klein-Eichen Maria Lein geheiratet. Die beiden hatten 10 Kinder. Einer ihrer Söhne war Otto Högy, der Vater von Gisela Roth.

(Grünberger Anzeiger)

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15. März 1912

Geländeabtretungen

Am Freitag, 15. März 1912, fand in der Diehl'schen Gastwirtschaft in Lardenbach zwischen dem hiesigen Ortsvorstand und der obersten Bergbaubehörde eine Sitzung statt, bei der auch der Großh. Kreisrat von Schotten und die Forstbehörde anwesend waren. Es handelte sich um Geländeabtretungen an die Bergwerksgesellschaft "Luse-Ilsdorf" (in der Gemarkung Lardenbach).

Es fand nach langer Beratung eine Einigung dahin statt, dass die Besitzer ihre Grundstücke an die Gesellschaft für den Preis von 60 Pfg. pro Qudaratmeter verkauften. Vorher waren nur 40 Pfg. dafür vorgesehen. Nach Abbau des Feldes wird daselbe von der Bergbaugesellschaft wieder zu Ackerboden hergestellt.

Die Gemeinde kann das Gelände wieder kaufen den Quadratmeter zu 40 Pfg. Durch diese Einigung ist doch das Enteignungsverfahren erspart geblieben.

(Grünberger Anzeiger)

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28. Februar 1912

Selbstmord

Vergangene Nacht hat sich hier in Lardenbach der 77 Jahre alte Landwirt und Auszügler Johann Konrad Kratz in seinem Zimmer an einem Kleiderschrank vermittels der Strumpfbänder und eines Handtuches aufgehängt. Da er tags zuvor sehr aufgeregt war, so liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß er seine Tat im Zustande geistiger Umnachtung vollzogen hat.

(Grünberger Anzeiger)

 
24. Februar 1912

Grubenunfall

Viele Jahre lang war die Landschaft im vorderen Vogelsberg, von Freienseen bis Nieder-Ohmen, geprägt durch große Eisenerztagebaue. Bis in die späten 1960er Jahre war neben Land- und Forstwirtschaft der Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung. Durch die Entwicklung einer Infrastruktur und der daraus resultierenden kommerziellen Ausbeute der oberhessischen Erzvorkommen, wurde die Not der Landbevölkerung deutlich gelindert. Die Arbeit in der Erzförderung und Aufbereitung stellte eine beachtliche Erwerbsquelle dar. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bis zu 600 Bergleute in den Gruben tätig.

In der Klein-Eichener Gemarkung gab es direkt keine Grube zur Förderung des Eisenerzes. Aber gleich in der Nachbarschaft, wie bei Lardenbach und Stockhausen, wurde im Tagebau aus der Grube Maximus und der Grube Hoffnung Erz gefördert. Erwachsene und Jugendliche arbeiteten dort für einen Durchschnittslohn von 1,60 Mark bis 3,30 Mark pro Schicht. Viele Arbeiter aus den Vogelsbergdörfern mussten bis in das Seenbachtal laufen um hier ihr Auskommen zu finden. Wenn auch für die Grubenarbeiter aus Klein-Eichen der Weg nicht so weit war, so war die Arbeit wohl schwer und auch gefährlich. Wie der "Grünberger Anzeiger" vor hundert Jahren berichtete:

Unglücksfall auf der Eisensteingrube, 1912

Auf der Eisensteingrube bei Stockhausen hat sich ein erschütternder Unglücksfall ereignet, der leider das Leben eines Bergmannes gefordert hat. Es ist dies der Bergmann Georg Gerbig von Klein-Eichen, der früher längere Zeit in Westfalen gearbeitet und erst seit einigen Jahren sich in Klein-Eichen seßhaft gemacht hat, um näher bei seinen Verwandten zu wohnen.

Gerbig war ein fleißiger, strebsamer und geachteter Mann, der sich durch sein freundliches Wesen gar bald die Zuneigung der hiesigen Einwohnerschaft und seiner Mitarbeiter gewann und der auch keine Mühe scheute, die Seinigen, eine Frau mit 4 Kindern, gut und redlich durchzubringen. Er arbeitete, wenn es galt, Tag und Nacht.

Wegen seiner strengen Gewissenhaftigkeit in seinen Arbeiten war ihm schon seit einiger Zeit die Besorgung des Benzinmotors, der in einem Wasserschacht steht und das Wasser herauszupumpen hatte, ganz allein anvertraut worden. Gestern abend (23. Februar 1912) verließ er fröhlich und gesund die Seinigen, die Nachtschicht anzutreten, und heute Morgen 8 Uhr brachte man ihn auf einem Wagen tot als Opfer seines Berufes.

Er wollte, wie seither, das durch den anhaltenden Regen noch vermehrte Wasser mit seinem Motor aus dem Schacht herausschaffen. Er verließ seine Mitarbeiter mit dem Auftrag, wenn er nach einer Stunde noch nicht zurück sei, so solle man nach ihm sehen. Als er aber darauf ungewöhnlich lang ausblieb, so ging man nach ihm, fand aber nichts von ihm. Nach einigem Suchen fand man ihn im Wasser des Schachtes tot vor. Anscheinend ist er beim Absteigen abgeglitten und dann im Wasser ertrunken.

Sehr bedauert wird die trauernde Witwe mit ihren vier noch ganz unmündigen Kindern, die einen solchen braven Mann verlieren mußte. Möge aber nun hier in diesem traurigen Falle die christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit den so schweren und ungeheuren Verlust zu mildern suchen.

(Grünberger Anzeiger

Fotos

 
19. Februar 1912

Veranstaltungen in der Gastwirtschaft

Am gestrigen Sonntag (18. Februar 1912) hielt der Verbandsredner der Kriegerkameradschaft Hassia, Herr Lehrer Keil von Klein-Linden, den beiden Kriegervereinen Lardenbach und Klein-Eichen in der Diehlschen Gastwirtschaft einen recht interessanten Vortrag über das Thema: "Wissenswertes über Marokko, Neu-Kamerun und Tripolis".

Mit großer Aufmerksamkeit folgte die zahlreiche Zuhörerschaft den Ausführungen des Redners, die durch Karten und Bilder noch veranschaulicht wurden. Reicher Beifall wurde ihm am Schlusse gezollt.

Am Montag (19. Februar 1912) fand, wiederum in der Diehlschen Wirtschaft, eine gemeinschaftliche Sitzung der Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen statt, der auch der Großh. Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großh. Kulturinspektion Gießen beiwohnte. Es handelte sich um die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach - Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen.

Schürfungen nach Quellen in der Gemeinde Freienseen waren bisher ohne Ergebnis. Wenn auch kleinere Quellen vorhanden sind, so reicht doch die Wassermenge nicht aus. Da die Quelle der hiesigen Leitung täglich über 200 Kubikmeter liefert, wovon die beiden Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen nur 50 Kubikmeter täglich benötigen, so kann die Gemeinde Freienseen ihren Bedarf an Wasser von hiesiger Gruppe erhalten.

Der Ortsvorstand von Freienseen erbat sich 4 Wochen Bedenkzeit aus. Sodann fand noch eine Besichtigung des Geländes statt, welches durch den neuen Bergwerksbetrieb vor dem Dorfe veräußert werden soll. Die Bergwerkgesellschaft will den Leuten nur 40 Pfg. pro Quadratmeter vergüten, was natürlich den Einwohnern in anbetracht des guten Bodens und der nahen Lage am Orte viel zu wenig erscheint.

Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Besitzer aus genannten Gründen etwas mehr bekämen, damit sich die ganze Angelegenheit auch ohne das Enteignungsverfahren regeln würde.

(Grünberger Anzeiger)

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08. Februar 1912

Jagdverpachtung

Der seitherige Inhaber der Gemeinde-Feld- und Waldjagd hat dieselbe (im Februar 1912) an Herrn Generalagenten Bernhardt von Frankfurt-Sachsenhausen zu dem bestehenden Pachtpreis von 235 RM gegen eine einmalige Abfindungssumme abgetreten. Das Jagdgebiet des neuen Pächters umfasst nun die Gemarkungen: Solms-Ilsdorf, Flensunger- und Stockhäuser-Hof, Klein-Eichen und Lardenbach.

(Grünberger Anzeiger)

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12. Januar 1912

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl 1912 war die Wahl zum 13. Deutschen Reichstag. Sie fand am 12. Januar 1912 statt. Die Stichwahl war am 25. Januar. Es war die letzte Wahl des Reichstags vor dem Ersten Weltkrieg und die letzte im Deutschen Kaiserreich überhaupt.

Auch in den Vogelsbergdörfern wurde damals gewählt. Klein-Eichen gehörte zum Kreis Schotten. Und gehörte demnach auch zu diesem Wahlkreis. Das Wahllokal befand sich wohl beim Bürgermeister. Der war 1912 Christian Hoffmann (heute Haus Loob). Bei 32 Wohnhäusern die es damals im Dorf gab, kann man auch von 32 Familien ausgehen. Wahlberechtigt waren etwas mehr Einwohner. Das Wahlrecht war nämlich allein der männlichen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelungen waren kaum mehr als zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Staat Preußen.

Die Wahlbeteiligung im ganzen Reich lag bei rund 85% und damit etwa so hoch wie bei der Reichstagswahl 1907. Eindeutiger Wahlsieger war die SPD. Sie erhielt etwa 4.250.000 Stimmen (34,8%) und damit so viele wie noch nie zuvor eine Partei bei Reichstagswahlen. Trotz der Verzerrungen durch das Mehrheitswahlrecht und die Benachteiligung durch die seit 1871 unveränderte Wahlkreiseinteilung stellte sie auch zum ersten Mal mit 110 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Nur die Nationalliberale Partei hatte bei den ersten Reichstagswahlen mehr Wahlkreise gewonnen. Zweitstärkste Fraktion wurde das Zentrum mit 91 Abgeordneten, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Konservative und Nationalliberale, die die Regierung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg unterstützt hatten, verloren deutlich an Stimmen und Mandaten.

Der Reichstag war von 1871 bis 1918 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Der Reichstag verkörperte neben dem Kaiser die Einheit des Reiches. Gemeinsam mit dem Bundesrat übte er die Reichsgesetzgebung aus und besaß die Mitentscheidungsgewalt über das Haushaltsgesetz. Allerdings hatte sich der Reichskanzler dem Reichstag gegenüber nicht zu verantworten. Im Jahr 1871 bestand der Reichstag aus 382, ab dem Jahr 1874 aus 397 Abgeordneten, die in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl gewählt wurden. Gewählt wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

Die Wahlen in zu den neun hessischen Wahlkreisen gehörenden Kreisen Gießen-Grünberg-Nidda hatte eine Stichwahl zwischen Dr. Werner und Beckmann (Soz.) zur Folge. Die gewann der Nationalsozialist Ferdinand Werner.

Klein-Eichen wählte im Kreis Schotten. In der Hauptwahl erhielt Beckmann keine Stimmen. Für Erfelenz stimmten zwei und Werner gewann hier mit 36 Stimmen. In der Stichwahl bekam Werner alle 41 Stimmen. Beckmann keine.

Lardenbach gab Friedrich Bindewald (Sohn von Theodor Bindewald) 62 Stimmen und Friedrich Heck (Nationalliberale Partei) 7 Stimmen. (Warum sich die Kandidaten unterscheiden, ist z. Zt. nicht bekannt. Obwohl Lardenbach auch zum Kreis Schotten gehörte, wählte man wohl im Wahlkreis Laubach, wie auch z. B. Freienseen.)

(Grünberger Heimat Zeitung)

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1911

Wasserleitungsbau

Damals, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und noch niemand an den Ersten Weltkrieg dachte, war der Vogelsberg eine karge Region, viele zog es fort, etwa ins Ruhrgebiet, um in den dortigen Zechen Arbeit zu finden. Wer reiste, der nahm die Bahn und deren Streckennetz war damals auch noch dichter im Vogelsberg. Ein übliches Transportmittel war das Fahrrad, wer sich eines leisten konnte, oder man ging auf Schusters Rappen.

Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verbreitete sich der Bau von Wasserleitungen immer mehr auch auf dem Land. Für uns alle ist es selbstverständlich, fließendes Wasser gibt es in jedem Haus und kommt aus dem Wasserhahn.

Aber früher war dies eine technische Neuheit und bis dahin noch nicht selbstverständlich. Vor nun 100 Jahren ist die Wasserleitung in Klein-Eichen und Lardenbach gebaut worden. Das lebenswichtige Wasser holte man bis dahin vom Brunnen vorm Haus. Mit der Hand pumpte man das Nass einige Meter hoch und schleppte volle Eimer in die Küche oder in den Stall zum Vieh.

Nachdem sich der Gemeinderat von Klein-Eichen über die Ausführungen von Wasserleitungen informiert hatte, beschloss dieser am 10. Dezember 1906, dass eine solche "Wasserleitungs-Anlage" für das Dorf gebaut werden sollte. Dabei war der Gemeinderat aber so schlau, dass nämlich die Kosten für vorhergehende Messungen und Untersuchungen, wenn diese denn ohne Erfolg wären, nur zur Hälfte von der Gemeinde zu tragen seien. Die andere Hälfte müsse dann von denjenigen Ortsbürgern bezahlt werden, die eine solche Anlage gewünscht und beantragt hatten.

Daraufhin ist wohl erstmal nicht viel passiert. Denn ein Jahr später, am 15. November 1907, stellt der Gemeinderat fest, dass die Anlage einer "Quellenwasserleitung" nicht ruhen sollte. Sondern auf Antrag der Mehrheit der Bürger sollten weitere Schürfungsarbeiten vorgenommen werden. Diese müssten nach den Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom Dezember 1906 in der Gemarkung Sellnrod, etwa 2 Kilometer von "hier" entfernt vorgenommen werden.

Wieder ging einige Zeit ins Land. Nun arbeiteten aber die beiden Gemeinden Klein-Eichen und Lardenbach gemeinsam an diesem Thema. Am 16. März 1910 trafen sich Vertreter der beiden Dörfer in Sellnrod mit dem Polizeidiener Heinrich Funk VIII. Die drei Partein schlossen einen Vertrag. Darin ging es um das Vorkaufsrecht für das Gelände auf dem Grundstück Flur XIII N 74 auf dem sich die Quelle "Im See" befindet. Falls hier eine ausreichende Wassermenge gefördert werden könnte, würde die gesamte Quelle nebst dem erforderlichen Gelände für die Quellfassung und Leitungen zu einem Preis von zwölfhundert Mark an die Gemeinden verkauft werden.

Ferner verpflichtete sich Heinrich Funk VIII den Zugang zu den Wasserleitungsanlagen jedem "Gast" zu gestatten und "die Vornahme von Düngungen in der Umgebung der Quellenfassung mit natürlichen oder anderen von der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen für schädlich erklärten Dünger, sowie die Vornahme sonstiger Handlungen die sich auf die Quelle oder die Anlagen ungünstig einwirken könnten, zu unterlassen".

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen verpflichteten sich andererseits, für den Fall, dass eine hinreichende Wassermenge nicht "geschürft" wird eine "Schürfungsentschädigung" von 50 Mark im Jahr zu bezahlen. Dies aber nur für die Dauer von drei Jahren. Das Gelände würde dann wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt.

Und so kam es auch. Die Wassermenge der Quelle im "See" oder am "Seeberg" reichte nicht aus. Auch ein weiterer Versuch Wasser aus einer Quelle "in den Seifen" in der Gemarkung Sellnrod zu erwerben, scheiterte an zu hohen Preisforderungen eben dieser Gemeinde. Im Jahre 1910 kaufte schließlich die Großherzogliche Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen das Quellengebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark. Diese Quellen befinden sich zwischen der Hahn- und der Schneidmühle. Die Hauptquelle, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den erfolgten Messungen alleine schon 80 Kubikmeter Wasser am Tag. Geplant war, mehrere Quellen zusammen zu fassen. Und es wurde die Möglichkeit erwogen, an andere Dörfer Wasser abzugeben. Im Dezember 1910 waren die Planungen in Gießen abgeschlossen worden.

In vielen Dörfern des Vogelsberg wurden in diesen Jahren Wasserleitungen gebaut. So veranstaltete man im Januar 1911 bereits in Weickartshain zur Einweihung der Wasserleitung eine "Tanzbelustigung" in der Wirtschaft Hock. Ebenfalls in Groß-Eichen rechnete man damit, in diesem Jahr den Bau der Wasserleitung vollenden zu können.

Im Sommer des Jahres 1911 waren auch die Arbeiten an der Wasserleitung für Klein-Eichen und Lardenbach in vollem Gange. Die ausführende Firma hieß Paul Nießen und kam aus Höhr im Rheinland. Die Rohrleitungen vom Brunnen bei Wohnfeld (unter Sellnrod verlaufend) und in den Dörfern war schon verlegt. Nun beschäftigte man sich mit den Hausanschlussleitungen. Da dieser Sommer sehr trocken war, ging alles gut vorran. Der Bau des Hochbehälters auf dem Galgenberg wurde bis zum August des Jahres abgeschlossen.

Die Quellfassung wurde von dem Unternehmen Peter Schepp aus Burkhardsfelden ausgeführt. Ursprünglich hoffte man schon in vier Meter tiefe auf den benötigten Kiesboden zu stoßen. Aber letztendlich musste man bis sieben Meter in die Tiefe graben. Vier Brunen wurden bis zum erreichen des Kiesbodens angelegt. Hier ergab sich dann aber auch eine erhöhte Fördermenge: anstatt 100 Kubikmeter pro Tag, ergaben sich 250 Kubikmeter Wasser pro Tag. Lardenbach und Klein-Eichen benötigten damals jedoch nur 45 Kubikmeter Wasser am Tag. Diese hohe Wassermenge beruhigte auch die beiden Müller in der Nachbarschaft. Hatten die doch Bedenken es bliebe nichts mehr für ihre Mühlen übrig.

Probleme machte dagenen zu dieser Zeit die neue Wasseranlage in Weickartshain. Alle Brunnen waren ausgetrocknet. Und so wurde ein Anschluss an die Leitung Klein-Eichen/Lardenbach gelegt. Im September 1911 wurde die Vollendung der Arbeiten zum Bau der Wasserleitung in Lardenbach und Klein-Eichen gemeldet. Vor Ort war man sehr erfreut, dass in diesem so trockenen Jahr, genügend und gutes Wasser vorhanden war.

Im Februar 1912 trafen sich die Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen in der Gastwirtschaft Diehl. Anwesend waren auch der Großherzogliche Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen. Man beriet die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen. Das Nachbardorf hatte zwar einige kleinere Quellen, aber die geförderte Wassermenge reichte nicht aus. Ob es nun damals zu diesem Anschluss kam, muss der Verfasser des Textes noch in Erfahrung bringen.

Fotos

 
24. Dezember 1911

Christmette

Wie seither jedes Jahr, so findet auch dieses Jahr am heiligen Abend abends 6 Uhr in der Lardenbacher Kirche eine Christmette statt, in welcher der hiesige Gesangverein und der Schülerchor mitwirken. Am Abend des 1. Feiertages, auch um 6 Uhr, wird an demselben Orte durch die hiesigen Schüler unter Leitung ihres Lehrers ein Weihnachtsfestspiel vorgetragen, bestehend aus Deklamationen und Gesängen.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Dezember 1911

Wasserleitung Bahnhof

Seit einigen Tagen (20. Dezember 1911) ist nun endlich die Eisenbahnstation Weickartshain-Seenbrücke, der es den ganzen Sommer hindurch an Trinkwasser mangelte, an die Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen angeschlossen worden, nachdem die Bahnbehörde die fraglichen 1000 Mark zu den Anlagekosten bewilligt hatte. Es hat viele Verhandlungen und Schreibereien gekostet, bis es dahin gekommen ist.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
09. Dezember 1911

Bekanntmachung

Die Auszahlung und Beischreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der Grünberger Bezirkssparkasse geschieht am Freitag, den 15. Dezember für die Orte Klein-Eichen und Lehnheim; nachmittags von 2-4 Uhr.

Die Zinsen, welche in den Monaten Dezember und Januar nicht erhoben werden, werden in den Sparkassenbüchern den Einlagenkapitalien verzinslich gutgeschrieben, auch wenn die Einlagebücher zum Beischreiben der Zinsen nicht zur Vorlage gelangen.

Bezirkssparkasse Grünberg

(Grünberger Anzeiger)

 
21. November 1911

Elektrizitätswerk Wölfersheim

Es dürfte interessieren, etwas über den Weitergang der großen Kulturanlage Elektrizitätswerk Wölfersheim zu hören. Die Gebäudearbeiten sind bereits vergeben, ebenso die Maschinen. Das Ausschreiben für die Leitungen liegt im Druck vor, es umfasst 52 Folioseiten. Die Angebote für die Leitungen (das sind: Haupttransformatorenstation in Wölfersheim und Uebergabestation bei Friedberg, Transformatorenstationen in den Landstätten und Landgemeinden, Fernleitungen, Ortsnetze samt Hausanschlüssen, Elektrizitätsmesser) sind bis zum 2. Dezember d. J., vormittags 11 Uhr, bei der Großh. Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen einzureichen.

Die Leitung ist in der Hauptsache im Laufe der Jahre 1912 und 1913 auszuführen und darf alleräußersten Falles bis 1914 hinausgeschoben werden. Mit den Arbeiten an den Leitungsanlagen und mit dem Bau der Transformatorengebäude wird in den ersten frostfreien Tagen des Frühjahrs 1912 begonnen. Zuerst wird das Kabel nach Friedberg angelegt, da der Bahnhof in Friedberg schon im Sommer 1912 mit Strom versorgt werden muß.

Die Stromerzeugung während des Sommers erfolgt provisorisch mit den auf der Grube vorhandenen Dampfmaschinen und dem vorhandenen Drehstromgenerator. Die Arbeiten an den Fernleitungs- und Transormatorenanlagen sollen in etwa sieben Bezirken gleichzeitig in Angriff genommen werden, um eine rasche Fertigstellung der Anlage herbeizuführen. Die Hauptleitungen sollen bis zum Herbst 1912 fertiggestellt sein.

 

Die ursprüngliche Absicht, zur Stromerzeugung an der Nidder bei Lißberg ein Stauwasserkraftwerk mit einer zusätzlichen Dampfkraftanlage zu errichten, wurde fallen gelassen. Der hessische Staat entschloss sich, auf der staatlichen Braunkohlegrube in Wölfersheim anstelle der defizitären Braunkohlepresssteinfabrik ein Kraftwerk zu errichten, das den Strombedarf der gesamten Provinz Oberhessen decken sollte. Am 12. Dezember 1912 war das Kraftwerk mit allen für die Aufnahme der Stromlieferung erforderlichen Einrichtungen fertig gestellt. Es sollte noch 10 Jahre dauern, bis der Strom im Seenbachtal ankam.

(Grünberger Anzeiger/"Die frühe Elektrotechnik in Grünberg" W. Hofheinz)

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14. November 1911

Milchwirtschaft

Ein Leserbrief aus Ruppertenrod wird dem Gießener Anzeiger zugesendet. Dieser wird auch in der Grünberger Zeitung veröffentlicht: "Vor allem möchte ich bemerken, dass durch die Dürre des Sommers und dadurch entstandenen Futtermangel, wozu noch die Maul- und Klauenseuche kommt, überall eine sehr große Milchknappheit ist. Dieses hat zur Folge, fass die städtischen Milchhändler in den entfernteren Gegenden die Milch für die paar Wintermonate aufkaufen, um die Kundschaft bedienen zu können.

Sobald es jedoch warm wird, ist ein solcher Milchversand ganz unausführbar (ohne Kühlanlage), denn die Milch würde dann meistens sauer an ihren Bestimmungsort ankommen. Gewiß können die Molkereien die Vollmilch nur nach Fettgehalt bezahlen, weil doch die Buttergewinnung dabei die Hauptsache ist, jedoch wurde im letzten Jahre der Liter Vollmilch mit 12 Pfg., der Topf also mit 24 Pfg. bezahlt (mithin 20 Pfg.).

Ferner hat der Einsender ganz die Vorteile unerwähnt gelassen, welche den Liferanten von den Molkereien gewährt wurden; z. B. wurde ihenen die Butter zum Vorzugspreis von 1,20 Mk. das Pfund abgegeben (sonstiger Preis 1,60 Mk.), dann wurde ihnen die Magermilch, welche zur Schweinemast sich ganz vorzüglich eignet, mit 3 Pfg. das Liter zurückgegeben, obwohl die Molkereien solche sonst mit 6 Pfg. verwerten konnten, so dass, wenn man die Vergünstigungen in Rechnung stellt, das Liter Vollmilch gut mit 15 Pfg. bezahlt wurde, da doch obige Vorteile bei Milchversand ganz wegfallen. Die Zukunft wird ja deshalb lehren, bei welcher Milchverwertung die Liferanten den meisten Vorteil haben.

(Grünberger Anzeiger)

 
19. Oktober 1911

Eifersucht

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 10. Oktober 1911 von einem Ereignis was vier Tage vorher, am 6. Oktober, in Klein-Eichen passiert war. Darüber befand sich das Dorf in großer Aufregung. Der Arbeiter Bepler drang mit einem Dolch auf seine Frau ein und wollte sie erstechen, da sie angeblich intime Beziehungen zu einem anderen Arbeiter habe. Mit Mühe gelang es, den Mann zu bändigen und auf die Bürgermeisterei in Gewahrsam zu bringen, wo ihn vier Männer bewachten.

Da die Angelegenheit nun 110 Jahre her ist, kann man vielleicht die Frage stellen, ob es sich bei dem Namen "Bepler" nicht doch um "Peppler" handelt. Jedenfalls kommt "Bepler" in keinem Verzeichnis vor. Otto Peppler wurde 1881 in Flensungen geboren und heiratete 1902 Anna Hofmann in Klein-Eichen. Die Bürgermeisterei befand sich seit Mai 1911 im Hause Hoffmann. Christian Hoffmann war zu Beginn des Jahres zum Bürgermeister gewählt worden.

(Grünberger Anzeiger)

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12. Oktober 1911

Viehmarkt

Da die wegen der Maul- und Klauenseuche verhängten Sperrmaßregeln aufgehoben wurden, ist auch die Genehmigung zur Abhaltung des Rindvieh- und Schweinemarktes gelegentlich des Gallusmarktes erfolgt. Es kann Vieh sowohl aus dem Kreise Gießen, wie auch aus den Kreisen Alsfeld und Schotten aufgetrieben werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Oktober 1911

Vom Erzbergbau

Der Grünberger Anzeiger berichtete vom Erzbergbau in der Region: Auf dem Bergwerk bei der Station Weickartshain wurde gestern (3. Oktober 1911) am Nachmittag einem jungen Bergmann aus Flensungen, als er einige Wagen an die Maschine koppeln wollte, von dieser ein Finger der rechten Hand glatt abgedrückt. Nach Anlegung eines Notverbandes mußte der Verunglückte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Dicht vorm Dorfe Lardenbach wird soeben ein neuer Bergbaubetrieb eröffnet. Von der Straße nsch Weickartshain aus wird auf der linken Seite ein Stollen eingetrieben. Die Erze werden später auf einer Drahtseilbahn, an welcher soeben eifrig gebaut wird, nach der Eisensteinwäsche (Luse) zwischen Ilsdorf und Groß-Eichen gebracht, dort gereinigt und dann wieder per Seilbahn nach Station Stockhausen gefahren und hier verladen.

(Grünberger Anzeiger)

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10. September 1911

Wasserleitungsarbeiten (Fortsetzung)

Die Wasserleitungsarbeiten in Klein-Eichen und Lardenbach sind ganz beendigt (10. September 1911) bis auf die Verbindung der Leitung mit der Quellkammer, was in den nächsten Tagen vorgenommen wird. Allerseits ist man sehr erfreut und befriedigt, dass man gutes und bei dieser anhaltenden Dürre auch reichlich Wasser hat.

Besonders die angeschlossenen Bewohner auf (Eisenbahn-) Station Weickartshain sind nun einer großen Sorge enthoben. Wie man hört, will sich auch die naheliegende Gemeinde Stockhausen, sowie der Stockhäuser Hof anschließen lassen.

Trotzdem auf der Station Weickartshain selbst schon seit über 8 Wochen die traurigen Zustände herrschen, indem der Bahnbrunnen ganz trocken steht, hat sich bis jetzt die Bahnbehörde noch nicht entschließen können, für ihre Station Anschluß an die Wasserleitung zu nehmen.

Sehr zu bedauern ist die Familie des dortigen Stationsbeamten, welche auf sehr umständliche Weise ihren Wasserbedarf von Station Stockhausen entnehmen muß. Man sollte sich höheren Orts doch einmal an die Stelle dieses Beamten versetzt denken. Wäre nicht einer der Bahnreisenden einmal so gütig, bei höchster Instanz anzufragen, ob solche Zustände von ihr gebilligt würden und warum es so lange dauern muß, einen tief empfundenen Mißstand endlich abzuhelfen?

(Grünberger Anzeiger)

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9. September 1911

Schweres Gewitter

Als gestern Abend (9. September 1911) ein Gewitter über das Seenbachtal zog, schlug der Blitz in das Wohnhaus des Bergmanns Karl Kauß ein, ohne glücklicherweise zu zünden. Der Blitzstrahl nahm seinen Weg an einer hohen Fichte herunter, die dicht am Wohnhause steht, folgte dann einem, dem Hause zuragenden dürren Aste, durchschlug die Lehmwand und verschwand dann in der Erde.

Der am Tische sitzende Eigentümer des Hauses wurde betäubt aus diesem herausgetragen, hat aber sonst keinen Schaden genommen. Bei dem vorletzten Gewitter schlug der Blitz in Lardenbach in einen in dem Hofe des Landwirts K. stehenden huhen Weidenbaum und zersplitterte diesen.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. August 1911

Wasser für den Bahnhof - Fortsetzung

Der Anschluß der Anwohner auf Station Weickartshain an die Wasserleitung Lardenbach/Klein-Eichen ist, bis auf die Unterführung der Bahnstrecke, wozu die Genehmigung noch aussteht, fast ganz vollendet. Es sind dort alle Hausbesitzer angeschlossen worden; nur hat bis jetzt (23. August 1911) die Eisenbahnbehörde für ihre Station noch keinen Anschluß begehrt.

Wie man hört, will dieser Behörde der ihr angesetzte Betrag von 1000 Mark zu hoch sein. Sie will nur 750 Mark dazu hergeben, obgleich früher verlautete, der erstgenannte Betrag wäre bewilligt worden; sonst würde ja die Weiterführung der Leitung von Lardenbach aus nach Weickartshain nicht so rasch vor sich gegangen sein, wie dies geschehen ist.

Zu bedauern ist wirklich, dass wegen der deringen Summe von 250 Mark diese günstige Gelegenheit, für die Station Weickartshain für immer gutes Wasser zu erlangen, verloren gegangen ist. Gerade diese Station ist so wasserbedürftig, - besonders bei dieser anhaltenden Trockenheit - wie wohl keine zweite mehr auf der ganzen Strecke. Steht doch schon wochenlang der Brunnen dorten, der auch sonst gerade kein gutes Wasser gibt, appetitlich ist es auch nicht wegen der Nähe der Abortanlage, trocken, und mußte man das nötige Wasser in Kübeln von Station Stockhausen herbeischaffen.

Da wohl durch Gemeinderatsbeschluß der etwaige Anschluß der Station Weickartshain sich noch schwieriger gestalten kann und vielleicht überhaupt nicht zustande kommt, so wird der dort wohnende Beamte wegen dieser Mißstände sehr bedauert.

(Grünberger Anzeiger)

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29. Juli 1911

Trockenheit am Bahnhof

Trostlose Zustände herrschen zur Zeit auf dem Bahnhof Weickartshain. Seit Eintritt der heißen Witterung sind nämlich fast alle Brunnen der dortigen Anwohner, auch derjenigen der Eisenbahn, ganz ausgetrocknet. Man sucht sich damit zu helfen, dass man in Kübeln Wasser von auswärts, besonders von der Haltestelle Stockhausen, herbeischafft. Diesem Mißstand könnte doch so leicht abgeholfen werden, wenn die Station Wickartshain mit ihren Anwohnern an die Wasserleitung Lardenbach Anschluss bekäme, da dort doch gutes Wasser im Überschuss vorhanden ist.

Dies war ja auch bisher vorgesehen, doch war die Genehmigung der Eisenbahnbehörde betr. ihres vorgesehenen Zuschusses zu den Baukosten bis heute noch nicht eingetroffen. Sehr erfreulich ist nun zu hören, dass die Anwohner von Station Weickartshain gestern Abend (28. Juli 1911) nunmehr vertraglich beschlossen haben, ohne die Einwilligung der Eisenbahn abzuwarten, das Trinkwasser von dem Wasserwerk Lardenbach/Klein-Eichen zu nehmen.

Mit dem diesbezüglichen Weiterbau von Lardenbach nach der Station Weickartshain wird nächsten Montag (31. Juli 1911) begonnen werden. Die Wasserleitungsarbeiten dahier (Lardenbach und Klein-Eichen) sind fast beendigt und die Hausanschlüsse alle fertiggestellt. Ebenso geht der Hochbehälter auf dem Galgenberg, sehr schön gelegen, morgen (Sonntag, 30. Juli 1911?) seiner Vollendung entgegen.

Die Quellfassung, die bisher etwas Schwierigkeiten machte, hofft man in allernächster Zeit beendigen zu können. Der Wasserreichtum der Quelle (bei Wohnfeld), über 250 Kubikmeter pro Tag, bei dieser trockenen Zeit ist uns eine sichere Bürgschaft, dass die Wasserleitung für die Zukunft nicht versagen wird, was man jetzt von verschiedenen anderen Leitungen hören muß.
Heute morgen (29. Juli 1911) ist nunmehr auch die Genehmigung eines Zuschusses von 1000 Mark seitens der Bahnbehörde eingetroffen.

(Grünberger Anzeiger)

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21. Juli 1911

Kreisackerbau- und Obstausstellung zu Schotten

Am 21. des Monats (Juli 1911) fand auf Veranlassung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen eine Besprechung über die Abhaltung einer Kreisackerbau- und Obstausstellung für den Kreis Schotten in der "Traube" zu Schotten statt.
Die Ausstellung soll in der Zeit vom 14. bis 15. Oktober in der Turnhalle zu Schotten unter der Voraussetzung abgehalten werden, dass nicht durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Ausstellungsgebiete ein Hinterniss eintritt.

Ausstellungsberechtigt sind alle beitragspflichtigen Landwirte und Mitglieder des Oberhess. Obstbauvereins aus folgenden Orten: Obstbaubezirk 1: Eichelsachsen, Eichelsdorf, Einhartshausen, Glashütten, Gonterskirchen, Laubach, Ober-Lais, Ober-Schmitten, Rainrod, Ruppertsburg, Steinberg, Stornfels, Ulfa, Wetterfeld, Wingershausen.

Obstbaubezirk 2: Betzenrod, Bobenhausen 2, Burkhards, Eschenrod, Hof-Zwiefalten, Freienseen, Gedern, Groß-Eichen, Höckersdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Schmitten, Schotten, Sellnrod, Solms-Ilsdorf, Unter-Seibertenrod, Wohnfeld.

Obstbaubezirk 3: Altenhain, Breungeshain, Busenborn, Feldkrücken, Götzen, Hartmannshain, Helpershain, Kaulstoß, Köddingen, Kölzenhain, Meiches, Michelbach, Ober-Seibertenrod, Rebgeshain, Rüdingshain, Sichenhausen, Stumpertenrod, Ulrichstein, Volkartshain.

Für die Veranstaltung wurde folgendes Programm zu Grunde gelegt: Mittwoch und Donnerstag vor der Ausstellung: Einlieferung der Ausstellungsgegenstände. Freitag: Einrichtung der Ausstellung; Samstag Vormittag: Prämierung, nachmittags 3 Uhr: Eröffnung der Ausstellung, Rundgänge unter fachkundiger Führung, solange die Ausstellung geöffnet ist. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Berichterstattung über die Ausstellung und Auszahlung der zuerkannten Preise; Montag vormittags von 8-11 Uhr: Abholung der Ausstellungsgegenstände.

Mit der Ausstellung soll ein Saatgutmarkt der Hessischen Saatbaustellen durch die Landwirtschaftskammer veranlasst werden. Die Prämierungsmittel für die Ackerbauausstellung betragen ca. 500 Mark und diejenigen für die Obstausstellung ca. 900 Mark. Außerdem ist zu erwarten, dass dieselben durch Stiftung von Ehrenpreisen noch verstärkt werden.

Die Anmeldebogen für die Ausstellung und die Ausstellungsbestimmungen sind in den einzelnen Orten durch die Vertrauensmänner der Landwirtschaftskammer erhältlich. Den Landwirten ist zu empfehlen, sich dieselben sofort geben zu lassen, damit sie bei der Einerntung ihrer Feldfrüchte auf die für die Ausstellung gestellten Forderungen Rücksicht nehmen können. Hoffentlich wird das Unternehmen durch reiche Beschickung und starken Besuch so gefördert, dass die Ausstellungsleitung mit Befriedigung auf dasselbe zurückblicken kann.

(Grünberger Anzeiger)

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15. Juli 1911

Gastfreundschaft

Im Vogelsberg ist noch eine natürliche wohltuende Gastfreundschaft bei den Landsleuten zu finden. Kam da erhitzt, durstig und hungrig ein Grüppchen Frankfurter Touristen in Stornfels (auf dem Berge legend) an; das nächste war also, sich im einzigen Gasthause gehörig zu erfrischen. Aber die Wirtsleute hatten bei der Heuernte viel zu tun, die Haustüre war zu.

Ein biederer Nachbar erkundigte sich nach dem Begehr der Touristen und als diese Dickmilch und Brot begehrten, meinte der Vogelsberger; das können sie bei mir auch haben, auch ist gerade frisch gebuttert, Das wars, was die Touristen wollten und sie taten bei vorgesetzten Schüsseln, Bauernbrot und Butter, als ob sie gaheim wären, zur Freude des Landmannes.

Nachher wollten sie bezahlen, aber da kamen sie an den Unrechten. Für Derartiges nahm der Bauer nichts, er hat ja alles selber, der hohe Besuch war ihm lieber als Geld. Trotzdem, die Frankfurter verließen mit Dankesworten und einer Einladung nach Frankfurt das gastliche Haus, sie hatten 2 Mark zurückgelassen.

Der Besuch in Frankfurt ist zwar noch nicht gemacht, aber man wird dem Gebirgler im Stillen ebenso zu schätzen wissen. Wenn man sich bei Festlichkeiten in einem Vogelsberger Dorfe befindet, wird man als Fremder stets da oder dort zum Kaffeetrinken eingeladen. Diese Einladung darf man, da ehrlich gemeint, stets annehmen, man verpflichtet sich zu nichts, aber die Bauersleute freuen sich. Nur spotte man nicht des Bauers und seiner Verhältnisse.

(Grünberger Anzeiger)

 
13. Juli 1911

Meldungen aus den Pfarreien

Aus der Pfarrei Groß-Eichen wird am 13. Juli 1911 gemeldet, dass schon am 17. April 1911 dem Landwirt Otto Hofmann zu Klein-Eichen und seiner Frau Elisabetha, geb. Rahn aus Bobenhausen, ihr Sohn Emil, geb. am 5. März 1911, getauft wurde. Emils jüngere Schwester, Erna, wird zwei Jahre später geboren und ist die Mutter von Elke Rühl.

Dem Landwirt Ernst Zimmer zu Klein-Eichen und seiner Frau Anna, geb. Tröller aus Weickartshain, wird am 11. Juni 1911 ihr Sohn Heinrich, geb. 18. Mai 1911, getauft. Heinrich wird Minna Philippi heiraten. Mit ihr hat er zwei Töchter: Christel und Doris.

In Klein-Eichen getraut wurden am 17. April 1911 der Bergmann Heinrich Graf zu Villingen und Luise Rahn, Tochter des verstorbenen Landwirts Christian Rahn und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Rausch aus Groß-Eichen. Luises jüngerer Bruder Karl wird aus zwei Ehen mal 16 Kinder zeugen.

In der Pfarrei Lardenbach wurde am 7. April 1911 dem Landwirt Wilhelm Mölcher 1r sein Sohn Wilhelm, geb. am 3. April 1911, getauft. Am 5. Juni 1911 getauft wurde dem Landwirt Heinrich Keller 7r seine Tochter Johanna, geb. am 13. Mai 1911. Dem Landwirt Otto Groß sein Sohn Ernst, geb. am 27. Mai 1911, wurde am 18. Juni 1911 getauft. Und am 25. Mai oder Juni 1911 wurde dem Fuhrmann Konrad Paul sein Sohn Karl, geb. am 21. Mai 1911 getauft.

Am 20. April 1911 in Lardenbach getraut wurde Bergmann Wilhelm Bernhard Schneidt zu Flensungen und Elise Knöß, Tochter des Fortswarts Heinrich Knöß zu Lardenbach. Am 18. Mai 1911 heirateten der Lehrer Karl Göbel in Hausen bei Butzbach und Auguste Lein, Tochter des Landwirts August Lein aus Lardenbach.

Beerdigt wurde am 10. April 1911 in Lardenbach Wilhelm Mölcher, Söhnchen des Landwirts Wilhelm Mölcher 1r. Er starb nur 5 Tage alt am 8. April 1911.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Juli 1911

Wasserleitungsbau

Unser Wasserleitungsbau, ausgeführt von der Firma Paul Rießen aus Höhr i. Rhld., hat bisher (1. Juli 1911), begünstigt vom trockenen Wetter, recht gute Fortschritte gemacht. Das Rohrnetz in Klein-Eichen und Lardenbach, sowie die Leitung bis zum Hochbehälter, der auf dem Gipfel des Galgenberges zu liegen kommt, und zur Quelle bei Wohnfeld ist fertiggestellt. Soeben ist man hier mit Anlegung der Hausleitungen beschäftigt.

Mit dem Aufbau des Hochbehälters wird in diesen Tagen begonnen werden. Man konnte nicht eher damit anfangen, bis der Rohrstrang durch Sellnrod gelegt war, und man dadurch das zum Bau nötige Wasser von der Quelle zur Baustelle führen konnte. Die Quellfassung, ausgeführt von dem Unternehmer Peter Schepp aus Burkhardsfelden, wurde bisher durch den sumpfigen Schlammboden sehr erschwert; man kam auch in der vorgesehenen Tiefe von 4 Metern noch nicht auf den erwünschten Kiesboden, der durch eine spätere Schürfung erst in einer Tiefe von 7 Metern festgestellt werden konnte.

Da eine Ausschachtung auf eine solche Tiefe aber sehr schwierig war und auch sehr kostspielig werden mußte, so wurden auf Anregung Großherzoglicher Kulturinspektion Gießen vier Brunnen bis zur Tiefe des Kiesbodens geschlagen, in denen sich das Wasser sammeln kann. Von hier aus wird es dann in die Quellkammer geleitet. Man hofft, in den nächsten Tagen den vierten und letzten Brunnen fertigstellen zu können, sodaß dann der Aufbau der Quellkammer in Angriff genommen werden kann.

Nach Erreichung des Kiesbodens hat sich die frühere Wassermenge von zirka 100 Kubikmeter pro Tag jetzt auf 250 Kubikmeter erhöht, sodaß zur Beruhigung der Müller noch ein großer Abfluß bleibt und auch noch anderweitig Wasser abgegeben werden kann. Die beiden genannten Orte benötigen nur etwa 45 Kubikmeter pro Tag. Die Anschließung der Station Weickartshain und des Eisensteinbergwerks daselbst steht ja in Aussicht, doch lässt die Genehmigung der Eisenbahnbehörde betr. ihres Anteils an der Bausumme noch immer auf sich warten.

Sehr bedauerlich wäre es, wenn die Eisenbahn wegen einer geringen Differenz an den Baukosten das ganze Projekt scheitern ließe, da es doch erwiesen ist, dass das Trinkwasser auf der Station Weickartshain sehr mangelhaft ist. Man hat auch außerdem in trockenen Sommern und bei Regenzeiten das Trinkwasser in Kübeln von Station Stockhausen schon herholen müssen. Wie dieses bei großer Hitze dann war, läßt sich leicht denken.

Auch wird sich jeder Mitreisende scheuen, auf genannter Station seinen Durts zu löschen, wenn er sieht, dass bei der Brunnenanlage in nächster Nähe auch die Abortanlage sich befindet. Hoffentlich erfüllt sich der Wunsch aller Anwohner auf der Station Weickartshain, auch Anschluß zu erhalten, recht bald, sonst müsste der Unternehmer die Arbeiter entlassen, und damit wäre die Ausführung in weite Ferne gerückt.

(Grünberger Anzeiger)

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13. Juni 1911

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger veröffentlichte am 4. Juli 1911, dass der Klein-Eichener Gemeinderat in seiner Sitzung am 13. Juni 1911 August Zimmer zu Klein-Eichen zum Feldgeschworenen für die Gemarkung Klein-Eichen ernannt und verpflichtet hat.
August Zimmer wurde 1878 in Klein-Eichen geboren. Den landwirtschaftlichen Hof in der Sellnröder Straße bewirtschaftete er mit seiner Ehefrau Elisabetha, geb. Felsing. Die beiden hatten zwei Kinder: Hermann und Anna. Der Sohn starb 1918 in Frankreich. Die Tochter heiratete 1925 Heinrich Frank aus Ehringshausen.

Feldgeschworene werden gebraucht, um den richtigen und unveränderten Standpunkt eines Grenzsteins bestimmen zu können. Zu den Aufgaben der Feldgeschworenen gehörten stets Flurgänge zur Überprüfung der Grenzsteine.

(Grünberger Anzeiger)

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07. Mai 1911

Blumentag

In schöner und würdiger Weise verlief der gestrige (7. Mai 1911) Blumentag. Das Ortskomitee, an der Spitze Herr Lehrer Schmidt, hatte die Sache in schöner Weise arrangiert. Am Tage gingen 10 Mädchen, in Weiß gekleidet und mit blumengeschmückten Körbchen versehen, in Lardenbach, Klein-Eichen und Stockhäuser Hof umher und boten ihre Blümchen, Ansichtspostkarten und Blumenzeitungen den Leuten an. In kurzer Zeit hatten die Mädchen alles ausverkauft. Am Abend fand dann noch im Diehl'schen Saale ein stark besuchter bunter Abend statt.

Die hiesigen Schulmädchen hatten mittags noch rasch Sträuschen aus lebenden Gänseblümchen hergestellt, damit man doch noch etwas zum Verkaufe anbieten konnte; auch diese Sträußchen gingen gut ab. Herr Lehrer Schmidt hielt einen Vortrag, der die Anwesenden über Zweck und Ziel der Säuglingsfürsorge aufklären sollte. Er schloß mit einem Hoch auf die Protektorin der ganzen Sache, auf unsere erhabene Landesfürstin, die Großherzogin.

Gesänge der Schüler wechselten dann noch mit denen des gemischten Chores. Auch wurde das der Blumenzeitung beigelegte Liedchen recht schön vorgetragen. Die Jugend huldigte noch längerer Zeit dem Tanzvergnügen.

(Grünberger Anzeiger)

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06. Mai 1911

Neuer Bürgermeister

Nach den Wahlen im Januar ist der Großh. Bürgermeister Christian Hoffmann zu Klein-Eichen verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden.
Die erste Gemeinderatssitzung mit Christian Hoffmann als Bürgermeister fand am 22. April statt.

(Grünberger Anzeiger)

 
10. März 1911

Reichstagsersatzwahl 1911

Von 1867 bis 1912 war das Wahlrecht allein der männlichen Bevölkerung des Norddeutschen Bundes bzw. des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren.

Ersatzwahlen sind nur für den Rest der Wahlzeit eines Mitgliedes oder stellvertretenden Mitgliedes vorzunehmen. Die Reichstagsersatzwahl am 10. März 1911 im Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda hatte folgendes Ergebnis: Oberlehrer Dr. Werner 8184, Kontrollör Beckmann 7733, Pfarrer Korell 5060 und Professor Gisevius 2569 Stimmen.

Es war also zwischen Dr. Werner und Kontrollör Beckmann eine Stichwahl (eine Woche später) erforderlich. Diese Nachwahl gewann Dr. Werner (Deutschsoziale Partei, DSP, auch: Deutschsoziale Antisemitische Partei) und er zog für den Wahlkreis Gießen in den Reichstag ein.

Auch in Klein-Eichen konnte Ferdinand Werner in der Hauptwahl 24 Stimmen für sich verbuchen. Gisevius erhielt 6 Stimmen. Eine Stimme ging an Korell. Keine Stimme erhielt Beckmann. In der Stichwahl konnte Dr. Werner 40 Stimmen verbuchen, Beckmann dagegen keine. Der Wahlkampf für Gisevius und Korell vor einigen Tagen im Dorf hatte diesen beiden Bewerbern also nichts gebracht.

(Grünberger Anzeiger/wiki)

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06. März 1911

Wahlkampf zur Reichstagswahl

Am Samstag (4. März 1911) hielt ein Vertreter der fortschrittlichen Volkspartei in der Krieger'schen Wirtschaft in Klein-Eichen einen Vortrag, worin er unter anderem besonders das Verhalten des Bundes der Landwirte in der Frage der letzten Steuerreform kennzeichnete und zum Schlusse mit warmen Worten seinen Kandidaten, Herrn Pfarrer Korell, zur Wahl am 10. März empfahl.

Gestern Abend (6. März 1911) nun fand in derselben Wirtschaft auch eine nationalliberale Wahlversammlung statt. Zuerst sprach Herr Riedel über die Aufgaben der nationalliberalen Partei in zukünftigen Reichstag. Danach stellte sich Herr Prof. Dr. Gisevius aus Gießen als Kandidat vor und sprach noch kurz über den Schutzzoll, der für Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung so wichtig sei.

Die Redner an beiden Abenden sprachen sehr ruhig und sachlich und nicht verletzend gegenüber anderen Parteien. Es fehlte ihnen deshalb nicht an Beifall. Leider waren die Versammlungen nur mäßig besucht.

(Die Fortschrittliche Volkspartei (FVP) war eine linksliberale und bürgerlich-demokratische Partei im Deutschen Kaiserreich.

Die Nationalliberale Partei (NLP) war eine liberale Partei während des Norddeutschen Bunds und Deutschen Kaiserreich.)

(Grünberger Anzeiger/wiki)

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03. März 1911

Elektrizitätswerk Oberhessen

In seiner gestrigen (03. März 1911) Sitzung hat der Provinzialausschuß eine von der Provinzialdirektion ausgearbeitete Vorlage genehmigt, nach der die Provinz aus einem vom Staat in Wölfersheim zu erbauenden Kraftwerk elektrische Energie beziehen wird und damit ungefähr die Hälfte der Provinz Oberhessen mit Licht und Kraft versehen kann. Über die Vorlage wird der Provinzialtag in seiner für den 27. März in Aussicht genommenen Sitzung zu befinden haben.

In nördlicher Richtung.reicht das Versorgungsgebiet bis Lich, Grünberg und Laubach einschließlich, in westlicher und südlicher Richtung sind seine Grenzen die Landesgrenzen, in östlicher Richtung ist es begrenzt durch den Kamm des hohen Vogelsbergs.

Mit Ausführung des Projekts wird für den Fall seiner Genehmigung durch die berufenen Faktoren alsbald nach dem 1. April d. J. begonnen werden. Die auf Errichtung eines Provinzial-Elejtrizitätswerks gesetzten Hoffnungen werden hiernach demnächst aller Voraussetzung nach in Erfüllung gehen.

(1913 ließ die großherzoglich hessische Regierung in Wölfersheim das erste Kraftwerk im Großherzogtum Hessen-Darmstadt errichten. Dieses Kraftwerk mit der für spätere Verhältnisse bescheidenen Leistung von nur 2,6 Megawatt war die Keimzelle des Überlandwerks Oberhessen, der heutigen OVAG. Zur Versorgung des Kraftwerkes wurden in Wölfersheim und Umgebung mehrere untertägige Gruben aufgeschlossen.)

(Grünberger Anzeiger/wiki)

 
27. Februar 1911

Familienabend

DAm 27. Februar 1911 hielt der hiesige Kirchengesangverein einen Familienabend im Dieh'schen Saale ab, wobei Herr Pfarrer Jung von Ober-Ohmen einen Lichtbildervortrag aus dem Gebiete der inneren Mission hielt. Herr Lehrer Schmidt von der Volksschule Lardenbach/Klein-Eichen hatte die Verlesung der für die einzelnen Bilder entsprechenden Texte übernommen.

Die Pausen wurden durch passende Chöre des Kirchengesangvereins und durch zweistimmige Lieder der Schüler ausgefüllt. Am Schlusse dankte Herr Lehrer Schmidt im Namen des Vereins und der ganzen Gemeinde dem Vortragenden für seine gehabte Mühe.

Letzterer erstattete dann seinerseits wieder seinen Dank Herrn Schmidt für den schönen Vortrag der die Bilder begleitende Worte, dem Verein und den Schülern für die schönen, die Feier sehr verherrlichenden Gesänge und den Zuhörern für den zahlreichen Besuch. Der Saal war nämlich bis zum letzten Platz gefüllt.

Man blieb nach dem Vortrag noch einige Zeit in gemütlicher Weise beisammen, und noch manches Chorlied durchbrauste den Saal. Man hat die Absicht, öfters solche Familienabende zu veranstalten.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Februar 1911

Wasser in Groß-Eichen

Bis im Nachsommer dieses Jahres wird auch Groß-Eichen die Wohltaten einer Wasserleitung empfinden können, denn bis dahin soll die mit Sellnrod gemeinschaftlich zu bauende Anlage fertig sein. Die Quellen, die das Werk speisen sollen, liegen bei Wohnfeld.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Februar 1911

Jagdverpachtung

Am Dienstag den 7. Februar l. J., nachmittags 2 Uhr soll die Lardenbacher Gemeindejagd in der Diehl'schen Wirtschaft auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Lardenbach, am 17. Januar 1911.

Heute wurde in Lardenbach in der Diehl'schen Gastwirtschaft die hiesige Gemeindejagd auf die Dauer von sechs Jahren meistbietend verpachtet. Höchstbietender blieb Herr Heinrich Horst aus Bobenhausen 2 mit 235 Mark. Der seitherige Erlös war 105 Mark; also ein ganz schöner Mehrbetrag.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Januar 1911

Bürgermeisterwahl

Am 25. Januar 1911 fand in Klein-Eichen die Bürgermeisterwahl statt, bei welcher der seitherige Bürgermeister Müller mit 3 Stimmen Minderheit seinem Gegenkandidaten Christian Hoffmann unterlag. Ersterer erhielt 15 und letzterer 18 Stimmen. Die Zahl der Stimmberechtigten war 41 (nur Männer durften wählen). Möge die Wirksamkeit des Neugewählten für unsere Gemeinde eine segensreiche sein. (Bürgermeister der Landgemeinden wurden unmittelbar von den wahlberechtigten Gemeindebürgern gewählt.)

(Grünberger Anzeiger)

 
13. Januar 1911

Vortrag über Obstbau

Am Freitag, 13. Januar 1911, hielt am Abend in der Kriegerschen Wirtschaft in Klein-Eichen Herr Obstbaulehrer Koch von Alsfeld einen lehrreichen, ziemlich gut besuchten Vortrag aus dem Gebiet des Obstbaues. Der Redner betonte unter anderem sehr, dass es neben den allgemeinen, gewöhnlichen Arbeiten an den jungen Bäumchen doch ganz besonderes auf die gute Behandlung und Düngung des Bodens vor und nach der Einpflanzung des jungen Stämmchens ankomme, um einen guten Baum und eine gute, befriedigende Ernte an Früchten zu erhalten.

Auch empfahl er sehr, wenn trotz aller dieser Arbeiten der Erfolg ausbleibe, den Baum mit einer anderen, passenden Sorte umzupfropfen. Nach Schluß des Vortrags fand eine Verlosung von 4 Äpfel- und 3 Blutnutzstämmchen unter die Mitglieder des Obstbauvereins statt. Einige Zuhörer traten auch der hiesigen Ortsgruppe des genannten Vereins bei. Trotz des ziemlich hohen Schnee's dahier fand heute Morgen doch eine Besichtigung einiger neuer Baumanlagen statt.

(Grünberger Anzeiger)

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10. Januar 1911

Bevölkerung Hessens

Die Bevölkerung Hessens zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Großherzoglichen Zentralstelle für die Landesstatistik nach der letzten Volkszählung 1282109 Personen gegen 1209175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72934 oder 5,7 Prozent gegen 90196 oder 8,1 Prozent im vorhergehenden Jahrfünft und 80870 oder 7,8 Prozent von 1895 auf 1900.

Am stärksten sind die beiden industriellen Kreise Offenbach und Groß-Gerau gewachsen. Am geringsten war die Zunahme in Rheinhessen, besonders in den Kreisen Oberoppenheim, Alzey und Bingen, was wohl auf die schlechten Weinjahre zurückzuführen ist.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

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